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35. Jahrgang Heft 12 Dezember 2017

Editorial
Univ.-Prof. Dr. med. Elke Roeb, Gießen


Übersicht
Monika Rau und Andreas Geier, Würzburg
Entwicklung der medikamentösen Therapie

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) umfasst verschiedene Krankheitsentitäten auf dem Boden einer Lebersteatose, das heißt einer vermehrten Lipidakkumulation > 5 % der Hepatozyten. Die nicht-alkoholische Fettleber (NAFL) wird von der nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH) unterschieden. Die aktuelle Therapie der NAFLD besteht in der Gewichtsreduktion sowie der Einstellung und Therapie der metabolischen Risikofaktoren. Eine medikamentöse Therapie ist in Deutschland derzeit nicht zugelassen, jedoch sind verschiedene Substanzen in der Entwicklung. Dabei stehen verschiedene pathophysiologische Angriffspunkte wie GLP1-Analoga, FXR- oder PPAR-Agonisten und antientzündliche/antifibrotische Substanzen zur Verfügung. Die Obeticholsäure (FXR-Agonist), Elafibranor (PPAR-α/δ-Agonist), Cenicriviroc (CCR2/CCR5-Inhibitor) sowie Selonsertib als ASK1-Inhibitor sind in der Entwicklung am weitesten vorangeschritten und werden in Phase-III-Studien derzeit getestet. Bis zur Einführung dieser Substanzen wird noch einige Zeit vergehen und es bleibt bis dahin die Frage zu klären, welche Patienten zukünftig therapiert werden sollen.

Arzneimitteltherapie 2017;35:479–84.

Non-alcoholic fatty liver disease

Development of new therapeutic approaches for the treatment of NAFLD

Non-alcoholic fatty liver disease defines different disease entities with liver steatosis and lipid accumulation in > 5 % of hepatocytes. Non-alcoholic fatty liver (NALF) is distinguished from non-alcoholic steatohepatitis (NASH). The current therapeutic approach of NAFLD/NASH patients is the recommendation of weight loss and the identification and treatment of metabolic risk factors including hypertension, diabetes and dyslipidemia. There is no approved drug treatment for NAFLD patients in Germany. Various substances are currently under development and act on different pathophysiological target points such as GLP-1 analoga, FXR- or PPAR-agonists and anti-inflammatory/antifibrotic molecules to treat NASH. There are four ongoing phase III trials to treat NASH patients with the following drugs: obeticholic acid (FXR agonist), elafibranor (PPAR α/δ agonist), cenicriviroc (CCR2/CCR5 inhibitor) and selonsertib (ASK1 inhibitor). It will take some time to have access to the results of these phase III studies. In the remaining time focus should be put on the identification of patients needing drug therapy in future.

Key words: NAFLD, NASH, new drugs, development.



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Hans-Peter Lipp, Tübingen
Klinisch-pharmakologische Eigenschaften, Studienlage und Wechselwirkungen im Überblick

Mit Rolapitant steht inzwischen der dritte Vertreter der selektiv wirksamen Neurokinin-1(NK1)-Antagonisten für die Kontrolle der Chemotherapie-induzierten Nausea und Emesis (CINV) zur Verfügung. Phase-III-Studienergebnisse belegten die klinische Effektivität des weiterentwickelten NK1-Antagonisten im Rahmen der Prävention verzögert auftretender Episoden bei moderat und hoch emetogener Chemotherapie. Im Vergleich zu Aprepitant und Netupitant weist Rolapitant die längste Eliminationshalbwertszeit auf, sodass selbst eine Einmalgabe vor einem mehrtägigen Chemotherapie-Zyklus einen ausreichenden supportiven Schutz bietet. Im Gegensatz zu den anderen Vertretern erfolgt durch Rolapitant keine Beeinträchtigung des Glucocorticoid-Stoffwechsels beziehungsweise keine moderate CYP3A-Inhibition. Seine moderate CYP2D6-hemmende Wirkung dürfte nur dann von klinischer Relevanz sein, wenn ein entsprechendes Substrat eine geringe therapeutische Breite aufweist und ausschließlich über dieses CYP-Isoenzym abgebaut wird.

Arzneimitteltherapie 2017;35:485–92.

Rolapitant – a further developed neurokinin-1-receptor antagonist. An overview to clinical-pharmacokinetic characteristics, study results as well as potential drug interactions

Rolapitant represents the third congener of the selectively acting neurokinin-1-antagonists available to control chemotherapy (CTX)-induced nausea and vomiting (CINV). Phase-III-study results have confirmed the clinical effectiveness of Rolapitant for the prevention of delayed CINV episodes irrespective whether highly (HEC) or moderately emetogenic agents (MEC) had been used. In comparison with Aprepitant or Netupitant the elimination half-life of Rolapitant is much longer which allows an oral intake once before the first CTX infusion, even in case of a treatment regimen over several consecutive days. In contrast to Aprepitant and Netupitant, no impact on Cyp3A-mediated metabolism including glucocorticoids has to be expected with Rolapitant, whereas its moderate Cyp2D6 inhibitory effects may be only clinically relevant in case of a coadministered narrow therapeutic index drug which is exclusively inactivated via Cyp2D6 isozyme.

Key words: Rolapitant, study results, clinical pharmacokinetics, potential drug interactions

Zu diesem Artikel existiert Zusatzmaterial



Klinische Studie
Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten
Bictegravir als neue, initiale Therapie?

Reverse-Transkriptase-Inhibitoren werden in Kombination mit Integrase-Inhibitoren zur initialen HIV-Therapie eingesetzt. Neu ist der Integrase-Inhibitor Bictegravir, den zwei Studien jetzt auf Wirksamkeit und Sicherheit testeten.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Evolocumab und kognitive Funktionen: die EBBINGHAUS-Studie

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer randomisierten Studie mit Patienten mit arteriosklerotischen Erkrankungen und erhöhtem LDL-Cholesterol gab es zwischen der Therapiegruppe, die Evolocumab erhielt, und Placebo keinen Unterschied in den kognitiven Funktionen gemessen über einen Zeitraum von 19 Monaten.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Tenecteplase versus Alteplase: die NOR-TEST-Studie

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer großen randomisierten Studie in Norwegen zeigte sich kein Unterschied in der therapeutischen Wirkung von Tenecteplase und Alteplase bei Patienten mit akutem ischämischem Insult, die im Zeitfenster von 4,5 Stunden behandelt wurden.



Referiert & Kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
Blockade von Interleukin 6

Mit Sarilumab wurde im Juni der zweite Interleukin-6-Hemmer zugelassen. Das Therapieprinzip stellt eine vielversprechende Alternative zur Blockade von Tumornekrosefaktor alpha dar. Studienergebnisse aus Grundlagenforschung und Zulassungsstudien wurden auf dem Jahreskongress 2017 der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) vorgestellt. Das Symposium wurde von Sanofi Genzyme veranstaltet.



Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
Therapieabbau bei anhaltender Remission möglich

Immer mehr Patienten mit rheumatoider Arthritis erreichen eine anhaltende Remission. Daher stellt sich zunehmend die Frage nach der Beendigung der medikamentösen Therapie. Auch wenn ein kompletter Stopp der Medikamente in der Regel nicht zu empfehlen ist, kann Zahl und Dosis oft reduziert werden. Die zugehörigen Studienergebnisse wurden auf dem Jahreskongress 2017 der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) diskutiert.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Durvalumab verlängert progressionsfreies Überleben

Der PD-L1-Hemmer Durvalumab verlängert das progressionsfreie Überleben (PFS) von Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht resezierbarem Lungenkrebs im Stadium III signifikant um 11,2 Monate von 5,6 Monaten unter Placebo auf 16,8 Monate. Damit wird das relative Risiko für Progression oder Tod um 48 % durch den PD-L1-Inhibitor gesenkt. Dies ergab eine Zwischenanalyse der Phase-III-Studie PACIFIC, die im Präsidentensymposium beim ESMO-2017-Kongress in Madrid vorgestellt [1] und parallel im New England Journal of Medicine publiziert wurde [2].



Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
BRAF-Inhibitoren in speziellen Therapiesituationen

BRAF-Inhibitoren stellen eine wichtige Therapieoption bei onkologischen Patienten mit entsprechendem Mutationsstatus dar. Auch wenn die Analyse zunächst keine Veränderung des BRAF-Gens anzeigt, liegen eventuell Klone mit entsprechender Mutation vor, die effektiv mit BRAF-Inhibitoren behandelt werden könnten. Eine weitere spezielle Situation sind Therapiepausen: Auch nach einem Progress unter BAF-Inhibition und einer alternativen Therapie kann eine erneute BRAF-Hemmung eine effektive Option sein.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Obinutuzumab für die Erstlinientherapie zugelassen

Die EU-Kommission hat im September 2017 die Zulassung des glykomodifizierten Typ-II-Anti-CD20-Antikörpers Obinutuzumab (Gazyvaro®, Roche) erweitert, er kann nun auch für die Erstlinienbehandlung von Patienten mit follikulärem Lymphom eingesetzt werden. Die Zulassung beruht auf den Ergebnissen der Phase-III-Studie GALLIUM, wie bei einer Pressekonferenz der Roche Pharma AG am 21. September 2017 in Frankfurt berichtet wurde.



Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
Zweitlinientherapie mit Regorafenib

Seit September ist der Kinaseinhibitor Regorafenib als systemische Zweitlinientherapie beim hepatozellulären Karzinom zugelassen. In der Phase-III-Studie führte der Wirkstoff zu einem signifikant verlängerten Gesamtüberleben gegenüber Placebo. Allerdings muss das Arzneimittel importiert werden. Die Daten wurden im September auf einer Pressekonferenz der Firma Bayer vorgestellt.



Dr. Beate Grübler, Hannover
Eiseninfusionen bessern die Symptomatik und steigern die Leistungsfähigkeit

Etwa jeder zweite Patient mit chronischer Herzinsuffizienz hat einen Eisenmangel, der die körperliche Leistungsfähigkeit weiter reduziert. Eine Substitution mit Eisencarboxymaltose lindert die Symptomatik bei systolischer Herzinsuffizienz, verringert die Notwendigkeit stationärer Aufnahmen und verbessert die Belastbarkeit.



Andrea Warpakowski, Itzstedt
Erstes Proteaseinhibitor-basiertes Single-Tablet-Regime zugelassen

Seit September 2017 kann erstmals eine gesamte HIV-Therapie in einer Tablette (Single-Tablet-Regime) eingesetzt werden, die einen Proteaseinhibitor enthält: Der Proteaseinhibitor Darunavir in Kombination mit dem Booster Cobicistat und den beiden nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren Emtricitabin und Tenofovir-Alafenamid 800 mg/150 mg/200 mg/10 mg (Symtuza®) ist zugelassen zur Behandlung von HIV-1-infizierten Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren und mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Rifaximin wirkt bei vielen gastroenterologischen und hepatologischen Erkrankungen

Bei vielen gastroenterologischen und hepatologischen Krankheitsbildern insbesondere der hepatischen Enzephalopathie entfaltet die Modulation des Mikrobioms mit dem topisch wirksamen Antibiotikum Rifaximin eine günstige Wirkung, so das Fazit eines von der Firma Norgine im Rahmen des Kongresses Viszeralmedizin 2017 veranstalteten Fachpressegesprächs.



Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Effektive Eisensubstitution bei CED-Patienten

Seit Oktober 2016 ist in Deutschland das orale Eisenpräparat Eisen(III)-Maltol (Feraccru®) zur Behandlung der Eisenmangelanämie bei erwachsenen Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) verfügbar. Es kann in der Erstlinienbehandlung sowie als Alternative für Patienten eingesetzt werden, die eine Behandlung mit oralem zweiwertigem Eisen nicht vertragen oder bei denen sie nicht effektiv genug ist.



Andrea Warpakowski, Itzstedt
Symptome managen und Spätkomplikationen vermeiden

Eine regelmäßige Kontrolle des Therapieverlaufs der primär biliären Cholangitis (PBC) ist nötig, um rechtzeitig ein Nichtansprechen und damit das Risiko für Symptomverschlechterung und Spätkomplikationen zu vermeiden. Sprechen Patienten mit einer PBC auf die Standardtherapie mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) nicht an, wird eine Therapie mit Obeticholsäure (OCA) empfohlen.



Christine Vetter, Köln
Regelmäßig die Therapiezufriedenheit erfragen

Die Behandlungsmöglichkeiten der multiplen Sklerose (MS) haben sich in jüngster Zeit erheblich erweitert. Dadurch kann die Therapie besser als früher an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Dazu gehört auch, dass die sogenannten „verborgenen Symptome“ der MS wie Fatigue und/oder kognitive Einbußen mit berücksichtigt werden, wie bei einem von Sanofi Genzyme organisierten Symposium im Rahmen des 90. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie berichtet wurde.