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36. Jahrgang Heft 1/2 Januar/Februar 2018

Editorial
Dr. rer. nat. Maja M. Christ, Stuttgart


Übersicht
Stephan Miehlke, Hamburg
Neue Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie

Die Helicobacter-pylori-Infektion gilt weltweit als eine der häufigsten Infektionen des Menschen. Die Infektion führt obligat zu einer chronisch-aktiven Typ-B-Gastritis, in deren Folge relevante Erkrankungen wie die gastroduodenale Ulkuskrankheit oder Malignome des Magens entstehen können. Für die Diagnostik der H.-pylori-Infektion stehen nichtinvasive und invasive Verfahren zur Verfügung. Aufgrund weltweit zunehmender Antibiotikaresistenzen werden zur effektiven Behandlung der H.-pylori-Infektion vermehrt Vierfachtherapien eingesetzt. Neue Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der H.-pylori-Infektion wurden 2016 in den aktualisierten deutschen und europäischen Leitlinien formuliert.

Arzneimitteltherapie 2018;36:2–6.

New recommendations for diagnosis and treatment of Helicobacter pylori infection

Helicobacter pylori infection is regarded as one of the most common human infections worldwide. The infection with H. pylori always leads to a chronic active gastritis which is associated with long-term sequelae such as gastroduodenal ulcer disease or gastric malignancies. For diagnosis of H. pylori infection non-invasive tests and invasive tests are available. Due to increasing prevalence of antibiotic resistances quadruple therapies are increasingly used to ensure for effective treatment. In 2016, updated recommendations for diagnosis and treatment of H. pylori infection have been published in the German and European guidelines.

Key words: Helicobacter pylori, gastritis, diagnosis, treatment



Brigitte Hübner, Halle

Seit vielen Jahren setzt man Liposomen als Arzneistoffträger in der Onkologie erfolgreich ein. Die liposomale Verkapselung modifiziert die Pharmakokinetik und das Sicherheitsprofil. Im Folgenden wird das Potenzial der neuartigen Irinotecan-Formulierungen Onivyde® und Onzeald® vorgestellt. Ferner soll ein Überblick über die am Markt befindlichen onkologischen Liposomen-Präparate vermittelt und das Potenzial unter pharmakoökonomischen Aspekten bewertet werden.

Arzneimitteltherapie 2018;36:8–13.

Liposomal excipients in oncology

Liposomes have been successfully used as trojan horses in oncology since many years. Liposome encapsulation can modify pharmacokinetics and safety profile. The potential of innovative irinotecan derivates Onivyde® und Onzeald® is elucidated. Furthermore, an overview on liposomal products in oncology is given and the potential is evaluated under pharmacoeconomic aspects.

Key words: irinotecan, etirinotecan pegol, liposome encapsulation, pharmacoeconomic evaluation



Klinische Studie
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Behandlung mit Neuroleptikum-Benzodiazepin-Kombination

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer kleinen randomisierten Studie mit Patienten im Finalstadium ihrer Krebserkrankung mit agitiertem Delir war die Kombination des Benzodiazepins Lorazepam mit dem Neuroleptikum Haloperidol besser wirksam als eine Haloperidol-Monotherapie.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Verträglichkeit und Wirksamkeit des CGRP-Rezeptor-Antikörpers Erenumab

 Mit einem Kommentar des Autors

Eine offene Langzeitstudie mit Erenumab bei Patienten mit episodischer Migräne zeigt eine langanhaltende gute Wirkung bei einem hervorragenden Verträglichkeitsprofil.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Orale Antikoagulation reduziert das Risiko einer Demenz

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer großen Registerstudie in Schweden zeigt sich, dass Patienten mit Vorhofflimmern, die oral antikoaguliert werden, ein geringeres Risiko haben eine Demenz zu entwickeln als Patienten, die nicht antikoaguliert werden.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Patientenedukation erhöht die Rate einer Antikoagulation und reduziert das Schlaganfallrisiko

 Mit einem Kommentar des Autors

Patientenschulung und Feedback über Medikamenteneinnahme erhöhen signifikant den Prozentsatz der Patienten mit Vorhofflimmern, die eine orale Antikoagulation durchführen. Dies führt auch zu einer signifikanten Reduktion von Schlaganfällen.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Prognose unter Antikoagulanzien: NOAKs versus Vitamin K-Antagonisten

 Mit einem Kommentar des Autors

Patienten mit Vorhofflimmern, die unter Antikoagulanzien eine intrazerebrale Blutung erleiden, haben ein geringeres Blutungsvolumen, weniger neurologische Ausfälle und eine bessere Prognose, wenn sie mit NOAKs statt Vitamin-K-Antagonisten behandelt wurden.



Referiert & Kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Stefan Fischer, Stuttgart
Herausforderungen im Therapiemanagement

In der medikamentösen Therapie der CLL sind in den letzten Jahren zahlreiche neue Optionen dazugekommen. Nicht nur die Therapie selbst, sondern auch das Management der Nebenwirkungen wurde dadurch komplexer. Im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) wurden die wichtigsten Punkte vorgestellt. Das Symposium wurde von der Firma Janssen Oncology veranstaltet.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Adjuvante Therapie mit Nivolumab besser als Ipilimumab

Für Patienten mit Melanomen im Stadium III/IV, die nach der Operation ein hohes Risiko für einen Rückfall haben, ist eine adjuvante Therapie mit Nivolumab besser als der bisherige Standard Ipilimumab. Das zeigten die Ergebnisse der CheckMate-238-Studie, die im September 2017 als Late-breaking-Abstract während des europäischen Krebskongresses (ESMO) in Madrid vorgestellt und gleichzeitig im New England Journal of Medicine (NEJM) publiziert wurden. Der PD-1-Antikörper Nivolumab (PD-1: programmed cell death protein 1) führte zu einem längeren rückfallfreien Überleben und weniger Nebenwirkungen als Ipilimumab.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Längeres progressionsfreies Überleben mit Ramucirumab

Ramucirumab plus Docetaxel führt bei Patienten mit fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinomen, die nach einer Platin-haltigen Chemotherapie progredient geworden sind, zu einem längeren progressionsfreien Überleben als Docetaxel allein. Das konnte in der Phase-III-Studie RANGE gezeigt werden, die im September 2017 während des europäischen Krebskongresses (ESMO) vorgestellt und gleichzeitig in The Lancet publiziert wurde.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Länger krankheitsfrei überleben durch adjuvante Neratinib-Therapie

Im Vergleich zu Placebo verlängert eine Neratinib-Therapie für Patientinnen mit HER2+ Brustkrebs, die zuvor ein Jahr lang mit Trastuzumab adjuvant behandelt wurden, signifikant das krankheitsfreie Überleben ohne eine Invasion (iDFS). Das zeigte die 5-Jahres-Analyse der ExteNET-Studie, die im September während des Jahreskongresses 2017 der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Madrid präsentiert wurde.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitor verbessert progressionsfreies Überleben

Frauen mit Platin-sensitiven Ovarialkarzinomen überleben länger progressionsfrei, wenn sie nach einem Ansprechen auf eine Platin-haltige Chemotherapie eine Erhaltungstherapie mit Rucaparib erhalten. Das zeigten die Ergebnisse der ARIEL3-Studie, die im September während des Jahreskongresses 2017 der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Madrid präsentiert wurden.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Tofacitinib ist langfristig wirksam und sicher

Der JAK-Inhibitor Tofacitinib ist eine neue Therapieoption für Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis. Die Substanz zeigt eine schnelle und anhaltende Wirkung und verfügt über ein gutes Sicherheitsprofil. Die Studiendaten wurden im Rahmen eines von der Firma Pfizer anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) veranstalteten Satellitensymposiums diskutiert.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Tivozanib ist eine neue Therapieoption

Tivozanib ist ein Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor für die Behandlung von Patienten mit einem fortgeschrittenen beziehungsweise metastasierten Nierenzellkarzinom (mRCC), der die VEGF-Rezeptoren 1, 2 und 3 selektiv hemmt. Die Zulassung basiert auf den Daten der TiVO-1-Studie, deren Ergebnisse im Rahmen einer von der Firma EUSA Pharma veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt wurden.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Zulassung für PARP-Inhibitor Niraparib

Mit Niraparib steht ein weiterer PARP-Inhibitor zur Erhaltungstherapie des rezidivierten Ovarialkarzinoms zur Verfügung. Die Zulassung beruht auf den Daten der Studie ENGOT-OV16/NOVA, in der unter der Einnahme von Niraparib ein deutlich verlängertes progressionsfreies Überleben gezeigt wurde. Auf die Therapie sprachen Patientinnen mit und ohne BRCA-Mutation an.



Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Midostaurin ist die erste zielgerichtete Therapieoption

Durch die Gabe des Tyrosinkinase-Inhibitors Midostaurin zusätzlich zur Standardchemotherapie werden bei Patienten mit einer akuten myeloischen Leukämie mit FLT3-Mutation das Gesamt- und das ereignisfreie Überleben verbessert. Die Ergebnisse der RATIFY-Zulassungsstudie wurden im Rahmen einer von der Firma Novartis veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin

Für die Behandlung Erwachsener mit rezidivierter oder refraktärer CD22-positiver B-Vorläufer-ALL steht seit Kurzem das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin zur Verfügung. Die Studiendaten der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie INO-VATE ALL wurden Ende September 2017 auf einer von der Firma Pfizer veranstalteten Launch-Pressekonferenz in Stuttgart vorgestellt.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab

Mit Atezolizumab wurde 2017 der erste Antikörper gegen den Programmed Death Ligand 1 (PD-L1) zur Therapie von Patienten mit vorbehandeltem fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) oder fortgeschrittenem Urothelkarzinom zugelassen. Die Ergebnisse der zulassungsrelevanten Studien wurden auf der Launch-Pressekonferenz im Oktober 2017 vorgestellt.



Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Epacadostat als Kombinationspartner von Checkpoint-Inhibitoren

Epacadostat ist ein selektiver Inhibitor des Enzyms IDO1, das von Tumorzellen gebildet wird und die antitumoröse Aktivität der T-Lymphozyten hemmt. Die Substanz wird nach den hoffnungsvoll stimmenden Daten aus Phase-I/II-Studien jetzt im Rahmen eines umfangreichen Phase-III-Studienprogramms als Kombinationspartner der Checkpoint-Inhibitoren Pembrolizumab und Nivolumab bei verschiedenen Tumoren untersucht. Die Studienlage wurde bei einer von der Firma Incyte veranstalteten Fachpressekonferenz vorgestellt.



Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Therapeutischer Einsatz von Selen bei Tumorpatienten


Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Telotristatethyl zur Add-on-Therapie kann die Lebensqualität verbessern

Gastrointestinale neuroendokrine Tumoren können die Serotonin-Ausschüttung im Darm verstärken. Für betroffene Patienten stellt das eine Belastung dar: Im Rahmen eines Karzinoid-Syndroms kann es zu einer massiven Erhöhung der täglichen Stuhlgänge kommen. Telotristatethyl kann die Menge der Stuhlgänge reduzieren. Die Ergebnisse der Zulassungsstudien wurden im Oktober 2017 bei der von der Firma Ipsen veranstalteten Einführungspressekonferenz vorgestellt.



Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Antikörpertherapie jetzt auch bei Neurodermitis möglich

Ende 2017 wurde mit Dupilumab erstmalig ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung der atopischen Dermatitis (AD) in Deutschland eingeführt. Er blockiert die Signaltransduktion der Interleukine 4 und 13, deren Expression bei Menschen mit AD mit der Erkrankungsaktivität korreliert. Dupilumab wird alle zwei Wochen subkutan verabreicht. Das Arzneimittel kann bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung eingesetzt werden, wenn sie sich für eine systemische Behandlung eignen.



Dr. Beate Grübler, Hannover
Progressionsstopp für mindestens vier Jahre

Neue Daten zu Secukinumab zeigen, dass nach vier Jahren Behandlung nahezu 80 % der Patienten mit ankylosierender Spondylitis (AS) keine radiologische Progression an der Wirbelsäule aufweisen. Die zum jüngsten ACR-Kongress vorgestellten Ergebnisse der MEASURE-1-Verlängerungsstudie bestätigen zudem die Verbesserung der Symptome der AS bei nahezu 80 % der Patienten, bei einem zugleich günstigen und konsistenten Sicherheitsprofil.