Suche / Archiv


Erweiterte Suche

36. Jahrgang Heft 4 April 2018

Editorial
Prof. Dr. Andreas H. Jacobs, Bonn
Auf dem Weg zur „weisen“ Therapieentscheidung


Übersicht
Brigitte Hübner, Halle (Saale)
Neue Therapieoptionen

Die Behandlung der angeborenen Hämophilie als schwerwiegender Blutungsstörung basiert in erster Linie auf der Substitution mit Blutgerinnungsfaktoren. Mangelnde Patienten-Compliance und die Entwicklung von Hemmkörpern beeinträchtigen oft den Therapieerfolg. Anhand unterschiedlicher Technologien kommen daher zunehmend rekombinant hergestellte Faktorpräparate mit verlängerter Halbwertszeit auf den Markt. Zudem befindet sich ein bispezifischer monoklonaler Antikörper zur Bindung der Faktoren IXa und X in der Entwicklung. Im Folgenden soll das Potenzial einiger neuartiger Therapieoptionen erörtert werden.

Arzneimitteltherapie 2018;36:119–24.

New therapeutic options in the treatment of hemophilia

The treatment of inherent hemophilia as a severe bleeding disorder is mainly based on the substitution of clotting factors. Lacking compliance and the existence of inhibitory antibodies often minimize the therapeutic outcome. Therefore recombinant factor products with extended half-life arise on the market using different technologies. Further a bispecific monoclonal antibody with arms that recognize FIXa and X is being developed. The potential of these novel therapeutic approaches will be elucidated.



Neue Arzneimittel in der Diskussion
Matthias Desch, Kogl bei Wien
CDK4/6-Inhibitoren zur Therapie des Mammakarzinoms

Mit Palbociclib und Ribociclib stehen seit Kurzem zwei Arzneimittel mit neuem Wirkungsmechanismus zur Therapie des Hormonrezeptor-(HR-)positiven, humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2(HER2)-negativen lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinoms zur Verfügung. Beide Wirkstoffe werden im Rahmen einer endokrinen Therapie eingesetzt und zeigten in den Zulassungsstudien beeindruckende Ergebnisse bezüglich des progressionsfreien Überlebens und weiteren klinischen Endpunkten.

Arzneimitteltherapie 2018;36:125–31.

Palbociclib and Ribociclib: inhibitors of CDK4/6 to treat breast cancer

About 60–75 % of all breast cancer cases are HR+ and respond well to initial endocrine therapy (ET). Emerging resistance to aromatase inhibitors in ET is a raising problem. Palbociclib and Ribociclib are novel agents with a new mechanistic strategy. They inhibit highly selective CDK4/6 and block tumors cells entering the cell cycle to dublicate. In the approval studies both agents nearly double progression free survival in combination with letrozole or fulvestrant, respectively while side effects are manageable. Palbociclib and Ribociclib enrich the armamentarium of drugs to treat advanced or metastatic breast cancer.

Key words: Palbociclib, Ribociclib, CDK4/6, advanced/metastatic breast cancer, cell cycle, aromatase inhibitor



Clemens Unger, Freiburg
Aus Expertensicht

Arzneimitteltherapie 2018;36:132–3.



Klinische Studie
Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Vonoprazan verhindert Ulzera unter niedrig dosierter Acetylsalicylsäure-Therapie

Vonoprazan ist ein kaliumkompetitiver Säuresekretionshemmer, der seine Wirkung im Gegensatz zu den üblichen Protonenpumpeninhibitoren bereits nach der ersten Gabe entfaltet. In Japan ist er seit Februar 2015 zugelassen. Zur Rezidivprophylaxe gastroduodenaler Ulzera unter niedrig dosierter Acetylsalicylsäure(ASS)-Therapie wurden nun Wirksamkeit und Sicherheit von Vonoprazan im Vergleich zu Lansoprazol getestet. Vonoprazan zeigte sich dabei als nicht unterlegen.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Path-Studie: Therapie mit subkutaner Immunglobulin-Gabe

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie an 172 Patienten mit einer chronischen inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) war die intermittierende Gabe von subkutanen Immunglobulinen wirksam und wurde gut vertragen. Das ergab die PATH-Studie.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Ist Prothrombinkomplex bei der Behandlung von intrazerebralen Blutungen durch NOAK wirksam?

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer retrospektiven Kohortenstudie war Prothrombinkomplex (PCC) bei Patienten, die mit nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (NOAK) antikoaguliert waren, nicht in der Lage, das Größenwachstum der Blutung zu verhindern. Eine Reduktion der systolischen Blutdruckwerte hatte allerdings einen protektiven Effekt.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Prognose der intrazerebralen Blutung unter der Einnahme von oralen Antikoagulanzien

 Mit einem Kommentar des Autors

In einer retrospektiven Registerauswertung in den USA war die Sterblichkeit im Krankenhaus bei einer intrazerebrale Blutung unter NOAK oder Thrombozytenfunktionshemmern geringer als bei einem solchen Ereignis unter Warfarin.



Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Herzinfarktrisiko bei labordiagnostisch nachgewiesener Influenza erhöht

Die Influenza steht seit längerer Zeit im Verdacht, das Risiko für einen akuten Myokardinfarkt zu erhöhen. Forscher haben diese Hypothese überprüft und in einer Studie das Vorliegen eines direkten Zusammenhangs untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass eine labordiagnostisch nachgewiesene Influenza das Risiko eines Herzinfarkts erhöht. Auch andere respiratorische Infektionen erhöhen das Herzinfarktrisiko.



Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten
Secukinumab mit vielversprechenden Langzeitergebnissen

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner, Bad Nauheim

In zahlreichen Untersuchungen wurde eine hohe Wirksamkeit des Antikörpers Secukinumab bei der Therapie der Psoriasis und Psoriasis-Arthritis demonstriert. In einer neuen Phase-III-Studie untersuchten die Autoren nun die Langzeitwirkung von Secukinumab hinsichtlich Effizienz und Sicherheit.



Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten
Pregabalin und Duloxetin reduzieren Schmerzen

 Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Johann D. Ringe, Leverkusen

Arthrose-Beschwerden zu lindern, ist oft nicht einfach. Standardmedikamente bringen bei vielen Patienten nicht den gewünschten Effekt. In einer neuen randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie testeten die Autoren Pregabalin und Duloxetin. Beide Mittel hatten bereits Erfolge bei der Schmerzreduktion einer Kniearthrose gezeigt. Die Studienautoren wollten nun wissen, ob die Wirkstoffe auch die Beschwerden einer Handarthrose bessern können.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Schon bei Verdacht muss Heparin abgesetzt werden

Die Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) ist immer eine lebensbedrohliche Komplikation einer Heparin-Gabe. Schon bei Verdacht sollte das Heparin-Präparat sofort abgesetzt werden, wobei sich dann als alternatives Koagulans Danaparoid empfiehlt, so das Fazit eines von der Firma Aspen im Rahmen der 62. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) veranstalteten Satellitensymposiums.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Ozanimod ist eine neue vielversprechende Therapieoption

Ozanimod ist ein selektiver Sphingosin-1-phosphat-(S1P-)Rezeptormodulator, der eine immunmodulatorische Wirkung entfaltet, indem er den Austritt der Lymphozyten aus den Lymphknoten verhindert. Erste Ergebnisse von Phase-III-Studien bei Patienten mit einer schubförmigen multiplen Sklerose zeigen im Vergleich zu Interferon beta-1a (i. m.) eine Überlegenheit hinsichtlich der jährlichen Schubrate und der neu aufgetretenen Läsionen im Kernspintomogramm (MRT). Die Daten wurden im Rahmen eines von der Firma Celgene veranstalteten Fachpressegesprächs vorgestellt.