Suche / Archiv


Erweiterte Suche

35. Jahrgang Heft 3 März 2017

Editorial
Prof. Dr. Erhard Hiller, München
Neue Entwicklungen bei der Behandlung


Dr. med. Nikolaj Frost, Berlin
Licht am Horizont?


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Fortschritte mit innovativen Substanzen


Übersicht
Thomas Duell, Gauting
Neues zur Pharmakotherapie

Lungenkrebs ist weltweit die führende Ursache für krebsbedingten Tod; das nichtkleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC) ist für 80 % der Lungenkrebsfälle verantwortlich. Das Krankheitsstadium ist dabei einer der wichtigsten prognostischen Faktoren. Da spezifische Symptome im Frühstadium selten vorhanden sind, werden die meisten Patienten in einem lokal fortgeschrittenen oder fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, wenn die Prognose in der Regel von Metastasen bestimmt und die systemische Behandlung zur wesentlichen therapeutischen Option wird. In den letzten Jahren wurden große Fortschritte bei der Entwicklung neuer Arzneimittel für das NSCLC gemacht. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die aktuellen Standards und die neuesten Entwicklungen bei der systemischen Behandlung des NSCLC mit einem Fokus auf der zielgerichteten und der Immuntherapie.

Arzneimitteltherapie 2017;35:60–70.

Non-small cell lung cancer: the latest developments in pharmacotherapy

Lung cancer is the leading cause of cancer mortality worldwide, non-small cell lung cancer (NSCLC) accounts for 80 % of all cases. Disease stage is one of the most important prognostic factors. Due to the lack of specific symptoms in early stages, most patients are in (locally) advanced stages at diagnosis when prognosis is primarily determined by distant metastases. Therefore, most patients will be candidates for systemic treatment. Because of its high incidence, the scientific focus is mainly on drug development for NSCLC. In the last few years great advances have been made in pharmocologic therapy for this disease. This article gives an overview on the actual standard and the latest developments in non-small cell lung cancer systemic treatment with a special focus on targeted and immunotherapy.

Key words: non-small cell lung cancer, systemic treatment, immunotherapy, targeted therapy, latest developments

Zu diesem Artikel existiert Zusatzmaterial



Klinische Studie
Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Benralizumab bewährt sich

Der monoklonale Antikörper Benralizumab hat in zwei großen Phase-III-Studien die Rate der Exazerbationen bei Patienten mit schwerem Asthma und eosinophiler Entzündung gesenkt sowie die Lungenfunktion verbessert. Nach Mepolizumab und Reslizumab ist das gegen eosinophile Granulozyten gerichtete Benralizumab damit der dritte Antikörper, der sich in klinischen Studien als wirkungsvoll erwiesen hat.



Referiert & Kommentiert: Aus Forschung und Entwicklung
Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Immuntherapie mit Nivolumab verlängert Überleben

Patienten mit einem metastasierten oder rezidivierten Tumor in Mundhöhle, Rachen oder Kehlkopf nach einer Platin-basierten Chemotherapie haben eine sehr schlechte Prognose. Auch die therapeutischen Möglichkeiten von ärztlicher Seite sind in diesem Stadium sehr eingeschränkt. Der monoklonale Antikörper Nivolumab hat nun in einer Phase-III-Studie die Lebenszeit der Patienten geringfügig verlängert und zeigte weniger Nebenwirkungen als die Standardtherapie.



Dr. Matthias Desch, Kogl bei Wien
Dupilumab verbessert Symptomatik

Menschen, die unter atopischer Dermatitis (AD) leiden, können oft nur unzureichend therapiert werden. Dupilumab, ein Antikörper, der auch bei Asthma und chronischer Sinusitis getestet wurde, konnte in den beiden Phase-III-Studien SOLO 1 und SOLO 2 bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer AD signifikant die Krankheitssymptomatik bei gleichzeitig guter Verträglichkeit verbessern.



Referiert & Kommentiert: Therapiehinweise
Prof. Dr. med. Ulrich Laufs, Homburg/Saar
Genetische Variationen von PCSK9 und HMGCR beeinflussen das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes mellitus

 Mit einem Kommentar des Autors

Die Gabe von PCSK9-Antikörpern (Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9) zusätzlich zu Statinen ist aktuell ein „hot topic“ in der kardiovaskulären Prävention, da die PCSK9-Hemmer zu einer starken Senkung des Low-Density-Lipoprotein-Cholesterins (LDL-C, ca. 50 %) zusätzlich zu einer Statin-Therapie führen. PCSK9-Inhibitoren werden in großen, vollständig rekrutierten klinischen Studien getestet. Während die LDL-C-Senkung und die gute Verträglichkeit in Phase-III-Studien gut belegt sind, sind die Effekte auf klinische Endpunkte und seltene oder kleinere durch die Behandlung verursachte Nebenwirkungen vor Auswertung der großen Endpunktstudien weiterhin unklar.



Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn
Der Antikörper Romosozumab senkt das Frakturrisiko

 Mit einem Kommentar von Professor Dr. med. Johann D. Ringe, Leverkusen

Als „potenzieller Durchbruch“ wurde Romosozumab 2014 nach einer vielversprechenden Phase-II-Studie bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose bezeichnet. Die damaligen Ergebnisse konnten nun in der großen multizentrischen Phase-III-Studie FRAME untermauert werden [3]. Romosozumab senkte das Risiko neuer Wirbelbrüche bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose bereits nach einem Jahr Therapie signifikant. Das Risiko für Frakturen anderer Knochen lag ebenfalls niedriger als unter der Therapie mit Placebo.



Referiert & Kommentiert: Kongresse, Symposien, Konferenzen
Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Neue Chemotherapie-Freisetzungsmethode führt zur Überlebensverlängerung nach Transplantation

Ältere Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) leben länger, wenn sie vor der allogenen Transplantation mit der experimentellen Chemotherapie-Freisetzungstherapie CPX-351 anstatt der Standard-Chemotherapie „7+3“ mit Cytarabin und Daunorubicin behandelt wurden. CPX-351 ist eine liposomale Formulierung von Cytarabin und Daunorubicin in einer Kapsel. Die Überlebensverbesserung ist besonders deutlich für Hochrisiko-AML-Patienten, für die es momentan wenig Optionen und kurze Überlebenszeiten gibt. Die entsprechende Studie wurde am 05. Dezember 2016 während der 58. Jahrestagung der amerikanischen Hämatologen (ASH) in San Diego vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Einstellen der Therapie oder Reduzierung der Dosis wird möglich

Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) wie Imatinib, Nilotinib, Dasatinib und weitere sind in der Behandlung der CML teilweise so effektiv, dass viele Patienten aufgrund der Nebenwirkungen wünschen, diese wieder abzusetzen oder die Dosis zu reduzieren. Gemäß den momentanen Leitlinien werden die meisten Patienten, die unter der TKI-Therapie eine Remission erzielt haben, aber angehalten, den TKI unbegrenzt weiter zu nehmen, obwohl es unklar ist, ob das wirklich für alle Patienten notwendig ist. Zwei Studien zu diesem Thema wurden am 05. Dezember 2016 während der 58. Jahrestagung der amerikanischen Hämatologen (ASH) vorgestellt.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Neue Daten werfen ein neues Licht auf potenzielle Vorteile von Pacritinib

Pacritinib, deren Zulassung zurzeit von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA aufgrund einiger Todesfälle auf Eis gelegt ist, kann bei Myelofibrose signifikant das Volumen der Milz verkleinern und außerdem in zweimal täglicher Dosierung die Symptome lindern. Diese Analyse stammt von den Daten vor dem von der FDA veranlassten Stopp aller klinischen Prüfungen mit Pacritinib. Sie wurden am 06. Dezember 2016 während des amerikanischen Hämatologiekongresses (ASH) vorgestellt und diskutiert.



Reimund Freye, Baden-Baden
Blutzuckerexkursionen mit eklatanten Folgen

Bei Patienten mit Diabetes mellitus sind mehrere Parameter zu beachten, die sowohl etwas über den aktuellen Gesundheitszustand der Betroffenen aussagen als auch über ihre Prognose hinsichtlich von Komplikationen. Nachdem der Langzeitblutzuckerwert, der HbA1c, lange Zeit im Zentrum der diabetologischen Bemühungen stand, erlebt die postprandiale Hyperglykämie eine Renaissance in Bezug auf die Relevanz für eine umfassende glykämische Kontrolle. Auf einem von Novo Nordisk unterstützten Symposium während der Herbsttagung der DDG in Nürnberg wurden die Auswirkungen der zirkadianen Glucose-Varianz diskutiert.



Notizen
Bettina Christine Martini, Legau


Pressekonferenz
Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Beschleunigte EU-Zulassung für Olaratumab

Am 9. November 2016 wurde von der Europäischen Kommission die Zulassung für den monoklonalen humanen Antikörper Olaratumab (Lartruvo) ausgesprochen. Olaratumab ist in Kombination mit Doxorubicin zur Behandlung erwachsener Doxorubicin-naiver Patienten mit einem fortgeschrittenen Weichgewebesarkom zugelassen, wenn eine kurative Therapie nicht möglich ist. Die Zulassung beruht auf überzeugenden Daten einer Phase-II-Studie, in der im Vergleich zur Standardtherapie ein deutlich verlängertes Gesamtüberleben von knapp zwölf Monaten gezeigt wurde. Ergebnisse einer bereits laufenden Phase-III-Studie müssen nachgereicht werden. Olaratumab besitzt einen Orphan-Drug-Status.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Zulassung für liposomales Irinotecan

Mit Onivyde® steht erstmals Irinotecan in liposomaler Formulierung zur Verfügung. Der Wirkstoff wird in Kombination mit Folinsäure und Fluorouracil zur Behandlung eines metastasierten Pankreaskarzinoms eingesetzt, wenn Vortherapien mit Gemcitabin nicht erfolgreich waren. Die zugehörigen Studiendaten wurden auf einem von der Firma Shire veranstalteten Pressegespräch im November 2016 vorgetragen.



Martina Eimer, Nürnberg
Antihormonelle Medikamente zeigen gute Wirksamkeit

Abirateronacetat plus Prednison/Prednisolon und Enzalutamid sind antihormonelle Medikamente, die heute in der Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) oft zum Einsatz kommen. Dabei ist die Wahl der Erstlinientherapie eine individuelle Entscheidung. Doch mit Abirateronacetat war eine gute Lebensqualität vor allem auch bezüglich Fatigue zu beobachten.



Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Nicht nur Gelenke, sondern auch Herz, Gefäße und Nieren werden geschädigt

Dass die Hyperurikämie Gicht auslöst, ist allseits bekannt. Darüber hinaus dürfte die Hyperurikämie aber auch einen eigenständigen kardiovaskulären Risikofaktor darstellen. Dafür gibt es zumindest plausible pathophysiologische Konzepte und auch eine epidemiologische Evidenz. Was aber fehlt, sind die Ergebnisse von Interventionsstudien, die eine Verbesserung des Outcomes durch eine Senkung des Harnsäurespiegels belegen, so das Fazit der von der Firma Berlin Chemie veranstalteten Gicht-Akademie im Frühjahr 2016.