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21. Jahrgang Heft 1 Januar 2003

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Stefan Zeuzem, Homburg/Saar
Pegylierte Interferone stellen eine klinisch bedeutsame Verbesserung in der Therapie der chronischen Hepatitis C dar. Pharmakologisch bestehen verschiedene möglicherweise auch klinisch relevante Unterschiede zwischen dem pegylierten (40 kDa) Interferon alfa-2a und dem pegylierten (12 kDa) Interferon alfa-2b. Bislang liegen keine vergleichenden Studien zwischen beiden Medikamenten vor. Direkt vergleichende Untersuchungen wären insbesondere in Populationen schwer zu behandelnder Patienten (z. B. Infektion mit Genotyp HCV-1, Patienten mit Leberzirrhose) sinnvoll und wünschenswert. Mit Interesse werden auch die Studienergebnisse der pegylierten Interferone bei koinfizierten Patienten (HCV/HIV), Patienten mit chronischer Hepatitis B und in hämatologisch-onkologischen Indikationen erwartet.


Übersichten
Lutz Renders und Ulrich Kunzendorf, Kiel
Nierentransplantationen werden seit über 35 Jahren in Deutschland durchgeführt. Tumoren und Infektionen beeinflussen neben kardiovaskulären Erkrankungen Morbidität und Letalität nach der Transplantation. Bei etwa 50 % aller Patienten werden Infekte nach Transplantation nachgewiesen. Infektionen fordern deshalb eine besondere Aufmerksamkeit im Rahmen der Nachbetreuung. Dabei ist zu bedenken, dass nicht nur die eigentliche Infektion sondern auch die dadurch ausgelösten immunmodulatorischen Effekte (Zytokin-, Chemokin- und Wachstumsfaktor-vermittelt) eine Bedeutung für den Krankheitsverlauf, das akute und chronische Transplantatversagen und die Induktion von Tumoren erlangen können. Gerade die Besonderheit transplantierter Patienten unter Immunsuppression mit verändertem antiinflammatorischen Status führt zum Teil zu ungewohntem klinischen Erscheinungsbild eines Infekts mit zum Teil atypischem Verlauf. Deshalb sollte bei Infektionsverdacht dieser Patienten eine schnelle, gezielte und gegebenenfalls auch invasive Diagnostik erfolgen. Bei der Wahl der medikamentösen Therapie ist das Interaktionsverhalten der gleichzeitig gegebenen Immunsuppressiva zu berücksichtigen. Präventionsstrategien vor oder nach Transplantation und präventive Therapien sind weitere wichtige Optionen bei transplantierten Patienten unter Immunsuppression.


Claus-Henning Köhne, Dresden
Übelkeit und Erbrechen sind für die Patienten bei einer Chemotherapie in Abhängigkeit vom emetogenen Potential der eingesetzten Wirkstoffe sehr belastend. Zur Behandlung stehen 5-HT3-Antagonisten und Glucocorticoide, sowie Dopamin-Rezeptorantagonisten zur Verfügung. Seit das aktue Erbrechen mit 5-HT3-Antagonisten verbessert behandelt werden kann, treten verzögertes Erbrechen sowie Übelkeit als therapeutische Herausforderungen in den Vordergrund. Weitere Probleme bereitet die häufig nachlassende antiemetogene Wirkung über multiple Chemotherapie-Zyklen sowie die Therapie bei Hochdosis-Chemotherapie. Neurokinin-1-Antagonisten sind zurzeit die vielversprechendste neue Substanzklasse in der Antiemese-Forschung.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Susanne Heinzl
Telithromycin versus Amoxicillin/Clavulansäure
Bei Patienten mit ambulant erworbenen Atemwegsinfektionen waren Sicherheit und Verträglichkeit des Ketolids Telithromycin (z. B. Ketek®) vergleichbar mit Amoxicillin/Clavulansäure (z. B. Augmentan®). Dies ergab eine offene Studie mit über 24 000 Patienten.


Susanne Heinzl
Bei spätem Krankheitsbeginn Kombinationstherapie erforderlich
Bei Patienten mit nosokomialer Pneumonie, die mindestens 5 Tage nach Krankenhausaufnahme beginnt, ist ein antibakterielles Regime erforderlich, das sowohl Staphylococcus aureus als auch Pseudomonas aeruginosa und Acinetobacter spp. erfasst, in Häusern mit hoher Inzidenz von Methicillin-resistenten Staphylokokken sind diese Erreger ebenfalls bei der Therapie zu berücksichtigen.


Alexandra Hennemann, Stuttgart
Moxifloxacin wirkt schnell bei akuter Exazerbation
Das Fluorchinolon Moxifloxacin (Avalox®) wirkt schnell bei akuten bakteriellen Exazerbationen der chronischen Bronchitis (AECB). Im direkten Vergleich mit Amoxicillin, Clarithromycin oder Cefuroximaxetil war das klinische Ansprechen insgesamt mit Moxifloxacin signifikant besser, vor allem bei Patienten, die keine systemischen Glucocorticoide einnahmen.


Susanne Wasielewski, Münster
Temozolomid als Radiochemo- und adjuvante Chemotherapie
Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom vertrugen Temozolomid in Form einer Radiochemotherapie und einer anschließenden adjuvanten Chemotherapie im Allgemeinen gut. Die Patienten überlebten im Mittel 16 Monate.


Susanne Wasielewski, Münster
Höhere Remissionsrate mit präoperativem Docetaxel
Mammakarzinompatientinnen, die präoperativ mit vier Zyklen eines Doxorubicin-haltigen Protokolls behandelt worden waren, profitierten vom Wechsel auf Docetaxel.


Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Rituximab zusätzlich zu CHOP
Bei älteren Patienten mit einem großzelligen diffusen B-Zell-Lymphom konnte Rituximab (Mabthera®) zusätzlich zum herkömmlichen CHOP-Schema die Rate vollständigen Ansprechens erhöhen und die ereignisfreie Überlebenszeit sowie die Gesamtüberlebenszeit verlängern. Die Toxizität der Behandlung wurde durch die kombinierte Gabe nicht wesentlich erhöht.


Ingo Deris, Saulheim
Schnelle Wirksamkeit bei Osteoporose ist entscheidend
Mit einer 3D-Mikro-Computertomographie (CT) kann die Mikroarchitektur des gesunden und osteoporotischen Knochens beurteilt werden. Damit lässt sich nachvollziehen, weshalb Osteoporose ab einem bestimmten Zeitpunkt einen fulminanten Verlauf nimmt.


Bettina Polk, Stuttgart
Ein- bis viermal im Jahr Zoledronsäure i. v.?
Bei i. v. Gabe von Bisphosphonaten ist die gastrointestinale Toxizität, die bei der oralen Gabe ein limitierender Faktor ist, kein Problem. 351 postmenopausale Frauen mit erniedrigter Knochendichte erhielten in einer doppelblinden, randomisierten Studie Zoledronsäure i. v. (Zometa®) in Dosierungsintervallen von drei bis zwölf Monaten, eine weitere Gruppe bekam Plazebo. Die Knochendichte war in allen Behandlungsgruppen ähnlich und gegenüber Plazebo signifikant um 4,3 bis 5 % höher (p < 0,01).


Dr. Susanne Heinzl
Pharmakokinetik bei Kindern
Caspofungin in einer Dosis von 1,0 mg/kg Körpergewicht scheint bei Kindern nicht optimal zu sein, eine Dosierung von 50 mg/m² Körperoberfläche führt zu einer durchschnittlichen Fläche unter der Serumkonzentrations-Zeit-Kurve (AUC), die im Vergleich zur AUC bei Erwachsenen leicht erhöht ist.


Dr. Susanne Heinzl
Kinetik und Verträglichkeit hoher Dosen
Einzeldosen von 150 und 210 mg Caspofungin oder Mehrfachdosen von 100 mg täglich wurden von gesunden Probanden im Allgemeinen gut toleriert. Die Mehrfachgabe von 100 mg Caspofungin täglich führte zu einer 2,5-fach höheren AUC als die Gabe von 50 mg täglich.


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk
Anhaltende Schubreduktion mit Glatiramer
Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose haben bei Dauerbehandlung mit Glatiramer (Copaxone®) nur noch einen Erkrankungsschub in fünf bis sechs Jahren. Für die Wirkung von Glatiramer ist nach derzeitiger Vorstellung vor allem eine Umstimmung spezifischer T-Helferzellen vom Th1-Typ zum antiinflammatorischen Th2-Typ ausschlaggebend.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Gabapentin wirksam bei Hitzewallungen
Hitzewallungen, die bei Patienten mit Prostatakrebs häufig aus einer Therapie mit einem Antiandrogen oder GnRH-Analogon resultieren, sind oft schwer zu behandeln. Nach zwei Fallberichten konnten mit Gabapentin (Neurontin®) die Schwere, Häufigkeit und Dauer dieser Hitzewallungen signifikant reduziert werden.


Prof. Dr. H. C. Diener, Essen
Frovatriptan gegen akute Attacken
In einer großen Dosisfindungsstudie zur Behandlung akuter Migräneattacken mit Frovatriptan zeigte die 2,5-mg-Dosis das beste Verhältnis von Wirkung und Nebenwirkung. Der therapeutische Gewinn im Vergleich zu Plazebo betrug jedoch nur 13 %.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Ramipril reduziert mikro- und makrovaskuläre Komplikationsrate
Typ-2-Diabetiker sind kardiovaskuläre Hochrisiko-Patienten. In der MICRO-HOPE-Studie konnte gezeigt werden, dass durch die zusätzliche Gabe des ACE-Hemmers Ramipril (Delix protect®) sowohl makrovaskuläre Komplikationen wie Myokardinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod als auch mikrovaskuläre Komplikationen wie die Nephropathie vermindert werden, und zwar unabhängig von der blutdrucksenkenden Wirkung.


Susanne Wasielewski, Münster
Verlängerte Thromboseprophylaxe vorteilhaft?
Bei Hüft- oder Kniegelenksersatz ist die optimale Dauer einer Thromboseprophylaxe unbekannt. Eine Metaanalyse ergab, dass eine vier-bis sechswöchige Prophylaxe die Häufigkeit symptomatischer venöser Thromboembolien senkt.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Direkte Thrombinhemmer wirksamer als Heparin
Bei Patienten mit akuten Koronarsyndromen konnten direkte Thrombinhemmer besser einem Myokardinfarkt oder Tod vorbeugen als Heparin.


Dr. Susanne Heinzl
Pharmakoökonomie von Serotonin-Antagonisten

Serotonin-Antagonisten sind zur Prophylaxe des akuten Erbrechens bei mäßig- und hochemetogener Chemotherapie Mittel der Wahl. Dosierung und Häufigkeit der Applikation sind die entscheidenden Wirtschaftlichkeitsparameter.