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21. Jahrgang Heft 3 März 2003

Nachruf
Ernst Mutschler, Paul Schölmerich, Hans C. Diener, Kurt Kochsiek, Susanne Heinzl


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Hanno Riess, Berlin
Rationale und klinische Ergebnisse
Im Vergleich zu den natürlichen Gerinnungsinhibitoren Antithrombin und Tissue-Factor-Pathway-Inhibitor, die entgegen präklinischen und ersten klinischen Untersuchungen keine relevante Reduktion der Sterblichkeit bei Patienten mit schwerer Sepsis in Phase-III-Studien erreichen konnten [1, 13, 14, 16, 29, 33, 38, 40], zeichnet sich aktiviertes Protein C durch eine Thrombin-unabhängige, profibrinolytische Wirkung aus. Die konsequente Entwicklung dieses antithrombotischen und antiinflammatorischen Therapieprinzips und seine Evaluation bei Patienten mit schwerer Sepsis im Rahmen einer prospektiv randomisierten Dosisfindungsstudie führte zum Nachweis einer klinisch relevanten Sterblichkeitsreduktion bei Patienten mit schwerer Sepsis durch 96-stündige Infusion von Drotrecogin alfa (aktiviert), (Xigris®), und damit zu einem deutlichen Fortschritt in der Sepsisbehandlung. Aufgrund dieser Datenlage hat Xigris® Eingang in die Patientenversorgung gefunden.


Peter Nielsen, Hamburg
Fe-II-Sulfat oder Fe-III-Saccharose-Präparate?
Orale Eisen-II-Salze können gastrointestinale Störungen auslösen, die von den Patienten als sehr unangenehm empfunden werden und die Compliance negativ beeinflussen. Bedeuten neue Eisen-III-Präparate wie Selectafer® N Liquidum oder Ferroinfant® Neu liquidum eine Verbesserung der Eisentherapie mit geringen Nebenwirkungen? Sollten Sie Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung ausschließlich empfohlen werden?


Übersichten
Wolfgang Preiser und Hans Wilhelm Doerr, Frankfurt/Main
In den vergangenen Jahren gab es bei der Entwicklung antiviraler Wirkstoffe große Fortschritte, und zwar nicht nur bei der gegen die HIV-Infektion und -Erkrankung gerichteten antiretroviralen Chemotherapie. Auch die gezielte antivirale Behandlung anderer, wichtiger viraler Infektionskrankheiten ist mittlerweile möglich. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die wesentlichen Entwicklungen. Neu entwickelte Wirkstoffe mit teilweise völlig neuen Wirkungsprinzipien – viele davon durch gezieltes „Drug Design“ entwickelt – stehen pharmakologischen Weiterentwicklungen bereits bekannter Substanzen gegenüber. Zu letzteren zählen Prodrugs mit erhöhter Bioverfügbarkeit und chemische Modifikationen. Die Verwendung von Kombinationstherapien – heute obligat bei HIV-Infektionen – und prophylaktische Therapieschemata brachten ebenfalls erhebliche Verbesserungen mit sich, erfordern aber immer aufwendigere begleitende Laboruntersuchungen.


Rainer Düsing und Udo Schmitz, Bonn
Dosisabhängigkeit von Blutdrucksenkung, Organprotektion und Prognoseverbesserung
Eine Vielzahl von klinischen Befunden zeigt, dass AT1-Rezeptorantagonisten organprotektive und Prognose-verbessernde Effekte entfalten können, die teilweise Blutdruck-unabhängig sind. Die optimale Dosis für solche Zusatzeffekte bei Patienten mit hypertensiven und/oder diabetischen Organschäden und bei solchen mit Herzinsuffizienz und Zustand nach Myokardinfarkt ist höher als die Dosis, die bei unkomplizierter Hypertonie Blutdrucksenkung gewährleistet und üblicherweise eingesetzt wird. Umgekehrt weisen AT1-Antagonisten in der blutdrucksenkenden Wirkung eine flache Dosis-Wirkungs-Kurve auf. Für eine wirksamere Blutdrucksenkung stellt entsprechend die Kombination mit einem Diuretikum anstelle einer Dosiserhöhung des jeweiligen AT1-Antagonisten die effektivere Therapieanpassung dar. Höhere Dosen des AT1-Antagonisten zur effektiveren Organprotektion und Prognose-Verbesserung, Kombination von AT1-Antagonisten mit Hydrochlorothiazid zur verstärkten Blutdrucksenkung – diese Faustregel könnte als therapeutische Leitlinie beim Umgang mit den unterschiedlichen Dosen von AT1-Antagonisten und den Kombinationen mit Hydrochlorothiazid dienen.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Langzeittherapie mit ASS plus Clopidogrel besser als ASS allein
Patienten mit einer PTCA benötigen eine effektive Thrombozytenaggregationshemmung. In der CREDO-Studie wurde gezeigt, dass durch die Kombination aus Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel über ein Jahr die Therapieergebnisse im Vergleich zu ASS allein verbessert werden können. Dabei sollte Clopidogrel nach Möglichkeit mehr als 6 Stunden vor der Intervention gegeben werden.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Kein Nutzen durch längere präinterventionelle antithrombotische Therapie
Bei Hochrisiko-Patienten mit akutem Koronarsyndrom ohne ST-Hebungsinfarkt ist eine möglichst rasche invasive Therapie anzustreben. Diese sollte immer unter dem Schutz einer intensiven kombinierten antithrombotischen Therapie erfolgen. Durch eine Verlängerung der präinterventionellen antithrombotischen Therapie („cooling off“) kann das Behandlungsergebnis nicht verbessert werden, so das Ergebnis der ISAR-COOL-Studie.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Prähospitale Therapie verringert ischämische Ereignisse im Krankenhaus
Durch die prästationäre Gabe von Tenecteplase plus Enoxaparin wird das Risiko eines ischämischen Ereignisses im Krankenhaus stärker reduziert als bei Kombination des Fibrinolytikums mit unfraktioniertem Heparin. Bei über 75-Jährigen fand sich jedoch ein signifikant erhöhtes zerebrales Blutungsrisiko.


Dr. Annette Kloboucek, München
Nutzen von Interferon alfa unklar
Ob eine Therapie mit Interferon alfa (IFN-α) bei Patienten mit malignem Melanom die Überlebensrate erhöht, ist nach wie vor nicht geklärt. Das geht aus einer systematischen Überprüfung mehrerer randomisierter kontrollierter Studien hervor.


Dr. Susanne Heinzl
Paclitaxel verbessert Überleben
Eine zweiwöchentliche, so genannte dosisdichte Behandlung mit Paclitaxel zusätzlich zu Doxorubicin und Cyclophosphamid senkte bei Frauen mit Brustkrebs im Vergleich zur herkömmlichen dreiwöchentlichen Gabe der Zytostatika die Rezidivrate um 26 % und die Sterblichkeit um 31 %. Dies zeigten erste Ergebnisse einer großen Phase-III-Studie der Cancer and Leukemia Group B (CALGB).


Susanne Wasielewski, Münster
Antithrombin bei schwerer Sepsis nicht wirksam
In einer großen Plazebo-kontrollierten Doppelblindstudie profitierten Patienten mit schwerer Sepsis nicht von einer hoch dosierten Antithrombin-Behandlung.


Rosemarie Ziegler,Albershausen
Tacrolimus versus Ciclosporin-Mikroemulsion
Im ersten Jahr nach einer Lebertransplantation wurde mit Tacrolimus ein besseres klinisches Ergebnis als mit mikroemulgiertem Ciclosporin erzielt. Dies ergab eine randomisierte kontrollierte Studie.


Bettina Polk, Stuttgart
Fragen zur breiten Anwendung
Inzwischen wurden in über 100 Studien 28 000 Patienten mit Sildenafil (Viagra®) behandelt. Weltweit haben etwa 20 Mio. Menschen Sildenafil eingenommen. Dennoch treten immer wieder neue Fragen für Arzt und Patient auf.


Gabriele Blaeser-Kiel, Hamburg
Erstes atypisches Neuroleptikum in Depotform
Als Nachteil der atypischen Antipsychotika galt bisher, dass sie nicht als Depotformulierung zur Verfügung standen. Diese therapeutische Lücke wurde jetzt durch Einführung von Risperidon-Microspheres geschlossen.


Alexandra Hennemann, Stuttgart
Zulassung von Docetaxel plus Cisplatin zur First-Line-Therapie
Die Kombination von Cisplatin mit Docetaxel (Taxotere®) bei nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom im Stadium IIIb und IV verlängert im Vergleich zu Vinorelbin das Überleben um etwa einen Monat und verringert die Häufigkeit von Anämie und Erbrechen vom Grad 3/4, wie eine Studie mit 1 218 Patienten ergab. Diese Ergebnisse führten zur Zulassung von Docetaxel zur First-Line-Therapie bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Bronchialkarzinom.


Alexandra Hennemann, Stuttgart
Prophylaxe mit Anastrozol
Die Möglichkeiten zur Prävention von Brustkrebs bei Hochrisiko-Patientinnen mit einer Anastrozol-Therapie über 5 Jahre werden in einer Studie untersucht. Tamoxifen hatte sich als wirksam zur Brustkrebsverhütung erwiesen, hatte jedoch teilweise erhebliche Nebenwirkungen. Bisherigen Studien zufolge hat Anastrozol weniger Nebenwirkungen als Tamoxifen.