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21. Jahrgang Heft 4 April 2003

Editorial
Susanne Heinzl


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Max Schmauß und Thomas Messer, Augsburg
Ein neues atypisches Neuroleptikum
Ziprasidon (Zeldox®) ist ein atypisches Neuroleptikum, das in Deutschland vor kurzem die Zulassung zur Behandlung von Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis erhalten hat. Das Benzisothiazolyl-piperazin zeichnet sich durch starke Affinität zu zentralen 5-HT2A- und D2-Rezeptoren aus. Ziprasidon ist darüber hinaus ein 5-HT1A-Agonist sowie ein 5-HT1D- und 5-HT2C-Antagonist und hemmt die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme. Es besitzt aber kaum antiadrenerge, antihistaminerge oder anticholinerge Eigenschaften. Die Wirksamkeit von Ziprasidon auf Positiv- und Negativsymptomatik sowie depressive Symptome in der Akut- und Langzeitbehandlung schizophrener und schizoaffektiver Psychosen ist in mehreren randomisierten Doppelblindstudien gut belegt. Extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen wurden nur wenig häufiger als in der Plazebo-Gruppe und deutlich seltener als bei Haloperidol beobachtet. Das Nebenwirkungsprofil der Substanz zeichnet sich im Vergleich zu anderen atypischen Neuroleptika durch fehlende Gewichtszunahme aus. Ein weiterer Vorteil von Ziprasidon ist die Möglichkeit, eine volle Dosis zu Beginn einer antipsychotischen Behandlung zu verabreichen. Günstig ist ferner eine intramuskuläre Applikationsform für den Einsatz bei erregten Patienten.


Übersicht
Thomas Schlunk, Tübingen*
Die orale – oder auch transdermale – Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema hat, falls sie möglich und praktikabel ist, gegenüber einer parenteralen Schmerztherapie prinzipiell immer Vorrang, da Letztere den Patienten in höherem Maße abhängig von pflegerischer und ärztlicher Hilfe macht. Es gibt aber bei schwer kranken Tumorpatienten während der Präfinal- und Finalphase zahlreiche Situationen, in denen eine notwendige Schmerztherapie oral nicht (mehr) durchführbar ist. Bei komplexem und labilem Beschwerdebild bietet eine transdermale Fentanyl-Therapie meist keine befriedigende Alternative. Eine optimale Symptomkontrolle erfordert dann eine kontinuierliche parenterale Applikation der notwendigen Medikamente, meist in Form einer Kombination mehrerer Substanzen.


Consensus
Zusammenfassung der unter Federführung der Deutschen AIDS-Gesellschaft und der Österreichischen AIDS-Gesellschaft erarbeiteten Empfehlungen
Die Richtlinien zur Therapie der HIV-Infektion wurden von den maßgeblichen Fachgesellschaften unter Federführung der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und der Österreichischen AIDS-Gesellschaft (ÖAG) nach der wissenschaftlichen Datenlage aktualisiert.* Nachfolgend sind diese Richtlinien auf dem Stand vom Juli 2002 zusammengefasst. Der vollständige Wortlaut kann auf den Internetseiten des Robert-Koch-Institus unter http://www.rki.de/INFEKT/AIDS_STD/BR_LINIE/BR_LINIE.HTM abgerufen werden.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Bettina Polk, Stuttgart
Atorvastatin reduziert Schlaganfallrate bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom
Bei 3 086 Patienten mit akutem Koronarsyndrom wurde unter Atorvastatin (Sortis®) 80 mg/Tag über 16 Wochen das relative Risiko für Schlaganfälle um 50 % gegenüber Plazebo reduziert. Unter Atorvastatin traten keine hämorrhagischen Schlaganfälle auf, in der Plazebo-Gruppe drei.


Linezolid-Resistenz noch sehr selten


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Auch alte Patienten profitieren von CSE-Hemmern
Mit der PROSPER-Studie konnte nun gezeigt werden, dass auch Patienten über 70 Jahre aus kardiovaskulärer Sicht von einer CSE-Hemmer-Therapie mit Pravastatin (z. B. Pravasin®) profitieren. Schlaganfallrisiko und kognitive Leistungsfähigkeit konnten dabei nicht verbessert werden.


Susanne Wasielewski, Münster
Erhöht Digoxin die Sterblichkeit bei Frauen?
In der DIG-Studie hatte Digoxin keinen Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit von Patienten mit Herzinsuffizienz und linksventrikulärer systolischer Dysfunktion. Eine nachträgliche Subgruppenanalyse ergab, dass Digoxin bei Frauen die Sterblichkeit um 4,2 % erhöhte.


Susanne Wasielewski, Münster
Heparin plus Alteplase bei submassiver Lungenembolie
Hämodynamisch stabile Patienten mit submassiver Lungenembolie profitieren von der zusätzlichen Gabe von Alteplase zu Heparin. In einer randomisierten Doppelblindstudie traten unter der Kombination weniger behandlungsbedürftige Verschlechterungen des Krankheitszustands auf.


Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Behandlung von Patienten mit offenem Foramen ovale
Ein offenes Foramen ovale ist bei Schlaganfallpatienten kein Prädiktor für weitere ischämische Insulte. Eine Antikoagulation ist einer Behandlung mit Thrombozytenfunktionshemmern nicht überlegen.


Anja Gerth, Karen Nieber und Sunna Hauschildt, Leipzig
Das Forschungsgebiet der Ektonucleotidasen
Die Erforschung der Ektonucleotidasen CD36, CD38, CD39, E-NPP und der purinergen Rezeptoren P2X und P2Y bietet möglicherweise neue Ansatzpunkte für therapeutische Strategien.


Dr. Susanne Heinzl
Verträglichkeit von Ertapenem
Das Carbapenem Ertapenem (Invanz®) wird im Allgemeinen gut vertragen und hat ein Nebenwirkungsprofil, das Piperacillin/Tazobactam (Tazobac®) und Ceftriaxon vergleichbar ist. Häufigste Nebenwirkungen waren leichtere gastrointestinale Symptome und erhöhte Aminotransferase-Spiegel.


Bettina Polk, Stuttgart
Tadalafil – neue Option bei erektiler Dysfunktion
Sildenafil (Viagra®) bekommt Konkurrenz. Anfang Februar kam Tadalafil (Cialis®) auf den Markt, im März wurde Vardenafil (Levitra®) zugelassen. Beide hemmen ebenfalls die Phosphodiesterase (PDE) 5, die Ansprechraten liegen alle bei 70 bis 75 %. Tadalafil unterscheidet sich vor allem durch seine längere Wirksamkeit, noch 36 Stunden nach der Einnahme war erfolgreicher Geschlechtsverkehr möglich.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Plaque-Desaktivierung durch ACE-Hemmer
Ein Herzinfarkt entsteht in der Mehrzahl der Fälle durch die Ruptur einer atherosklerotischen Plaque. In der HOPE-Studie (Heart outcomes prevention evaluation) konnte gezeigt werden, dass durch Ramipril (Delix protect®) die kardiovaskuläre Morbidität und Letalität bei Patienten mit klinisch manifester Arteriosklerose günstig beeinflusst wird.