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22. Jahrgang Heft 3 März 2004

Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Hartmut Porst, Hamburg
Die erektile Dysfunktion ist mit einer Prävalenz von etwa 20 % in der Altersgruppe 30 bis 80 Jahre eine der häufigsten Erkrankungen des Mannes in Deutschland. Mit Hilfe neuer Untersuchungsmethoden konnte in den letzten 15 Jahren gezeigt werden, dass die Mehrzahl der Fälle von erektiler Dysfunktion (ED) organischen Ursprungs ist, wobei insbesondere Risikoerkrankungen wie Hypertonie, Hypercholesterolämie, koronare Herzkrankheit oder zerebrale Durchblutungsstörungen, alles Erkrankungen, welche dem Begriff endotheliale Dysfunktion zuzuordnen sind, eine überzufällig häufige Koinzidenz mit ED zeigen. Die Einführung von Sildenafil 1998 hat zwar die gesamte Behandlung der ED revolutioniert, trotzdem suchen nur etwa 15 % der Betroffenen ärztliche Hilfe. Mit Tadalafil steht seit Februar 2003 ein neuer PDE-5-Hemmer zur Verfügung, der in klinischen Studien durch gute Wirkung (75 % erfolgreiche Koitusversuche) und niedrige Nebenwirkungsrate überzeugen konnte. Hauptunterschied zu Sildenafil ist die längere Halbwertszeit (17,5 h gegenüber 3,7 h), welche eine unerwünschte Planung des Koitus weitgehend überflüssig macht.


Übersichten
Marion Haubitz und Alexander Woywodt, Hannover
Vaskulitiden sind Erkrankungen, die durch einen Entzündungsprozess in Blutgefäßen unterschiedlicher Organe verursacht werden. Man unterscheidet primäre Vaskulitiden als eigenständige Krankheitsbilder von sekundären Vaskulitiden im Gefolge verschiedener Grunderkrankungen. Da sich die Therapie der sekundären Vaskulitiden meist nach der jeweiligen Grunderkrankung richtet, soll im Folgenden nur auf primäre Vaskulitiden eingegangen werden. Die Ätiologie der primären Vaskulitiden ist gegenwärtig noch unklar. Daher erfolgt die Einteilung dieser Erkrankungen entsprechend der Klassifikation von Chapel Hill nicht nach Ätiologie und Pathogenese, sondern nach der Größe der kleinsten befallenen Gefäße [1] (Tab. 1). Hier soll zunächst der aktuelle Stand der Therapie, geordnet nach Erkrankungen, besprochen werden. Anschließend soll eine Übersicht über neue Substanzen und Therapiestrategien gegeben werden.


Helmar C. Lehmann1, Bernd C. Kieseier1, Gerd R. Hetzel2, Bernd Grabensee2 und Hans-Peter Hartung1, Düsseldorf
Die Plasmapherese ist ein Behandlungsprinzip, das in der Neurologie schon seit Jahren mit Erfolg eingesetzt wird. Das Spektrum neurologischer Störungen, die effektiv und sicher mit einer Plasmapherese behandelt werden können, besteht im Wesentlichen aus autoimmunvermittelten, oft mit pathologischen Autoantikörpern assoziierten Erkrankungen, wie beispielsweise dem Guillain-Barré-Syndrom, der chronisch inflammatorischen Polyneuropathie oder der Myasthenia gravis. Als therapeutisches Prinzip wird dabei eine relevante Reduktion pathogenetischer Faktoren im Plasma angenommen. Mehrere große randomisierte Therapiestudien konnten dabei eine therapeutische Wirksamkeit der Plasmapherese bei diesen Erkrankungen belegen. Der vorliegende Artikel gibt eine Übersicht über den Stellenwert der therapeutischen Plasmapherese in der Neurologie unter besonderer Berücksichtigung aktueller Studien.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Dr. Susanne Heinzl
Weniger akute Bronchitiden und Hospitalisierungen bei Oseltamivir-Therapie
Eine Influenza-Behandlung mit Oseltamivir (Tamiflu®) verringert bei ansonsten gesunden Erwachsenen und bei Risikopatienten die Häufigkeit von Antibiotika-Therapie-pflichtigen tiefen Atemwegsinfektionen sowie von Krankenhausaufnahmen. Dies ergab eine prospektive Analyse von Daten aus zehn Plazebo-kontrollierten, doppelblind durchgeführten Studien mit Oseltamivir.


Dr. Susanne Heinzl
Salvage-Therapie mit Caspofungin
Das Echinocandin Caspofungin (Cancidas®) kann bei Patienten mit invasiver Aspergillose, die auf andere Antimykotika nicht mehr ansprechen, wirksam sein.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
CSE-Hemmer reduziert kardiale Ereignisse
Fluvastatin (z. B. Locol®) reduziert die Rate kardialer Todesfällen und nicht-tödlicher Herzinfarkte bei Patienten nach Nierentransplantation, so die Ergebnisse einer randomisierten doppelblinden Studie. Beim primären, kombinierten Studienendpunkt, definiert als kardiale Todesfälle, nicht-tödliche Herzinfarkte plus koronartherapeutische Eingriffe, ergab sich allerdings kein signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Kombinierte präinterventionelle Therapie hat keine Vorteile
Die interventionelle Therapie des frischen Myokardinfarkts sollte immer unter dem Schutz eines Glykoprotein-IIb/IIIa-Inhibitors durchgeführt werden. Durch die zusätzliche Gabe eines Fibrinolytikums wie Reteplase kann das Interventionsergebnis nicht verbessert werden.


Dr. Susanne Heinzl
Anidulafungin versus Fluconazol
Das Echinocandin-Antimykotikum Anidulafungin erwies sich in einer randomisierten, doppelblind durchgeführten Phase-III-Studie bei Patienten mit Ösophagus-Candidiasis als vergleichbar gut wirksam wie Fluconazol. Die intravenöse Anidulafungin-Gabe hat also im Vergleich zur oralen Fluconazol-Therapie keine Vorteile.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Bessert ein Vasopressin-2-Antagonist die klinische Rekompensation?
Ihrem Wirkungsmechanismus entsprechend stellen Vasopressin-2-Antagonisten theoretisch ein sinnvolles Therapiekonzept bei Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz dar. In einer ersten klinischen Studie (ACTIV-in-CHF-Studie) konnte jetzt für den Vasopressin-2-Antagonisten Tolvaptan eine günstige klinische Wirkung dokumentiert werden.


Alexandra Hennemann, Stuttgart
Senkung der Letalität durch Clodronsäure?
Bei einer Therapie mit dem Bisphosphonat Clodronsäure ist in zwei größeren Studien bei Patientinnen mit Mammakarzinom eine Verringerung der Knochenmetastasen sowie der Letalität festgestellt worden, eine dritte Studie kam jedoch zum gegenteiligen Ergebnis.