Suche / Archiv


Erweiterte Suche

22. Jahrgang Heft 4 April 2004

Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Dietmar Winkler und Siegfried Kasper, Wien
Escitalopram (Cipralex®), das neueste Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI; selective serotonin reuptake inhibitor), ist das S-Enantiomer der chiralen Substanz Citalopram. Verglichen mit anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern besitzt Escitalopram die höchste Rezeptor-Spezifität für den Serotonin-Transporter. Es weist eine lineare Pharmakokinetik und ein geringes Potential für Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf. Klinische Studien haben die Wirksamkeit von Escitalopram in der Akuttherapie, aber auch in der Langzeittherapie depressiver Erkrankungen gezeigt. Weiterhin hat sich die Substanz als effektiv in der Therapie der generalisierten Angststörung, der Panikstörung und der sozialen Phobie erwiesen. Escitalopram hat insgesamt ein sehr günstiges Nebenwirkungsprofil, wobei sich die Abbruch-Rate aufgrund von Nebenwirkungen in doppelblinden Studien nicht von der unter Plazebo unterscheidet.


Carsten Bokemeyer, Jörg Thomas Hartmann und Hans-Peter Lipp, Tübingen
Behandlung mit Darbepoetin alfa
Eine Anämie ist eine häufige, in ihrer Auswirkung auf die Lebensqualität onkologischer Patienten oft unterschätzte Folge der Tumorerkrankung und/oder einer Chemotherapie. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf eine wichtige Bedeutung der Anämie für Prognose und Therapieerfolg. Darbepoetin alfa (Aranesp®) ist ein neuer erythropoetischer Wachstumsfaktor, der gezielt durch Modifikation von humanem Erythropoetin entwickelt wurde, um die terminale Halbwertszeit im Serum zu verlängern. Es kann daher seltener appliziert werden als rekombinantes humanes Erythropoetin (rHuEPO). Weitere Vorteile sind hohe Ansprechraten und ein relativ schneller Eintritt der erythropoetischen Wirkung. Die klinische Wirkung von Darbepoetin alfa wurde bei Patienten mit unterschiedlichen Tumorerkrankungen und verschiedenen Chemotherapien intensiv untersucht. Aufgrund der Ergebnisse zweier großer Phase-III-Studien wurde Darbepoetin alfa zur Behandlung der Chemotherapie-induzierten Anämie bei erwachsenen Patienten mit nicht-myeloischen malignen Erkrankungen zugelassen.


Übersicht
Ralf Stahlmann und Rainard Fuhr, Berlin
Klinisch-pharmakologische Aspekte der oralen und intravenösen Therapie
Azithromycin ist der erste und bisher einzige Vertreter der Azalide. Die therapeutischen Möglichkeiten mit Azithromycin werden durch die neu entwickelte Zubereitungsform zur parenteralen Gabe ergänzt. Die Eigenschaften des Antibiotikums stehen im Fokus dieser Übersicht.
Azithromycin besitzt im Vergleich zu den Makroliden (Erythromycin, Roxithromycin, Clarithromycin) ein breiteres antibakterielles Wirkungsspektrum, die Aktivität gegen Pneumokokken ist etwas schwächer, trotzdem werden Pneumokokken ohne Makrolid-Resistenz zuverlässig erfasst. Aber vor allem im gramnegativen Bereich kann im Vergleich zu Makroliden und Ketoliden eine deutlich höhere Aktivität festgestellt werden. Die wichtigsten Unterschiede zwischen dem bisher einzigen Azalid und den Makroliden bestehen jedoch in den pharmakokinetischen Eigenschaften. In zahlreichen Studien wurde gezeigt, dass Azithromycin sich im Gewebe anreichert und vor allem hohe Konzentrationen im infizierten Gewebe erzielt werden, die in dieser Ausprägung mit Makroliden nicht erreichbar sind. Im Gegensatz zu den Makroliden/Ketoliden hemmt Azithromycin Cytochrom-P450-abhängige Monooxygenasen nicht. Die besonderen pharmakologischen Eigenschaften von Azithromycin ermöglichen ein einfaches, Patienten-freundliches Therapieschema.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Niedrige INR-Werte reichen nicht
Nach einer tiefen Beinvenenthrombose ist eine orale Antikoagulation mit einem INR-Wert von 1,5 bis 1,9 weniger wirksam zur Verhinderung thrombotischer Ereignisse als eine Antikoagulation mit einem INR-Wert von 2,0 bis 3,0. Die Häufigkeit von Blutungskomplikationen ist identisch.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Aggressives Lipid-Management effektiver
Die gute klinische Wirkung der CSE-Hemmer beruht darauf, dass sie nicht nur den LDL-Cholesterol-Spiegel senken, sondern auch die Progression der Arteriosklerose hemmen. In der REVERSAL-Studie zeigte ein aggressives Lipid-Management mit 80 mg/Tag Atorvastatin (Sortis®) einen günstigere sekundärpräventive Wirkung als eine moderate Therapie mit 40 mg/Tag Pravastatin (z. B. Pravasin®).


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Valsartan ebenso wirksam wie Captopril
Nach den Ergebnissen größerer Studien sind ACE-Hemmer bei Infarkt-Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion oder kardialer Dekompensation Mittel der Wahl. In der VALIANT-Studie konnte jetzt gezeigt werden, dass der Angiotensin-Rezeptorantagonist Valsartan (Diovan®, Provas®) bei Patienten nach Herzinfarkt ebenso wirksam ist wie Captopril. Die Kombination Valsartan plus Captopril hat keinen zusätzlichen Nutzen, verschlechtert aber die Verträglichkeit.


Dr. med. Julia Hofmann, Grafing
Everolimus effizienter gegen Transplantat-Vaskulopathie als Azathioprin
In der Prävention der Vaskulopathie nach Herztransplantation wirkte das Immunsuppressivum Everolimus besser als die Standardmedikation mit Azathioprin. Everolimus reduzierte sowohl Schweregrad als auch Inzidenz der Gefäßschädigung.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Progressionswahrscheinlichkeit unter Imatinib herabgesetzt
Bei Patienten mit einer chronischen myeloischen Leukämie können die BCR-ABL-Transkript-Spiegel durch eine Behandlung mit Imatinib (Glivec®) bedeutend besser gesenkt werden als mit Interferon alfa plus Cytarabin (z. B. Udicil®).


Dr. Susanne Heinzl
Voriconazol bei ZNS-Aspergillose
Das Antimykotikum Voriconazol (Vfend®) zeigt nach retrospektiven Analysen ermutigende Wirkungen bei Patienten mit ZNS-Aspergillose.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Thromboembolieprophylaxe mit Ximelagatran
Der direkte Thrombin-Hemmer Ximelagatran bietet sich für die Thromboembolieprophylaxe bei Patienten mit chronischem Vorhofflimmern als Alternative zu einem Cumarin-Präparat an. In der SPORTIF-V-Studie erwies sich Ximelagatran als ebenso wirksam wie Warfarin bei geringerem Blutungsrisiko.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Intrakoronare Stammzelltransplantation verkleinert Infarktareal
Ein neues experimentelles Therapiekonzept ist die Stammzelltransplantation bei Patienten mit frischem Myokardinfarkt. In einer ersten randomisierten kontrollierten klinischen Studie konnte jetzt gezeigt werden, dass dadurch das Infarktareal verkleinert werden kann.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
SSRI sind weitgehend sicher
Patienten mit Herzerkrankungen leiden überdurchschnittlich häufig an Depressionen. Bei der Auswahl der Antidepressiva muss sorgfältig vorgegangen werden. Klassische trizyklische Antidepressiva sind zwar prinzipiell einsetzbar, rufen jedoch relativ häufig Orthostase-Reaktionen hervor. Sicherer sind die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.


Alexandra Hennemann, Stuttgart
Epoetin verbessert Lebensqualität bei Fatigue
Rekombinantes humanes Erythropoetin senkt bei Krebspatienten mit Anämie den Transfusionsbedarf, führt zu einer Erhöhung der Hämobglobin-Werte und verbessert die Lebensqualität, so die Aussagen bei einem Satellitensymposium der Firma Hoffmann-La Roche im Oktober 2003 in Basel.


Gabriele Blaeser-Kiel, Hamburg
Immunglobuline als Alternative bei Kontraindikationen gegen First-Line-Therapie
Obwohl die Wirksamkeit von Immunglobulin-Infusionen bei multipler Sklerose (MS) seit nahezu 20 Jahren bekannt ist, reichen die Daten bisher für eine Zulassung noch nicht aus. Dennoch hat diese Behandlungsform nach Aussage von J. Haas, Berlin, bei einer Pressekonferenz der Firma Bayer Vital einen hohen Stellenwert, wenn die First-Line-Therapie mit Beta-Interferonen oder Glatirameracetat nicht möglich oder nicht erfolgreich ist.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Lopinavir/Ritonavir-Kombination seit fünf Jahren ohne Resistenzen
In klinischen Studien konnte bisher bei mehr als 1 000 HIV-Patienten, die den mit Ritonavir geboosterten Protease-Hemmer Lopinavir in der Ersttherapie erhielten, keine Protease-Hemmer-Resistenz nachgewiesen werden. Resistente Virusmutanten gegen die begleitenden antiretroviralen Medikamente entwickeln sich mit Lopinavir/Ritonavir ebenfalls seltener. Diese Daten wurden bei einem Workshop der Firma Abbott im September 2003 vorgestellt.