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22. Jahrgang Heft 7 Juli 2004

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen
Fakt oder Fiktion?


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Rolf Rau, Ratingen
Humaner TNF-α-Antikörper bei rheumatoider Arthritis
Der humane TNF-α-Antikörper Adalimumab bindet spezifisch an das proinflammatorische Zytokin TNF-α und neutralisiert es damit. Adalimumab wurde seit Ende 1997 an über 2 500 Patienten mit meist fortgeschrittener schwerer aktiver rheumatoider Arthritis (RA) nach Versagen konventioneller Basistherapeutika geprüft. Dabei kommt es innerhalb von 1 bis 2 Wochen zu einer signifikanten Besserung der klinischen und blutchemischen Aktivitätsparameter. Mit subkutanen Dosen von 40 bis 80 mg wöchentlich oder 14-tägig wurden nach 3 und 12 Monaten EULAR-Ansprechraten von 70 bis 85 % erzielt und in der Langzeittherapie gehalten. Das mediane CRP fällt in den Normbereich. Das Röntgenbild zeigt eine sehr starke Hemmung bis Aufhebung der weiteren Gelenkdestruktion. Die Kombination mit Methotrexat ergibt eine Wirkungsverstärkung. Die Verträglichkeit ist allgemein gut. Eine Resistenzminderung gegenüber Infektionen ist zu beachten. Bei latenter Tuberkulose ist engmaschige Überwachung erforderlich.


Rainer Düsing, Bonn
Antihypertensives Potenzial einer fixen Kombination
Zur Normalisierung erhöhter Blutdruckwerte ist bei der großen Mehrzahl der Hypertonie-Patienten eine Kombination mit zwei und mehr Substanzen notwendig. Für die Gruppe der Angiotensin-Rezeptorantagonisten (AT1-Antagonisten) sind bereits eine Reihe von fixen Zweierkombinationen verfügbar, die neben dem „Sartan“ 12,5 mg Hydrochlorothiazid enthalten. Erstmals ist aktuell mit der fixen Kombination von 160 mg Valsartan und 25 mg Hydrochlorothiazid eine Zweierkombination für die Therapie der Hypertonie zugelassen, die durch das höher dosierte Thiazid eine verstärkte antihypertensive Wirkung hat. So liegt die Größenordnung der (Plazebo-korrigierten) Blutdrucksenkung mit dieser Substanz bei 21 mm Hg systolisch und 11 mm Hg diastolisch. Dies übertrifft die erreichbare Blutdrucksenkung mit einer Kombination aus 160 mg Valsartan und
12,5 mg Hydrochlorothiazid und auch anderer AT1-Antagonisten mit 12,5 mg Hydrochlorothiazid. Der höher dosierte Thiazid-Anteil verstärkt Diuretika-typische Nebenwirkungen wie Abfall des Serum-Kaliumspiegels. Diese sind jedoch in der Kombination mit 160 mg Valsartan deutlich geringer als unter einer Monotherapie mit 25 mg Hydrochlorothiazid.


Übersicht
Horst Scholz, Berlin-Buch
Stellenwert in der Pädiatrie
Die Antibiotika-Auswahl in der Pädiatrie ist eingeschränkt, da eine Reihe von Substanzen für Kinder nicht zugelassen ist. Vor allem bei (schweren) Infektionskrankheiten, bei denen neben grampositiven und gramnegativen Erregern vermehrt mit multiresistenten Erregern wie Enterobacter spp. oder Pseudomonas aeruginosa gerechnet werden muss, reduziert sich die Zahl der wirksamen Antibiotika. Beta-Lactam-Antibiotika gehören zu den bei Kindern am häufigsten eingesetzten Antibiotika. Hierbei kommt der Gruppe der Cephalosporine eine besondere Bedeutung zu.
Aktuelle Studiendaten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen einen Anstieg der Resistenzraten einiger Bakterien gegenüber Antibiotika. Bei grampositiven Bakterien ist eine deutliche Zunahme der Makrolid-resistenten Pneumokokken und bei Enterobacteriaceae ein Anstieg der Stämme mit Bildung von Beta-Lactamasen mit erweitertem Spektrum festzustellen. Außerdem ist ein Anstieg der Resistenzraten von Pseudomonas aeruginosa gegenüber Ceftazidim und Piperacillin um 8 bis 9 % auffällig, die bei Isolaten von Patienten auf Intensivstationen gegenüber Ceftazidim bereits 15 % bzw. gegenüber Piperacillin 16 % beträgt. Daher ist die Verfügbarkeit eines Antibiotikums wie Cefepim – mit erweitertem Spektrum, höherer Beta-Lactamase-Stabilität und geringeren Resistenzraten im Vergleich zu den bisher in der Pädiatrie verfügbaren Cephalosporinen – von besonderer Bedeutung. Cefepim verfügt sowohl über eine gute Wirksamkeit gegen grampositive Erreger (Staphylokokken, Pneumokokken einschließlich Penicillin- und Makrolid-resistenter Stämme und andere Streptokokken) als auch gegen gramnegative Bakterien (einschließlich Enterobacter spp. und Pseudomonas aeruginosa) und erfasst einen Teil der Erreger, die gegen Cephalosporine der Gruppe 3 resistent sind. Cefepim ist das erste Cephalosporin der Gruppe 4, das in den USA und in zahlreichen europäischen Ländern einschließlich Deutschland für die Therapie von Infektionen bei Kindern ab einem Alter von einem Monat beziehungsweise zwei Monaten zugelassen ist. Zu den Indikationen gehören Sepsis, schwere Pneumonien, komplizierte Harnwegsinfektion und Pyelonephritis, bakterielle Meningitis und die empirische Initialtherapie bei onkologischen Patienten mit febriler Neutropenie. Die hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit von Cefepim bei Kindern mit schweren Infektionen wurden in zahlreichen prospektiven, randomisierten, klinischen Vergleichsstudien belegt.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Fondaparinux subkutan ist einer Heparin-Dauerinfusion vergleichbar
Der neue Faktor-Xa-Inhibitor Fondaparinux ist bei Patienten mit einer akuten Lungenembolie bei einmal täglicher subkutaner Applikation in Wirksamkeit und Verträglichkeit vergleichbar mit einer Standardtherapie in Form einer Infusion mit unfraktioniertem Heparin.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
US-Applikationsrichtlinien werden nur unzureichend befolgt
Als Blutungsprophylaxe oder Antidot zum Antikoagulans Warfarin beispielsweise vor Operationen oder bei Überschreiten der Ziel-Prothrombinzeit wird Vitamin K gegeben. Meist genügt die orale Gabe. Eine Untersuchung an einem amerikanischen Universitätskrankenhaus ergab allerdings, dass nur in 17 % der Fälle Leitlinien-konform therapiert wurde.


Dr. med. Julia Hofmann, Grafing
Enalapril reduziert Sterblichkeit
Der ACE-Hemmer Enalapril reduziert bei symptomatischer linksventrikulärer systolischer Dysfunktion die Sterblichkeit, so das Ergebnis von SOLVD (Studies of left ventricular dysfunction). Eine zwölfjährige Follow-up-Studie ergab, dass Enalapril die Lebenserwartung auch langfristig verbessert.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Weniger Nebenwirkungen mit Budesonid
Patienten mit Morbus Crohn, die unter einer Medikation mit Glucocorticoiden stehen, profitieren von einer Umstellung auf das lokal wirksame Glucocorticoid Budesonid. Nebenwirkungen wie Mondgesicht, Akne und Gewichtszunahme gingen in einer Studie mit 178 Morbus-Crohn-Patienten signifikant zurück.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Neuer Proteaseinhibitor für einmal tägliche Einnahme zugelassen
Atazanavir, der erste Proteaseinhibitor zur einmal täglichen Einnahme, ist seit März 2004 in der EU zugelassen. Die Zulassung gilt bei Boosterung mit Ritonavir in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung vorbehandelter HIV-1-infizierter Erwachsener. Atazanavir hat keinen Einfluss auf den Lipid- und Glucosestoffwechsel. Die bisher bekannten Daten zu Atazanavir wurden im Rahmen des Einführungssymposiums der Firma Bristol-Myers Squibb Anfang März in Berlin präsentiert.


Bettina Polk, Stuttgart
Therapie auch bei normalen Leberwerten
Mit der Kombination aus pegyliertem Interferon alfa-2a plus Ribavirin werden bei Patienten mit chronischer Hepatitis-C-Infektion und Leberwerten im Normbereich vergleichbare Viruseliminationsraten wie bei Patienten mit erhöhten Transaminasen erzielt. Die Therapie kann indiziert sein, da trotz vermeintlich normaler Leberwerte eine Leberschädigung entstehen kann oder auch um ein Übertragungsrisiko zu vermeiden, so Prof. Dr. Stefan Zeuzem bei einem Workshop der Firma Hoffmann-La Roche im Februar in Frankfurt.


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Langzeittherapie mit Risperidon-Depot wird evaluiert
Die Rückfallprophylaxe bei Schizophrenie-Patienten mit der Depot-Formulierung von Risperidon soll unter naturalistischen Bedingungen in einer Spiegelstudie evaluiert werden. Das Internet-basierte Register mit Daten von geplanten 3 000 Patienten soll Aufschluss über den Krankheitsverlauf unter der Depot-Behandlung und über deren pharmakoökonomischen Wert erlauben.


Dr. Barbara Bornkessel, Bremen
Adjuvante Therapie mit Capecitabin oder 5-FU/LV?
Bei Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III, die nach kurativer Operation adjuvant behandelt werden, ist Capecitabin (Xeloda®) besser verträglich als Fluorouracil/Folinsäure (5-FU/LV). Dies zeigen die in der X-ACT-Studie erhobenen Daten zur Verträglichkeit, die im Rahmen eines Satellitensymposiums der Firma Hoffmann-La Roche beim Deutschen Krebskongress vorgestellt wurden.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
First-Line-Therapie mit Docetaxel und Platin verlängert das Überleben
Mit der Kombination Docetaxel (Taxotere®) plus Cisplatin in der Erstlinientherapie überleben nach zwei Jahren mehr Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) als mit der Kombination Vinorelbin plus Cisplatin und Vindesin plus Cisplatin.