Suche / Archiv


Erweiterte Suche

22. Jahrgang Heft 9 September 2004

Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Carsten Bokemeyer, Karin Oechsle, Jörg T. Hartmann und Lothar Kanz, Tübingen
Erster monoklonaler Antikörper gegen den EGF-Rezeptor
Der monoklonale Antikörper Cetuximab (Erbitux®) ergänzt seit Juli 2004 in Deutschland die Therapieoptionen für Patienten mit fortgeschrittenen Kolon- und Rektumkarzinomen. Cetuximab ist ein chimärer monoklonaler IgG1-Antikörper, der spezifisch gegen den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) gerichtet ist. Cetuximab verhindert die Bindung der natürlichen Liganden des EGFR und inhibiert damit die konsekutive Signalkaskade, die durch Autophosphorylierung an der Rezeptor-Tyrosinkinase intrazellulär in Gang gesetzt wird. Das klinische Entwicklungsprogramm hat sich insbesondere auf Patienten mit Platin-refraktären Tumoren im HNO-Bereich, Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom und Patienten mit Irinotecan-refraktären Kolorektalkarzinomen konzentriert. Im Rahmen einer großen randomisierten europäischen Phase-II-Studie mit 329 Patienten mit intensiv vorbehandeltem Irinotecan-refraktärem metastasiertem Kolonkarzinom konnte mit Cetuximab plus Irinotecan bei 23 % der Patienten eine Remission und bei über 50 % eine Krankheitsstabilisierung erzielt werden. Gleichzeitig zeigte sich auch eine Monoaktivität des monoklonalen Antikörpers mit 11 % Remissionen und 32 % Krankheitsstabilisierungen. Die wichtigste potenzielle Nebenwirkung von Cetuximab ist ein akneiformer Hautausschlag, der bei 5 bis 8 % der Patienten als schwerwiegend eingestuft wird. Die wöchentliche Applikation von Cetuximab in Kombination mit Irinotecan (oder als Monotherapie bei intensiv vorbehandelten Patienten) stellt somit eine wichtige und sinnvolle Verbesserung der therapeutischen Optionen beim metastasierten kolorektalen Karzinom dar. Darüber hinaus ist dies der erste Beleg in einer großen klinischen Studie für die Wirksamkeit eines neuen zielgerichteten Therapiekonzepts, der Inhibition des EGFR durch einen monoklonalen Antikörper.
Arzneimitteltherapie 2004;22:257-62.


Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Nicht nur bei der gastroduodenalen Ulkuskrankheit, sondern auch bei anderen Magenerkrankungen wie atrophischer Gastritis, MALT-Lymphom und Magenkarzinom spielt Helicobacter pylori eine wichtige pathogenetische Rolle. Unklar ist der Stellenwert bei funktioneller Dyspepsie.


Übersicht
Johann D. Ringe und Parvis Farahmand, Leverkusen
Insuffiziente Schmerztherapie begünstigt Fortschreiten der Osteoporose
Opioide und Osteoporose sind keineswegs ein Widerspruch. Seit mehreren Jahren sind analgetisch hochpotente Opioide in der Schmerztherapie nicht Malignom-bedingter ausgeprägter Schmerzsyndrome international auf dem Vormarsch. Die Osteoporose ist geradezu ein Paradebeispiel einer derartigen chronischen, nicht-malignen Erkrankung, bei der starke Schmerzen Leitsymptom und oft Hauptproblem für die Betroffenen darstellen. Andererseits kommen Opioide beim praktischen Management der Osteoporose immer noch überraschend selten zum Einsatz. Dies liegt vermutlich daran, dass viele Ärzte den Einsatz von Opioiden bei dieser Erkrankung gar nicht in Betracht ziehen oder diese aus falscher Einschätzung der möglichen Nebenwirkungen im Rahmen der Schmerztherapie ausschließen. Die nachweislich sehr risikoreichen und analgetisch bei Osteoporose meist insuffizienten NSAR werden dagegen weiterhin auf breiter Front eingesetzt.


Consensus
Friedrich Vogel, Klaus-F. Bodmann und die Expertenkommission der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V. (PEG)*
Einführung und Antibiotika
Dieser Beitrag ist das Einführungskapitel der umfasssenden Therapieempfehlungen zur parenteralen Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen, die im April 2004 in der Zeitschrift Chemotherapie Journal (Chemother J 2004;13:46-105) erschienen sind.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Magnesium wirkt nicht
Eine intravenöse Gabe von Magnesiumsalzen ist bei der Behandlung von Schlaganfällen nicht wirksam.


Dr. med. Julia Hofmann, Grafing
Weniger Restenosen mit Paclitaxel-beschichtetem Stent
Die TAXUS-IV-Studie zeigte, dass mit dem Zytostatikum Paclitaxel beschichtete Stents im Vergleich zu herkömmlichen Metallstents sicher sind und die Restenose-Rate im Zeitraum von 9 Monaten merklich senken können.


Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Kombinationstherapie von Memantin und Donepezil wirksam
Bei Patienten mit mittelschwerer und schwerer Alzheimer-Krankheit verbessert die Gabe von Memantin zu Donepezil die kognitive Funktion, das Verhalten und die Funktionsfähigkeit im Alltag. Memantin wird gut vertragen.


Dr. med. Julia Hofmann, Grafing
Verstärkte Gefäßverkalkung bei 5-Lipoxygenase-Genpolymorphismus
Leukotriene sind Entzündungsmediatoren, deren Entstehung aus Arachidonsäure durch das Enzym 5-Lipoxygenase vermittelt wird. Ein Polymorphismus des 5-Lipoxygenase-Gens in Kombination mit Ernährungsfaktoren war bei Personen ohne kardiovaskuläre Erkrankung mit Anzeichen einer höheren Arteriosklerose-Gefahr assoziiert.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Standardtherapie 2004 bei Colitis ulcerosa
Die Differenzialtherapie der Colitis ulcerosa wird von Schweregrad, Verlauf und Ausbreitung der Erkrankung bestimmt. Bei der distalen Colitis ulcerosa sollte zunächst eine topische Therapie mit Aminosalicylaten oder Budesonid eingeleitet werden. Bei Nichtansprechen oder einem schweren Krankheitsschub ist die systemische Gabe von Prednisolon indiziert und beim chronisch aktiven Verlauf empfiehlt sich eine immunsuppressive Therapie mit Azathioprin oder 6-Mercaptopurin. Die Standardtherapie zur Remissionserhaltung sind Aminosalicylate über mindestens 2 Jahre.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Rimonabant erleichtert Gewichtsreduktion und Nicotin-Verzicht
Bei der Prävention kardiovaskulärer und zerebrovaskulärer Ereignisse steht die konsequente Korrektur des Risikoprofils im Vordergrund. Der neue Endocannabinoid-Rezeptor-Blocker Rimonabant erleichtert nach den Ergebnissen erster Studien sowohl die Gewichtsreduktion als auch den Nicotin-Verzicht. Derzeit befindet sich der von der Firma Sanofi-Synthelabo entwickelte Wirkstoff in Phase III der klinischen Prüfung.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Kombinationen wirksamer als Dosiserhöhung
Schleifendiuretika, die an der distal gelegenen Henle-Schleife angreifen, können nicht immer ihre volle Wirkung entfalten. Durch eine sequenzielle Nephronblockade, also eine Kombination mit einem proximal angreifenden Diuretikum, kann die diuretische Wirkung deutlich verbessert werden.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Diastolischer Blutdruckwert nicht unter 80mm Hg
Viele Hypertoniker haben gleichzeitig eine koronare Herzkrankheit. Da die Durchblutung des Myokards vorwiegend in der Diastole erfolgt, kann durch eine zu starke diastolische Blutdrucksenkung das kardiale Risiko erhöht werden.