Suche / Archiv


Erweiterte Suche

22. Jahrgang Heft 10 Oktober 2004

Editorial
Dr. Susanne Heinzl
Ergebnisse der LA-Med 2004


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Jürgen K. Rockstroh und Martin Vogel, Bonn
Ein Drittel aller europäischen und amerikanischen HIV-Patienten weisen gleichzeitig eine Hepatitis C zusätzlich zur HIV-Infektion auf. Im Rahmen der HIV-assoziierten Immundefizienz kommt es zu einem deutlich beschleunigten Verlauf der Hepatitis C und die Leberzirrhoserate liegt mehr als fünfmal höher bei HIV/HCV-koinfizierten Patienten als bei HCV-monoinfizierten Patienten. Mit Einführung der Kombinationsbehandlung aus pegyliertem Interferon alfa und Ribavirin haben sich auch für HIV/HCV-koinfizierte Patienten deutlich verbesserte anhaltende Therapieansprechraten von bis zu 40 % erzielen lassen. Zusätzlich konnten Kohortenanalysen aufzeigen, dass mit Hilfe der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) sich auch ein verbesserter Verlauf der Hepatitis C und eine Reduktion der durch die Lebererkrankung bedingten Letalität erreichen lässt. Unter Berücksichtigung der verstärkten Hepatotoxizität der gegenwärtig verfügbaren antiretroviralen Therapieregime bei Patienten mit Hepatitis-C-Koinfektion bleibt jedoch die Entwicklung von Therapiestrategien und Richtlinien zur Betreuung der Koinfektion von großer Bedeutung.
Arzneimitteltherapie 2004;22:290-3.


Übersichten
Hans Christoph Diener, Elmar Busch und Christian Weimar, Essen*
Diagnostische und therapeutische Fortschritte 2003 und 2004
Im Folgenden werden die wichtigsten neuen Erkenntnisse zur Prävention und Behandlung des Schlaganfalls aus den Jahren 2003 und 2004 referiert. In der Primärprävention zeigt sich, dass eine Estrogen-Substitution nach der Menopause zu einem erhöhten Schlaganfall-Risiko führt. Die wichtigste präventive Maßnahme ist die Behandlung einer Hypertonie und eine orale Antikoagulation bei Patienten mit Vorhofflimmern. Beim akuten Schlaganfall hat sich in der Zwischenzeit die systemische und lokale Fibrinolyse bei Patienten, die rechtzeitig auf eine Stroke-Unit kommen, etabliert. Randomisierte Studien zeigen, dass intravenös verabreichtes Magnesiumsalz beim akuten Schlaganfall nicht wirksam ist. In der Sekundärprävention mit Thrombozytenfunktionshemmern wurden Untergruppen von Patienten identifiziert, die von Clopidogrel mehr profitieren als von Acetylsalicylsäure. Die Wirkung von Dipyridamol in der Schlaganfallprävention hängt nicht mit der potenziell blutdrucksenkenden Wirkung der Substanz zusammen. Bei vaskulärer Demenz sind Cholinesterasehemmer wie Donepezil und wahrscheinlich auch Galantamin wirksam. Bei der Behandlung von Aneurysmen im Rahmen von Subarachnoidalblutungen setzt sich immer mehr die endovaskuläre Embolisation (Coiling) gegenüber der operativen Therapie durch.


Klaus Mann, Essen
Die Indikation zur Substitution mit Levothyroxin besteht immer bei manifester Hypothyreose und für die meisten Patienten auch bei subklinischer Hypothyreose sofern TPO-Antikörper nachgewiesen wurden. Die Kosten für die Durchführung der Therapie unterscheiden sich nicht wesentlich von denen ohne Therapie, wenn die erforderlichen Kontrollen vorgenommen werden. Eine frühzeitige Behandlung bessert klinische Symptome und senkt das kardiovaskuläre Risiko. Inwieweit das laborchemische Risikoprofil (LDL-Cholesterol, Homocystein) und/oder andere Faktoren, wie die arterielle Hypertonie, von Bedeutung sind, muss in prospektiven klinischen Studien langfristig evaluiert werden.


Roland Zell und Peter Wutzler, Jena
Das West-Nil-Virus wurde über Jahrzehnte als medizinisch bedeutungslos angesehen, weil es in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet, in Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten, nur sporadisch schwere Erkrankungen verursachte und selten Epidemien des so genannten West-Nil-Fiebers auslöste. Mitte der 90er Jahre traten jedoch erstmals hochvirulente Stämme auf. Heute werden jährlich mehrere Hundert Erkrankungen registriert, die bei Menschen und Pferden häufig tödlich verlaufen. Das Verbreitungsgebiet dieser hochvirulenten Stämme hat sich innerhalb weniger Jahre auf große Teile Europas und Nordamerikas ausgeweitet. Das West-Nil-Virus wird durch Mücken übertragen. Als Reservoir dienen zahlreiche Vogelarten, so dass eine Eradikation des Virus wegen des natürlichen Kreislaufs zwischen Vögeln und Mücken praktisch nicht möglich ist. Weder eine spezifische antivirale Therapie noch eine zugelassene Vakzine stehen derzeit zur Verfügung. Die globale Klimaerwärmung und verschiedene menschliche Aktivitäten lassen in den nächsten Jahren eine weitere Ausbreitung des West-Nil-Virus in Europa und Amerika erwarten. Verstärkte Überwachungsmaßnahmen und die Aufklärung der Viruspersistenz in den endemischen Verbreitungsgebieten sind daher dringend geboten.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Senkung erhöhter Spiegel kann vaskuläre Ereignisse nicht verhindern
Eine Behandlung von Schlaganfall-Patienten mit Vitamin B6, Folsäure und Vitamin B12 führt zwar zu einer Reduktion von erhöhten Homocystein-Spiegeln, reduziert aber nicht das Risiko vaskulärer Ereignisse oder erneuter ischämischer Insulte bei Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten hatten.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Vorteile für die intensive LDL-Senkung
Zwei Studien ergaben einen Vorteil zugunsten einer intensiven LDL-Cholesterol-Senkung durch 80 mg Atorvastatin im Vergleich zu 40 mg Pravastatin – nachgewiesen einmal anhand des Surrogatmarkers Plaquewachstum in den Koronarien und zum anderen an einem kombinierten klinischen Endpunkt, der unter anderem erneuten Herzinfarkt beinhaltete.


Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Rofecoxib nicht wirksam
Der COX-2-Hemmer Rofecoxib ist in der Behandlung der Alzheimer-Erkrankung nicht wirksam.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Fibrinolyse und PTCA effektiver als alleinige Fibrinolyse
Vorrangiges Ziel bei der Behandlung des frischen Herzinfarkts ist die möglichst rasche Wiedereröffnung des verschlossenen Gefäßes. Im Rahmen einer Studie wurde die Kombination Fibrinolyse plus PTCA mit einer alleinigen Fibrinolyse verglichen, wobei sich eine Überlegenheit für das kombinierte Vorgehen ergab.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Orale Antikoagulation oder Thrombozytenfunktionshemmer?
Ob eine antithrombotische Therapie bei Patienten mit Herzinsuffizienz und stabilem Sinusrhythmus sinnvoll ist und wenn ja, welche, wird kontrovers beurteilt. Ein Vergleich einer oralen Antikoagulation mit einer Thrombozytenfunktionshemmung (Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel) ergab keinen signifikanten Unterschied zwischen den verschiedenen Strategien.


Dr. med. Annette Schlegel, Stuttgart
Erfolgsversprechende Therapie mit Eculizumab
Eculizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der die Aktivierung des Komplementsystems hemmt. Mit dieser Substanz konnte eine Verringerung der Hämolyserate, des Transfusionsbedarfs und der klinischen Schübe und damit ein erheblicher klinischer Vorteil für Patienten mit paroxysmaler nächtlicher Hämoglobinurie errreicht werden. So das Ergebnis einer offenen Studie mit elf Patienten.


Bettina Polk, Stuttgart
Etoricoxib bei Spondylarthritis
Der selektive COX-2-Hemmer Etoricoxib (ArcoxiaTM) ist bei Spondylitis ankylosans auch bei Patienten wirksam, bei denen klassische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) nicht ausreichend wirksam waren. Eine randomisierte doppelblinde kontrollierte Studie wurde auf einem von MSD unterstützten Symposium auf dem diesjährigen EULAR (European League Against Rheumatism) in Berlin diskutiert.


Dr. Susanne Heinzl
Akutes Koronarsyndrom Enoxaparin gleich wirksam wie UFH
Das niedermolekulare Heparin Enoxaparin (Clexane®) ist bei der Behandlung von Hochrisikopatienten mit akutem Koronarsyndrom genauso wirksam wie unfraktioniertes Heparin (UFH). Dies zeigen die Ergebnisse der SYNERGY-Studie (Superior yield of the new strategy of enoxaparin, revascularization and glycoprotein IIb/IIIa inhibitors), die im Rahmen einer von Aventis Pharma veranstalteten Pressekonferenz beim Kardiologenkongress im April 2004 in Mannheim vorgestellt wurden.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Wie lässt sich die Diuretika-Wirkung optimieren?
Diuretika sind die Standardtherapie bei renalen, kardialen oder hepatischen Ödemen. Bleibt der gewünschte Effekt jedoch aus, so müssen eine Reihe von Fragen zu Flüssigkeitshaushalt, Nierenfunktion, Dosis und Begleitmedikation geklärt werden.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Standardtherapie bei Morbus Crohn 2004
Die Therapie des Morbus Crohn orientiert sich am Krankheitsverlauf, der individuellen Krankheitssituation und am Behandlungsziel. Für die Behandlung des leichten Schubs sind Aminosalicylate und Budesonid die Therapie der Wahl. Bei Therapieversagen oder bei schweren Schüben ist Prednisolon indiziert. Komplizierte Krankheitsverläufe erfordern eine immunsuppressive Therapie mit Azathioprin oder 6-Mercaptopurin, bei Versagen kommen Methotrexat oder Infliximab zum Einsatz.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
COX-2-Inhibitoren bei Patienten mit Darmerkrankungen günstig
Periphere Arthropathien stellen die häufigste extraintestinale Manifestation bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen dar. Durch eine antirheumatische Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) können jedoch gefährliche Komplikationen und Krankheitsrezidive verursacht werden. Angesichts ihres günstigen Wirkungsprofils dürften spezifische COX-2-Inhibitoren günstiger sein als konventionelle NSAR.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Frakturprophylaxe bei Glucocorticoid-Therapie und geringer Knochendichte
Die Glucocorticoid-induzierte Osteoporose (GIO) ist die häufigste sekundäre Form des Knochenabbaus. Die Leitlinie der osteologischen Fachgesellschaften empfiehlt zur Therapie der Glucocorticoid-induzierten Osteoporose bei postmenopausalen Frauen zusätzlich zur Basistherapie aus Calciumsalzen plus Vitamin D ein Bisphosphonat. Zugelassen ist für diese Indikation auch Alendronsäure. Daten zu diesem Bisphosphonat wurden bei einer Veranstaltung von MSD Sharp & Dohme im April 2004 im Rahmen des diesjährigen Internisten-Kongresses in Wiesbaden vorgestellt.


Bettina Polk, Stuttgart
Rofecoxib – wirksame und verträgliche Option
Bei 310 Patienten mit juveniler rheumatoider Arthritis waren 0,3 mg/kg und 0,6 mg/kg Rofecoxib (Vioxx®) täglich vergleichbar wirksam wie die übliche Dosis von Naproxen (15 mg/kg/Tag, z. B. Proxen®). Die Verträglichkeit war in allen Behandlungsgruppen gut. Die Studienergebnisse wurden beim diesjährigen europäischen Rheumatologenkongress (EULAR) auf einem von der Firma MSD unterstützten Symposium präsentiert.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Glucocorticoide beeinflussen langfristigen Verlauf kaum
Bei den interstitiellen Lungenerkrankungen handelt es sich um ein Krankheitsbild mit sehr heterogener Ätiologie. Bei bekannter Ursache ist die Elimination des auslösenden Agens vorrangig. Ansonsten sind Glucocorticoide indiziert, die zwar symptomatisch wirksam sind, jedoch den langfristigen Krankheitsverlauf nicht immer günstig beeinflussen. Deshalb werden zurzeit neue anti-fibrotische Therapiestrategien im Rahmen klinischer Studien untersucht.