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23. Jahrgang Heft 2 Februar 2005

Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Esther Voigt und Jürgen K. Rockstroh, Bonn
Stand und Stellenwert in der Therapie der HIV-Infektion
Mit der Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie ist es zu einer nachhaltigen Reduktion der Morbidität und Letalität von HIV-infizierten Patienten gekommen. Compliance-Schwierigkeiten und Resistenzentwicklung gefährden jedoch die Dauerhaftigkeit des Therapieerfolges. Wegen seiner guten pharmakologischen Eigenschaften, verhältnismäßig einfachen Einnahmebedingungen und guten Wirksamkeit bei therapienaiven, aber auch vorbehandelten Patienten stellt Fosamprenavir ein wichtiges neues Pharmakon bei der Behandlung der HIV-Infektion dar.


Brigitte Hübner, Quedlinburg
Neuartige Therapieoption bei Mukositis
Die Mukositis ist eine wichtige, dosislimitierende und teilweise teure Nebenwirkung bei der Chemo- oder Strahlentherapie maligner Erkrankungen. Zahlreiche Lokalanästhetika-haltige Mukositislösungen werden derzeit zur Linderung der Beschwerden eingesetzt. Einen neuartigen Ansatz zur Reduktion des epithelialen Schadens nach Krebschemotherapie stellt der Einsatz eines Keratinozyten-Wachstumsfaktors mit zytoprotektiven Eigenschaften (Palifermin, Handelsname in USA KepivanceTM) dar. Im Folgenden soll ein Überblick über die derzeitige Studienlage vermittelt werden.


Übersicht
Johann D. Ringe, Leverkusen, und Erich Schacht, Zürich
Prävention und Therapie von Osteoporosen
Natives Vitamin D und D-Hormon-Analoga, wie beispielsweise Alfacalcidol, sind wichtige Bestandteile der Behandlung primärer und sekundärer Osteoporosen. Für das native Vitamin D, aber nur in Kombination mit Calciumsalz, liegen kontrollierte Studien vor, die den Effekt einer prophylaktischen Behandlung zur Reduktion extra-vertebraler Frakturen und von Stürzen bei älteren Frauen mit nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel zeigen. Die Reduktion der vertebralen Frakturrate ist dagegen nicht belegt, so dass eine Monotherapie mit nativem Vitamin D in Kombination mit Calciumsalz bei manifesten postmenopausalen Osteoporosen zum gegenwärtigen Zeitpunkt – obwohl sehr oft rezeptiert – nicht empfohlen werden kann, sehr wohl dagegen eine adjuvante mit anderen Osteoporose-spezifischen Präparaten.
Im Vergleich dazu stellt die Behandlung mit Alfacalcidol (z. B. Doss®, Bondiol®) per se eine spezifische Therapie der Osteoporose dar, für die ein fraktursenkender Effekt, insbesondere auch an der Wirbelsäule, durch mehrere kontrollierte, prospektive Studien und durch zwei Metaanalysen nachgewiesen wurde. Bemerkenswert ist der Nachweis der positiven pharmakologischen Wirkung auf die Sturzrate unabhängig vom Vitamin-D-Status. Alfacalcidol kommt daneben zur Behandlung von sekundären Osteoporose-Formen (Glucocorticoid-/Entzündungs-, bzw. Organtransplantations-induziert) ein besonderer Stellenwert zu.
Bei neuen Kombinationsstrategien ist Alfacalcidol als Kombinationspartner dem nativen Vitamin D überlegen. Bei der Therapie mit nativem Vitamin D oder Alfacalcidol oder Calcitriol muss man also unterscheiden zwischen der Supplementierung eines Vitamin-D-Mangels und der pharmakologischen Behandlung mit D-Hormon-Analoga mit dem Ziel, durch höhere Konzentrationen des D-Hormons in den Zielorganen dessen Wirkungen auf verschiedene Organsysteme (Darm, Knochen, Muskeln, Immunsystem) zu nutzen.


Consensus
Bericht von Dorothee Rüsing, Münster
Zusammenfassung der Leitlinien der Infectious Diseases Society of America (IDSA)
Fußinfektionen sind häufig vorkommende, komplexe und letztendlich kostspielige Erkrankungen des Diabetikers; hier sind sie die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen und führen in vielen Fällen bis zur Amputation der betroffenen Gliedmaßen. Daher kommt der Vorsorge, Diagnose, Pflege und der Therapie eine besondere Bedeutung zu. Die Infectious Diseases Society of America (ISDA) hat eine Leitlinie zur Verbesserung der Versorgung von Infektionen beim diabetischen Fuß herausgegeben. Diese Leitlinie beschäftigt sich mit der Pathophysiologie des diabetischen Fußes, der speziellen Mikrobiologie, der Diagnose einer Wunde und einer Infektion sowie der entsprechenden Therapie. Zudem geht sie auf mögliche Komplikationen und präventive Maßnahmen ein. Die Leitlinie wurde in Clinical Infectious Diseases 2004;39:885–910 veröffentlicht und kann im Internet unter www.journals.uchicago.edu/CID/journal/issues/v39n7/34365/34365.html abgerufen werden.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Dr. Susanne Heinzl
Retardierte Nicotinsäure verlangsamt Progression der Atherosklerose
Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit und niedrigen HDL-Cholesterol-Spiegeln kann durch eine Gabe von Nicotinsäure mit verzögerter Wirkstoff-Freisetzung zusätzlich zu einem CSE-Hemmer das Fortschreiten der atherosklerotischen Veränderungen verhindert oder verzögert werden. Dies ergab die doppelblinde, randomisierte und Plazebo-kontrollierte ARBITER-2-Studie mit 167 Patienten.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
B-Typ-natriuretisches Peptid in der Diagnostik
Das natriuretische Peptid vom B-Typ hilft in der Notfallmedizin bei der Herzinsuffizienzdiagnostik bei der Abgrenzung gegenüber einer akuten Exazerbation einer COPD. Aber auch ein Einsatz in der Prävention ist denkbar, denn bereits vor dem Auftreten klinischer Symptome sind die Werte vor allem bei Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern erhöht.


Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Ist Donepezil bei Alzheimer-Demenz wirksam?
Donepezil hat eine, wenn auch nur begrenzte Wirkung auf die kognitiven Einschränkungen von Alzheimer-Patienten, verhindert aber nicht die Einweisung ins Pflegeheim und ist nicht kosteneffektiv.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Cinacalcet – ein neues Kalzimimetikum
Das neue Kalzimimetikum Cinacalcet senkt die Parathormon-Spiegel bei dialysepflichtigen Patienten mit einem sekundären Hyperparathyreoidismus und stabilisiert dadurch die Calcium-Phosphat-Homöostase.


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Neues Breitspektrum-Antibiotikum Tigecyclin
Tigecyclin wirkt gegen eine Vielzahl grampositiver, gramnegativer und atypischer Erreger einschließlich multiresistenter Stämme. Seine Wirksamkeit bei komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen sowie bei intraabdominellen Infektionen wurde in zwei randomisierten Doppelblindstudien nachgewiesen.


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk
Aprepitant gegen Depression unwirksam
Präklinische Studien legten eine Wirkung des Neurokinin-Antagonisten Aprepitant gegen Depressionen nahe. Umfangreiche klinische Studien konnten diese Wirkung nicht bestätigen.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Invasive Mykosen oft nicht rechtzeitig erkannt
Lebensbedrohliche invasive Mykosen nehmen vor allem bei abwehrgeschwächten Patienten auf Intensivstationen, nach Organtransplantation oder mit hämatologisch-onkologischer Grunderkrankung zu. Die systemischen Mykosen werden zu wenig erkannt. Infektionen mit Aspergillus spp. sind auf dem Vormarsch.


Bettina Polk, Stuttgart
Therapie häufig nicht leitliniengerecht
Bei Patienten, die wegen eines Knochenbruchs am Oberschenkelhals oder Unterarm operiert werden, lässt sich mit relativ einfachen Maßnahmen wie einer Knochendichtemessung die Osteoporose-Therapie im Anschluss verbessern. Der Status quo und Strategien zur Verbesserung wurden auf einem von der Firma MSD veranstalteten Symposium im Rahmen des Deutschen Orthopädenkongresses 2004 diskutiert.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Keine seltene Komplikation der Leberzirrhose
Bei Patienten mit Leberzirrhose und Aszites ist die spontane bakterielle Peritonitis keine seltene Komplikation. Antibiotika der ersten Wahl sind Cephalosporine der Gruppe 3a oder Fluorchinolone. Betroffene Patienten haben eine hohe Rezidivrate und schlechte Prognose, so dass immer eine Lebertransplantation diskutiert werden sollte.


Dr. Susanne Heinzl
Perindopril verbessert Endothelfunktion
In der PERTINENT-Studie (Perindopril, thrombosis, inflammation, endothelial dysfunction and neurohormonal activation trial), einer Substudie der EUROPA-Studie (European trial on reduction of cardiac events with perindopril in stable coronary artery disease), konnte gezeigt werden, dass der ACE-Hemmer Perindopril bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit biochemische Parameter, die in Prozesse wie Entzündung und Thrombose involviert sind, beeinflusst.