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23. Jahrgang Heft 3 März 2005

Editorial
Dr. Susanne Heinzl


Übersichten
Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
Interaktionen zwischen Arzneimitteln können ein klinisch relevantes Problem darstellen. Das Verständnis für solche Interaktionen ist in den letzten Jahren – nicht zuletzt durch markante therapierelevante Beispiele wie Mibefradil oder Cerivastatin – stark gestiegen. Besondere Bedeutung für die Praxis haben dabei Wechselwirkungen, die sich im Bereich der Pharmakokinetik abspielen. Pharmakokinetische Wechselwirkungen können während der gesamten Passage eines Arzneistoffs durch den Körper auftreten. Im Gegensatz zu pharmakodynamischen Wechselwirkungen ist die Voraussage pharmakokinetischer Interaktionen schwieriger, da diese Prozesse nur in Ausnahmefällen arzneistoffspezifisch sind. Man sollte daher immer mit solchen Interferenzen rechnen.


Hartwig Klinker, Würzburg
In der Behandlung der HIV-Infektion sind in den vergangenen zehn Jahren große Fortschritte erzielt worden. Derzeit stehen über 20 Medikamente aus vier Substanzklassen zur Verfügung, die zu einer drastischen Verminderung der HIV-Replikation führen. Standard ist eine kontinuierliche Kombinationstherapie mit meist drei bis fünf Substanzen. Hierdurch kann in vielen Fällen eine Senkung der HI-Viruskonzentration unter die Nachweisgrenze erzielt werden, die in der Regel von einer Verbesserung der immunologischen Parameter gefolgt ist.
Gleichzeitig ist mit Zunahme der therapeutischen Möglichkeiten die Behandlung der HIV-Infektion allerdings auch sehr viel komplizierter geworden. Ein besonderes Problem stellen pharmakologische Interaktionen zwischen den HIV-Therapeutika selbst und auch zwischen diesen und anderen Substanzen dar. Dies trifft insbesondere auf nicht-nucleosidische Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (NNRTI) und Protease-Inhibitoren (PI) zu, die intensiv durch das Cytochrom-P450-System metabolisiert werden und daher ein großes Interaktionspotenzial haben.
Wegen der Vielzahl möglicher Interaktionen ist ein Rückgriff auf bestehende Datenbanken häufig von großem Nutzen. Ein Verfahren zur Überwachung von pharmakokinetischen Arzneimittelinteraktionen stellt das therapeutische Drug-Monitoring (TDM) von NNRTI und Protease-Inhibitoren dar, welches zunehmend Eingang in die therapiebegleitende Diagnostik der HIV-Infektion findet.
Grundkenntnisse über mögliche Interaktionen sollte nicht nur der HIV-Schwerpunktarzt besitzen, sondern auch jeder Arzt, der auf anderen Fachgebieten medikamentöse Behandlungen durchführt.


Lutz Vogel, Ostfildern, im Auftrag der AABG-Arbeitsgruppe ADKA e. V.
Vergleichstabellen zu preisgünstigen Therapiealternativen nach § 115c SGB V
Das Arzneimittelausgabenbegrenzungsgesetz (AABG) sieht mit §115c SGB V vor, dass bei Krankenhausentlassung ein preisgünstigerer Therapievorschlag anzugeben ist. Als Entscheidungshilfe für eine Aut-simile Substitution stellt die AABG-Arbeitsgruppe des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e.V. Vergleichstabellen zu häufig eingesetzten Wirkstoffen zur Verfügung. Die vorliegende Tabelle vergleicht Eigenschaften der Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ (Dihydropyridine, DHP) im Rahmen der vorgegebenen Mastertabelle.
Eine preisgünstigere Therapie ist nur dann wirklich möglich, wenn ein nicht mehr patentgeschützter Wirkstoff (Generikum) verordnet wird. Die Änderung der Arzneimittelpreisverordnung mit dem Festzuschlag von 8,10 € verursachte einen Anstieg der billigsten Generika-Preise, demgegenüber wurden die Originalpräparate gerade auch in Großpackungen deutlich preiswerter. Mit Amlodipin- und Nitrendipin-Generika lassen sich gegenüber Originalpräparaten teilweise mehr als 50 % einsparen. Dagegen sind Importe gängiger patentgeschützter Calciumantagonisten unattraktiv und nur noch für ein Präparat (theoretisch) verfügbar. Importe gängiger patentgeschützter Calciumantagonisten liegen bis zu 25 % unter den Herstellerabgabepreisen, dabei ist die nicht immer zu gewährleistende Verfügbarkeit und die von der deutschen Handelsform möglicherweise abweichende Galenik zu beachten.
Bei dieser Fassung handelt es sich um die aktualisierte Version der Publikation in Krankenhauspharmazie 2003;24:405–9 mit Stand vom 1. Februar 2005.
Arzneimitteltherapie 2005;23:91–6.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Dr. Susanne Heinzl
Aprepitant wirkt auch bei mäßig stark emetogener Chemotherapie
Der Neurokinin-Rezeptorantagonist Aprepitant (EmendTM) kann in Kombination mit einem Serotonin-Rezeptorantagonisten und einem Corticoid Übelkeit und Erbrechen, die durch eine mäßig emetogene Chemotherapie induziert sind, signifikant besser verhindern als die Kombination aus einem Serotonin-Rezeptorantagonisten und einem Corticoid allein.


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Azithromycin-Mikropartikel als Einmaldosis
Die orale Einmalgabe einer hohen Azithromycin-Dosis in einer Mikropartikel-Formulierung erwies sich bei einer Exazerbation einer chronischen Bronchitis als ebenso erfolgreich wie die einwöchige Behandlung mit 500 mg/Tag Levofloxacin.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Herzklappenstenose durch Pergolid
Bei bis zu einem Drittel der Parkinson-Patienten, die mit dem Ergot-Dopamin-Agonisten Pergolid behandelt werden, tritt eine Herzklappenstenose durch fibrotische Umbauprozesse auf. Die Nebenwirkung ist dosisabhängig und kann durch Echokardiographie nachgewiesen werden. Zumindest bei einigen Patienten ist die Erkrankung nach Absetzen der Medikation reversibel.


Dr. Matthias Herrmann, Berlin
Ibandronsäure einmal monatlich
Die einmal monatliche Einnahme des neuen Bisphosphonats Ibandronsäure bewirkt bei postmenopausaler Osteoporose einen ebenso starken Zuwachs der Knochendichte wie die tägliche Einnahme. Die Substanz besitzt eine hohe antiresorptive Potenz.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Pemetrexed bei Pleuramesotheliom und Lungenkrebs
Seit September 2004 ist Pemetrexed (Alimta®) in der Europäischen Union für die Behandlung des malignen Pleuramesothelioms („Asbesttumor“) und zur Rezidivtherapie des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) zugelassen. Die Ergebnisse der zulassungsrelevanten klinischen Studien wurden auf einer Einführungspressekonferenz der Firma Lilly vorgestellt.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Rimonabant verbessert metabolische Parameter
Rimonabant (AcompliaTM, noch nicht im Handel) ist ein selektiver Endocannabinoid-Rezeptorenblocker, der nach den Ergebnissen der RIO-EUROPE-Studie eine starke Gewichtsreduktion induziert und metabolische Parameter (Triglyceride, HDL-Cholesterol, Insulin-Sensitivität) günstig beeinflusst.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Rationaler Antibiotika-Einsatz ist die beste Prävention
Eine häufige Nebenwirkung der Antibiotika-Therapie ist eine Antibiotika-assoziierte Diarrhö. Pathogenetisch müssen verschiedene Mechanismen diskutiert werden, insbesondere eine Infektion mit Clostridium difficile. Die Therapie der Wahl bei dieser Infektion ist Metronidazol.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Dronedaron effektives und gut verträgliches Antiarrhythmikum
Bei Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern ist eine Rhythmuskontrolle mit Antiarrhythmika indiziert. Dronedaron, ein neues Antiarrhythmikum, hat im Vergleich zu Amiodaron keine Nebenwirkungen an Schilddrüse und Lunge. In ersten klinischen Studien zeigte die Substanz eine gute Wirksamkeit bei der Stabilisierung des Sinusrhythmus und eine effektive Kontrolle der Kammerfrequenz bei wiederauftretendem Vorhofflimmern.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Prophylaxe und Behandlung der rezidivierenden Hepatitis B und C
Die Re-Infektion des Lebertransplantats ist bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis B oder C ein weiterhin ungelöstes Problem. Bei einer chronischen Hepatitis B empfiehlt sich eine Langzeit-Behandlung mit Hepatitis-B-Immunglobulin, eine mögliche Alternative ist die Kombination von Lamivudin mit Hepatitis-B-Immunglobulin i. m. Bei der chronischen Hepatitis C wird die Kombinationstherapie von Interferon alfa und Ribavirin empfohlen, wenn sich eine Fibrose in der Transplantatleber entwickelt hat.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Nebivolol bei älteren Patienten wirksam
Über 70-jährige Patienten stellen die Mehrheit der Herzinsuffizienz-Patienten in der Praxis dar. In den bisher vorliegenden Studien zur Wirksamkeit von Betablockern bei Herzinsuffizienz waren Patienten über 75 Jahre ausgeschlossen. In der SENIORS-Studie konnte nun gezeigt werden, dass auch ältere Herzinsuffiziente von dem Betablocker Nebivolol (Nebilet®) profitieren.