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23. Jahrgang Heft 4 April 2005

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Jochen Rentschler und Clemens Unger, Freiburg
Fortschritt bei der Therapie rezidivierter oder therapierefraktärer Non-Hodgkin-Lymphome
Die Einführung des monoklonalen Antikörpers Rituximab führte zu erheblichen Fortschritten in der Behandlung CD20-positiver B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome (B-NHL). In zahlreichen Studien konnte die Wirksamkeit dieses Therapieprinzips sowohl in der First- als auch in der Second-Line-Therapie aggressiver und indolenter Lymphome gezeigt werden. Es ist heute bei vielen Lymphomentitäten Bestandteil der Standardtherapie.
Seit April 2004 ist das Radioimmunkonjugat Zevalin®, bestehend aus dem murinen, monoklonalen Anti-CD20-Antikörper Ibritumomab, dem Chelator Tiuxetan und dem Radionuklid 90Yttrium, in Deutschland zugelassen. Indikation ist die Zweitlinientherapie erwachsener Patienten mit CD20-positivem, follikulärem B-NHL, refraktär oder rezidiviert nach vorheriger Rituximab-Therapie. In mehrere Studien konnten vor allem bei indolenten Lymphomen hohe Gesamtansprechraten um 70 % gezeigt werden. Eine ambulante Behandlung ist möglich. Die Verträglichkeit ist nach den bisherigen Erfahrungen relativ gut. Hauptnebenwirkung ist die Hämatotoxizität; Infektionskomplikationen machten bei einer Auswertung von 349 Patienten in 7 % der Fälle eine stationäre Behandlung erforderlich.
Neben der zugelassenen Indikation wird Zevalin® im Rahmen von Studien derzeit auch bei anderen CD20-positiven Lymphomen klinisch geprüft. Daneben wird der Stellenwert von Zevalin® bei der Primärtherapie, der Hochdosistherapie, der Konsolidierung, der Therapie nicht chemotherapiefähiger Patienten und bei verschiedenen weiteren Indikationen untersucht.


Übersichten
Horst Scholz, Berlin
Wirksamkeit und Toxizität bei Erwachsenen und Kindern
Die zunehmenden Kenntnisse über die pharmakodynamischen und pharmakokinetischen Eigenschaften der Aminoglykoside führten zur Strategie der täglichen Einmalgabe. Da gegen dieses Therapieregime immer noch Vorbehalte bestehen, wurden die bisher publizierten Metaanalysen (10 bei Erwachsenen, 2 bei Kindern, 1 bei Kindern und Erwachsenen mit zystischer Fibrose) über die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Einmalgabe im Vergleich zur konventionellen täglichen Mehrfachgabe von Aminoglykosiden ausgewertet.
Die Einmalgabe von Aminoglykosiden ist bei Erwachsenen und Kindern mindestens ebenso wirksam wie die Mehrfachgabe. Bei Erwachsenen ergaben vier Metaanalysen eine signifikant bessere Wirksamkeit der Einmalgabe als die der Mehrfachgabe. Die Toxizität scheint bei Erwachsenen und Kindern nach Einmalgabe nicht höher zu sein als nach Mehrfachgabe. Drei Metaanalysen ergaben eine signifikant niedrigere Nephrotoxizität nach Einmalgabe im Vergleich zur Mehrfachgabe. Auch die Ototoxizität ist bei Erwachsenen und Kindern nach Einmalgabe nicht höher als nach Mehrfachgabe. Allerdings ist die Datenlage zur Beurteilung der Ototoxizität noch nicht ausreichend. Ein Drug-Monitoring ist bei Einmalgabe nur bei Patienten mit Risikofaktoren für eine erhöhte Toxizität notwendig. Praktische und ökonomische Aspekte sind weitere Faktoren, die beachtet werden sollten, wenn die Einmalgabe mit der Mehrfachgabe der Aminoglykoside verglichen wird. Aufgrund der mindestens gleichen Wirksamkeit und Verträglichkeit und der zusätzlichen ökonomischen Vorteile wie Einsparung von Arbeitszeit und Materialkosten sollte das Therapieregime der täglichen Einmalgabe mehr Beachtung finden.


Kasra Shakeri-Nejad, Mehdi Shakibaei und Ralf Stahlmann, Berlin
Die Expertenkommission der Infektliga
Chinolone zählen auf Grund ihres breiten Wirkungsspektrums, ihrer oralen Bioverfügbarkeit und der guten Verträglichkeit zu den am häufigsten eingesetzten antibakteriellen Substanzen. Eine ungewöhnliche Nebenwirkung der Chinolone sind ihre toxischen Wirkungen auf den juvenilen Gelenkknorpel und Sehnen. Arthropathien bei Jungtieren stellen die bekannteste Manifestationsform dieser unerwünschten Effekte dar; sie wurden bisher mit allen Chinolonen bei mehreren Spezies beobachtet. Aufgrund dieses chondrotoxischen Potenzials sind Chinolone im Kindesalter, während der Wachstumsphase im Jugendalter sowie während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, wobei die klinische Relevanz dieser tierexperimentellen Befunde noch weitestgehend ungeklärt ist [46].
Eine weitere Form der unerwünschten Chinolon-Wirkung auf das Bindegewebe sind die Tendopathien. Bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten beschrieben Bailey et al. erstmalig Patienten, die nach Nierentransplantation unter der Therapie mit Norfloxacin eine Tendinitis entwickelten [2]. 1991 wurden die ersten Fälle von Fluorchinolon-assoziierten Rupturen von Sehnen berichtet, annähernd 1 000 Fälle von Fluorchinolon-induzierter Tendinitis wurden bis 1997 an die French Drug Surveillance Agency übermittelt. Seither ist über zahlreiche Patienten in Form von einzelnen Fallberichten berichtet worden, darüber hinaus liegen einige wenige größere Studien vor. Hier soll zunächst eine aktuelle Kasuistik wiedergegeben werden, an die sich eine kurze Darstellung der anatomischen und physiologischen Grundlagen der Sehne anschließt, um schließlich eine ausführliche Zusammenfassung der bisher bekannten klinischen Daten zu diesem Thema zu präsentieren.


Die Expertenkommission der Infektliga: Friedrich Vogel, Hofheim, Kurt G. Naber, Straubing, Dieter Adam, München, Klaus-Friedrich Bodmann, Hildesheim, Cordula Lebert, Nürnberg, Arne Rodloff, Leipzig, Fritz Sörgel, Nürnberg
1998 wurde in einer Konsensuskonferenz der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V. (PEG) eine Bewertung der Fluorchinolone durchgeführt, da zu diesem Zeitpunkt neue Substanzen auf den Markt kamen. Die Einteilung erfolgte nach dem klinischen Einsatzgebiet, der Pharmakokinetik, dem antibakteriellen Spektrum und der Verfügbarkeit der Substanzen in die Gruppen I bis IV. Sie wurde im Chemotherapie Journal 1998;7:66–8 publiziert.
In der Zwischenzeit sind verschiedene Fertigarzneimittel vom Markt genommen worden, weitere neue Substanzen zugelassen und Indikationsgebiete erweitert worden, weshalb eine aktuelle Bewertung der Fluorchinolone unter klinischen Anwendungsgesichtspunkten auf der Grundlage der Gruppeneinteilung durch die PEG-Expertengruppe von 1998 sinnvoll erscheint.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Alendronsäure und Calcitriol verlangsamen den Knochenschwund
Das Bisphosphonat Alendronsäure (Fosamax®) und Calcitriol (z. B. Rocaltrol®) verhindern in vergleichbarem Maße den Knochenmasseverlust von mit Immunsuppressiva behandelten, herztransplantierten Patienten. Unter Calcitriol ist das Risiko für eine Hyperkalzurie höher als bei Alendronsäure.


Annemarie Musch, Stuttgart
Telmisartan – Effekt auf das Plasmalipidprofil
Bei Typ-II-Diabetikern mit leichter Hypertonie war Telmisartan Eprosartan in der antihypertensiven Wirkung deutlich überlegen. Der Glucose-Stoffwechsel blieb unverändert. Das Plasmalipidprofil wurde durch Telmisartan günstig beeinflusst.


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Infektionsrisiken nach Induktionstherapie mit Alemtuzumab
Der CD52-Antikörper Alemtuzumab wird inzwischen außerhalb der Zulassung auch zur T-Zell-Depletion vor Organtransplantationen oder bei Abstoßungsreaktionen eingesetzt. An der Universitätsklinik Pittsburgh wurden Bakteriämien und Fungämien sowie opportunistische Infektionen bei organtransplantierten Patienten nach Alemtuzumab-Behandlung systematisch erfasst.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Lupus-Nephritis – neue therapeutische Ansätze
In ersten klinischen Studien erwies sich die Therapie mit dem Immunsuppressivum Mycophenolatmofetil (MMF, CellCept®) bei Lupus-Nephritis als vielversprechend. Weitere neue experimentelle Therapieansätze werden derzeit klinisch erprobt.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Kombination wirksamer als höher dosierte Monotherapie
Die LDL-Cholesterol-Konzentration ist einer der entscheidenden Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit (KHK). Untersuchungsergebnisse sprechen dafür, dass es sinnvoll ist, sie bei Risikopatienten unter den bisher empfohlenen Zielwert 100 mg/dl zu senken, wobei die Kombination eines CSE-Hemmers mit Ezetimib effektiver ist als eine höher dosierte Monotherapie. So die Quintessenz einer von der Firma MSD veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen des Europäischen Kardiologenkongresses.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Symptomatische und zytoreduktive Therapieoptionen in fortgeschrittenen Stadien
Neuroendokrine Tumoren des Gastrointestinaltrakts sind morphologisch und biologisch heterogene Tumoren mit individuell sehr unterschiedlichem Krankheitsverlauf. Bei lokalisierter Erkrankung ist die Operation die Therapie der Wahl. Bei ausgedehnten Erkrankungen oder Metastasierungen kommen symptomatische und zytoreduktive Therapieoptionen zum Einsatz, wobei der individuell sehr unterschiedliche Krankheitsverlauf berücksichtigt werden sollte.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Selektive COX-2-Hemmer bieten keine Vorteile
Das Risiko renaler Komplikationen unterscheidet sich nicht zwischen nichtselektiven nichtsteroidalen Antirheumatika und selektiven COX-2-Hemmern.