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23. Jahrgang Heft 5 Mai 2005

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Johann D. Ringe, Leverkusen
Innovatives Osteoporose-Therapeutikum mit dualem Wirkungsprinzip
Osteoporose ist charakterisiert durch eine Abnahme der Knochenmasse mit gleichzeitigem Qualitätsverlust der Mikroarchitektur des Knochengewebes und damit einer erhöhten Frakturneigung. Ursächlich dafür sind ein gesteigerter Knochenabbau oder eine verminderte Knochenneubildung. Strontiumranelat ist eine innovative orale Substanz zur Therapie der postmenopausalen Osteoporose, die seit Oktober 2004 zur Prävention von Wirbel- und Oberschenkelhals-Frakturen unter dem Handelsnamen Protelos® in Deutschland erhältlich ist. In umfangreichen präklinischen und klinischen Studien konnte der neuartige duale Wirkungsmechanismus von Strontiumranelat belegt werden: Als erstes Osteoporose-Medikament stimuliert Strontiumranelat die Knochenneubildung und bremst gleichzeitig die Knochenresorption. Das heißt, Strontiumranelat verhindert weitere Knochensubstanzverluste, steigert die Knochenmasse und erhöht somit die Kochenfestigkeit. Die Knochenmineralisation bleibt dabei im physiologischen Bereich. In SOTI (Spinal osteoporosis therapeutic intervention, n = 1 649) und TROPOS (Treatment of peripheral osteoporosis, n = 5 091), zwei großen prospektiven, Plazebo-kontrollierten Doppelblindstudien, wurde die klinische Wirkung und gute Verträglichkeit von Strontiumranelat bei postmenopausaler Osteoporose nachgewiesen. Die Patientinnen erhielten über drei Jahre 2 g Strontiumranelat täglich oder Plazebo und zusätzlich über den gesamten Studienzeitraum Calciumsalze und Vitamin D. Insgesamt war das neue Therapieprinzip in beiden Studien sehr gut verträglich. Strontiumranelat erhöhte signifikant die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule (LWS) und am Schenkelhals. Bereits im ersten Jahr betrug in SOTI die Reduktion des relativen Risikos für eine vertebrale Fraktur 49 %. Wurden neun Patientinnen über drei Jahre mit täglich 2 g behandelt, konnte eine Fraktur verhindert werden (NNT = 9), entsprechend einer Reduktion neuer Wirbelfrakturen um 41 %. TROPOS belegte unabhängig davon an 5 091 Patientinnen die Wirksamkeit von Strontiumranelat auf die Reduktion nicht-vertebraler Frakturen einschließlich proximaler Femurfrakturen.


Übersichten
Matthias Maschke und Hans-Christoph Diener, Essen
Pathogenese und Therapie
Pneumonien sind eine der häufigsten Komplikationen bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen, die mit Schluckstörungen einhergehen. Dabei kommt es infolge der Dysphagie zu einer Aspiration oropharyngealen Materials. Durch eine verminderte Immunabwehr bei gleichzeitig höherer Konzentration an pathogenen Erregern und verminderter Sekretabhustung entwickelt sich als Folge der (wiederholten) Aspirationen die Pneumonie. Die wichtigste präventive Maßnahme zur Vermeidung einer Pneumonie ist die frühzeitige Mobilisation des Patienten nach einem Schlaganfall. Inwieweit ein gezieltes Schlucktraining das Risiko des Auftretens einer Pneumonie vermindert, wird diskutiert. Die initiale kalkulierte Antibiotika-Therapie richtet sich zum einen nach der Klassifikation in ambulant erworbene oder nosokomiale Pneumonie. Letztendlich unterscheidet sich die Therapie nicht von der Pneumonie bei anderen Patienten mit schweren internistischen Begleiterkrankungen. Inwieweit eine vorbeugende Antibiotika-Therapie in Zukunft zu einer Vermeidung solcher durch die Dysphagie bedingten Pneumonien gerade bei Patienten mit Schlaganfall führen könnte, ist eine spannende Frage, die durch randomisierte Studien geklärt werden muss.


Werner Menz im Auftrag der AABG-Arbeitsgruppe ADKA e. V.
AABG: Preisgünstige Therapiealternativen nach § 115c SGB V
Im Auftrag der AABG-Arbeitsgruppe des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker ADKA e. V. wurde eine Übersichtstabelle von den in Deutschland zugelassenen ACE-Hemmstoffen erstellt. Sie enthält klinisch relevante Daten, die eine rasche Entscheidung für eine preisgünstige Therapiealternative im Sinne des § 115c SGB V ermöglichen. Bei dieser Fassung handelt es sich um die aktualisierte Version der Publikation in Krankenhauspharmazie 2003;24:462–9.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Dr. Susanne Heinzl
Letrozol verbessert Chancen für krankheitsfreies Überleben bei Brustkrebs
Eine adjuvante Therapie mit dem Aromatasehemmer Letrozol (Femara®) reduziert bei postmenopausalen Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs im Frühstadium das Risiko eines erneuten Auftretens der Erkrankung signifikant im Vergleich zu Tamoxifen. Dies zeigen die ersten Ergebnisse der von der Breast International Group (BIG) durchgeführten Vergleichsstudie zwischen Letrozol und Tamoxifen, an der mehr als 8 000 Frauen teilnahmen.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
5-Alpha-Reductasehemmer versus Alpha1-Adrenozeptor-Antagonisten
Bei Patienten mit benigner Prostatahyperplasie treten unter der Therapie mit 5-Alpha-Reductasehemmer weniger häufig erkrankungsbedingte Komplikationen auf als unter der Therapie mit Alpha1-Adrenozeptor-Antagonisten.


Susanne Wasielewski, Münster
Atorvastatin bei Typ-2-Diabetikern
Bei Typ-2-Diabetikern mit höchstens mäßig erhöhtem LDL-Cholesterol, aber mindestens einem kardiovaskulären Risikofaktor konnte in einer randomisierten Studie durch die tägliche Einnahme von 10 mg Atorvastatin (Sortis®) das erste Auftreten akuter Koronarereignisse, koronarer Revaskularisation oder Schlaganfällen um relativ 37 % reduziert werden.


Susanne Wasielewski, Münster
ACE-Hemmer bei normaler linksventrikulärer Auswurffraktion überflüssig?
Nicht alle Koronarpatienten scheinen einen ACE-Hemmer zu benötigen. In der PEACE-Studie zeigte sich bei Patienten mit stabiler Koronarerkrankung ohne erhöhte linksventrikuläre Auswurffraktion kein Vorteil im kombinierten Endpunkt kardiovaskulärer Tod, nicht tödlicher Herzinfarkt und koronare Revaskularisation.


Dorothea Schulze, Tübingen
Blutdrucksenkung bei Schwangeren mit Urapidil
Bei einer Blutdrucksenkung mit Urapidil bei Präeklampsie treten weniger Nebenwirkungen bei der Mutter auf als mit Dihydralazin, die Herzfrequenz wird nicht reflektorisch erhöht. Auf die Neugeborenen konnten keine negativen Auswirkungen nachgewiesen werden.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Viele Patienten erhalten unnötige Medikamente
Bei der Behandlung des Vorhofflimmerns stellt sich zunächst die Frage, ob eine Rhythmuskontrolle oder nur eine Frequenzkontrolle angestrebt werden soll. Darüber hinaus muss entsprechend dem individuellen Risiko die Indikation für eine orale Langzeit-Antikoagulation gestellt werden. Neuere Daten aus einer aktuellen Empfehlung zeigen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre nicht immer umgesetzt werden.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Irbesartan reduziert Eiweißausscheidung im Urin
Der Nachweis einer Mikroalbuminurie ist ein wichtiger Indikator für eine beginnende Nephropathie bei Hypertonikern und Diabetikern und ein Indikator für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Für den Angiotensin-Rezeptorantagonisten Irbesartan (Aprovel®, Karvea®) ist belegt, dass er eine von der Blutdrucksenkung unabhängige nephroprotektive Wirkung hat, wie auf einer von den Firmen Bristol-Myers Squibb und Sanofi-Synthelabo veranstalteten Pressekonferenz berichtet wurde.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Geboostertes Lopinavir sechs Jahre ohne Resistenz
Der mit Ritonavir geboosterte Proteasehemmer Lopinavir hat ein günstiges Resistenzprofil in der Ersttherapie. In der bisher längsten Studie mit zuvor nicht behandelten Patienten hält der geboosterte Proteasehemmer sechs Jahre bei zwei Drittel der Patienten die Viruskonzentration unter der Nachweisgrenze. Die Studie wurde bei den Münchner AIDS-Tagen in einem Symposium der Firma Abbott präsentiert.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Weniger Krankenhausaufenthalte durch lang wirkendes Nifedipin
Der Stellenwert der Calciumantagonisten bei stabiler Angina pectoris wurde in den letzten Jahren kontrovers beurteilt. Die Ergebnisse der ACTION-Studie zeigen, dass durch die Gabe eines lang wirkenden Nifedipin-Präparats die Notwendigkeit für invasive diagnostische oder therapeutische Maßnahmen im Krankenhaus signifikant reduziert wird. In der ENCORE-Studie konnte gezeigt werden, dass das lang wirkende Nifedipin GITS die Endothelfunktion der Koronargefäße verbessert und das Atheromvolumen verkleinern kann.