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23. Jahrgang Heft 6 Juni 2005

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Übersichten
Thomas Meinertz und Jan Kähler, Hamburg
Ein Problem der Evidence-based Medicine
Polypragmasie, dem Wortsinn nach Vielfalt des Handelns, dem Sinne nach eine meist medikamentöse Mehrfachtherapie, war immer schon und wird heute zunehmend zum Problem. Im gleichen Sinne, aber inhaltlich treffender werden die Begriffe Polypharmakotherapie und Polypharmazie verwandt.


Lutz Frölich, Mannheim, Beate Schmitt, Mannheim, Pasquale Calabrese, Bochum, Hans Christoph Diener, Essen, Hans Förstl, München, Hermann Josef Gertz, Leipzig, Ralf Ihl, Düsseldorf, Jürgen Rieke, Gießen, Matthias Riepe, Berlin, Tillmann Supprian, Ho
Die Anpassung von Leitlinien zur Therapie der Alzheimer-Demenz (AD) ist stark in der Diskussion, weil neue Erkenntnisse bei einem engen gesundheitsökonomischen Spielraum einen Entscheidungsdruck bedingen. Im vorliegenden Beitrag wird der aktuelle Erkenntnisstand zur medikamentösen Therapie der Alzheimer-Demenz zusammengefasst: Gut Evidenz-basierte Substanzen umfassen neben Cholinesterase-Inhibitoren jetzt auch Memantin, welches zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Erkrankungsstadien zugelassen wurde. Klinische Kriterien für die Evidenz-basierte Bewertung der Substanzen werden diskutiert. Für die praktische Pharmakotherapie werden Therapieziele und Therapieoptionen den einzelnen Stadien der Erkrankung zugeordnet. Insbesondere werden Kriterien für den Beginn und die Beendigung der Pharmakotherapie der Alzheimer-Demenz formuliert, ohne dass diese Evidenz-basiert sein können. Aufgrund aktueller gesundheitsökonomischer Analysen und der Zulassung von Memantin wird eine Aktualisierung der Leitlinien zur Therapie und Versorgung von Demenzpatienten empfohlen.


Steffen Amann, München, im Auftrag AABG-Arbeitsgruppe ADKA e. V.
Vergleichstabellen zu preisgünstigen Therapiealternativen nach § 115c SGB V
Das Arzneimittelausgaben-Begrenzungsgesetz (AABG) verpflichtet das Krankenhaus bei der Entlassung der Patienten gemäß §115c SGB V unter anderem kostengünstige Therapiealternativen anzugeben. In Verbindung mit der Neueinführung des §14(4a) ApoG, der die Beratungspflicht der Krankenhausapotheker gegenüber den Krankenhausärzten festlegt, ergibt sich hier eine Möglichkeit zur Profilierung der Pharmazeuten im Krankenhaus. Als Arbeitshilfe stellt die AABG-Arbeitsgruppe des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. dazu Übersichtstabellen von häufig eingesetzten Stoffgruppen zur Verfügung. Die vorliegende Tabelle stellt die wesentlichen Eigenschaften der in Deutschland zugelassenen Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten in der vorgegebenen Mastertabelle vor, die neben den wesentlichen klinischen Studien auch praktisch-therapeutische und ökonomische Aspekte betrachtet.


Informationsforum Arzneimitteltherapie
Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Tirofiban in höherer Dosierung – keine vermehrten Blutungskomplikationen
Der Glykoprotein-IIb/IIIa-Rezeptorantagonist Tirofiban erweist sich in einer Dosierung von 25 µg/kg als Bolus und einer anschließenden 18-stündigen Infusion von 0,15 µg/kg pro min bei koronaren Stent-Implantationen als vergleichbar sicher wie Abciximab.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Ansprechen auf Gefitinib
Etwa 10 % aller Patienten mit einem nichtkleinzelligen Lungenkrebs sprechen auf den Rezeptor-Tyrosinkinase-Inhibitor Gefitinib (Iressa®, in Deutschland noch nicht im Handel*) an. Bei der Mehrheit dieser Patienten ist eine Mutation im Bereich der ATP-Bindungstasche der Tyrosinkinase-Domäne nachweisbar. Diese Mutation führt zu einer erhöhten Aktivität des Rezeptors.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Definierter Wechsel von Antibiotika reduziert Resistenzbildung
Definiertes und wiederholtes Wechseln der im Krankenhaus eingesetzten Antibiotika reduziert vermutlich die zunehmende Antibiotika-Resistenz. Allerdings ist die Studienlage für eine genauere Abschätzung der Effektivität dieser Maßnahme noch relativ dürftig.


Dr. Annette Schlegel, Stuttgart
Stammzellen steigern Herzleistung
In einer randomisierten kontrollierten Studie wurden adulte autologe Stammzellen zur Regeneration geschädigten Herzmuskelgewebes erfolgreich eingesetzt. Die Auswurffraktion des linken Ventrikels wurde durch die intrakoronare Injektion von Knochenmarkzellen um 6,7 Prozentpunkte gesteigert.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Initiale Kombination mit Efavirenz bewährt
Der nicht nucleosidische Reverse-Transcriptase-Inhibitor (NNRTI) Efavirenz (Sustiva®) gilt als Standard für die initiale HIV-Therapie. Die Kombination mit zwei nucleosidischen Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (NRTI) ist nach den Ergebnissen klinischer Prüfungen fünf Jahre lang wirksam und verträglich. Studiendaten wurden auf einem von der Firma Bristol-Myers Squibb veranstalteten Symposium beim internationalen HIV-Kongress in Glasgow vorgestellt.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Geboostertes Atazanavir – anhaltender Erfolg mit günstigem Lipidprofil
Der mit Ritonavir geboosterte Proteasehemmer Atazanavir ist bei stark vorbehandelten Patienten nach 96 Wochen Behandlung vergleichbar wirksam wie geboostertes Lopinavir. Atazanavir/Ritonavir hat jedoch ein günstigeres Lipidprofil und ist gastrointestinal besser verträglich. Aktuelle Daten wurden im Rahmen des internationalen AIDS-Kongresses 2004 in Glasgow präsentiert, ein Teil davon auf einem Symposium der Firma Bristol-Myers Squibb.


Dr. Susanne Heinzl
Längeres Überleben bei hormonrefraktärem Prostatakarzinom
Für Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom, die auf eine hormonelle Behandlung nicht mehr ansprechen, steht mit Docetaxel (Taxotere®) eine Chemotherapie zur Verfügung, die nicht nur die Beschwerden lindert, sondern auch die verbleibende Überlebenszeit verlängert. Zwei Phase-III-Studien, die dies belegen, wurden bei einer Pressekonferenz der Firma sanofi aventis Ende Februar 2005 vorgestellt.


Bettina Polk, Stuttgart
Omalizumab bei schwerem allergischem Asthma
Bei Patienten mit schwerem allergischem Asthma, die trotz Therapie mit hoch dosierten inhalierbaren Glucocorticoiden und langwirksamen Beta2-Sympathomimetika nicht zufrieden stellend therapiert werden können, reduziert der Anti-IgE-Antikörper Omalizumab die Häufigkeit von Exazerbationen. Omalizumab ist als Xolair® in den USA bereits zugelassen, in Deutschland wird die Zulassung für Herbst 2005 erwartet, wie auf einer Veranstaltung der Firma Novartis im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Berlin berichtet wurde.