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23. Jahrgang Heft 7 Juli 2005

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Hans Christoph Diener, Andreas Wissmann und Volker Limmroth, Essen
Migräne ist eine chronische Erkrankung, die mit schwerwiegender Behinderung der Alltagsaktivität während der akuten Attacken einhergehen kann. Eletriptan ist, wie die anderen „Triptane“, ein potenter 5-HT1B/1D-Rezeptoragonist mit einer hohen Selektivität für kraniale Gefäße. Es hat ein günstiges pharmakokinetisches Profil. Zahlreiche doppelblinde, Plazebo-kontrollierte Vergleichsstudien haben 40 mg Eletriptan als die geeignetste Dosis identifiziert. In direkten Vergleichsstudien ist Eletriptan wirksamer als die Kombination von Ergotamin und Coffein sowie Naratriptan und Sumatriptan überlegen. Eine neuere Studie zeigt, dass die Wirksamkeit deutlich zunimmt, wenn die Substanz zu einem Zeitpunkt eingesetzt wird, an dem die Migränekopfschmerzen noch leicht sind. Unter diesen Bedingungen werden auch wiederkehrende Migränesymptome und Nebenwirkungen seltener.
Arzneimitteltherapie 2005;23:206–12.


Übersichten
Michael Sarholz und Hans-Jörg Assion, Bochum*
Die Expertenkommission der Infektliga
Jenseits psychiatrischer Indikationen haben vor allem Antidepressiva und Antikonvulsiva/Phasenprophylaktika, aber auch Antipsychotika und Anxiolytika einen festen Platz in der Behandlung chronischer Schmerzsyndrome. Obwohl diese Substanzen bei verschiedenen Indikationen Mittel der ersten Wahl sind, werden sie in der Praxis noch zu selten genutzt. Während für Antidepressiva eine eigene analgetische Wirkung in einer Vielzahl von Studien mit hoher Evidenz nachgewiesen ist, wird dies für die Klasse der Antipsychotika kontrovers beurteilt. Die folgende Übersicht fasst den aktuellen wissenschaftlichen Stand über die analgetische Wirkungsweise, die Indikationen, die Dosisempfehlungen und den Zulassungsstatus der einzelnen Substanzgruppen in der Schmerztherapie zusammen.
Arzneimitteltherapie 2005;23:213–7.


Die Expertenkommission der Infektliga: D. Adam, K.-F. Bodmann, W. Elies, C. Lebert, K. Naber, F. Sörgel, A. Rodloff, F. Vogel, H. Wacha
Die Expertenkommission der Infektliga hat praxisorientierte Empfehlungen zur Behandlung bakterieller Erkrankungen der Atemwege und des HNO-Bereichs Erwachsener erarbeitet, die in Buchform* veröffentlicht wurden. Aus diesen Empfehlungen ist nachfolgend das Kapitel zur Charakterisierung der Antibiotika abgedruckt. Die Kapitel zur Behandlung von Bronchitiden, Pneumonien und HNO-Infektionen folgen in den nächsten Ausgaben.
Arzneimitteltherapie 2005;23:218–27.


Referiert & kommentiert
Clopidogrel verringert das Komplikationsrisiko
Bei instabiler Angina pectoris und Nicht-ST-Hebungsinfarkt gehört Clopidogrel heute zur Standardtherapie. Im Rahmen zweier großer klinischer Studien wurde jetzt die zusätzliche Gabe dieses Thrombozytenfunktionshemmers zur Standardtherapie auch bei Patienten mit einem ST-Hebungsinfarkt untersucht. Dabei erwies sich Clopidogrel als sicher und effektiv. Die sofortige Gabe eines Betablockers zeigte dagegen keinen günstigen Effekt.


Dr. med. Peter Stiefelhagen
Weniger kardiovaskuläre Ereignisse, jedoch keine Abnahme der Letalität
Im Rahmen einer klinischen Studie wurde eine niedrig dosierte CSE-Hemmer-Therapie (10 mg Atorvastatin) mit einer hoch dosierten (80 mg Atorvastatin) verglichen. Unter der höheren Dosierung wurde ein signifikant geringeres Risiko für ein kardio-zerebrovaskuläres Risiko dokumentiert. Die Sterblichkeit war jedoch gleich.


Dr. Susanne Heinzl
Rimonabant senkt Körpergewicht und Blutzucker
Der Endocannabinoid-Rezeptorantagonist Rimonabant (AcompliaTM, noch nicht im Handel) senkte bei übergewichtigen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 Körpergewicht und Taillenumfang signifikant im Vergleich zum Ausgangswert. Triglycerid-Werte und Hämoglobin-A1c-Werte werden im Vergleich zu Plazebo signifikant vermindert, die HDL-Cholesterol-Konzentration signifikant erhöht. Dies ergab die doppelblinde, multizentrische RIO-Diabetes-Studie mit über 1 000 Patienten.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Pioglitazon verringert Restenose-Risiko bei Stoffwechselgesunden
Für Thiazolidindione („Glitazone“) wird neben ihrer Wirkung auf den Kohlenhydratstoffwechsel auch ein direkter antiatherogener Effekt diskutiert. Im Rahmen einer klinischen Studie konnte gezeigt werden, dass Pioglitazon bei Stoffwechselgesunden die Restenose-Rate nach einer Ballondilatation signifikant verringert.


Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Venlafaxin zur Behandlung der schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie
Venlafaxin in retardierter Form ist bei der Behandlung der schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie wirksamer als Plazebo und wird relativ gut vertragen.


Dr. Susanne Heinzl
Entzündliche Lungen- und Systemerkrankung
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist nicht auf die Atemwege beschränkt, sondern ist eine Systemerkrankung, die mit Mangelernährung und Gewichtsverlust, Atrophie und Schwäche der Skelettmuskulatur sowie mit Osteoporose einhergeht. Auch kardiovaskuläre Störungen sind mit der COPD assoziiert. Ein neuer Therapieansatz bietet sich möglicherweise mit PDE-4-Hemmern wie Cilomilast und Roflumilast.


Bettina Polk, Stuttgart
EGFR-Hemmer Erlotinib verlängert Überleben
Erlotinib verlängerte bei Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom das Überleben im Vergleich zu Plazebo signifikant um zwei Monate. Die Ergebnisse einer randomisierten, Plazebo-kontrollierten Phase-III-Studie wurden auf einem Presseseminar der Firma Hoffmann-La Roche im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie diskutiert.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Monoklonale Antikörper verbessern die Therapieergebnisse
Monoklonale Antikörper können entsprechend erster Studienergebnisse die Therapieergebnisse der Erstlinienbehandlung der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) verbessern. Standard der CLL-Erstlinienbehandlung ist derzeit die Kombinationstherapie mit Fludarabin (Fludara®) plus Cyclophosphamid (Endoxan®).


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Thalidomid ist wirksam – zugleich aber toxisch
Thalidomid steigerte sowohl den Anteil kompletter Remissionen als auch das durchschnittliche progressionsfreie Überleben von Patienten mit multiplem Myelom deutlich; verglichen wurde die etablierte Therapie (Melphalan und Prednison) mit der Therapie plus zusätzlich Thalidomid. Gleichzeitig stieg allerdings auch die Toxizität der Therapie deutlich.


Birgit-Kristin Pohlmann, Nordkirchen
Topotecan wöchentlich zur Rezidivtherapie
Zur Rezidivtherapie bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom wird Topotecan (Hycamtin®) üblicherweise an fünf aufeinander folgenden Tagen als Bolus-Injektion verabreicht. Erste viel versprechende Ergebnisse liegen mittlerweile auch mit der wöchentlichen Gabe von Topotecan vor. Sie erwies sich in Phase-I/II-Studien als gut verträglich, ohne dass die antineoplastische Wirksamkeit gegenüber der 5-tägigen Applikation reduziert war. Die wöchentliche Gabe von Topotecan wird derzeit in randomisierten Studien überprüft.


Christine Vetter, Köln
Ibandronsäure – nur noch einmal monatlich
Die monatliche Einnahme von Ibandronsäure ist ebenso effektiv wie die tägliche Gabe, dies dürfte zu einer Verbesserung der Compliance führen. Auf einer Pressekonferenz von Hoffmann La-Roche und GlaxoSmith Kline im Rahmen des Kongresses Osteologie 2005 in Basel wurden Vergleichstudien vorgestellt.