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23. Jahrgang Heft 9 September 2005

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Thomas Messer, Augsburg, Martin Kungel, Marcel Ebrecht, Terez Göröcs, Sieglinde Modell, München, und Max Schmauß, Augsburg
Wirksamkeit und Verträglichkeit
Aripiprazol (Abilify®) ist ein Antipsychotikum mit einem neuen Wirkungsmechanismus zur Behandlung der Schizophrenie. An Dopamin-D2- und Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren wirkt das Chinolonderivat Aripiprazol partialagonistisch, an den 5-HT2A-Rezeptoren antagonistisch. Wirksamkeit und Verträglichkeit von Aripiprazol in der Akut- und Langzeittherapie der Schizophrenie wurden in mehreren randomisierten Doppelblindstudien belegt. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass die schizophrene Negativsymptomatik ebenso wie depressive Symptome im Rahmen schizophrener Psychosen positiv beeinflusst werden. Extrapyramidal-motorische Störungen werden etwas häufiger als in der Plazebo-Gruppe und deutlich seltener als bei Haloperidol-Therapie beobachtet. Schließlich treten auch solche Nebenwirkungen, die mit den bisher verfügbaren atypischen Neuroleptika beobachtet wurden, vergleichsweise seltener auf.


Günter Krämer, Dieter Dennig, Dieter Schmidt, Bettina Schmitz, Hermann Stefan, Bernhard J. Steinhoff, Ulrich Stephani und Stefan Stodieck (Ad-hoc-Kommission der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie)
Was ist zu beachten?
Die Zulassung von Generika für die ersten beiden der so genannten neuen Antiepileptika (Gabapentin und Lamotrigin) ist für die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) Anlass, in Ergänzung zu einem früheren Kommentar zur „Aut-idem“-Problematik aus medizinischer Sicht erneut zum Einsatz von Generika in der Therapie mit Antiepileptika Stellung zu nehmen. Bei einer Neueinstellung oder ohnehin erforderlichen Umstellung einer antiepileptischen Therapie können sie meist problemlos eingesetzt werden. Bei bestehender Einstellung mit Anfalls- und Nebenwirkungsfreiheit sollte ein unbedachter Wechsel von Originalpräparat zu Generikum, von einem Generikum-Präparat zu einem anderen oder von einem Generikum auf ein Originalpräparat unterbleiben. Die DGfE empfiehlt deswegen sowohl entsprechende Angaben auf dem Rezept (Ankreuzen des „Aut-idem“-Kästchens oder Angabe bzw. Stempel „keine Substitution“) als auch eine Information der Betroffenen oder ihrer Angehörigen.
Die mit dem Wechsel zwischen verschiedenen Fertigarzneimitteln eines Wirkstoffs verbundenen Risiken müssen sowohl aus Sicht des behandelnden Arztes als auch aus Sicht der Betroffenen vertretbar gering sein. Bei Anfalls- und Nebenwirkungsfreiheit müssen Betroffene vor einer geplanten Umstellung über das Risiko eines Anfallsrezidivs bzw. von neu auftretenden Nebenwirkungen informiert werden und ihre Zustimmung geben.


Übersicht
Die Expertenkommission der Infektliga: D. Adam, K.-F. Bodmann, W. Elies, C. Lebert, K. Naber, F. Sörgel, A. Rodloff, F. Vogel, H. Wacha
Teil 3. Behandlung von HNO-Infektionen
Die Expertenkommission der Infektliga hat praxisorientierte Empfehlungen zur Behandlung bakterieller Erkrankungen der Atemwege und des HNO-Bereichs Erwachsener erarbeitet, die in Buchform* veröffentlicht wurden. Aus diesen Empfehlungen wurden im Juli-Heft der Arzneimitteltherapie das Kapitel zur Charakterisierung der Antibiotika und im August-Heft das Kapitel zur Behandlung von Laryngitis/Pharyngitis, Bronchitiden und Pneumonien veröffentlicht. Nachfolgend erscheint das Kapitel zur Behandlung der HNO-Infektionen.
Arzneimitteltherapie 2005;23:290–5.


Consensus
Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Zielgruppen für Screening und Therapie
Eine asymptomatische Bakteriurie ist bei Schwangeren mit einem erhöhten Risiko für eine Pyelonephritis und bei Patienten nach einer transurethralen Prostataresektion mit einem erhöhten Risiko für Bakteriämie oder Sepsis assoziiert. Ein Screening und gegebenenfalls eine Behandlung ist bei diesen Personengruppen indiziert. Bei anderen Patientengruppen, zum Beispiel Diabetikern, Patienten mit Rückenmarkverletzungen oder Dauerkatheter-Trägern, sind Screening und Therapie überflüssig. Dies sind die wichtigsten Aussagen der neuen Richtlinien der Infectious Diseases Society of America zum Management der asymptomatischen Bakteriurie. Die Leitlinie wurde in Clinical Infectious Diseases 2005;40:643–54 veröffentlicht.


Referiert & kommentiert
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Glucose-Insulin-Kalium-Infusion zeigt keinen Nutzen
Eine Glucose-Insulin-Kalium-Infusion zeigt bei Patienten mit einem akuten ST-Hebungsinfarkt keine positive Wirkung. Dies ist das Ergebnis der GIPS-2-Studie, deren Endpunkte die enzymatisch bestimmte Infarktgröße und die 30-Tage-Sterblichkeit waren.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Amiodaron plus Betablocker zur Reduktion von Elektroschocks
Ziel der medikamentösen Begleittherapie bei Patienten mit einem AICD (automatischen implantierbaren Defibrillator) ist, die Notwendigkeit für Elektroschocks zu minimieren. In einer vergleichenden Studie war die Kombination Amiodaron plus Betablocker am effektivsten.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Antibiotika-Therapie ohne Einfluss auf klinischen Verlauf
Patienten mit reaktiven Arthritiden profitieren nicht von einer Therapie mit 1 g Azithromycin wöchentlich über einen Zeitraum von zwölf Monaten.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Amlodipin plus Perindopril besser als Atenolol plus Diuretikum
Im Rahmen der ASCOT-BPLA-Studie (Blood pressure-lowering arm of the anglo-scandinavian cardiac outcomes trial) wurde der Calciumantagonist Amlodipin ± Perindopril mit dem Betablocker Atenolol ± Thiazid-Diuretikum (Bendroflumethiazid) verglichen. Dabei verhinderte die Kombination Calciumantagonist/ACE-Hemmer kardio- und zerbrovaskuläre Ereignisse signifikant häufiger.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Neue Therapiestrategie Blockade des CCR5-Rezeptors
Um CD4-Zellen zu infizieren, benötigt das HI-Virus neben dem CD4-Rezeptor die beiden Chemokin-Rezeptoren CCR5 und CXCR4 als Korezeptoren. Dabei herrschen Viren vor, die den CCR5-Rezeptor bevorzugen. Ein oraler CCR5-Antagonist (GW873140) blockiert diesen Rezeptor und verhindert so das Verschmelzen des Virus mit der Wirtszelle.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Fixkombination vereinfacht die Therapie
Die Standardtherapie für die Behandlung der HIV-Infektion ist eine Kombinationstherapie mit drei oder mehr antiretroviralen Substanzen. Durch die neue Fixkombination aus Tenofovirdisoproxil (Viread®) und Emtricitabin (Emtriva™) kann die Therapie vereinfacht und die Compliance verbessert werden. Vergleichsstudien mit anderen Kombinationen wurden auf einer Pressekonferenz der Firma Gilead präsentiert.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Optimierung der Therapie mit Docetaxel?
Verschiedene Veränderungen der Therapie von Patienten mit hormonrefraktärem metastasiertem Prostatakarzinom mit Docetaxel (Taxotere®) könnten diese Therapie verträglicher und wirksamer machen. Gute Ergebnisse und Trends zeichnen sich so beispielsweise bei einer intermittierenden Gabe des Wirkstoffs oder einer Kombination mit Vitamin D3 ab. Aktuelle Daten von der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO 2005) präsentierte die Firma sanofi aventis bei einem Pressegespräch.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Europäisches Zentrum für die Prävention und Bekämpfung von Seuchen
In Stockholm hat das Europäische Zentrum für die Prävention und Bekämpfung von Seuchen („European Centre for Disease Prevention and Control“, ECDC) offiziell seine Arbeit aufgenommen. Es soll die Überwachung und Kontrolle übertragbarer Krankheiten europaweit strukturieren und überwachen.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Viel versprechende Therapie mit Etanercept?
Die Therapie mit Etanercept (Enbrel®) führte bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis zu einer im Vergleich zu Plazebo signifikanten Verbesserung von Ausbreitung und Schwere der Erkrankung. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Patienten, die mit den bisher zur Verfügung stehenden Substanzen nicht zufrieden stellend therapiert werden konnten, kann so eine neue viel versprechende Behandlungsoption angeboten werden.