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23. Jahrgang Heft 10 Oktober 2005

Editorial
Susanne Heinzl


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Helmut Reichel, Villingen-Schwenningen
Mit Cinacalcet steht seit kurzem ein neues Medikament für die Therapie des sekundären Hyperparathyreoidismus bei chronischen Dialyse-Patienten zur Verfügung. Cinacalcet senkt über die Manipulation der Aktivität des Calcium-sensitiven Rezeptors an der Nebenschilddrüsenzelle zirkulierendes Parathormon signifikant. Bemerkenswerterweise ist damit auch eine signifikante Reduktion von Ca2+- und Phosphat-Serumspiegeln verbunden. Dies ist von besonderer Bedeutung, da Daten der letzten Jahre belegen, dass sowohl Hyperphosphatämie als auch Hyperkalzämie mit erhöhter Letalität bei Dialyse-Patienten assoziiert sind [15–17]. Wahrscheinlich ist dies mit einer Zunahme kardiovaskulärer Verkalkungen mit nachfolgend gesteigerter kardiovaskulärer Morbidität und Letalität bei höherem Ca × P-Produkt zu erklären [18].
Dies ist auch deshalb von Bedeutung, weil Vitamin-D-Derivate, die bis zur Einführung von Cinacalcet als einzige Therapie zur Suppression der Parathormon-Aktivität bei Dialyse-Patienten zur Verfügung standen, über eine Förderung der intestinalen Ca2+- und Phosphat-Resorption das Ca × P-Produkt steigern. Die Wirkung von Cinacalcet besteht unabhängig von demographischen Patientenmerkmalen, Schweregrad des sekundären Hyperparathyreoidismus und Begleittherapie. Die Ergebnisse belegen auch die Wirksamkeit von Cinacalcet als primäre Therapie des sekundären Hyperparathyreoidismus bei terminaler Niereninsuffizienz.


Bericht von Annemarie Musch und Susanne Heinzl, Stuttgart
Exenatid (Byetta®) wurde im Frühjahr 2005 in den USA in Kombination mit Metformin und/oder Sulfonylharnstoffen für die Therapie von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen, wenn keine ausreichende Blutzucker-Kontrolle mit oralen Antidiabetika mehr erreicht werden kann. Aktuelle Daten zu dieser neuen Therapie-Option wurden bei der Jahrestagung der American Diabetes Association im Juni 2005 in San Diego und im Rahmen einer Pressekonferenz der Lilly Deutschland GmbH Ende Juni 2005 in Frankfurt vorgestellt.


Richard Fux, Klaus Mörike, Tübingen, Udo-Frank Gundel, Reutlingen, Rüdiger Hartmann, Münsingen, und Christoph H. Gleiter, Tübingen
Zwei Fallberichte und aktueller Stand des Wissens
Ezetimib ist ein neuartiger Cholesterol-Resorptionshemmer. Ob Myopathien oder Anstiege der Creatinkinase häufiger auftreten, wenn Ezetimib zusätzlich zu einem CSE-Hemmer („Statin“) gegeben wird, ist bislang nicht systematisch untersucht worden. Die hier berichteten Fälle werfen die Frage auf, ob Ezetimib möglicherweise Statin-assoziierte Myopathien begünstigen kann.


Übersicht
Robert H.G. Schwinger und Jochen Müller-Ehmsen, Köln*
Die bisher vorliegenden klinischen Studien weisen darauf hin, dass AT1-Rezeptor-Antagonisten bei Patienten mit Herzinsuffizienz, die keinen ACE-Hemmer einnehmen können, die kardiovaskuläre Morbidität und Letalität verringern (CHARM-Alternative). Außerdem könnte die Gabe von AT1-Rezeptor-Blockern zusätzlich zu ACE-Hemmern und der übrigen etablierten Herzinsuffizienz-Therapie (Betablocker, Spironolacton, herzwirksame Glykoside) einen zusätzlichen Nutzen zumindest für die Morbidität der Patienten bringen (ValHeFT und CHARM-Added). Dieser zusätzliche Nutzen lässt sich aber nicht nach einem Myokardinfarkt nachweisen (VALIANT). Bei Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener LV-Funktion kann mit AT1-Rezeptor-Blockern zwar nicht die kardiovaskuläre Sterblichkeit, aber die Häufigkeit der Krankenhausaufnahmen reduziert werden (CHARM-Preserved). Nach Myokardinfarkt scheinen AT1-Rezeptor-Blocker ebenso wirksam zu sein wie ACE-Hemmer (VALIANT). Eine Überlegenheit von AT1-Rezeptor-Blockern gegenüber ACE-Hemmern wurde jedoch in keiner Studie zur Therapie der chronischen Herzinsuffizienz oder nach einem Myokardinfarkt nachgewiesen.


Referiert & kommentiert
Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Symptomatische Behandlung mit Pregabalin
Bei Patienten mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie sind 300 und 600 mg/Tag Pregabalin signifikant wirksamer als Plazebo zur Reduktion der Schmerzen und zur Verbesserung der Schlafqualität. Pregabalin ist gut verträglich.


Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
Frühe Insulin-Gabe verbessert Stoffwechseleinstellung
Die frühe Gabe von Insulin glargin bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 senkt HbA1c-Spiegel stärker und zu einem früheren Zeitpunkt als bei einer Weiterbehandlung nur mit Diät oder oralen Antidiabetika. Die Zahl der gefürchteten Hypoglykämien stieg durch die Insulin-Gabe nicht.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure zur Primärprävention bei Frauen

Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure vermag in der Primärprävention vaskulärer Ereignisse bei Frauen das Schlaganfallrisiko, aber nicht das Herzinfarktrisiko zu senken.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Felodipin verstärkt Wirksamkeit von ACE-Hemmern nicht
Bei Patienten mit nicht-diabetischer chronischer Nephropathie, die mit dem ACE-Hemmer Ramipril behandelt wurden, konnte die zusätzliche Gabe des Dihydropyridin-Calciumkanalblockers Felodipin den Blutdruck zwar weiter senken, das Fortschreiten der Nierenerkrankung aber nicht verlangsamen.


Dr. med. Eberhard Stengele, Bad Krozingen
Höhere HDL-Cholesterol-Spiegel durch Hemmung des Cholesteryl-Ester-Transferproteins
Das Cholesteryl-Ester-Transferprotein (CETP) vermittelt den Übertritt von Cholesterol von High-Density-Lipoprotein (HDL) in Very-low-Density- oder Low-Density-Lipoprotein (VLDL bzw. LDL) und trägt so zu einem prognostisch ungünstigen LDL-HDL-Verhältnis bei. Die Hemmung von CETP eröffnet eine Möglichkeit zur Erhöhung des HDL-Cholesterol-Spiegels, wie mit dem CETP-Hemmer Torcetrapib gezeigt werden konnte.


Alexandra Hennemann, Stuttgart
Pharmakokinetik von Dabigatran etexilat
Mit dem Thrombin-Inhibitor Dabigatran etexilat wird bei einer frühen oralen Gabe als Kapsel ein bis drei Stunden nach einem elektiven Hüftgelenksersatz eine ausreichende Plasmakonzentration zur Thromboseprophylaxe erreicht, wie eine Studie zur Pharmakokinetik ergab.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Acarbose senkt kardiovaskuläres Risiko
Die Therapie mit Acarbose führte bei Patienten mit Prädiabetes und Diabetes mellitus Typ 2 im Vergleich zu Plazebo zu einer deutlichen Reduktion des Risikos kardiovaskulärer Ereignisse. Ein Einsatz des Alpha-Glucosidase-Inhibitors in der Prävention von Diabetes mellitus und diabetischer Folgeerkrankungen scheint möglich.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Thiazolidindione zur Prävention kardiovaskulärer Folgeerkrankungen?

Thiazolidindione zeigten in vitro und in ersten klinischen Studien bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ II positive Effekte auf atherosklerotische Gefäßveränderungen. Möglicherweise kann neben der Insulin-sensitivierenden auch eine zusätzliche präventive Wirkung kardiovaskulärer Folgeerkrankungen mit dieser Substanzklasse erreicht werden. Langzeitstudien sollen hierzu weitere Ergebnisse liefern, wie auf einem Satelliten-Symposium der Takeda Pharma GmbH mitgeteilt wurde.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Rezidivtherapie mit pegyliertem liposomalem Doxorubicin
Zur zytostatischen Therapie Platin-sensibler Ovarialkarzinom-Rezidive wird die Kombination von Carboplatin mit Paclitaxel oder mit Gemcitabin eingesetzt: Bei vergleichbarer Wirksamkeit haben beide Therapien unterschiedliche Applikationsschemata und Nebenwirkungen. Pegyliertes liposomales Doxorubicin (Caelyx®) ist in Kombination mit Carboplatin möglicherweise ebenfalls wirksam. Aktuelle Daten und eine neue Phase-III-Studie, in der dies untersucht werden soll, wurden von der essex pharma GmbH vorgestellt.


Bettina Polk, Stuttgart
Der Einsatz von Docetaxel

Auf dem 11. Weltkongress für Lungenkrebs in Barcelona Anfang Juli 2005 wurden in zwei Symposien und einer Pressekonferenz unterstützt von Sanofi-Aventis neue Einsatzgebiete von Docetaxel (Taxotere®) beim nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom diskutiert. Drei Themen standen im Mittelpunkt: Docetaxel als Konsolidierungstherapie nach simultaner Chemo-Radiotherapie, Docetaxel bei Patienten über 70 Jahren und Docetaxel-Platin-Derivat-Kombinationen in der Erstlinien-Therapie im Vergleich zu Vinorelbin plus Cisplatin.