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23. Jahrgang Heft 11 November 2005

Arzneimitteltherapie aktuell
Dieter Adam, München, Torsten Bauer, Gernot Rohde, Bochum, Bernd Salzberger, Regensburg, Tom Schaberg, Rotenburg, Reinhold E. Schmidt und Tobias Welte, Hannover
Das Risiko einer Influenza-Pandemie ist derzeit nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation sehr hoch. Was ist die Ursache, welche prophylaktischen und therapeutischen Möglichkeiten gibt es? Das nachfolgende Papier fasst die Ergebnisse einer Expertendiskussion zusammen.*


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Prof. Dr. med. Rainer H. Straub, Regensburg
Fortschritt in der Lokalbehandlung des verstärkten Haarwachstums bei Hirsutismus
Die Einführung von Eflornithin zur topischen Behandlung der verstärkten Gesichtsbehaarung bei Hirsutismus stellt eine interessante Bereicherung des therapeutischen Spektrums zur lokalen Haarwachstumshemmung dar. Eflornithin ist ein selektiver Inhibitor der Ornithin-Decarboxylase, die ursächlich in die Polyaminsynthese eingreift, ohne die hormonelle Regulation des Haarfollikels zu beeinflussen. Durch die zweimal tägliche topische Applikation kann das vermehrte Gesichtshaarwachstum signifikant verlangsamt werden, so dass andere Methoden zur Haarentfernung seltener durchgeführt werden müssen. Die Anwendung ist gut verträglich und nur in wenigen Fällen mit leichten kutanen Nebenwirkungen verbunden. Nach Beendigung der Behandlung ist die Verlangsamung des Haarwachstums innerhalb von 8 Wochen vollständig reversibel.


Bericht von Susanne Heinzl, Stuttgart
Neue Applikationsformen für Insulin
Patienten mit Diabetes mellitus sind durch eine Vielzahl von mikro- und makrovaskulären Komplikationen gefährdet. Eine rechtzeitige und konsequente Therapie reduziert die Komplikationsrate und kann möglicherweise das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten. Die parenterale Gabe von Insulin setzt jedoch eine erhöhte Compliance von Arzt und Patient voraus, daher wird intensiv nach alternativen Insulin-Zubereitungen gesucht, die diese Applikationsform umgehen können. Am weitesten entwickelt ist die Inhalation.


Übersicht
Dominic Fenske und Katja Steinkamp im Auftrag der AABG-Arbeitsgruppe ADKA e.V.
Vergleichstabellen zu preisgünstigen Therapiealternativen nach § 115c SGB V
Das Arzneimittelausgabenbegrenzungsgesetz (AABG) sieht mit § 115c SGB V vor, dass bei Krankenhausentlassung ein preisgünstigerer Therapievorschlag anzugeben ist. Als Entscheidungshilfe für eine Aut-simile Substitution stellt die AABG-Arbeitsgruppe des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e.V. Vergleichstabellen zu häufig eingesetzten Wirkstoffen zur Verfügung. Die vorliegende Tabelle vergleicht Eigenschaften der Betablocker zur Behandlung der Hypertonie, der koronaren Herzkrankheit und der Herzinsuffizienz im Rahmen der vorgegebenen Mastertabelle.
Bei dieser Fassung handelt es sich um die aktualisierte Version der Publikation in Krankenhauspharmazie 2003;24:208–17 mit Stand vom 1. Mai 2005.
Arzneimitteltherapie 2005;23:355–65.


Referiert & kommentiert
Dr. Susanne Heinzl
Betablocker vor ACE-Hemmer bei Herzinsuffizienz
Die Initialtherapie mit dem Betablocker Bisoprolol (Concor®) anstelle des ACE-Hemmers Enalapril wirkte bei Patienten mit Herzinsuffizienz auf den primären Endpunkt Gesamtsterblichkeit und Klinikaufenthalt ähnlich gut, wie die Initialtherapie mit dem ACE-Hemmer. Dies ergab die CIBIS-III-Studie (Cardiac insufficiency Bisoprolol study III), in die 1 010 Patienten mit leichter bis mäßig schwerer Herzinsuffizienz aufgenommen wurden.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Kosten-Nutzen-Effekt von Nesiritid
Nesiritid, ein rekombinantes menschliches natriuretisches Peptid vom Typ B, zeigte bei Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz in mehreren Studien eine vergleichbare oder bessere Wirksamkeit als Standardtherapeutika. Die Dauer des Krankenhausaufenthalts und die Gesamtkosten der Behandlung konnten mit Nesiritid gesenkt werden.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Koronarintervention auch 12 Stunden nach Symptomeintritt sinnvoll

Patienten mit Myokardinfarkt mit ST-Hebung profitieren von einer perkutanen Koronarintervention plus Stentimplantation sowie begleitender Gabe des Glykoprotein-IIa/IIIb-Antagonisten Abciximab im Vergleich zu einer konventionellen medikamentösen Standardtherapie.



Bettina Polk, Stuttgart
FTY720 zeigt gute Ergebnisse in Phase-II-Studien
In einer sechsmonatigen Studie mit 277 Patienten mit schubförmig remittierender multipler Sklerose reduzierte der orale Immunmodulator FTY720 die Schubrate und die Zahl der entzündlichen Läsionen im Magnetresonanztomogramm (Gadolinium-unterstützt) signifikant im Vergleich zu Plazebo.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Weniger Nebenwirkungen mit pegyliertemliposomalem Doxorubicin
Pegyliertes liposomales Doxorubicin (Caelyx®) ist in der Erstlinientherapie genauso wirksam wie konventionelles Doxorubicin, aber besser verträglich. Bei Patientinnen, die bereits mit Anthracyclinen vorbehandelt sind und die auf Taxane nicht ansprechen, ist das modifizierte Anthracyclin ebenfalls eine wirksame Option. Auf einer Pressekonferenz der Firma Essex Pharma wurden Studienergebnisse präsentiert und diskutiert.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Bortezomib in der Zweitlinientherapie
Der Proteasom-Inhibitor Bortezomib (Velcade®) führte bei Patienten mit multiplem Myelom nach nur einer vorangegangenen Therapie zu besseren Studienergebnissen als bei Patienten, die bereits ein bis drei Vortherapien erhalten hatten. Die Zulassung für Bortezomib wurde im April 2005 erweitert: Die Substanz steht damit auch für die Zweitlinientherapie bei Patienten mit multiplem Myelom zur Verfügung.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Frühe Diagnose verbessert die Heilungschance
Je nach Genotyp des Virus liegen die Heilungschancen der Hepatitis-C-Infektion zwischen 50 und 90 %, wenn sie mit pegyliertem Interferon alfa-2a und Ribavirin behandelt wird. Je früher eine Infektion erkannt wird, desto eher können weitere Ansteckungen und Spätschäden wie Leberzirrhose und Leberkarzinom verhindert werden. Auf einer Pressekonferenz der Firma Hoffmann-La Roche wurde über individuelle Diagnostik und Therapie diskutiert.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Makrolide – Nachweis zusätzlicher antientzündlicher Effekte
Makrolide zeigen neben direkten antibakteriellen Eigenschaften hemmende Wirkung auf die Synthese bakterieller Biofilme und entfalten biphasische immunmodulatorische Effekte: In der ersten Phase wird die Abwehrbereitschaft des Wirtsorganismus gesteigert und in der zweiten Phase die Entzündungsreaktion verringert.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Zonisamid – „neuer“ alter Arzneistoff
Die zusätzliche Therapie mit Zonisamid (Zonegran®) führte bei Patienten mit therapierefraktärer fokaler Epilepsie zu einer im Vergleich zu Plazebo signifikant verringerten Anfallshäufigkeit. Weiterhin sprachen im Vergleich zu Plazebo signifikant mehr Patienten auf diese zusätzliche Behandlung an. Die häufigsten Nebenwirkungen der Therapie waren Schläfrigkeit, Schwindel und Gewichtsverlust. Zonisamid (Zonegran®) wurde für die Zusatztherapie bei Erwachsenen mit fokaler Epilepsie mit/ohne sekundär generalisierte Anfälle zugelassen. Dieses „neue“ Antiepileptikum wird in Japan und den USA bereits seit einigen Jahren eingesetzt und wurde bei einer Pressekonferenz der Firma Eisai vorgestellt.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Inzidenz-Rückgang durch neues Impfprogramm
Nach Einführung einer Pneumokokken-Impfung vor allem für Kinder unter zwei Jahren ging in den USA die Inzidenz von Makrolid-resistenten Streptococcus-pneumoniae-Stämmen signifikant sowohl in der Impf-Zielgruppe als auch unter nicht geimpften Personen zurück.