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24. Jahrgang Heft 1 Januar 2006

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Lutz Lachenmayer, Hamburg, und Peter Riederer, Würzburg
Rasagilin (N-Propargyl-1-[R]-aminoindan) ist ein neuer, selektiver irreversibler Hemmer der Monoaminoxidase B (MAO-B). Es ist in der EU unter dem Handelsnamen Azilect® für die Behandlung des idiopathischen Parkinson-Syndroms in der Monotherapie und in der Kombinationsbehandlung bei Patienten mit motorischen Fluktuationen zugelassen. Die Wirksamkeit und Sicherheit von Rasagilin ist durch randomisierte Studien gut dokumentiert (Monotherapie: TEMPO-Studie, Kombinationstherapie: PRESTO-, LARGO-Studie). Bei der frühen Monotherapie ist eine symptomatische Wirksamkeit und die Verzögerung einer dopaminergen Therapie belegt und ein zusätzlicher krankheitsmodifizierender Effekt wahrscheinlich. Bei der Kombinationsbehandlung entsprechen die Ergebnisse (Verlängerung der On-Zeit) einer Einmalgabe von 1 mg Rasagilin der Wirkung von Entacapon (200 mg zu jeder Levodopa-Dosis). Studien zur Kombination einer COMT-Hemmung (mit Entacapon) und einer Hemmung der MAO-B (mit Rasagilin) liegen noch nicht vor. Ein Evidenz-basierter Vergleich mit Selegilin ist noch nicht möglich.


Übersichten
Gunnar Wendt-Nordahl, Peter Alken und Thomas Knoll, Mannheim
Medikamentöse Therapie und Metaphylaxe
Die meisten Harnsteinpatienten stellen sich erstmals mit einer akuten Nierenkolik vor, deren symptomatische Therapie mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR) und Opioiden erfolgt. Refraktäre Schmerzen erfordern eine Entlastung der Niere durch Harnleiterschienung oder perkutane Nephrostomie. Manifeste Nieren- und Harnleitersteine werden heute für den Patienten wenig belastend mit minimal-invasiven Therapieverfahren entfernt. Nur bei den radiologisch nicht-schattengebenden Harnsäuresteinen wird eine medikamentöse Chemolitholyse empfohlen.
Die Häufigkeit der Steinerkrankung und deren hohe Rezidivneigung erfordern die Identifikation von Risikopatienten nach dem Steinereignis und eine entsprechende diätetische und medikamentöse Metaphylaxe. Hierzu erfolgt bei allen Patienten eine orientierende metabolische Diagnostik, um zugrunde liegende Stoffwechselstörungen zu identifizieren. Hochrisikopatienten erhalten eine erweiterte Stoffwechselabklärung, die eine zweimalige 24h-Urinuntersuchung beinhaltet. Obwohl eine Rezidivsteinbildung nicht immer verhindert werden kann, kann eine suffiziente Steinmetaphylaxe, die Compliance des Patienten vorausgesetzt, die Frequenz signifikant reduzieren. Dies ist nicht zuletzt in Zeiten hohen ökonomischen Drucks erstrebenswert, da eine Reduktion der Steinereignisse die Häufigkeit notwendiger urologischer Interventionen senkt. Diese sind meist mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden und signifikant teurer als die Kosten der Metaphylaxe. Eine konsequent durchgeführte Steinmetaphylaxe ist also sowohl für den Patienten als auch für das Budget der Kostenträger mit Vorteilen verbunden.
Die vorliegende Arbeit gibt, unter Berücksichtigung der aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften, einen Überblick über die medikamentösen Möglichkeiten der Steintherapie sowie die Diagnostik und Durchführung der Steinmetaphylaxe.


Dieter Pongratz, München
Der klinische Symptomenkomplex Fibromyalgie ist derzeit ätiologisch und pathogenetisch nur lückenhaft geklärt. Demgemäß gibt es bisher nur symptomatische Behandlungsmaßnahmen. Diese reichen von der Aufklärung über physikalische Behandlungsmethoden und die medikamentöse Therapie bis hin zu psychotherapeutischen Maßnahmen.
In der medikamentösen Therapie gibt es wenig Evidenz-basierte Daten. Die ausführlichsten Studien liegen zu trizyklischen Antidepressiva vor. Neuere Antidepressiva sind in den USA in Studien als teilweise wirksam erkannt. Möglicherweise kündigt sich für die Zukunft eine Differenzialtherapie hinsichtlich der noch besser zu definierenden Untergruppen der Fibromyalgie an.


Consensus
Zusammenfassung einzelner Schwerpunkte der Leitlinien zur Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz, herausgegeben von der Task Force for the diagnosis and treatment of CHF of the European Society of Cardiology (ESC)
Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie
Neben einer effektiven symptomatischen Behandlung aller Stadien der Herzinsuffizienz ist heute auch die Prognoseverbesserung für die Patienten bereits schon in asymptomatischen Stadien ein wichtiges Ziel der medikamentösen Behandlung. Evidenzbasierte Empfehlungen zum Einsatz verschiedener Medikamentengruppen bietet die aktuelle Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC). Die ausführliche Version befindet sich im Internet unter http://www.escardio.org/knowledge/guidelines/Chronic_Heart_Failure.htm.


Referiert & kommentiert
Prof. Dr. med. H. C. Diener, Essen
Antihypertensive Therapie nach Schlaganfall
Bei Patienten mit arterieller Hypertonie und zerebrovaskulären Ereignissen war eine Behandlung mit dem Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten Eprosartan besser wirksam als eine Behandlung mit dem Calciumkanalblocker Nitrendipin, so das Ergebnis der prospektiven, randomisierten MOSES-Studie.


Prof. Dr. med. H. C. Diener, Essen
Prävention von Mikroembolien bei hochgradiger Stenose der A. carotis interna
Bei Patienten mit einer symptomatischen Stenose der A. carotis ist die Kombinationstherapie von Clopidogrel und Acetylsalicylsäure wirksamer als eine Acetylsalicylsäure-Monotherapie, um asymptomatische Mikroembolien zu reduzieren.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Reviparin-Natrium reduziert Sterblichkeit und Reinfarktrate
Patienten mit Myokardinfarkt profitieren von dem zusätzlich zur Standardtherapie gegebenen niedermolekularen Heparin Reviparin-Natrium. Beim kombinierten Endpunkt Tod, Reinfarkt und Schlaganfall erwies sich das Antikoagulans einer Plazebo-Gabe als signifikant überlegen.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Tirofiban verhindert endotheliale Dysfunktion
Eine perkutane Koronarintervention verschlechtert die Endothelfunktion in peripheren arteriellen Gefäßen. Mit dem thrombozytenaggregationshemmenden Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten Tirofiban kann dieser negative Effekt in der Peripherie wieder aufgehoben werden.


Dr. Susanne Heinzl
Tirofiban mit höherer Bolusdosis?
Tirofiban (Aggrastat®) in einer erhöhten Bolusdosierung von 25 µg/kg Körpergewicht ist bei Hochrisiko-Patienten, die sich einer Stentimplantation nach Infarkt unterziehen, eine wirksame und sichere Therapie. Dies zeigen fünf randomisierte kontrollierte Studien mit 682 Patienten.


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Niedrig dosiertes Pramipexol lindert Symptome
Patienten mit stark ausgeprägtem Restless-Legs-Syndrom erfuhren bei abendlicher Einnahme von durchschnittlich 0,34 mg Pramipexolhydrochlorid (= 0,24 mg Pramipexol-Base) im Vergleich zu Plazebo eine deutliche Besserung der Symptome. Die Ergebnisse der randomisierten Doppelblindstudie wurden beim deutschen Neurologenkongress im September 2005 vorgestellt.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Therapieempfehlungen der EASL
Durch die Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) ist die HIV-assoziierte Morbidität und Letalität stark gesunken. Parallel dazu kommt es aber zu einer deutlichen Zunahme an hepatischen Komplikationen, da ein Großteil der HIV-Patienten an einer Hepatitis-Koinfektion leidet. Im Rahmen einer Europäischen Konsensus-Konferenz wurden nun Therapieempfehlungen für die Therapie dieser Koinfektionen erarbeitet.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Bessere Stoffwechseleinstellung durch Basalinsulin und orale Therapie
Allein mit oralen Antidiabetika lassen sich bei einem Großteil der Typ-2-Diabetiker die gewünschten Therapieziele nicht erreichen. Dann, insbesondere bei Erhöhung des Nüchternblutzuckerspiegels, empfiehlt sich die zusätzliche Gabe eines Basalinsulins. Mit Insulin glargin (Lantus®) steht ein Basalinsulin zur Verfügung, das auf einfache und sichere Art den Einstieg in eine Insulintherapie erleichtert, wie auf einer Pressekonferenz von Sanofi-Aventis Ende Juni 2005 mitgeteilt wurde.


Dr. Annemarie Musch
Schneller Nachweis von MRSA