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24. Jahrgang Heft 2 Februar 2006

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Christian Jackisch, Offenbach
Aktueller Stand 2005
Die Therapie des metastasierten Mammakarzinoms hat durch den Einsatz von Trastuzumab (Herceptin®) in der Mono- und Kombinationstherapie eine unglaubliche Erweiterung erfahren. In der adjuvanten Therapiesituation führen die Ergebnisse von drei internationalen Studien in absehbarer Zeit zur Einführung einer Trastuzumab-Therapie bei Mammakarzinom-Patientinnen mit einem Her2-neu überexprimierenden Tumor.
Auf die notwendige Qualität der Her2-neu-Untersuchung am Primärtumor durch den Pathologen ist zu achten. Angesichts der großen Bedeutung einer antikörperhaltigen adjuvanten Therapie sowie des hohen zu erwartenden Kostendrucks rückt die qualitätsgesicherte Her2-neu-Testung entscheidend in den Fokus der öffentlichen Diskussion.
Derzeit kann davon ausgegangen werden, dass die kombinierte Gabe von Trastuzumab und Chemotherapie, wie in amerikanischen Studien durchgeführt, offensichtlich einer rein sequenziellen Therapie vorzuziehen ist. Eine regelmäßige kardiale Überwachung, vor und während einer adjuvanten Trastuzumab-Therapie, ist ebenfalls zu fordern. Eine Kostenübernahme zur Therapie mit Trastuzumab sollte in der adjuvanten Situation vorliegen. Eine grundsätzliche Entscheidung der Kostenträger ist nach Wertung der nun vorliegenden Publikationen der beschriebenen Studien in naher Zukunft zu erwarten.


Übersichten
Erhard Hiller, München
Prophylaxe und Therapie
Krebspatienten unterliegen einem erhöhten Risiko, thromboembolische Komplikationen zu erleiden. Dies führt zu einer deutlich erhöhten Morbidität und Letalität. Eine tiefe Venenthrombose kann das erste Zeichen einer noch nicht diagnostizierten Krebserkrankung sein (Paraneoplasie). Jede Operation eines Krebspatienten geht mit einem gegenüber Nichttumorpatienten erhöhten Risiko einer venösen Thromboembolie einher, so dass die medikamentöse Thromboseprophylaxe, bevorzugt mit einem niedermolekularen Heparin (NMH) für den Hochrisikobereich, indiziert ist. Nach Studienlage profitieren die Patienten von einer auf 3 bis 4 Wochen verlängerten Thromboseprophylaxe. Da die Rate von Katheterverschlüssen niedrig ist, kann derzeit eine allgemeine Thromboseprophylaxe bei Patienten mit Portsystemen nicht empfohlen werden. Bei Induktionschemotherapie sollte je nach Risikofaktoren individuell zur Frage einer medikamentösen Prophylaxe entschieden werden. Auch in der Sekundärprophylaxe zur Behandlung venöser Thromboembolien haben die NMH einen wichtigen Stellenwert, da sie in Risikosituationen besser als orale Antikoagulanzien steuerbar sind und wahrscheinlich auch in reduzierter Dosierung noch wirken. Im direkten Vergleich mit dem Vitamin-K-Antagonisten Warfarin waren NMH über einen Zeitraum von 6 Monaten deutlich überlegen. Da NMH nur ein- oder zweimal täglich subkutan injiziert werden und im Regelfall eine Laborüberwachung entbehrlich ist, eignen sie sich auch besonders für den ambulanten Krebspatienten.
Arzneimitteltherapie 2006:24:35–42.


Die Expertenkommission der Infektliga: Dieter Adam, Klaus-F. Bodmann, Wolfgang Elies, Cordula Lebert, Kurt Naber, Fritz Sörgel, Arne Rodloff, Friedrich Vogel, Hannes Wacha
Die Antibiotika-Therapie von Infektionen der Gallenblase und der Gallenwege wird sehr unterschiedlich beurteilt. Klinische Studien zu diesem Thema sind selten, insgesamt liegen Untersuchungen in zahlreichen Publikationen vor, die in den meisten Fällen jedoch nicht validiert sind. Der aktuelle Wissensstand soll in dieser Arbeit mit dem Ziel einer praxisorientierten Empfehlung zusammengetragen und beurteilt werden.


Originalarbeit
Matthias Trautmann, Stuttgart, Philipp Lepper, Ulm, und Klaus-Friedrich Bodmann,
Eine vergleichende Analyse von Literaturdaten für Piperacillin/Tazobactam und Imipenem
In der vorliegenden Arbeit wurde das Risiko einer sekundären Resistenzentwicklung bei klinischer Therapie schwerer Infektionen durch P. aeruginosa für die beiden Antibiotika Imipenem und Piperacillin/Tazobactam anhand von Literaturdaten analysiert. Mit Medline-Recherche wurde nach prospektiven klinischen Behandlungsstudien gesucht, die folgende Einschlusskriterien erfüllten: (1) Dokumentierte Anzahl von Infektionen durch P. aeruginosa, (2) schwere, systemische Infektion, (3) ausgewiesene Anzahl von unter oder nach Therapie persistierenden Stämmen sowie (4) Resistenzbestimmung für Folge-Isolate. Es wurden 27 Studien zu Imipenem und 10 Studien zu Piperacillin/Tazobactam ausgewertet. Die Zahl der behandelten Patienten mit P.-aeruginosa-Infektion betrug n = 676 für Imipenem und n = 133 für Piperacillin/Tazobactam. Die Rate der posttherapeutischen Erregerpersistenz lag für Imipenem-basierte Therapieregime bei 40,2 % im Vergleich zu 21,1 % bei Piperacillin/Tazobactam-basierten Regimen (p < 0,001), die entsprechenden Zahlen für die sekundäre Resistenzrate betrugen 25,5 % und 3,2 % (p < 0,001). Bei der Therapie schwerer P.-aeruginosa-Infektionen besteht somit ein geringeres Risiko der Erregerpersistenz und Resistenzinduktion bei Verwendung von Piperacillin/Tazobactam als bei Verwendung von Imipenem.


Referiert & kommentiert
Dr. Susanne Heinzl
Kein ACE-Hemmer direkt nach Bypass-Operation
Eine Behandlung von Patienten innerhalb von zehn Tagen nach einer Bypass-Operation mit einem ACE-Hemmer ist nicht sinnvoll. Dies ergab die multizentrische, randomisierte IMAGINE-Studie (Ischemia management with accupril post bypass graft via inhibition of angiotensin convertin enzyme), in die 2 553 Patienten aufgenommen wurden.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Routinemäßige und selektive kardiale Intervention führen zu vergleichbaren Ergebnissen
Die Empfehlung von kardiologischen Gesellschaften, bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom ohne ST-Hebung bei erhöhten Troponin-Spiegeln, eine routinemäßige frühe Koronarintervention durchzuführen, wird durch die Ergebnisse einer neuen Studie in Frage gestellt. Danach haben Patienten mit erhöhten Troponin-Werten bei optimaler medikamentöser Therapie ein vergleichbares Therapieergebnis, unabhängig davon, ob routinemäßig alle oder ob nur ausgewählte Patienten einer Koronarintervention unterzogen werden.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Therapieansprechen unter Alendronsäure besser als unter Risedronsäure
In einem direkten Vergleich erreichten signifikant mehr postmenopausale Osteoporose-Patientinnen unter der einmal wöchentlichen Gabe von Alendronsäure als unter der einmal wöchentlichen Gabe von Risedronsäure vorgegebene Grenzwerte beim Zuwachs von Knochendichte und bei der Abnahme von biochemischen Parametern des Knochenumbaus.


Dr. Susanne Heinzl
Ezetimib hemmt Niemann-Pick-C1-like-1-Protein
Verschiedene tierexperimentelle und In-vitro-Untersuchungen haben ergeben, dass das Niemann-Pick-C1-like-1-Protein vermutlich der Angriffspunkt des Cholesterol-Resorptionshemmers Ezetimib ist.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Risikofaktor für Tod und kardiovaskuläre Ereignisse
Das natriuretische Peptid Typ B (BNP) erwies sich sowohl bei Patienten mit Herzinsuffizienz als auch bei asymptomatischen Patienten als prognostischer Indikator für kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Wie vermeiden, wie behandeln?
Störungen der Fettverteilung bei HIV-Patienten unter einer intensiven antiretroviralen Therapie sind häufig und nach ihrem Entstehen kaum vollständig reversibel. Das Meiden von Thymidin-Nucleosid-Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (NRTI) wie Stavudin und der Behandlungsbeginn mit einem NRTI-sparenden Therapieregime ist die erfolgreichste Strategie gegen diese Nebenwirkungen.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Therapie von Koinfektionen
Koinfektionen bei Hepatitis B und C führen meist zu einem aggressiveren Verlauf der Lebererkrankung. Die Therapie ist häufig schwierig. Ein Überblick über die aktuelle Datenlage wurde auf einer von Hoffmann La-Roche im Rahmen der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten veranstalteten Pressekonferenz in Köln gegeben.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Differenzierte Therapie bei chronischer Hepatitis B
Auch bei der Therapie der chronischen Hepatitis B könnte in Zukunft – ähnlich wie bei der chronischen Hepatitis C – der Genotyp für die Therapie der Patienten ausschlaggebend sein. Derzeit sind andere Parameter (z. B. Serumspiegel von HBV-DNS/Virusmenge und Transaminasen) für die Therapiewahl entscheidend. Aktuelle Daten wurden auf einem von der Firma Gilead Science veranstalteten Satelliten-Symposium im Rahmen der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Köln vorgestellt.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Certolizumab pegol als neue Therapieoption?
Das pegylierte Fab-Fragment eines TNF-α-bindenden Antikörpers (Certolizumab pegol, CDP-870) reduzierte bei Patienten mit moderatem bis schwerem Morbus Crohn die Krankheitsaktivität deutlich. Aktuelle Daten wurden im Rahmen der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten auf einem von der Firma UCB veranstalteten Satelliten-Symposium vorgestellt.


Bettina Polk, Stuttgart
Anti-IgE-Antikörper Omalizumab zugelassen
Der monoklonale Antikörper Omalizumab bindet freies Immunglobulin E (IgE) im Körper und verhindert so den Ablauf der IgE-vermittelten allergischen Reaktion. Seit Oktober 2005 ist Omalizumab auch in Deutschland zugelassen als „Add-on-Therapie“ für Patienten ab 12 Jahre mit schwerem persistierendem Asthma bronchiale trotz Behandlung mit hochdosierten inhalierbaren Glucocorticoiden und Beta2-Sympathomimetika. Substanzeigenschaften, Studienergebnisse und Fallbeispiele wurden auf einer Pressekonferenz der Firma Novartis Pharma in Köln vorgestellt.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Wie stark wird er durch die BCG-Impfung beeinflusst?
Die Interpretation routinemäßig durchgeführter Tuberkulintests bleibt schwierig: Auch stärkere Hautreaktionen sind häufig eher das Resultat einer vorangegangenen BCG-Impfung als einer Infektion mit Mycobacterium tuberculosis. Eine präventive Chemotherapie sollte deshalb nicht systematisch eingesetzt werden.