Suche / Archiv


Erweiterte Suche

24. Jahrgang Heft 4 April 2006

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Clemens Unger, Freiburg
Ein neuer Wirkstoff in der Therapie des multiplen Myeloms
Proteasomen-Hemmer sind eine neue Klasse von Substanzen, die bei Patienten mit multiplem Myelom vielversprechende Therapieergebnisse zeigten. Mit Bortezomib konnte in einer Phase-II-Studie (SUMMIT-Studie) eine Ansprechrate von 35 % einschließlich 4 % Komplettremissionen erzielt werden, was im Jahr 2003 zu einer beschleunigten Zulassung durch die amerikanische Food and Drug Administration führte. Erste Ergebnisse einer internationalen Phase-III-Studie (APEX-Studie) zeigten, dass Bortezomib bei Patienten mit Rezidiv eines multiplen Myeloms die Progression stärker verzögerte als die Standardtherapie mit Dexamethason. Schwere Nebenwirkungen (Grad 4) waren in der Bortezomib- und in der Hochdosis-Dexamethason-Gruppe ähnlich, Grad-3-Nebenwirkungen waren im Bortezomib-Arm häufiger, hierzu gehörten neurotoxische, hämatotoxische und gastrointestinale Reaktionen sowie Fatigue.


Annemarie Musch, Stuttgart
Viel versprechendes Behandlungskonzept?
Der rekombinante chimäre monoklonale Antikörper Rituximab (MabThera®) reduzierte bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, die mit den bislang zur Verfügung stehenden Therapieoptionen nicht ausreichend behandelt werden konnten, die Krankheitsaktivität signifikant.
Rituximab ist ein gegen das Oberflächenprotein CD20 gerichteter Antikörper. CD20 wird mit Ausnahme von multipotenten Stammzellen und ausgereiften Plasmazellen von allen B-Zellen exprimiert. Die Bindung des Antikörpers an CD20 führt vor allem durch Zell-Lyse zu B-Zell-Depletion.
B-Zellen sind entscheidend an der Aufrechterhaltung des Entzündungsgeschehens bei rheumatoider Arthritis beteiligt, so dass die B-Zell-gerichtete Therapie mit Rituximab eine neue viel versprechende Therapieoption darstellt. Aktuelle Daten präsentierte die Firma Hoffmann-La Roche im Rahmen eines Presse-Workshops im Universitätsklinikum Köln im September 2005.


Übersicht
Hartmut Lode und Ralf Stahlmann, Berlin*
Trotz besserer perioperativer Prophylaxe und moderner diagnostischer Methoden ist eine wesentliche Verminderung der Häufigkeit von Infektionen des Knochens und der Gelenke nicht zu beobachten. Bei großen rekonstruktiven Eingriffen in der Orthopädie mit prothetischen Materialien lässt sich letztlich die Infektionsrate nicht unter 0,5 % senken. Eine sorgfältige Diagnostik mit Gewinnung des auslösenden Erregers, Bestimmung dessen Resistenz und einer wirksamen, häufig lang dauernden, parenteralen und/oder oralen antibiotischen Therapie ist notwendig. Bei vielen Osteomyelitis-Infektionen, insbesondere der chronischen Form, sind zusätzliche chirurgische sanierende Eingriffe notwendig.


Consensus
Hans Christoph Diener, Essen, für die Expertengruppe**


Fragen aus der Praxis
Gerd Luippold, Tübingen
Eine 72-jährige Patientin mit erosiver Gastritis soll mit einem Protonenpumpeninhibitor behandelt werden. Auf Grund von Schluckstörungen wurde die Patientin mit einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie (PEG)-Sonde versorgt.
- Welche Protonenpumpeninhibitoren eignen sich für die Gabe per Sonde?
- Was ist zu beachten?
- Welche Regeln sollten bei der Sondenapplikation von Arzneimitteln befolgt werden?


Referiert & kommentiert
Alexandra Hennemann, Stuttgart
Kurzzeitige Glucocorticoid-Therapie bei Verschlechterung ausreichend?
Leichtes Asthma bronchiale kann bei Verschlechterung der Symptome möglicherweise mit kurzen Glucocorticoid-Intervallen behandelt werden. Dies ergab eine randomisierte Studie an Patienten mit leichtem Asthma bronchiale, bei denen durch eine Dauertherapie mit inhalierbarem Budesonid oder Zafirlukast weder eine Verbesserung des morgendlichen Peak-Flows noch eine Verringerung der Anzahl der Exazerbationen festgestellt wurde.


Prof. Dr. med. H. C. Diener, Essen
Ist Botulinumtoxin wirksam?
Lokale Botulinumtoxin-Injektionen in perikranielle Muskeln und Halsmuskeln bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen zeigten keine bessere Wirkung als Plazebo-Injektionen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Sirolimus- und Paclitaxel-beschichtete Stents im Vergleich
Die mit Sirolimus beschichteten Stents waren bei Myokardinfarkt-Patienten und auch bei Patienten mit Diabetes mellitus und koronarer Herzkrankheit gegenüber Paclitaxel-beschichteten Stents signifikant überlegen bei klinischen und angiographisch diagnostizierten Parametern.


Dr. Susanne Heinzl
Plasmakonzentration von Caspofungin


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Aldosteron-Antagonist verbessert Überlebenschancen von Risikopatienten
Patienten nach einem Myokardinfarkt mit linksventrikulärer Funktionseinschränkung und klinischen Zeichen einer Herzinsuffizienz profitieren von der zusätzlichen Gabe des selektiven Aldosteron-Antagonisten Eplerenon.
In einer Phase-III-Studie wurde unter anderem eine signifikante Reduktion der Gesamtsterblichkeit sowohl nach 30-tägiger als auch nach durchschnittlich 16-monatiger Therapie gezeigt. Aktuelle Daten wurden auf einer von Pfizer im Rahmen der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie veranstalteten Pressekonferenz in Dresden im Oktober 2005 vorgestellt.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Adalimumab wirkt auf Gelenkschädigungen und Hautläsionen
Der TNF-α-Blocker Adalimumab ist seit August 2005 zugelassen zur Behandlung von Patienten mit aktiver und progressiver Psoriasis-Arthritis, die auf krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARD) nicht angesprochen haben. Gleichzeitig wurde die Indikation bei rheumatoider Arthritis erweitert: Neben der Behandlung Erwachsener mit mäßiger bis schwerer rheumatoider Arthritis, die auf krankheitsmodifizierende Antirheumatika nur unzureichend angesprochen haben, kann die Substanz jetzt auch initial bei schwerer aktiver und progressiver rheumatoider Arthritis eingesetzt werden. Aktuelle Daten wurden auf einer Pressekonferenz der Firma Abbott im Rahmen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie Mitte September 2005 vorgestellt.


Bettina Polk, Stuttgart
Bosentan bei systemischer Sklerodermie


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Weniger Oberschenkelhalsfrakturen durch Knochendichte-Screening?
In einer Bevölkerungs-basierten Kohortenstudie mit Personen über 65 Jahren nahm durch eine Knochendichte-Messung die Sechs-Jahres-Rate an Oberschenkelhalsfrakturen um 36 % ab. Wie es zu diesem hohen Rückgang kommen konnte, muss nun weiter untersucht werden.


Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Undifferenzierte Antibiose in der Frühphase nicht wirksam
Eine antibiotische Behandlung aller Patienten mit akutem Schlaganfall ist weder in der Lage, fieberhafte Infekte zu verhindern, noch in der Lage, das klinische Behandlungsergebnis zu verbessern.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Hohe Verordnungszahlen begünstigen Resistenzen
In einem ersten europaweiten Projekt zur Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen ergibt sich im Ländervergleich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Antibiotika-Verbrauch und Antibiotika-Resistenz.


Dr. Susanne Heinzl
Ertapenem bei Kindern mit komplizierten intraabdominellen oder gynäkologischen Infektionen
Das Carbapenem Ertapenem erwies sich in der Behandlung von Kindern im Alter von 2 bis 17 Jahren mit intraabdominalen oder gynäkologischen Infektionen als klinisch und mikrobiologisch wirksam sowie als gut verträglich.


Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Umstellungsoptionen bei Nebenwirkungen und Non-Compliance
Eine Umstellung der antiretroviralen Behandlung bei HIV-infizierten Patienten kann sinnvoll sein, wenn Nebenwirkungen auftreten oder Patienten aufgrund der großen Zahl der täglich einzunehmenden Medikamente non-compliant werden. In mehreren Studien wurden Umstellungsstrategien untersucht.


sh
Linezolid und Antidepressiva
Bei gleichzeitiger Gabe von Linezolid und Serotonin-Wiederaufnahmehemmern oder anderen Antidepressiva ist die Inzidenz des Serotonin-Syndroms nicht erhöht, so die Analyse der Daten aus 15 Phase-III- und -IV-Studien.