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24. Jahrgang Heft 7 Juli 2006

Editorial


Diskussionsforum Arzneimitteltherapie
Ludwig Kraut und Axel A. Fauser, Idar-Oberstein
Ein neuer Serotonin-Rezeptorantagonist zur Prävention von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen
Palonosetron ist ein neuer Serotonin-Rezeptorantagonist zur Prävention von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen. Es ist die erste Substanz aus dieser Wirkstoffklasse, die sowohl zur Prophylaxe der akuten als auch verzögerten Übelkeit und Erbrechen bei moderat emetogener Chemotherapie und darüber hinaus zur Prophylaxe der akuten Nausea und Emesis bei hoch emetogener Chemotherapie zugelassen ist. Wirksamkeit und Verträglichkeit von Palonosetron wurden in mehreren Phase-III-Studien belegt. Im Vergleich zu anderen Serotonin-Rezeptorantagonisten ist Palonosetron als mindestens gleich wirksam gegen akute Nausea und Emesis anzusehen, während es gegen verzögerte Nausea und Emesis höhere Ansprechraten aufweist. In den bisherigen klinischen Studien wurde Palonosetron im Allgemeinen gut vertragen, es traten nur wenige behandlungsbedürftige unerwünschte Wirkungen auf. Als häufigste Nebenwirkungen (≥ 5 %) sind – wie bei den anderen verfügbaren Serotonin-Rezeptorantagonisten auch – Kopfschmerzen und Obstipation zu nennen.


Übersichten
Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Im Rahmen des Kardio-Update 2006 (10. bis 11. Februar 2006 in Wiesbaden) wurden die wichtigsten Ergebnisse internationaler Publikationen des vergangenen Jahres in Kernbereichen der Kardiologie vorgestellt und im Hinblick auf die davon abzuleitenden Konsequenzen für den klinischen Alltag kommentiert.


Franz-Josef Schmitz, Minden
Eine Bestandsaufnahme
Aufgrund des antibakteriellen Spektrums, der hohen Beta-Lactamase-Stabilität und des geringen Selektions- und Induktionspotenzials für resistente Erreger stellt Cefepim, ein Cephalosporin der Gruppe 4, eine sinnvolle Therapieoption innerhalb der Cephalosporin-Gruppe dar. In aktuellen Therapieempfehlungen wird Cefepim ebenso wie Piperacillin/Tazobactam und die Carbapenem-Antibiotika uneingeschränkt als wichtige Therapieoption für die empirische Initialtherapie schwerer Infektionen in der Klinik empfohlen.


Consensus
Zusammengefasst und kommentiert von Heinz Reichmann, Dresden
Leitlinien zur Diagnostik und Therapie
Die dritte überarbeitete und erweiterte Auflage der Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie wurde im Jahr 2005 herausgegeben. Die Expertengruppe des Kompetenznetzes Parkinson und der Deutschen Parkinson-Gesellschaft (K. M. Eggert, G. Deuschl, T. Gasser, W. H. Oertel, G. Arnold, H. Baas, R. Dodel, H.-M. Mehdorn, W. Przuntek, H. Reichmann, P. Riederer, S. Spieker, C. Trenkwalder) entwickelte in diesem Zusammenhang die ebenfalls dritte Auflage der Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Parkinson-Syndromen, die nachfolgend zusammengefasst und kommentiert ist.
Zur schnellen Orientierung des Lesers enhält die Leitlinie die Rubrik „Was gibt es Neues?“, in der aktuelle Entwicklungen in der Therapie von Parkinson-Syndromen geschildert werden. Hier findet sich unter anderem der Hinweis darauf, dass bei der Dauereinnahme von Pergolid (z. B. Parkotil®) Herzklappenfibrosen beobachtet wurden. Aber auch, dass bei der Therapie von Parkinson-Syndromen zunehmendes Augenmerk auf Themen wie Schlafstörung, Schmerz, Depression und Demenz gelegt wird. Des Weiteren wird der hohe Stellenwert der tiefen Hirnstimulation betont und diese als fester Bestandteil der Therapie beschrieben. Als neue Therapiemöglichkeit hervorgehoben wird Rasagilin (Azilect®), das auch einen nennenswerten symptomatischen Effekt hat. Die fixe Kombination von Levodopa, Carbidopa und Entacapon (Stalevo®) und die „Rückkehr“ von Tolcapon (Tasmar®) sind weitere Neuerungen.


Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Benazepril schützt Nieren auch in fortgeschrittenem Stadium der Niereninsuffizienz
Die Gabe des ACE-Hemmers Benazepril (z. B. Cibacen®) in Kombination mit anderen Antihypertensiva führt auch bei Patienten mit Niereninsuffizienz im fortgeschrittenen Stadium mit Creatinin-Spiegeln zwischen 3,1 und 5,0 mg/dl zu einer besseren Nierenfunktion bei guter Verträglichkeit. Dies wurde in einer randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie mit einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von drei Jahren gezeigt.


Dr. Susanne Heinzl
Certoparin zur Thromboseprophylaxe bei Schlaganfall-Patienten
Certoparin schützt Patienten mit ischämischem Schlaganfall mindestens so wirksam und sicher vor thromboembolischen Ereignissen wie die Standardprophylaxe mit unfraktioniertem Heparin. Dies ergab die internationale randomisierte, doppelblind und kontrolliert durchgeführte PROTECT (Prophylaxis of thromboembolic events by certoparin trial).


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Wie sinnvoll ist eine antimikrobielle Prophylaxe?
Eine prophylaktische Behandlung mit dem Fluorchinolon Levofloxacin konnte bei Krebspatienten mit Neutropenie das Auftreten von Fieber und anderen infektionsbedingten Ereignissen reduzieren und war gut verträglich. Welche Folgen die Antibiotikum-Prophylaxe längerfristig auf die mikrobielle Resistenzentwicklung hat, ist derzeit allerdings noch nicht bekannt.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Wann sollten sie vorzeitig gestoppt werden?
Immer häufiger werden randomisierte klinische Studien vorzeitig beendet, weil angeblich bereits ein medizinischer Nutzen beobachtet wurde. Diese Ergebnisse sind skeptisch zu beurteilen.


Therapie chronischer Hepatitis-C-Virus-(HCV-)Infektionen


Dr. Susanne Heinzl
Neue Ziele für die Therapie
Nach wie vor ist man intensiv auf der Suche nach neuen Zielen für eine wirksame Therapie von Krebserkrankungen. Derzeit wird beispielsweise intensiv an Substanzen geforscht, mit denen Ziele wie die Histondesacetylase, Aurorakinasen, Notch, Insulin-like-growth-factor-Rezeptor Typ 1 und Prostata-Stammzellantigen angegangen werden können.


Bettina Martini, Stuttgart
Sunitinib – ein neuer oraler Multi-Tyrosinkinase-Hemmer
Sunitinib ist als Sutent® seit Anfang 2006 in den USA bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom und bei gastrointestinalen Stromatumoren nach Imatinib-Versagen oder -Unverträglichkeit zugelassen. In Europa wurden die Zulassungen beantragt, eine positive Empfehlung liegt vor. Die bislang verfügbaren Studienergebnisse wurden auf einem von der Firma Pfizer unterstützten Symposium beim 27. Deutschen Krebskongress im März 2006 in Berlin zusammengefasst.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Kein vermindertes gastrointestinales Risiko im Vergleich zu nichtselektiven NSAR
Entgegen früherer Annahmen scheinen Cyclooxygenase-2(COX-2)-Hemmer verglichen mit nichtselektiven nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) das Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen nicht zu senken. Durch die gleichzeitige Anwendung von Ulkustherapeutika konnte die gastrointestinale Sicherheit aller NSAR – mit Ausnahme von Diclofenac – erhöht werden.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Betablocker nicht zur Primärprävention geeignet
Nichtselektive Betablocker konnten bei Zirrhose-Patienten mit Pfortaderhochdruck die gastroösophageale Varizen-Bildung nicht verhindern, ihr Einsatz war aber mit einer erhöhten Nebenwirkungsrate verbunden.


Bettina Martini,Stuttgart
Cetuximab plus Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren
Der monoklonale Antikörper Cetuximab verlängerte in Kombination mit einer Strahlentherapie signifikant das Überleben von Patienten mit lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren im Vergleich zur alleinigen Strahlentherapie. So das Ergebnis einer randomisierten Studie mit 424 Patienten. Die Ergebnisse wurden im Rahmen des diesjährigen Krebskongresses im März in Berlin auf einer von Merck unterstützten Veranstaltung vorgestellt. Die Zulassung in Europa wurde im Frühjahr 2006 erteilt.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Hoch dosiertes Acetylcystein als antioxidative Therapie
Bei Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose konnte eine Kombination aus Acetylcystein in einer Dosierung von dreimal täglich 600 mg und der Standardmedikation Prednison plus Azathioprin die Vitalkapazität und die Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid besser erhalten als die herkömmliche Therapie allein.


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Konsolidierungstherapie mit Docetaxel ist ein hoffnungsvoller Ansatz im Stadium III
Nachdem Docetaxel (Taxotere®) seine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit in der palliativen Situation bei Patienten mit metastasiertem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom gezeigt hat, sprechen neuere Daten auch für eine günstige Wirkung in der neoadjuvanten und adjuvanten Situation bei operablen Patienten. Wie auf einer von der Fa. Sanofi-Aventis veranstalteten Pressekonferenz dargestellt wurde, ist auch eine Konsolidierungstherapie mit Docetaxel nach einer Radiochemotherapie bei Bronchialkarzinom-Patienten im Stadium III ein vielversprechender neuer Therapieansatz.