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25. Jahrgang Heft 2 Februar 2007

Editorial


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Eugen Mengel, Mainz, und Annemarie Musch, Stuttgart
Enzym-Ersatztherapie bei Patienten mit Morbus Pompe
Alglucosidase-alfa (MyozymeTM) ist seit dem 29. März 2006 in Deutschland zur langfristigen Enzym-Ersatztherapie bei Patienten mit Morbus Pompe zugelassen. Das rekombinante humane lysosomale Enzym α-1,4-Glucosidase besitzt Orphan-Drug-Status in der EU. In offenen Phase-II-Studien konnte bei Säuglingen und Kleinkindern mit der rasch fortschreitenden oder einer atypischen infantilen Verlaufsform der degenerativen Muskelerkrankung ein deutlicher Nutzen der Enzym-Ersatztherapie gezeigt werden: Das Überleben der Patienten wurde verlängert und ihre körperliche Beeinträchtigung verringert. Derzeit liegen nur wenige Daten zur Therapie von Patienten mit der langsamer fortschreitenden juvenilen/adulten Form des Morbus Pompe vor; bereits gezeigt werden konnte aber ebenfalls eine Verringerung der körperlichen Beeinträchtigung dieser Patienten.


Frank Holz, Bonn, und Bettina Martini, Memmingen
Intravitreale Injektion bei neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration
Pegaptanib hemmt nach intravitrealer Injektion das Wachstum von Blutgefäßen, das bei der Pathogenese der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) eine Rolle spielt. In klinischen Studien konnte so der Visusverlust bei Patienten mit neovaskulärer AMD deutlich verlangsamt werden. Seit Anfang 2006 ist diese neue Therapieoption in Deutschland zugelassen.


Martin Kropff, Münster, Wolfgang Knauf, Frankfurt, Hartmut Goldschmidt, Heidelberg, und Ralf Angermund, Neuss
Der Proteasom-Inhibitor Bortezomib wird zur Therapie des multiplen Myeloms eingesetzt. Eine Nebenwirkung der Therapie stellt die Thrombozytopenie dar, welche sich jedoch in mehrfacher Hinsicht von der klassischen, Zytostatika-induzierten Thrombozytopenie unterscheidet. Nach einem Abfall der Thrombozytenzahl zu Beginn der Therapie kommt es in der Folge meist zu einer Erholung bis zum nächsten Behandlungszyklus innerhalb von ein bis zwei Wochen bis auf das Ausgangsniveau oder sogar darüber hinaus. Der Verlauf der Thrombozytenzahl unter Bortezomib-Therapie lässt einen reversiblen Einfluss auf die Megakaryozyten-Funktion vermuten. Die funktionelle Störung der Thrombozytenfreisetzung scheint nicht durch einen direkten zytotoxischen Einfluss von Bortezomib auf die Megakaryozyten oder deren Vorläuferzellen bedingt zu sein. Dies hat zur Folge, dass die Thrombozytopenie unter Bortezomib nur selten einen Therapieabbruch erfordert.


Übersicht
Jens F. Jordan, Thomas S. Dietlein und Günter K. Krieglstein, Köln
Das Glaukom ist eine multifaktorielle Erkrankung, die unbehandelt zur Atrophie des Sehnerven und somit zur Erblindung des Patienten führt. Als der wichtigste Risikofaktor für eine Krankheitsprogression konnte in groß angelegten, klinischen Studien der intraokulare Druck (IOD) definiert werden. Eine medikamentöse Glaukom-Therapie soll den für den Patienten individuell festgelegten Ziel-IOD sicher erreichen und möglichst ohne Druck-Schwankungen gewährleisten. Aktuell gebräuchliche Medikamente aus den Substanzklassen der Betablocker, Prostaglandinderivate, Alpha-Agonisten, Parasympathomimetika (Miotika), Carboanhydrasehemmer, Hyperosmotika, sowie Medikamente, die die okuläre Durchblutung verbessern, werden dargestellt und diskutiert.


Fragen aus der Praxis
Gesine Picksak und Dirk O. Stichtenoth, Hannover
Ein Arzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin, Chirotherapie und Notfallmedizin fragt:
Ein 15-jähriger Patient ist seit Jahren mit Methylphenidat (Concerta®) gut eingestellt. Er fährt in der U17-Nationalmannschaft Rad. Daher die Frage, ob er für seinen Patienten für Methylphenidat, welches auf der Dopingliste steht, eine Ausnahmegenehmigung für eventuelle Dopingkontrollen erstellen oder die Therapie gänzlich auf ein anderes Präparat umstellen muss, falls sich Methylphenidat und leistungsbetriebener Radsport nicht vereinbaren lassen.


Klinische Studien
Dr. Susanne Heinzl
Ergebnisse der SPARCL-Studie

Bei Patienten nach Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA) und ohne bekannte koronare Herzkrankheit senkt eine Behandlung mit 80 mg Atorvastatin (Sortis®) täglich die Inzidenz von Schlaganfällen und kardiovaskulären Ereignissen trotz einer leichten Zunahme der hämorrhagischen Schlaganfälle. Dies ergab die SPARCL-Studie (The stroke prevention by aggressive reduction in cholesterol levels).



Referiert & kommentiert
Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Ophthalmika


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Proteinkinase-C-β-Inhibitor Ruboxistaurin
Mit dem Proteinkinase-C-β-Inhibitor Ruboxistaurin konnte bei Patienten mit diabetischer Retinopathie das Risiko für einen Sehverlust signifikant reduziert werden. Dies war das Ergebnis einer Analyse der gepoolten Daten von zwei randomisierten, doppelblinden und Plazebo-kontrollierten Phase-III-Studien, das auf einer von der Firma Lilly veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen der 42. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Kopenhagen im September 2006 vorgestellt wurde.
Die Zulassung für Ruboxistaurin zur Behandlung der diabetischen Retinopathie wurde in den USA und Europa im Frühjahr 2006 beantragt.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Neue therapeutische Optionen in Sicht?

Dronedaron, ein deiodiertes Amiodaron-Derivat, könnte eine neue Behandlungsoption für die Therapie von Vorhofflimmern werden. Vorteilhaft ist das im Vergleich zu Amiodaron bessere Nutzen-Risiko-Profil. Aktuelle Daten wurden auf einem Symposium von Sanofi-Aventis im Rahmen des 33. internationalen Elektrokardiologie-Kongresses in Köln im Juni 2006 vorgestellt.



Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Etoricoxib über 52 Wochen wirksam und verträglich

Der COX-2-Hemmer Etoricoxib (Arcoxia®) erwies sich in einer Langzeitstudie über 52 Wochen in den Dosierungen 30 mg, 60 mg und 90 mg jeweils einmal täglich bei Patienten mit einer Kniegelenkarthrose ebenso wirksam wie 150 mg Diclofenac. Die Verträglichkeit war insgesamt gut, die Inzidenz gastrointestinaler Nebenwirkungen unter dem COX-2-Hemmer geringer als unter Diclofenac.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Erfolgsrate bei neutropenischen Patienten schwankt mit der Definition der Fieberfreiheit

Die Ansprechrate einer empirischen Antimykotika-Therapie bei Patienten mit Neutropenie wird mit einem zusammengesetzten Endpunkt ermittelt. Eine der Komponenten ist die Fieberfreiheit der Patienten. Eine neue Analyse belegt, dass Fieberfreiheit nicht zu eng definiert werden sollte, da sonst Unterschiede bei klinisch bedeutsameren Endpunkten maskiert werden können.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Zusammenhang zwischen Insulin-Therapie und Hypertonie?

Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 hatten die, die Insulin injizierten, ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Hypertonie. So das Ergebnis einer retrospektiven Analyse von 87 850 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 in Taiwan.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
HIV
Komplexe Aufgabe der Langzeittherapie zusehends besser zu lösen?

Die nucleosidischen Reverse-Transcriptase-Hemmer Tenofovir und Emtricitabin sind in der Therapie von HIV-Infektionen bei nicht vorbehandelten Patienten langfristig wirksam. Die Verträglichkeit der antiretroviralen Therapie scheint durch diese Wirkstoffe verbessert zu werden. Neue Daten und Trends der HIV-Therapie von der Welt-AIDS-Konferenz 2006 in Toronto wurden auf einer von Gilead veranstalteten Pressekonferenz in Hamburg im August 2006 referiert.



Andrea Warpakowski, Itzstedt
Neue Therapieoption verfügbar

Der orale Multi-Tyrosinkinase-Hemmer Sunitinib erhielt im Sommer 2006 von der europäischen Arzneimittelbehörde die Zulassung für zwei verschiedene Krebserkrankungen: zur Therapie des fortgeschritten und/oder metastasierten Nierenzellkarzinoms nach Versagen einer Therapie mit Interferon alfa oder Interleukin-2 und zur Therapie nicht resezierbarer und/oder metastatisch maligner gastrointestinaler Stromatumoren (GIST) bei Imatinib-Resistenz oder -Unverträglichkeit. Aktuelle Daten wurden auf einer von der Firma Pfizer veranstalteten Pressekonferenz in Hamburg im September 2006 vorgestellt.



Andrea Warpakowski, Itzstedt
Zulassungserweiterung für Imatinib

Seit September 2006 ist der orale Tyrosinkinase-Hemmer Imatinib (Glivec®) in Europa auch zur Behandlung erwachsener Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver akuter lymphatischer Leukämie (Ph+ ALL) in Kombination mit Chemotherapie in der Erstlinientherapie und bei rezidivierter oder refraktärer Ph+ ALL als Monotherapie zugelassen. Aktuelle Daten präsentierte die Firma Novartis Pharma auf einer Pressekonferenz anlässlich der Zulassungserweiterung in Frankfurt im Oktober 2006.



Dr. Susanne Heinzl
Homocystein-Senkung ohne Nutzen

Die Einnahme von Folsäure, Vitamin B6 und B12 über fünf Jahre senkt zwar erhöhte Homocystein-Spiegel bei Hochrisikopatienten, die kardiovaskuläre Letalität, die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle werden jedoch nicht beeinflusst. Weitere Analysen der HOPE-2-Studie, die beim Weltkongress für Kardiologie in Barcelona Anfang September 2006 vorgestellt wurden, zeigten auch in anderen Parametern keinen Nutzen der Homocystein-Senkung.