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25. Jahrgang Heft 3 März 2007

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Stephan Volk, Hofheim/Taunus, und Annemarie Musch, Stuttgart
Die Narkolepsie beginnt meist mit exzessiver Tagesmüdigkeit und Schlafattacken. Weitere Symptome dieser Schlaf-Wach-Störung sind Kataplexie, Schlafparalyse und hypnagoge Halluzinationen. Seit Oktober 2005 ist Natriumoxybat (Xyrem®) zur Therapie der Kataplexie bei Patienten mit Narkolepsie in Deutschland zugelassen. Die Indikationserweiterung für die Therapie der Narkolepsie mit Kataplexie ist für das Frühjahr 2007 vorgesehen; das positive Votum der EMEA liegt bereits vor.
Natriumoxybat ist das Natriumsalz der Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB), die physiologisch im Körper als Neurotransmitter vorkommt. In Studien konnte gezeigt werden, dass die Therapie mit Natriumoxybat die Häufigkeit kataplektischer Attacken bei den Patienten deutlich reduziert. Darüber hinaus wurden die Tagesschläfrigkeit und der Nachtschlaf der Patienten deutlich verbessert. Der genaue Wirkungsmechanismus, mit dem sich diese günstigen Effekte des Arzneistoffs erklären lassen, ist nicht bekannt. Vermutet wird eine modulierende Wirkung des GABA-Metaboliten über GABAB-Rezeptoren auf die Aktivität stimulierender Neurotransmitter wie Acetylcholin, Dopamin, Noradrenalin und Serotonin.
Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden bislang bei der Therapie mit Natriumoxybat nicht beobachtet.


Hartmut Derendorf, Melanie Hübner, Gainesville (Florida), Bernd Drewelow, Rostock, Uwe Fuhr, Köln, Christoph H. Gleiter, Tübingen, Björn Lemmer, Gerd Mikus, Heidelberg, Ivar Roots, Berlin, Albrecht Ziegler, Kiel, und Dieter Ukena, Bremen
Pharmakokinetische und pharmakodynamische Eigenschaften*
Ciclesonid (CIC) ist ein neues inhalierbares Corticosteroid (ICS), das als Prodrug über ein Lösungsdosieraerosol inhaliert und zu 50 bis 60 % in der Lunge deponiert wird. Dort wandeln Esterasen es in aktives des-Isobutyryl-Ciclesonid (des-CIC) um („On-site“-Aktivierung). Hohe Lipophilie und Depotbildung in der Lunge verlängern die Wirkungsdauer und ermöglichen eine einmal-tägliche Inhalation. Klinische Studien mit Asthmapatienten belegen die Wirksamkeit bereits mit 80 µg Ciclesonid/Tag. Hohe Plasmaeiweißbindung und rasche Elimination aus dem Körper minimieren systemische Wirkungen, so dass Ciclesonid in Dosierungen bis zu 1 280 µg/Tag keinen Effekt auf Serum- und Urin-Cortisolwerte zeigte. Ciclesonid liegt im Oropharynx als inaktives Prodrug vor, daher wurde die ICS-typische orale Candidiasis in klinischen Studien so selten wie bei Plazebo beobachtet. Ciclesonid (Alvesco®) repräsentiert eine effektive, verträgliche und sichere Erweiterung der Therapieoptionen bei Asthma bronchiale.
Im Vergleich zu anderen ICS besitzt Ciclesonid eine verbesserte therapeutische Breite. Aufgrund seiner Eigenschaften ist Ciclesonid Protagonist einer neuen, dritten Generation inhalierbarer Glucocorticoide.


Übersichten
Ingo H. Tarner, Johannes Strunk und Ulf Müller-Ladner, Bad Nauheim
Die gezielte Entwicklung und der erfolgreiche Einsatz der TNF-hemmenden so genannten „Biologika“, vor allem bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis (RA), der Psoriasisarthritis und den Spondylarthropathien, aber auch bei anderen immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen, stellt einen Meilenstein der modernen Therapieforschung dar. Im Gefolge dieser Anti-TNF-Biologika ist in der Zwischenzeit eine Entwicklungswelle neuer potenzieller Therapeutika entstanden, indem versucht wird, auf nahezu allen Ebenen der autoimmunen Entzündungsprozesse Schlüsselmoleküle und Schlüsselmechanismen zu identifizieren und hieraus entsprechende therapeutische Modulatoren zu entwickeln. In dieser Übersicht sollen daher die aktuell herausragendsten Neuentwicklungen geordnet nach Wirkungsprinzipien vorgestellt werden.


Johann D. Ringe, Leverkusen
Wichtiges Kriterium bei der Auswahl einer antiresorptiven Osteoporose-Therapie
Die Frakturverhinderung ist der bedeutendste klinische Endpunkt einer Osteoporose-Behandlung. Unter den Medikamenten, die in den aktuellen Osteoporose-Leitlinien des DVO (Dachverbands deutschsprachiger wissenschaftlicher Gesellschaften zur Osteologie) 2006 für die Reduktion von Wirbelfrakturen in der Kategorie A aufgelistet sind, haben nur Alendronsäure, Risedronsäure und Strontiumranelat auch das Zusatzprädikat „Oberschenkelhalsfraktur-wirksam“ erhalten, hingegen nicht Raloxifen, Teriparatid und Ibandronsäure. Dabei ist das Pyridinyl-Bisphosphonat Risedronsäure das einzige derzeit verfügbare Bisphosphonat, zu dem es mehrere unabhängige Studien mit dem primären Endpunkt „Oberschenkelhalsfraktur” gibt, die alle einen signifikante Verringerung des Risikos für eine Oberschenkelhalsfraktur erbrachten.
Arzneimitteltherapie 2007;25:103–7.


Pharmakovigilanz
Dr. Annemarie Musch
Bei der medizinischen Versorgung sind Fehler in der medikamentösen Therapie ein bedeutender Risikofaktor für die Sicherheit der Patienten. Die Fehlerquellen sind hierbei nicht erst im letzten Schritt der Arzneimitteltherapie, das heißt beispielsweise in der falschen Anwendung eines Arzneimittels durch den Patienten, zu suchen. Bereits bei der Verschreibung von Arzneimitteln können Fehler auftreten. So gibt es fehlerträchtige Abkürzungen, die bei der schriftlichen Verordnung nach Möglichkeit vermieden werden sollten.


Klinische Studie
Dr. Annemarie Musch
Ergebnisse der ADOPT-Studie
Bei Patienten mit zuvor unbehandeltem Diabetes mellitus Typ 2 war bei Gabe von Rosiglitazon die Zeit bis zum Therapieversagen im Vergleich zu Metformin oder Glibenclamid deutlich verzögert: Nach 5 Jahren betrug die kumulative Inzidenz des Therapieversagens 15 %, bei Gabe von Metformin oder Glibenclamid waren es 21 % und 34 %. Die Ergebnisse der ADOPT-Studie wurden im Dezember 2006 beim 19. Kongress der International Diabetes Federation (IDF) in Kapstadt vorgestellt und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht. GlaxoSmithKline lud aus diesem Anlass zu einem Pressegespräch nach Frankfurt ein.


Referiert & kommentiert
Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Erbliche Stoffwechselstörungen


Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Neuer Behandlungsansatz mit Chaperonin 10


Bettina Martini, Memmingen
Dasatinib – eine neue Option für Imatinib-refraktäre Patienten


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Monotherapie mit Levetiracetam ist Carbamazepin ebenbürtig

In einer Nicht-Unterlegenheitsstudie gemäß der neuen Richtlinie der europäischen Arzneimittel-Zulassungsbehörde zeigte Levetiracetam eine vergleichbare Wirksamkeit wie verzögert freigesetztes Carbamazepin. Die Studie ist nach den Kriterien der internationalen Liga gegen die Epilepsie (ILAE) als hochwertige (Level 1) Studie einzustufen. Sie wurde bei einem Satellitensymposium der Firma UCB GmbH im Rahmen der 79. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie im September 2006 vorgestellt.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Medizinische Forschung zunehmend von Industrie finanziert

Seit 1994 hat der Anteil der durch Biotechnologie- und Pharmafirmen finanzierten medizinischen Veröffentlichungen zugenommen. Dies ergab eine Datenbankanalyse der von 1994 bis 2004 am häufigsten zitierten Artikel.



Susanne Heinzl
Pioglitazon zur Schlaganfallprävention bei Typ-2-Diabetikern?

Eine Subgruppenanalyse der PROactive-Studie zeigte, dass bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und vorangegangenem Schlaganfall das Risiko für einen erneuten Schlaganfall durch eine Einnahme von Pioglitazon um relativ 47 % gesenkt werden kann. Pioglitazon senkte die Häufigkeit eines ersten Schlaganfalls nicht.



Pressemitteilung der Universität Bonn