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25. Jahrgang Heft 5 Mai 2007

Editorial
Kurt Kochsiek, Würzburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Petra Schumm-Draeger, München, und Susanne Heinzl, Stuttgart
Endocannabinoid-Rezeptorantagonist zur Behandlung von Risikopatienten
Mit Rimonabant steht erstmals ein Substanz zur Verfügung, die über das so genannte Endocannabinoid-System wirkt. Der Cannabinoid(CB)-1-Rezeptorantagonist ist zusätzlich zu Diät und Bewegung zur Behandlung von Patienten mit Adipositas mit einem Körpermassenindex (BMI) über 30 kg/m² oder mit Übergewicht (BMI über 27 kg/m²) plus Risikofaktoren wie Diabetes mellitus Typ 2 und/oder Fettstoffwechselstörungen zugelassen.
Aufgrund des Wirkungsmechanismus ist auf zentrale unerwünschte Wirkungen zu achten. Wechselwirkungen sind mit anderen Substanzen denkbar, die auch über CYP3A verstoffwechselt werden.
Rimonabant (20 mg pro Tag) reduziert signifikant Bauchumfang und Körpergewicht. Vier klinische Phase-III-Studien bis zu zwei Jahren (RIO-Studien) haben an mehr als 6 600 Patienten mit Adipositas gezeigt, dass, unabhängig von der erreichten Gewichtsabnahme, gegenüber Plazebo ein erhöhter HDL-Cholesterol-, reduzierter Triglycerid-Spiegel sowie eine bessere Insulinsensitivität, bei Typ-2-Diabetikern ein signifikant verbesserter HbA1c-Wert erreicht werden. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Schwindel oder Schlafstörungen waren leicht und vorübergehend. Patienten mit einem erhöhten Bauchumfang und Typ-2-Diabetes und/oder Fettstoffwechselstörungen sind diejenigen, die voraussichtlich am meisten von den direkten Effekten des Wirkstoffs Rimonabant mit der Reduktion multipler Risikofaktoren profitieren werden.
Arzneimitteltherapie 2007;25:158–65.


Annemarie Musch, Stuttgart
Vor den Mahlzeiten inhaliertes Insulin ermöglicht bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 in Kombination mit einem Verzögerungsinsulin eine vergleichbare Einstellung des Blutzucker-Spiegels wie die konventionelle oder intensivierte konventionelle Insulin-Therapie. Auch in Kombination mit oralen Antidiabetika bei Typ-2-Diabetikern erwies sich die Inhalation von Insulin als wirksam. Vorteile der Therapie mit inhalierbarem Insulin werden in der besseren Patienten-Compliance gesehen. Die Zulassung für dieses inhalierbare Insulin (Exubera®) wurde von der europäischen Arzneimittelbehörde am 24. Januar 2006 erteilt.


Übersicht
L. Cornelius Bollheimer, Christiane Girlich, Ulrike Woenckhaus und Roland Büttner, Regensburg
Medikamentöse Therapie
Die antihyperglykämische Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 ist komplex und stellt immer wieder eine Herausforderung dar. Therapieziel ist nach aktuellen deutschen Leitlinien in der Regel ein HbA1c-Wert unter 6,5 % unter Vermeidung von Unterzuckerungen. Hierzu werden auf der Grundlage einer Änderung des Lebensstils die orale antidiabetische Therapie und die Insulin-Therapie allein oder in Kombination eingesetzt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Wirkungsweise, die Effektivität und die Nebenwirkungen der verfügbaren medikamentösen Therapieformen auf der Grundlage der vorhandenen Studiendaten. Neue pharmakologische Therapieansätze werden ebenfalls kurz dargestellt.


Fragen aus der Praxis
Gerd Luippold und Klaus Mörike, Tübingen
Ein 64-jähriger Patient soll wegen chronischer, starker Schmerzen mit einer Kombination aus Tilidin + Naloxon (Valoron® N) behandelt werden. Der Patient ist langjähriger Typ-2-Diabetiker und weist eine diabetische Nephropathie auf. Die Creatinin-Clearance beträgt 40 ml/min pro 1,73 m2 Körperoberfläche.


Pharmakovigilanz
Dr. Annemarie Musch
Ein wirkstoffspezifisches Risiko?
Das Risiko für ein versehentliches Absetzen einer Dauermedikation bei Patienten, die aufgrund geplanter chirurgischer Eingriffe stationär im Krankenhaus aufgenommen werden müssen oder ambulant einbestellt werden, ist wirkstoffabhängig erhöht. So wurde in einer kanadischen Kohortenstudie gezeigt, dass bei Patienten, die einer Langzeitantikoagulation mit Warfarin bedurften, ein deutliches Risiko dafür bestand, dass die Therapie unbeabsichtigt nach dem chirurgischen Eingriff nicht weitergeführt wurde. Für die Dauermedikation mit CSE-Hemmern und Betablockern zur topischen Anwendung am Auge konnte kein erhöhtes Risiko festgestellt werden.


Klinische Studien
Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
„Triptane“ sind nicht gefährlich

Eine große epidemiologische Studie aus Holland zeigt, dass die Einnahme von 5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten („Triptanen“) zur Behandlung von Migräneattacken das kardiovaskuläre Risiko nicht erhöht. Die Einnahme von Ergotamin geht allerdings mit einem leicht erhöhten Risiko für solche Komplikationen einher.



Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Zolmitriptan: Nasale Applikation wirksam und sicher

Zolmitriptan als Nasenspray ist hochwirksam bei der Behandlung der Schmerzattacken beim Clusterkopfschmerz, so das Ergebnis einer randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie.



Dr. Barbara Kreutzkamp, München
Helfen Protonenpumpenhemmer?

Bei Patienten mit chronischem Husten, der eindeutig auf einen gastroösophagealen Reflux zurückzuführen ist, kann ein Therapieversuch mit Protonenpumpenhemmern lohnen.



Referiert & kommentiert
Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Kosteneffizienz einer lebenslangen Simvastatin-Therapie

Die lebenslange Therapie mit einem Simvastatin-Generikumpräparat (40 mg/Tag) ist für Patienten verschiedener Risiko- und Altersstufen kostensparend, d. h., die durch die Vermeidung kardiovaskulärer Ereignisse gesunkenen Krankenhauskosten überwiegen die Kosten dieser medikamentösen Dauertherapie. Dies ergab die Extrapolation der Daten der Heart Protection Study über die 5-jährige Studiendauer hinaus.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
DPP-IV-Hemmer Sitagliptin – viel versprechend

Der DPP-IV-Hemmer Sitagliptin führte sowohl in der Monotherapie als auch in Kombination mit Metformin oder Pioglitazon bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zu einer deutlichen Verbesserung der glykämischen Kontrolle. Entsprechend dem Wirkungsmechanismus, der Steigerung der Spiegel von aktivem GLP-1, welches als Inkretin Glucose-abhängig zu einer gesteigerten Insulin-Sekretion durch die pankreatischen Beta-Zellen führt, war das Hypoglykämie-Risiko nicht erhöht. Aktuelle Daten der klinischen Entwicklung wurden bei einem von MSD Sharp & Dohme veranstalteten Symposium im Rahmen der 42. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Kopenhagen im September 2006 vorgestellt.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Exenatid einmal wöchentlich?

Die einmal wöchentliche subkutane Injektion verschiedener Dosierungen des Inkretin-Mimetikums Exenatid in einer Formulierung zur verzögerten Freisetzung führte bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die mit Metformin oder einer Lebensstilumstellung nicht zufrieden stellend therapiert werden konnten, zu einer dosisabhängigen Reduktion des HbA1c-Werts, so das Ergebnis einer randomisierten, doppelblinden, Plazebo-kontrollierten Studie. Diese Daten wurden bei einer von der Firma Lilly veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen der 32. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Kopenhagen im September 2006 vorgestellt.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Schmerzlinderung durch antivirale Therapie mit Aciclovir und Valaciclovir

Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer postzosterischer Neuralgie konnte durch eine aufeinander folgende Behandlung mit Aciclovir und Valaciclovir eine deutliche Schmerzreduktion erzielt werden.



Dr. Susanne Heinzl
Ist Rimonabant ein Antidiabetikum?

Rimonabant senkte bei therapienaiven Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 den HbA1c-Wert signifikant stärker als Plazebo. Darüber hinaus wurden sekundäre Endpunkte wie Blutzucker-Konzentration, Triglycerid-Spiegel, Körpergewicht, Taillenumfang und HDL-Cholesterol im metabolischen Sinne günstig durch Rimonabant beeinflusst. Dies ist das Ergebnis der SERENADE-Studie, deren Ergebnisse erstmals beim Weltkongress für Diabetes in Kapstadt und im Rahmen einer von Sanofi-Aventis Pharma Deutschland veranstalteten Pressekonferenz in Berlin am 5. Dezember 2006 vorgestellt wurden.