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25. Jahrgang Heft 6 Juni 2007

Editorial
Jürgen Schölmerich, Regensburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Frank G. Mathers, Köln, Bettina Martini, Memmingen, und Susanne Heinzl, Stuttgart
Eine neue Substanz zur Rauchentwöhnung
Vareniclin ist ein partieller Nicotin-Rezeptoragonist, der zur Tabakentwöhnung eingesetzt wird. In den klinischen Studien ergaben sich Erfolgsquoten, die besser waren als mit Bupropion und Plazebo. Dennoch verzichteten langfristig nur etwa 23 % der Studienteilnehmer auf das Zigarettenrauchen. Häufigste unerwünschte Wirkung war Übelkeit, die bei etwa einem Drittel der Personen auftrat. Vareniclin (Champix®) zur Rauchentwöhnung von Erwachsenen ist seit März 2007 im Handel verfügbar.
Arzneimitteltherapie 2007;25:203–5.


Übersicht
Josefine Römmler und Jochen Schopohl, München
Therapie der Akromegalie
Die Therapie der Wahl zur Behandlung der Akromegalie ist die transsphenoidale Hypophysenoperation. Ist die Erkrankung dadurch nicht ausreichend kontrolliert, sollte eine medikamentöse Nachbehandlung erfolgen. Hierbei sind Somatostatin-Analoga die medikamentöse Therapie der Wahl. Man unterscheidet kurz wirksames Octreotid, das zwei- bis dreimal pro Tag s. c. injiziert werden muss, von den lang wirksamen Depotpräparaten Octreotid LAR und Lanreotid Autogel, die nur noch alle 28 Tage i. m. verabreicht werden müssen. Die Somatostatin-Analoga können bei etwa 60 % der Patienten den Wachstumshormon-Spiegel normalisieren und den Insulin-like-Growth-Factor-I(IGF-I)-Wert in den altersentsprechenden Normbereich senken. Ein Vorteil der Somatostatin-Analoga ist die Kontrolle des Tumorwachstums. Die Verträglichkeit ist gut. Kurzfristige gastrointestinale Beschwerden und Cholesterol-Gallensteine sind die häufigsten Nebenwirkungen.
Seit 2003 ist mit Pegvisomant der erste Wachstumshormon-Rezeptorantagonist auf dem Markt. Er reduziert in über 90 % der Fälle den IGF-I-Wert auf altersentsprechende Normwerte. Da Pegvisomant keine direkte Wirkung auf das Adenom hat, kommt es zu einem Anstieg des endogenen Wachstumshormons. Pegvisomant wird täglich s. c. injiziert und ist gut verträglich. In wenigen Fällen wurde von einer Transaminasenerhöhung berichtet. Ob es in Einzelfällen zu einer Größenzunahme des Hypophysenadenoms kommen kann, wird noch in Studien untersucht.


Johann D. Ringe, Leverkusen
Dauerhafter Frakturschutz durch Adjustierung des gestörten Knochenstoffwechsels
Ziel jeder Therapie der Osteoporose muss es sein, das erhöhte Frakturrisiko durch Verbesserung von Knochenmasse, -architektur und -qualität zu senken. Da der Knochen ein lebendes Gewebe ist und einem permanenten Umbauprozess unterliegt, kann dies nur durch direkte Beeinflussung der Knochenzellen, die am Umbau beteiligt sind, gelingen. Dabei ist es für die Auswahl eines Osteoporose-Medikaments wichtig, die pathophysiologischen Vorgänge des Knochenumbaus und die verschiedenen Wirkungsmechanismen der heute verfügbaren Substanzen zu verstehen.
Im Sinne einer Materialerneuerung wird alte und schadhafte Knochensubstanz durch die Osteoklasten abgebaut und wie bei einer Wanderbaustelle nachfolgend durch neue Knochensubstanz der Osteoblasten ersetzt. Bei der postmenopausalen Osteoporose ist dieses physiologische „Bone Remodelling“ gestört – überwiegend im Sinne eines erheblich gesteigerten Umsatzes: Das vermehrt durch Osteoklasten abgeräumte alte Knochenmaterial wird nur ungenügend von den Osteoblasten durch neue Substanz ersetzt. Idealerweise müsste ein spezifisches Osteoporose-Therapeutikum dieses Ungleichgewicht adjustieren, das heißt die Knochenumbauvorgänge auf ein normales Maß zurückführen, um damit Reparatur und dauerhafte Stabilisierung der verbliebenen Strukturen zu ermöglichen.


Pharmakovigilanz
Marcus Rall, Jörg Zieger, Eric Stricker, Silke Reddersen, Patricia Hirsch und Peter Dieckmann, Tübingen
Melde- und Informationsplattform auch für sicherheitsrelevante Ereignisse im Zusammenhang mit der Verabreichung von Medikamenten


Klinische Studien
Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Feuchte altersabhängige Makuladegeneration

Das Fortschreiten der Neovaskularisierung bei der altersabhängigen Makuladegeneration kann durch monatliche Injektionen des VEGF-Antikörperfragments Ranibizumab (Lucentis®) in den Glaskörper des betroffenen Auges effektiver verzögert werden als durch die photodynamische Therapie mit Verteporfin (Visudyne®). In zwei Phase-III-Studien wurde durch intravitreale Injektion von Ranibizumab nicht nur eine Stabilisierung der Sehschärfe erreicht, sondern sogar eine Sehverbesserung.



Referiert & kommentiert
Dr. Annemarie Musch
Malignes Melanom

Nachfolgend werden Ansätze zur Behandlung von Patienten mit malignem Melanom vorgestellt, die sich durch einen neuen Wirkungsmechanismus auszeichnen und sich in Phase I/II bzw. III der klinischen Prüfung befinden.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Patienten profitieren von der Gabe des Komplement-Inhibitors Eculizumab

Eculizumab, ein monoklonaler, gegen das Komplementprotein C5 gerichteter Antikörper, schützt die roten Blutkörperchen von Patienten mit paroxysmaler nächtlicher Hämoglobinurie (PNH) vor der Zerstörung durch das körpereigene Komplementsystem. Durch die Behandlung mit Eculizumab konnte der Bedarf an Bluttransfusionen drastisch reduziert und die Lebensqualität der Patienten deutlich gesteigert werden. Dies ergab die jetzt veröffentlichte Studie TRIUMPH (Transfusion reduction investigation using eculizumab in PNH).



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Risiko und Nutzen für Patienten mit kolorektalen Adenomen

Cyclooxygenase-2(COX-2)-Hemmer senken die Gefahr des Wiederauftretens kolorektaler Adenome, die eine Vorstufe von Dickdarmkarzinomen darstellen. Allerdings steigt gleichzeitig das Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses um ein Vielfaches. COX-2-Hemmer sind daher auch für Patienten, die ein besonders hohes Risiko für das Auftreten präkanzerogener Adenome haben, keine geeignete Chemoprävention.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Nitazoxanid verkürzt schwere Rotavirus-Infektionen

Bisher gibt es kein Medikament zur Behandlung Rotavirus-bedingter Diarrhöen. Eine in Kairo durchgeführte Studie mit einer oralen Nitazoxanid-Suspension (Alinia®) verkürzte bei Kindern mit schwerer Rotavirus-Infektion die Genesungszeit.



Bettina Martini, Memmingen
Erst abwarten, dann Antibiotika-Therapie

Bei Kindern mit akuter Mittelohrentzündung wurden in einer Studie zwei Vorgehensweisen verglichen: Alle Eltern erhielten ein Rezept über ein Antibiotikum. In der einen Gruppe sollte die Therapie unverzüglich begonnen werden, in der anderen Gruppe nur, wenn nach 48 Stunden keine Besserung oder sogar eine Verschlechterung eingetreten ist. Durch die abwartende Haltung wurde der Antibiotika-Verbrauch stark reduziert, ohne dass die Erkrankung länger dauerte.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin
Welche Hygienemaßnahmen sind sinnvoll?

Die Häufigkeit Vancomycin-resistenter Enterokokken (VRE) unter den nosokomialen Erregern nimmt zu. Allerdings liegen nur bei einem Teil der VRE-Träger entsprechende Krankheitssymptome vor. Eine englische Leitlinie gibt Empfehlungen, welche Hygienemaßnahmen notwendig, sinnvoll oder auch überflüssig sind, um eine Ausbreitung von VRE im Krankenhaus zu vermeiden.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Optimierung der neuen Therapieoption mit Docetaxel

Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Magenkarzinom profitieren von der Therapie mit Docetaxel (Taxotere®). Neue Daten zur optimierten Therapie mit dem Taxan und multimodalen Therapieansätzen wurden auf einem von Sanofi-Aventis veranstalteten Satelliten-Symposium im Rahmen der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie in Leipzig am 6. November 2006 präsentiert.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Bortezomib – neue Indikationen in Sicht?

Bortezomib scheint die Empfindlichkeit von Myelomzellen gegenüber anderen Therapieprinzipien zu steigern. Daher wird untersucht, ob Bortezomib – zusätzlich zur Standardtherapie gegeben – das Behandlungsergebnis verbessern kann. Aktuelle Daten zur First-Line-Therapie und zur Behandlung von Rezidiven bei jüngeren und älteren Patienten wurden auf einer von Ortho Biotech veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie in Leipzig im November 2006 vorgestellt.