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25. Jahrgang Heft 7 Juli 2007

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Norbert Gattermann, Düsseldorf, und Annemarie Musch, Stuttgart
Orale Therapie bei transfusionsbedingter Eisenüberladung
Patienten, die einer regelmäßigen Bluttransfusion bedürfen, sind durch eine chronische Eisenüberladung des Körpers gefährdet. Daher sollten sie eine Therapie mit Eisenchelatbildnern erhalten. Diese bestand bisher in einer subkutanen Dauerinfusion von Deferoxamin. Seit dem 28. August 2006 steht Deferasirox (Exjade®) zur Verfügung, das oral gegeben wird.


Übersicht
Sandra Hochauf und Sebastian M. Schellong, Dresden
Die Phlebothrombose ist durch eine Gerinnselbildung im tiefen Venensystem – meist der Beine (Abb. 1) – gekennzeichnet. Das akute lebensbedrohliche Risiko ist die Entwicklung einer Lungenembolie. Die behindernde Langzeitfolge ist das postthrombotische Syndrom. Die Akutbehandlung mit parenteralen Antikoagulanzien zielt auf die Verhütung der Lungenembolie, die Erhaltungstherapie vorwiegend mit Vitamin-K-Antagonisten auf die Verhinderung des Rezidivs. Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms können durch eine konsequente Kompressionstherapie gesenkt werden. Während viele invasive Behandlungsverfahren (Fibrinolyse, Thrombektomie, Cavafilter) mangels Beweis ihrer Wirksamkeit weitgehend verlassen wurden, konnte die konservative Therapie in den letzten Jahren wesentlich optimiert werden.


Robert Dinser, Uwe Lange und Ulf Müller-Ladner, Bad Nauheim
In den letzten Jahren wurden mehreren Substanzen Gelenkstruktur-schützende Eigenschaften bei der Behandlung degenerativer Gelenkerkrankungen zugeschrieben. In Sichtung der verfügbaren Literatur scheint es einen geringen strukturmodifizierenden Effekt für Glucosamin, Chondroitinsulfat, Diacerein und möglicherweise noch schwächer ausgeprägt auch für Hyaluronsäure zu geben. Dieser Effekt korreliert nicht mit klinischen Wirksamkeitsparametern. Die Relevanz dieses Effekts für die Behandlung von Patienten mit Arthrose ist ungeklärt.


Consensus
Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut
Empfehlung und Begründung
Die Ständige Impfkommission hat auf ihrer 56. Sitzung am 27. und 28. Februar 2007 nach Abstimmung mit den Bundesländern und unter Berücksichtigung der Stellungnahmen weiterer betroffener Kreise eine Empfehlung zur generellen Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren verabschiedet. Dieser Beschluss und die wissenschaftliche Begründung aus epidemiologischer Sicht werden auf Grund des großen öffentlichen Interesses und des Wunsches nach Standards für die Anwendung dieses Impfstoffes im Folgenden ausnahmsweise vorab veröffentlicht. Der reguläre Termin der Veröffentlichung des Impfkalenders und der weiteren Empfehlungen der STIKO im Juli des Jahres 2007 bleibt unverändert bestehen.


Pharmakovigilanz
Marcus Rall, Jörg Zieger, Eric Stricker, Silke Reddersen, Patricia Hirsch und Peter Dieckmann, Tübingen


Klinische Studien
Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Orale Antikoagulation in der Prävention nicht wirksamer als Acetylsalicylsäure
Eine orale Antikoagulation mit INR-Werten zwischen 2,0 und 3,0 verhindert ischämische Ereignisse bei Patienten nach transitorischer ischämischer Attacke (TIA) und leichtem Schlaganfall besser als eine orale Gabe von Acetylsalicylsäure. Dieser protektive Effekt wird allerdings vollständig durch das erhöhte Risiko schwerwiegender Blutungskomplikationen aufgehoben. Orale Antikoagulanzien sollten daher nicht in der Sekundärprävention des Schlaganfalls bei Patienten ohne kardiale Emboliequelle eingesetzt werden.


Prof Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Systemische Thrombolyse mit Alteplase ist sicher und wirksam

Die Beobachtungsstudie SITS-MOST zeigt, dass eine systemische Thrombolyse mit Alteplase bei Patienten mit ischämischem Insult im 3-Stundenfenster im klinischen Alltag genauso sicher und effektiv durchgeführt werden kann wie im Rahmen randomisierter kontrollierter Studien.



Referiert & kommentiert
Dr. Annemarie Musch
Therapie des Lupus erythematodes

Im Folgenden werden viel versprechende neue Ansätze zur Therapie des Lupus erythematodes aufgeführt, die sich durch einen neuen Wirkungsmechanismus auszeichnen und sich in einem bereits fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befinden.



Dr. Annemarie Musch
Lenalidomid wirksam bei rezidivierter und therapierefraktärer Erkrankung

Bei Patienten mit multiplem Myelom, die unter einem Rezidiv der Erkrankung litten oder auf die Therapie bislang nicht angesprochen haben, konnte durch die Gabe von Lenalidomid in Kombination mit Dexamethason im Vergleich zur Gabe von Dexamethason und Plazebo die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung signifikant verlängert werden, so die Ergebnisse von zwei Phase-III-Studien. Lenalidomid ist ein Wirkstoff mit immunmodulatorischen und antitumoralen Wirkungen, der der systematischen Weiterentwicklung von Thalidomid entstammt und derzeit in verschiedenen Indikationen untersucht wird. Eine Zusammenfassung der aktuellen Datenlage zur Therapie mit Lenalidomid wurde auf einem von Celgene veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Fachgesellschaften für Hämatologie und Onkologie in Leipzig im November 2006 gegeben.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Klebsiella oxytoca als Ursache

Bei Patienten, die nach Einnahme von Antibiotika eine Kolitis entwickeln und negativ auf Clostridium difficile getestet werden, liegt häufig eine Infektion mit dem Zytotoxin-bildenden Bakterium Klebsiella oxytoca vor. Eine an der Universität Graz durchgeführte Untersuchung konnte eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen K. oxytoca und Antibiotika-assoziierter hämorrhagischer Kolitis nachweisen. In Zukunft könnte daher K. oxytoca als potenziell gefährliches Darmbakterium größere Beachtung finden.



Hardy-Thorsten Panknin, Berlin, Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart
Langzeitanwendung verschiebt das Erregerspektrum

Die regelmäßige Anwendung der selektiven Darmdekontamination bei beatmungsbedürftigen Patienten einer chirurgischen Intensivstation über einen Zeitraum von fünf Jahren war mit typischen Unterschieden des bakteriellen Erregerspektrums im Vergleich mit Referenz-Intensivstationen verbunden. Hinweise auf eine übermäßige Resistenzentwicklung gab es nicht.



Dr. Annemarie Musch
Neues Nucleosidanalogon Telbivudin

Zur Therapie der chronischen Hepatitis-B-Virus(HBV)-Infektion steht seit Mai 2007 in Deutschland ein neues Nucleosidanalogon zur Verfügung: Telbivudin (Sebivo®). Die aktuelle Datenlage zur Therapie mit Telbivudin wurde bei einer von den Firmen Novartis Pharma und Idenix Germany veranstalteten Einführungspressekonferenz im Mai 2007 zusammengefasst.