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25. Jahrgang Heft 8 August 2007

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Roland Büttner, Regensburg, und Annemarie Musch, Stuttgart
Inkretin-Mimetikum zur Therapie von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2
Mit Exenatid (Byetta®) steht Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die keine zufriedenstellende Blutzucker-Einstellung mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen erreichen, eine neue Therapieoption zur Verfügung; es ist in ausgewählten Fällen eine Alternative zur Gabe von Insulin.
Die Zulassung für das erste Inkretin-Mimetikum, das in Kombination mit Metformin und/oder Sulfonylharnstoffen anzuwenden ist, wurde von der europäischen Arzneimittelbehörde im November 2006 erteilt, Exenatid ist in Deutschland seit dem 18. April 2007 verfügbar.


Thomas H. Ittel, Stralsund
Eine Hyperphosphatämie, hervorgerufen durch ein Missverhältnis zwischen Phosphatresorption und renaler Phosphatausscheidung, ist ein häufiges Problem bei chronischer Niereninsuffizienz in den Stadien 4 und 5 der chronischen Nierenerkrankung. Erhöhte Phosphatkonzentrationen im Serum spielen bei sekundärem Hyperparathyreoidismus, renaler Osteopathie und bei Gefäß- und Weichteilverkalkungen eine Rolle. Deshalb muss heute bei der Wahl des Phosphatbinders auch der komplexe Zusammenhang zwischen eingeschränkter Nierenfunktion, den metabolischen Folgen und von vaskulären Erkrankungen berücksichtigt werden. Zur Verfügung stehen insbesondere calciumhaltige Phosphatbinder wie Calciumcarbonat und Calciumacetat, Sevelamer (Renagel®) und Lanthancarbonat (Fosrenol®).


Übersicht
Sven Jungblut, Hagen Frickmann und Hans Joachim Gilfrich, Frankfurt
Therapeutische Optionen
Unter den nichtpharmakologischen Therapieformen der rekurrierenden neurokardiogenen Synkopen sind besonders Orthostase-Training, Relaxations-Therapie und Flüssigkeitssubstitution Methoden der Wahl. Die Schrittmachertherapie bleibt schweren, therapierefraktären Fällen vorbehalten.
Zu den pharmakologischen Optionen gehört die Behandlung mit ACE-Hemmern, adrenergen Agonisten, Anticholinergika, Betablockern, Fludrocortison und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Therapeutische Ansätze gibt es ferner mit Clonazepam, Methylphenidat, Theophyllin und Disopyramid.
Fazit: Bei neurokardiogenen Synkopen ist eine maßvolle Therapie unter besonderer Betonung nichtpharmakologischer, nichtinvasiver Optionen angezeigt.


Pharmakovigilanz
Marcus Rall, Jörg Zieger, Eric Stricker, Silke Reddersen, Patricia Hirsch und Peter Dieckmann, Tübingen


Fragen aus der Praxis
Gerd Luippold, Tübingen
Eine 69-jährige Patientin wird mit zunehmender Vigilanzminderung und Verschlechterung des Allgemeinzustands in die internistische Notfallaufnahme eines Krankenhauses gebracht. Bekannt ist eine schwere Depression, die seit zwei Wochen mit dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Citalopram (20 mg 1–0–0) behandelt wird. Laborchemisch wird eine schwere Hyponatriämie von 110 mmol/l festgestellt. Die Plasmaosmolalität ist erniedrigt, während die Urinosmolalität mit 410 mosmol/kg im oberen Normbereich liegt. Die Patientin weist keine Zeichen einer Überwässerung auf.


Klinische Studien
Bettina Martini, Memmingen
Sicherheit von COX-2-Hemmern und NSAR
In einer Studie zum kardiovaskulären Risiko und einer zum Risiko von Nierenschädigungen mit COX-2-Hemmern zeigten sich erhöhte Risiken für Rofecoxib (ehemals Vioxx®), nicht aber für Celecoxib (Celebrex®) oder andere selektive COX-2-Hemmer. Auch für das nichtsteroidale Antiphlogistikum Diclofenac wurden teilweise erhöhte Risiken nachgewiesen.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Adjuvante Chemotherapie mit Gemcitabin
Nach der operativen Entfernung eines Pankreaskarzinoms konnte eine Behandlung mit Gemcitabin verglichen mit der alleinigen Beobachtung der Patienten das krankheitsfreie Überleben signifikant verlängern. Die Therapie mit Gemcitabin, die gut verträglich war und die Lebensqualität nicht verschlechterte, scheint derzeit eine Möglichkeit zu sein, das krankheitsfreie Überleben von Patienten mit Pankreaskarzinom zu verlängern.


Referiert & kommentiert
Dr. Susanne Heinzl
Direkter Renin-Hemmer Aliskiren

Der direkte Renin-Hemmer Aliskiren wurde im März 2007 als Tekturna® in den USA zur Behandlung des Bluthochdrucks zugelassen. Aliskiren hemmt das Enzym Renin und greift damit in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ein. Aliskiren kann in Mono- und in Kombinationstherapie eingesetzt werden. Aktuelle Daten wurden bei einem von Novartis veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen des 113. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden im April 2007 vorgestellt.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Behandlungsfortschritt durch Vasopressin-V2-Rezeptorantagonisten?

Der oral verfügbare, nichtpeptidische Vasopressin-V2-Rezeptorantagonist Tolvaptan hat sich in zwei randomisierten Plazebo-kontrollierten Doppelblindstudien zur Korrektur einer Hyponatriämie als gut geeignet erwiesen.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Sofortige Reperfusion hat oberste Priorität

Der kardiogene Schock ist eine der gefürchtetsten Komplikationen des Myokardinfarkts. Therapieziele sind die symptomatische Kreislaufstabilisierung und die möglichst rasche Reperfusion, die nach Möglichkeit immer interventionell durchgeführt werden sollte.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Lyse außerhalb des 3-Stunden-Zeitfensters erfordert MRT

Innerhalb eines 3-Stunden-Zeitfensters gilt die Lyse mit rekombinantem Plasminogen-Aktivator (rt-PA) heute als Standard. Außerhalb dieses Zeitfensters sollte eine solche Behandlung allerdings nur unter Zuhilfenahme eines Schlaganfall-MRT diskutiert werden.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Die beste Behandlung ist die Prophylaxe

Die Kontrastmittel-induzierte Nephropathie ist eine häufige Ursache des akuten Nierenversagens während eines Krankenhausaufenthalts. Da eine kausale Therapie nicht zur Verfügung steht, kommt der Prophylaxe eine entscheidende Bedeutung zu. Dazu gilt es, Risikopatienten zu identifizieren.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Antibiotische Therapieoptionen

Das Spektrum multiresistenter bakterieller Infektionserreger in der Intensivmedizin ist in den letzten Jahren deutlich größer geworden. Deshalb sind Maßnahmen zur Prävention der Entstehung und der Transmission erforderlich.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
First-Line-Therapie mit Erlotinib plus Gemcitabin zugelassen

Der Tyrosinkinase-Hemmer Erlotinib (Tarceva®) wurde in Kombination mit dem Zytostatikum Gemcitabin (Gemzar®) zur Therapie des metastasierten Pankreaskarzinoms zugelassen. Mit der Kombination beider Wirkstoffe konnte eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens gegenüber der standardmäßig durchgeführten Monotherapie mit Gemcitabin gezeigt werden. Die aktuelle Datenlage zur Therapie des metastasierten Pankreaskarzinom wurde bei der von der Firma Roche veranstalteten Einführungskonferenz in München Anfang Februar 2007 zusammengefasst.