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25. Jahrgang Heft 10 Oktober 2007

Editorial
Dr. Susanne Heinzl


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Annemarie Musch, Stuttgart
Die Mundschleimhautentzündung (orale Mukositis) tritt als häufige, ernst zu nehmende Nebenwirkung bei hoch dosierter Chemotherapie und/oder Strahlentherapie auf. Die bislang zur Prävention und Therapie zur Verfügung stehende Maßnahmen waren häufig von nur begrenztem Nutzen. Seit dem Herbst 2005 steht mit dem rekombinanten humanen Keratinozyten-Wachstumsfaktor (KGF) Palifermin (Kepivance®) ein neuer Therapieansatz zur Prävention und Therapie der oralen Mukositis zur Verfügung – bei Patienten, die sich einer myeloablativen Therapie mit hohem Risiko für das Auftreten dieser Nebenwirkung und einer Transplantation autologer hämatopoetischer Stammzellen unterziehen müssen. Palifermin stimuliert wie der endogene Keratinozyten-Wachstumsfaktor die Proliferation und Differenzierung epithelialer Zellen ebenso wie zytoprotektive Mechanismen.
In randomisiert, doppelblind und Plazebo-kontrolliert durchgeführten Studien konnte gezeigt werden, dass die Häufigkeit, die Dauer und der Schweregrad der oralen Mukositis durch die Gabe des Wachstumsfaktors deutlich reduziert werden.
Häufige Nebenwirkungen der Therapie, wie Geschmacksveränderungen, Juckreiz oder Erytheme, hängen mit dem Wirkungsmechanismus des Arzneimittels zusammen.


Übersicht
Lars C. Huber1,2, Manuel Fischler2, Oliver Distler1, Steffen Gay1, Rudolf Speich2 und Silvia Ulrich2, Zürich
Aktuelle Therapieansätze
Die pulmonale Hypertonie ist pathophysiologisch durch In-situ-Thrombosen, Vasokonstriktion und einen strukturellen Gefäßumbau der kleinen Arterien im Lungenkreislauf charakterisiert. Diese Veränderungen führen zu einem erhöhten vaskulären Widerstand und schließlich zur Entwicklung eines Cor pulmonale und klinischen Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz. Bisher ist die pulmonale Hypertonie eine unheilbare Krankheit, die noch vor wenigen Jahren innerhalb kurzer Zeit zum Tod führte. Allerdings haben neue Ansätze, welche den Gefäßtonus reduzieren und die endotheliale Dysfunktion verbessern, die Therapie der pulmonalen Hypertonie revolutioniert und zu einer starken Verbesserung von Überlebensrate, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten geführt. Zu den heute verwendeten, spezifischen Therapien gehören inhalierbare, subkutan oder intravenös zu verabreichende Prostacyclin-Analoga, Endothelin-Rezeptorantagonisten und Hemmer der Phosphodiesterase 5.
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über diese Behandlungsoptionen und stellt neue, molekulare Therapien vor, die in Tierexperimenten und ersten klinischen Versuchen vielversprechende Resultate erzielt haben.


Hans Jürgen Gerbershagen, Oguzhan Dagtekin, Köln, und Rainer Sabatowski, Dresden
Opioide sind unabdingbarer Bestandteil der Behandlung von mäßig starken bis starken akuten und chronischen Schmerzen. Der unterschiedliche Einsatz der Opioide bei chronischen Tumorschmerzen und Schmerzen bei anderen Erkrankungen ist wesentlich darauf zurückzuführen, dass die Kontrolle der Wirksamkeit und der Nebenwirkungen jeglicher Art bei den Tumorpatienten wesentlich engmaschiger durchgeführt wird als beispielsweise bei unspezifischen Rückenschmerzen, anderen muskuloskelettalen Schmerzzuständen und bei neuropathischen Schmerzen.
Bei chronischen nichttumorbedingten Schmerzen darf nicht vergessen werden, dass eine Monotherapie mit Opioiden selten indiziert ist. Beachtet der Verordner von Opioiden die Evidenz-basierten Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften für die Gabe dieser Substanzen, dann kann er eine am Schmerzmechanismus orientierte Therapie durchführen.


Fragen aus der Praxis
Bundesverband deutscher Krankenhausapotheker ADKA e.V. Ausschuss Arzneimittelinformation und Kommunikation und Arbeitsgruppe FAQ der ADKA-Aminfo-Datenbank


Gerd Luippold, Tübingen
Ein 58-jähriger Patient mit arterieller Hypertonie nimmt seit mehreren Jahren das Diuretikum Hydrochlorothiazid (25 mg; 1–0–0) ein. Während eines Sommerurlaubs in Griechenland entwickelt er einen ausgeprägten Sonnenbrand mit Aussparung der lichtgeschützten Hautareale. Seither klagt der Patient über erhöhte Lichtempfindlichkeit, die sich in einer starken sonnenbedingten Hautrötung bis hin zum Sonnenbrand äußert.


Klinische Studien
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Oseltamivir bei Kleinkindern geringere Wirksamkeit gegenüber Influenza B
Oseltamivir zeigt bei Kleinkindern eine signifikant geringere Wirksamkeit gegenüber einer Infektion mit Influenza B als Influenza A. Dies lässt sich vermutlich auf eine geringere Empfindlichkeit von Oseltamivir gegenüber Influenza-B-Viren zurückführen.


Bettina Martini, Memmingen
Unfraktioniertes versus niedermolekulares Heparin in der ambulanten Therapie
Auch unfraktioniertes Heparin kann subkutan appliziert und nach Körpergewicht dosiert werden, ohne dass die Thromboplastinzeit überwacht wird. In einer Studie war unfraktioniertes Heparin ebenso wirksam und sicher wie niedermolekulare Heparine.


Referiert & kommentiert
Dr. med. Julia Hofmann, Grafing
Interleukin-1-Rezeptorantagonist verbessert Blutzuckerkontrolle

Eine Blockade von Interleukin-1-Rezeptoren mit Anakinra (Kineret®) wirkte auf die Blutzuckersituation von Typ-2-Diabetikern positiv: Das Medikament verbesserte HbA1c-Werte und die Sekretionsleistung der Betazellen des Pankreas und reduzierte Entzündungsmarker.



Dr. Susanne Heinzl
Everolimus in der Onkologie

Hemmer des mTOR (mammalian target of rapamycin) haben in vielen Tumormodellen antipoliferative und Apoptose-fördernde Wirkungen. Das Makrolid Everolimus ist ein solcher mTOR-Hemmer. Seine Wirkung wird derzeit bei verschiedenen Tumorentitäten untersucht. Neue Daten wurden auf dem 2007 ASCO Annual Meeting Ende Mai in Chicago vorgestellt.



Dr. Annemarie Musch
Nelarabin wirksam bei rezidivierter oder therapierefraktärer Erkrankung

Mit Nelarabin kann bei Patienten mit malignen Erkrankungen der T-Zellreihe (T-ALL, T-LBL), die bereits mehrfach ein Rezidiv erlitten haben oder auf die Therapie bislang nicht ansprachen, häufig eine Remission erzielt werden; so die Ergebnisse von Phase-II-Studien mit sowohl Kindern als auch Erwachsenen. Diese Daten wurden auf einer Pressekonferenz von GlaxoSmithKline im Rahmen der 12. Jahrestagung der European Hematologic Association in Wien am 7. Juni vorgestellt.
Nelarabin erhielt am 22. August 2007 die europäische Zulassung und steht unter dem Handelsnamen Atriance® zur Therapie zur Verfügung.



Dr. Suanne Heinzl
Posaconazol zur Prophylaxe bei neutropenischen Patienten mit Leukämie empfohlen

Bei der 1st European Conference on Infection in Leukaemia (ECIL) wurden europäische Leitlinien zur primären antimykotischen Prophylaxe für Leukämie-Patienten erarbeitet. Das Triazol-Antimykotikum Posaconazol ist derzeit die Substanz mit der am besten bewerteten Datenlage.



Dr. Annemarie Musch
Neue Empfehlungen!

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat im Juli 2007 ihre Impfempfehlungen aktualisiert: Geänderte Anwendungshinweise oder präzisierte Empfehlungen betreffen insbesondere die Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR), Hepatitis A, Hepatitis B, Meningokokken, Pneumokokken und FSME.