Suche / Archiv


Erweiterte Suche

25. Jahrgang Heft 11 November 2007

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen,Hachenburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Philippe Schafhausen, Hamburg, Annemarie Musch, Stuttgart, und Tim H. Brümmendorf, Hamburg
Tyrosinkinase-Hemmer bei chronischer myeloischer Leukämie (CML) und Philadelphia-Chromosom-positiver akuter lymphatischer Leukämie (Ph+ ALL)
Mit der Einführung des Tyrosinkinase-Hemmers Imatinib (Glivec®) begann eine neue Ära in der Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML). Bei dem im letzten Jahr vorgestellten 5-Jahres-Follow-Up einer großen, mit der damaligen Interferon-basierten Standardtherapie vergleichenden Studie konnten eindrücklich bisher unerreichte Ergebnisse im Therapieansprechen und Gesamtüberleben unter Beweis gestellt werden. Das Bemerkenswerte dieser Substanz ist die hohe Spezifität bei gleichzeitig guter Verträglichkeit, so dass die CML in Verbindung mit Imatinib häufig als Modellerkrankung für eine so genannte „zielgerichtete Therapie“ gilt. Trotz dieser Erfolge kommt es bei etwa 10 bis 15 % der in der chronischen Phase behandelten Patienten primär oder im Verlauf zu einem Therapieversagen. Als eine wesentliche Ursache für eine Resistenzentwicklung wurden Punktmutationen in der BCR-ABL-Kinase beschrieben, so dass verschiedene neue Tyrosinkinase-Hemmer zur Überwindung dieser Resistenzen entwickelt werden. Inzwischen steht mit Dasatinib (Sprycel®) ein neuer Multitarget-Tyrosinkinase-Hemmer der zweiten Generation zur Verfügung, der seit November 2006 für die Therapie von Imatinib-resistenter oder -intoleranter CML und Philadelphia-Chromosom-positiver akuter lymphatischer Leukämie (Ph+ ALL) zugelassen ist.


Lars C. Huber und Manuel Fischler, Zürich
Bis vor kurzem war die pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) eine Krankheit mit äußerst limitierten Behandlungsoptionen, die unbehandelt rasch zum Tod führte. Neue Therapieansätze haben in den letzten Jahren jedoch zu einer deutlichen Abnahme der Sterblichkeit und zu einer starken Verbesserung der Lebensqualität dieser Patienten geführt. Sildenafil ist ein cGMP-spezifischer Hemmer der Phosphodiesterase 5 (PDE-5), der ursprünglich für die Therapie der erektilen Dysfunktion entwickelt wurde. Verschiedene klinische Studien haben gezeigt, dass Sildenafil bei Patienten mit PAH zu einer Verbesserung der klinischen Symptome, der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der pulmonalen Hämodynamik führt. Momentan fehlen zwar noch wichtige Resultate über die Langzeiteffekte, insgesamt aber zeigt die gegenwärtige Datenlage, dass Sildenafil ein potentes, sicheres und gut verträgliches Arzneimittel für die Therapie der PAH ist. Sildenafil kann entweder alleine oder in Kombination mit anderen vasodilatativen Medikamenten verwendet werden. Sildenafil ist unter dem Namen Revatio® seit Oktober 2005 in Deutschland zur Therapie der PAH bei Patienten mit funktionellem Schweregrad III zugelassen.


Übersicht
Claus Kroegel, Martin Förster, Robert Walter, Margot Henzgen und Angelika Reißig, Jena
Grundbegriffe und Bedeutung für die klinische Anwendung

Inhalierbare Glucocorticoide bilden die Grundlage der antiasthmatischen Therapie des persistierenden Asthma bronchiale und reduzieren Morbidität und Letalität der Erkrankung. Die einzelnen, heute zur Verfügung stehenden inhalierbaren Glucocorticoide zeigen zum Teil erhebliche Unterschiede ihrer pharmakokinetischen und -dynamischen Eigenschaften. Diese umfassen die orale oder systemische Bioverfügbarkeit, Proteinbindung, Halbwertszeit, Clearance, Lipidkonjugation, Lipophilie und pulmonale Verweildauer. Hinzu kommen verschiedene Inhalatoren und Inhalationssysteme. Hieraus ergeben sich nicht nur Unterschiede bei der inhalierten Glucocorticoid-Menge, sondern auch bei systemischen (Wachstumshemmung, Glucoseintoleranz, Kataraktentwicklung, Glaukom und Osteoporose) oder oropharyngealen Nebenwirkungen (z. B. Dysphonie, Soor). Letztgenannter Aspekt ist von besonderer Bedeutung, da er eine konsequente Anwendung inhalierbarer Glucocorticoide bereits unmittelbar nach Therapiebeginn behindern kann („Compliance“). Die Entwicklung neuer Applikatoren und innovativer Substanzen dieser Wirkstoffklasse hat in den letzten Jahren die Sicherheit der antientzündlichen Therapie mit inhalierbaren Glucocorticoiden weiter verbessert und erlaubt gleichzeitig eine individuelle, auf den jeweiligen Patienten ausgerichtete antientzündliche Therapie. Die potenziellen Unterschiede in der Wirksamkeit und der Sicherheit inhalierbarer Glucocorticoide sowie die sich hieraus ergebenden Konsequenzen für eine individualisierte Asthmatherapie werden diskutiert.



Fragen aus der Praxis
Gerd Luippold und Klaus Mörike, Tübingen
Ein 67-jähriger Patient hatte wegen Reizhustens eine Tablette Codeinum phosphoricum forte eingenommen. Nach zwei Stunden wurde er mit der Verdachtsdiagnose „akute Pankreatitis“ in die Innere Abteilung eines Krankenhauses eingewiesen. Der Patient gab an, gelegentlich Alkohol zu trinken, am Abend vor der Aufnahme hatte er jedoch weder Alkohol getrunken noch eine fettreiche Mahlzeit zu sich genommen. Bei der klinischen Untersuchung war das Epigastrium druckschmerzhaft, die Schmerzen strahlten gürtelförmig aus. Laborchemisch waren die Pankreasenzyme deutlich erhöht. Die Sonographie des Abdomens zeigte einen Normalbefund des Pankreas.


Klinische Studien
Dr. med. Anneke Vonend,Bochum
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bei depressiven Patienten wirksam?
Depressive Episoden bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung (KHK) können mit dem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Citalopram nebenwirkungsarm behandelt werden, so das Ergebnis der CREATE-Studie, einer randomisierten, kontrollierten Studie aus Kanada.


Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Aussagekräftige Risikowerte fehlen häufig
In sechs führenden medizinischen Zeitschriften werden absolute Risikoangaben zur Beschreibung von Behandlungseffekten häufig nicht oder nicht sofort zugänglich angegeben. Werden Behandlungseffekte jedoch nur in relativen statt in absoluten Risikowerten beschrieben, wird eine Überschätzung dieser Effekte begünstigt, da die Grundanfälligkeit einer Patientengruppe für die untersuchten unerwünschten Ereignisse nicht erfasst wird.


Referiert & kommentiert
Dr. Susanne Heinzl
Trifunktionaler Antikörper in der Krebstherapie

Die intraperitoneale Gabe des trifunktionalen Antikörpers Catumaxomab aktiviert die Ausbildung verschiedener Immunzellen und führt zur Elimination von Tumorzellen in Aszites von Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen. Die Therapie könnte damit einer Punktion überlegen sein.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Wirksamkeit von Glatirameracetat in der Langzeittherapie ist belegt

Die multiple Sklerose ist eine entzündliche und degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, wobei eine Fehlfunktion des Immunsystems pathogenetisch die zentrale Rolle spielt. Für die Therapie sollten daher neben einer antiinflammatorischen Strategie auch regenerative und neuroprotektive Mechanismen genutzt werden. Mit Glatirameracetat (Copaxone®) steht ein Immunmodulator mit neuroprotektiver Wirkung zur Verfügung, dessen Langzeitwirksamkeit belegt ist, so das Fazit eines von den Firmen Sanofi-Aventis und TEVA veranstalteten Fachpressegesprächs am 7. Juli 2007.



Dr. Susanne Heinzl
Therapie in Gegenwart und Zukunft

Vor 20 Jahren wurde der Begriff des akuten Koronarsyndroms geprägt. Aus diesem Anlass fand im Juni 2007 ein hochkarätig besetztes Symposium in Hamburg statt, das von der Firma MSD Sharp & Dohme unterstützt wurde.



Dr. Susanne Heinzl
Neue Daten aus der BIG-1-98-Studie

Neue Daten aus der BIG-1-98-Studie zeigen, dass die Wirkung des Aromatasehemmers Letrozol und des Estrogen-Antagonisten Tamoxifen unabhängig vom Progesteron-Rezeptor- und vom HER-2neu-Rezeptorstatus ist. Eine weitere Analyse ergab, dass die beiden Substanzen auch unabhängig vom Alter wirksam sind, dass jedoch bei älteren Patienten eher mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. In einer dritten Analyse konnte gezeigt werden, dass thromboembolische Ereignisse in der Tamoxifen-Gruppe häufiger waren, in der Letrozol-Gruppe kam es zu einem leichten Anstieg kardialer Ereignisse vom Grad 3 bis 5. Der Nutzen der Letrozol-Wirkung rechtfertigt es jedoch, dieses Risiko in Kauf zu nehmen.



Dr. Susanne Heinzl
Imatinib wirkt unabhängig von der Tumorgröße

Auch Patienten mit großen gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) sprechen auf eine Therapie mit dem Tyrosinkinase-Hemmer Imatinib (Glivec®) an. Die Ansprechrate unterscheidet sich nicht von der von Patienten mit kleineren GIST.