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26. Jahrgang Heft 2 Februar 2008

Editorial
Dr. Annemarie Musch, Stuttgart


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Hartmut Goldschmidt, Ulrike Klein, Heidelberg, und Annemarie Musch, Stuttgart
Therapie des multiplen Myeloms
Lenalidomid (Revlimid®) wurde in Europa am 19. Juni 2007 als erster Vertreter einer neuen Klasse immunmodulatorischer Wirkstoffe (= IMiDs®) zur Therapie des rezidivierten oder therapierefraktären multiplen Myeloms zugelassen. Lenalidomid hat zusätzlich zur Immunmodulation verschiedene andere Effekte, die genaue Wirkungsweise und der Beitrag der einzelnen Effekte zur Gesamtwirkung werden untersucht. Beim multiplen Myelom könnte die antiproliferative und die immunmodulatorische Wirkung von Lenalidomid sowie die Beeinflussung einer Interaktion von Myelomzellen mit Knochenmarkstromazellen durch diese Substanz besonders wichtig sein.
In zwei doppelblind, randomisiert und Plazebo-kontrolliert durchgeführten Phase-III-Studien profitierten Patienten mit rezidivierter oder therapierefraktärer Erkrankung von Lenalidomid in Kombination mit Dexamethason: Das Fortschreiten der Erkrankung wurde verzögert im Vergleich zur Therapie mit Dexamethason allein. Viel versprechende erste Daten liegen auch bereits für die Behandlung von neudiagnostizierten Myelompatienten vor .


Übersichten
Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
Bei der Behandlung von Tumorpatienten handelt es sich in aller Regel um eine Polypharmakotherapie – bereits das verwendete Chemotherapieschema besteht häufig aus mehreren Substanzen. Aufgrund ihrer geringen therapeutischen Breite und der erheblichen Toxizität sind Zytostatika für Interaktionen prädestiniert [3, 5, 18, 29]. Arzneimittelwechselwirkungen bei Zytostatika lassen sich dabei als erwünscht und unerwünscht klassifizieren. Positive Arzneimittelwechselwirkungen entstehen durch die Kombination verschiedener Zytostatika oder die Kombination von Zytostatika mit anderen Wirkstoffen, die die Antitumorwirkung erhöhen. Unerwünschte Arzneimittelwechselwirkungen können dadurch entstehen, dass die Antitumorwirkung von Zytostatika reduziert wird oder es zu einer signifikanten Toxizitätssteigerung kommt, ohne dass die zytostatische Wirkung beeinflusst wird. Dabei stellt einerseits eine Wirkungsminderung mit unzureichender Antitumorwirkung und auf der anderen Seite eine Wirkungsverstärkung mit erheblicher Toxizität ein potenziell tödliches Risiko für den Patienten dar. Nicht immer ist dabei klar, dass es sich bei der verminderten Wirkung oder der erhöhten Toxizität um die Folgen einer klinisch relevanten Arzneimittelwechselwirkung handelt [3, 5, 18, 29].
Der vorliegende Artikel beschäftigt sich in erster Linie mit pharmakokinetischen Wechselwirkungen zwischen Zytostatika und den zahlreichen anderen Arzneistoffen, die häufig gleichzeitig erforderlich sind und verordnet werden oder von Patienten im Rahmen der Selbstmedikation eingenommen werden. Pharmakokinetische Wechselwirkungen unter Beteiligung von Zytostatika haben auch deshalb an Bedeutung zugenommen, weil mit neuen Zytostatika wie den Tyrosinkinase-Hemmern eine ganze Reihe von Arzneistoffen auf den Markt gekommen ist, die aufgrund ihrer Verstoffwechslung und ihrer Beeinflussung metabolisierender Enzyme und Abläufe in erheblichem Ausmaß die Gefahr in sich bergen, an therapierelevanten Arzneimittelwechselwirkungen beteiligt zu sein.
Pharmakokinetische Wechselwirkungen können während der gesamten Passage eines Arzneistoffs durch den Körper auftreten. Im Gegensatz zu pharmakodynamischen Wechselwirkungen ist die Voraussage pharmakokinetischer Interaktionen schwieriger, da diese Prozesse nur in Ausnahmefällen arzneistoffspezifisch sind. Hinzu kommt, dass sich mit dem Alter die Resorption, die Verteilung, der Metabolismus und die Elimination verändern können. Zu hierdurch veränderten pharmakokinetischen Eigenschaften von Arzneistoffen bei älteren onkologischen Patienten ist kaum etwas bekannt.
Im Folgenden werden zunächst allgemeine Prinzipien möglicher pharmakokinetischer Wechselwirkungen abgehandelt und anschließend die mögliche Therapierelevanz beleuchtet.


Dirk Keiner, Suhl, Carsten Möller, Katzhütte, und Rolf Pöhlmann, Suhl
Mukositis – die Entzündung der Mundschleimhaut – ist eine der häufigsten Komplikationen der zytostatischen Chemo- und/oder Radiotherapie. Mehr als 40 verschiedene Substanzen wurden bisher auf ihre Wirksamkeit zur Prävention und zur Therapie der Mukositis evaluiert. Ausgehend von der komplexen Pathophysiologie wird der Einsatz von Benzydamin bei Mukositis näher beleuchtet.


Fragen aus der Praxis
Hardy-Thorsten Panknin, Berlin, und Matthias Trautmann, Stuttgart
Der in mehreren probiotischen Präparaten enthaltene Hefepilz Saccharomyces boulardii ist nach neueren Erkenntnissen mit Saccharomyces cerevisiae, der Bäckerhefe, identisch.
Können die in der Vergangenheit wiederholt berichteten, teilweise klinisch schwer verlaufenden Fungämien durch S. cerevisiae bei Intensivpatienten dadurch erklärt werden, dass bei diesen Patienten S.-boulardii-Präparate zur unterstützenden Therapie einer Clostridium-difficile-Kolitis eingesetzt wurden?


Klinische Studie
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Kombinierte Endpunkte können zu irreführenden Ergebnissen führen

In vielen kardiologischen Studien werden kombinierte Endpunkte verwendet. Das kann problematisch für die Interpretation der Studienergebnisse sein, vor allem wenn die einzelnen Komponenten des kombinierten Endpunkts sich stark in ihrer Bedeutung für den Patienten und der Größe des Behandlungseffekts unterscheiden.



Bettina Martini, Memmingen
Erythropoetin-Substitution: Hohe Hämoglobin-Zielwerte kritisch

Bei Patienten mit Niereninsuffizienz, die aufgrund einer Anämie eine Erythropoese-stimulierende Therapie bekamen, ergab sich ein erhöhtes Sterberisiko, wenn hohe Hämoglobin-Werte angestrebt wurden. Dies ergab eine Metaanalyse von neun randomisierten kontrollierten Studien.



Referiert & kommentiert
Dr. Annemarie Musch
Maligne Lymphome

Nachfolgend werden zwei neue Ansätze zur Behandlung von Patienten mit malignen Lymphomen vorgestellt, die sich durch einen neuen oder modifizierten Wirkungsmechanismus auszeichnen und sich bereits in Phase II bzw. III der klinischen Prüfung befinden.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Wirksame Erstlinien-Therapie mit Micafungin

Das Echinocandin Micafungin erweist sich in der First-Line-Therapie bei Patienten mit Kandidämien oder invasiven Kandidosen der Standardtherapie mit liposomalem Amphotericin B als nicht unterlegen. Die Verträglichkeit des neuen Echinocandins ist etwas besser als die des Standardtherapeutikums, typische Nebenwirkungen sind eine vorübergehende Erhöhung der Aminotransferasen und eine vermehrte Histaminfreisetzung.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Ausweitung des Indikationsspektrums fördert Resistenzen

Bei einer Reihe von Magenerkrankungen ist die Eradikation von Helicobacter pylori heute Standard. Dazu kommen Erkrankungen, bei denen eine Eradikation empfohlen wird. Doch die Ausweitung des Indikationsbereichs führt zu einem häufigeren Therapieversagen, wofür neben der inkorrekten Medikamenteneinnahme insbesondere eine zunehmende Resistenzentwicklung verantwortlich sein dürfte.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Gute Behandlungsergebnisse mit Trabectedin

Trabectedin (Yondelis®) wurde in Europa am 20. September 2007 zur Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem Weichteilsarkom zugelassen. Laut Zulassung kann Trabectedin eingesetzt werden bei Patienten, die auf die Therapie mit Anthracyclinen und Ifosfamid nicht mehr ansprechen oder denen diese Behandlungsoptionen beispielsweise aufgrund von Unverträglichkeiten nicht angeboten werden können. Auf einer von PharmaMar veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Schweizerischen und Österreichischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie in Basel im Oktober 2007 wurde ein Überblick über die aktuelle Datenlage gegeben.



Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
K-ras-Mutation und Ansprechen auf Panitumumab

Patienten mit Kolorektalkarzinom, bei denen der K-ras-Wildtyp nachgewiesen werden kann, sprechen auf eine Monotherapie mit dem monoklonalen Antikörper Panitumumab signifikant besser an als Patienten mit einer Mutation von K-ras. Diese Daten wurden auf einer von der Firma Amgen veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen der European Cancer Conference in Barcelona im September 2007 vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
Voriconazol kann mit Cyclophosphamid gegeben werden

Bei Patienten mit Cyclophosphamid-basierten Therapieregimen, die sich einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation unterziehen, ist eine gleichzeitige Gabe des Antimykotikums Voriconazol (Vfend®) möglich. Die Toxizität von Cyclophosphamid wird dadurch nicht verstärkt.