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26. Jahrgang Heft 4 April 2008

Editorial
Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Dirk Arnold, Halle, und Annemarie Musch, Stuttgart
Theranostik beim metastasierten kolorektalen Karzinom
Mit Panitumumab (Vectibix®) ist in Deutschland seit Mitte Januar 2008 eine neue Behandlungsoption für Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom im Handel. Panitumumab ist ein rekombinanter voll humaner gegen den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) gerichteter Antikörper. Der Zulassung durch die EMEA entsprechend kann Panitumumab bei Patienten, bei denen Fluoropyrimidin-, Irinotecan- und Oxaliplatin-haltige Standardschemata versagt haben, als Monotherapie angewendet werden, wenn bei dem zu behandelnden Patienten ein EGFR-exprimierendes Karzinom mit nicht-mutiertem K-ras-Gen nachgewiesen wurde.
Diese Patientensubgruppe hatte in einer randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie besonders von der Therapie mit Panitumumab profitiert. In dieser Studie wurde Panitumumab zusätzlich zu bestmöglicher Supportivtherapie gegeben und die Wirksamkeit dieser Therapie mit bestmöglicher Supportivtherapie allein verglichen. Es zeigte sich, dass das progressionsfreie Überleben von Patienten mit nicht-mutiertem K-ras-Gen mit im Median 12,3 Wochen signifikant länger war als das der Patienten mit K-ras-Mutation, die im Median 7,4 Wochen progressionsfrei überlebten.
Der Nachweis der K-ras-Mutation ist aus dem Routinebiopsat oder -operationspräparat sicher durchzuführen. Die zielgerichtete Therapie mit dem Anti-EGFR-Antikörper kann durch die enge Verzahnung von Diagnose und Therapie (Theranostik) sehr gezielt bei den Patienten eingesetzt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung individualisierte Therapie.


Übersicht
Henning Schröder, Minneapolis (USA), Stefanie Oberle-Plümpe, Braunschweig, und Dirk Stalleicken, Langenfeld
Pentaerythrityltetranitrat (PETN) ist ein Stickstoffmonoxid(NO)-Donor mit vasodilatierenden und antioxidativen Eigenschaften. Studienergebnisse zeigten, dass die vasodilatierende und antianginöse Wirkung von PETN im Vergleich zu anderen Langzeitnitraten weitgehend toleranzfrei ist. Als Ursache für die nachlassende Wirkung unter einer Therapie mit organischen Nitraten gilt die vermehrte Bildung von Sauerstoffradikalen im Endothel. PETN induziert im Gegensatz zu anderen Nitraten Gene, die für Proteine mit antioxidativen Stoffwechselleistungen kodieren wie Hämoxygenase-1 (HO-1) und Ferritin. In Studien mit Inhibitoren und Induktoren der Hämoxygenase-1 wurde gezeigt, dass diesem Enzym eine Schlüsselfunktion bei der Vermeidung der Nitrattoleranz zukommt.
PETN und andere Hämoxygenase-1-Induktoren vermindern darüber hinaus durch oxidativen Stress bedingte Endothelschäden. Außerdem führt die Reduktion zelltoxischer Sauerstoffradikale durch PETN zu einer verbesserten Funktion endothelialer Progenitorzellen, wodurch Reendothelialisierung und Neovaskularisation von Gefäßen begünstigt werden.
Die zentrale Rolle der Hämoxygenase-1 bei der Aufrechterhaltung der Gefäßintegrität lässt die zukünftige Bedeutung dieses Proteins als Zielstruktur bei der Prävention und Therapie inflammatorischer Gefäßerkrankungen erkennen.


Consensus
Dr. Annemarie Musch, Dr. Tanja Liebing
Zusammenfassung eines internationalen Konsensusberichts
Im Januar 2008 wurde von der European Academy of Allergy and Clinical Immunology und der American Academy of Allergy, Asthma and Immunology in der Zeitschrift Allergy ein Konsensusbericht zur Diagnose und Behandlung von Asthma bronchiale bei Kindern veröffentlicht [1]. Dem so genannten PRACTALL consensus report liegen bis Juni 2007 veröffentlichte Daten und die bis dato beste klinische Praxis zugrunde. PRACTALL steht für PRACTising ALLergology – eine gemeinsame Initiative der beiden Fachgesellschaften. Der internationale Konsensusbericht soll in Europa und Nord-Amerika als Leitlinie für die klinische Praxis dienen. Der Konsensusbericht wird hier mit dem Schwerpunkt auf der medikamentösen Therapie zusammengefasst. Die Originalversion des Konsensusberichts kann im Internet unter abgerufen werden.


Evidenzbasierte Medizin
Antje Timmer, Freiburg, und Bernd Richter, Düsseldorf
Eine Einführung in Frage und Antwort: Teil 1 – Was ist eine systematische Übersichtsarbeit?


Klinische Studie
Bettina Martini, Memmingen
Initiale Hochdrucktherapie: Inzidenz neuer Diabetes-Fälle mit bestimmten Antihypertensiva
Neu diagnostizierte Diabetes-Fälle traten bei initialer Medikation mit Angiotensin-Rezeptorantagonisten und ACE-Hemmern am seltensten, bei Diuretika am häufigsten auf. So das Ergebnis einer Netzwerk-Metaanalyse.


Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Welches Antidiabetikum für Diabetiker mit Herzinsuffizienz?

Nach den Ergebnissen einer systematischen Übersichtsarbeit ist Metformin bei Diabetikern mit manifester Herzinsuffizienz die einzige Behandlung zur Kontrolle des Blutzuckers, die überwiegend positive Effekte auf kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität hat.



Referiert & kommentiert
Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Oraler CGRP-Rezeptorantagonist bei der Behandlung der Migräne wirksam

MK-0974, ein oraler CGRP-Rezeptorantagonist ist in Dosierungen ab 300 mg aufwärts zur Behandlung akuter Migräneattacken wirksam. Die Substanz hat nicht mehr Nebenwirkungen als Plazebo.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Kurz- und Langzeitwirkungen von Tolvaptan

Der orale Vasopressin-V2-Rezeptorantagonist Tolvaptan konnte bei Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz akute Symptome bessern, ohne dass sich die Nierenfunktion verschlechterte. Ein längerfristiger Einfluss auf Morbidität oder Letalität ließ sich allerdings nicht nachweisen.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Nutzen-Risiko-Verhältnis noch nicht ausgewogen


Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Clostridium difficile ist der häufigste Erreger

Antibiotika-assoziierte Diarrhöen sind nicht immer infektiös bedingt. Doch bei den infektiösen Ursachen ist Clostridium difficile der häufigste Erreger. Das klinische Bild der Infektion reicht von einer leichten Diarrhö bis zu einer schweren pseudomembranösen Kolitis. Ein besonderes Problem der Infektion ist das relativ hohe Rezidivrisiko, wobei die Therapie des Rezidivs jedoch ebenso wie die Erstmanifestation mit Metronidazol behandelt werden sollte.



Dr. Tanja Liebing, Stuttgart
Adalimumab als neue Therapieoption

Mit Adalimumab (Humira®) wurde am 19. Dezember 2007 von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) der erste vollständig humane monoklonale TNF-α-Antikörper zur Therapie der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen, die auf eine andere systemische Therapie nicht angesprochen haben, zugelassen. Die Studienergebnisse, die zu dieser Zulassung geführt haben, und aktuelle Daten zur Therapie der Psoriasis wurden auf einer von der Firma Abbott in Frankfurt am 28. Januar 2008 veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt.