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26. Jahrgang Heft 5 Mai 2008

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Jürgen K. Rockstroh, Bonn, und Annemarie Musch, Stuttgart
Integrase als neue Zielstruktur in der HIV-Therapie
Raltegravir (Isentress®) wurde am 21. Dezember 2007 von der EMEA zur HIV-Therapie vorbehandelter Patienten zugelassen. Entsprechend dieser Zulassung kann Raltegravir in Kombination mit anderen antiretroviral wirkenden Arzneistoffen bei Patienten mit nachgewiesener HIV-Replikation trotz antiretroviraler Therapie eingesetzt werden.
Raltegravir ist der erste Vertreter der Integrase-Hemmer, einer neuen Klasse antiretroviral wirkender Arzneistoffe. Wird die Integrase gehemmt, kann die HIV-DNS nicht mehr in die humane DNS eingebaut werden, die Replikation der HI-Viren und die Infektion neuer Zellen werden gehemmt.


Übersicht
August Stich, Würzburg, und Martin Schlitzer, Marburg*
Seit Beginn ihrer Entwicklung hat sich die Menschheit mit der Malaria auseinanderzusetzen. Das Arsenal der zum medikamentösen Kampf gegen die Parasiten zur Verfügung stehenden Arzneistoffe ist vergleichsweise begrenzt. Es handelt sich um die 4-Aminochinoline Chloroquin und Amodiaquin, die Arylaminoalkohole Chinin, Mefloquin und Lumefantrin, Dihydroartemisinin und seine beiden Prodrugs Artemether und Artesunat, die Folsäureantagonisten-Kombination Sulfadoxin/Pyrimethamin sowie das 8-Aminochinolin Primaquin. Relativ neu ist die Kombination Atovaquon/Proguanil mit einem neuartigen Wirkungsprinzip. Auch manche Antibiotika, vor allem Doxycyclin und Clindamycin, haben eine antiplasmodiale Wirkung.
In dieser Übersicht werden Struktur, Wirkungs- und Resistenzmechanismen sowie klinische Wirksamkeit der derzeit gebräuchlichen Malariatherapeutika dargestellt.


Klinische Studie
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Länger rezidivfrei durch zusätzliche adjuvante Paclitaxel-Therapie

Der HER2-Status der Tumoren von nodal-positiven Brustkrebspatientinnen ist nicht nur ein prognostischer Faktor für das Ansprechen auf eine Trastuzumab-Therapie. Auch konnte bei HER2-positiven Tumoren ein besseres Therapieergebnis durch zusätzliche Paclitaxel-Gabe nach adjuvanter Doxorubicin-Cyclophosphamid-Therapie erzielt werden, unabhängig vom Estrogenrezeptor-Status. Die rezidivfreie Überlebensrate war signifikant höher als ohne zusätzliche Paclitaxel-Therapie.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Auch Kinder profitieren von Etanercept

Etanercept (Enbrel®) ist bei Kindern und Jugendlichen mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vulgaris vom Plaque-Typ, die auf eine Standardtherapie nur unzureichend angesprochen haben, gut wirksam, so das Ergebnis einer randomisierten, doppelblinden, klinischen Studie. Die Verträglichkeit kann noch nicht abschließend beurteilt werden, scheint aber zu Beginn der Anwendung (bis 12 Wochen) gut zu sein.



Dr. Monika Neubeck, Kaiserslautern
Intrakoronare Anwendung von Streptokinase

Die intrakoronare Applikation niedrig dosierter Streptokinase (250 000 I. E.) unmittelbar nach einer perkutanen koronaren Intervention (PCI) verbesserte die mikrovaskuläre Reperfusion des Myokards signifikant. Eine signifikante Auswirkung auf die linksventrikuläre Funktion und Größe wurde jedoch nicht gezeigt. So die Ergebnisse einer Pilotstudie.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Raltegravir: Neue Daten bestätigen Wirksamkeit

Bei vorbehandelten HIV-Infizierten wurde mit dem Integrase-Hemmer Raltegravir (Isentress®), der zusätzlich zu einer optimierten antiretroviralen Hintergrundtherapie gegeben wurde, auch nach 48 Wochen verglichen mit der Kontrollgruppe (optimierte Hintergrundtherapie alleine) signifikant häufiger eine maximale Suppression der Virusvermehrung erreicht. Diese Daten wurden auf einem von MSD Sharp & Dohme veranstalteten Satellitensymposium bei den 12. Münchner AIDS-Tagen in Berlin am 14. März 2008 präsentiert.



Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Idraparinux als Alternative zur Standardtherapie?

Bei Patienten mit tiefer Venenthrombose zeigte Idraparinux, einmal wöchentlich subkutan über drei oder sechs Monate verabreicht, eine ähnliche Wirksamkeit wie Heparin und anschließende Gabe eines Vitamin- K-Antagonisten. Bei Patienten mit einer Lungenembolie hingegen war Idraparinux weniger wirksam als die Standardtherapie. Unter einer Langzeitbehandlung war das Risiko für schwerwiegende Blutungen erhöht.



Dr. Monika Neubeck, Kaiserslautern
Endothelin-Rezeptorantagonist Tezosentan nicht wirksam

Für den Endothelin-Rezeptorantagonisten Tezosentan wurde im Rahmen der VERITAS-Studien keine günstige Auswirkung auf das Hauptsymptom Dyspnoe bei akuter Herzinsuffizienz nachgewiesen. Ebenso war die Inzidenz schwerwiegender oder tödlicher kardiovaskulärer Ereignisse nicht reduziert.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Kein Schutz durch Antioxidanzien

Menschen, die mit der Nahrung relativ große Mengen an Antioxidanzien aufnehmen, haben kein geringeres Risiko, an altersabhängiger Makuladegeneration zu erkranken, als Menschen, die vergleichsweise weniger aufnehmen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Neue Aspekte bei der Therapie

Zur Behandlung des oralen Lichen ruber planus (Lichen ruber mucosae) stehen zwar eine ganze Reihe medikamentöser Therapieoptionen zur Verfügung, deren Wirksamkeit in dieser Indikation wurde allerdings noch nicht in großen, randomisierten und kontrollierten Studien nachgewiesen. Eine Fallserie und eine kleine randomisierte Studie sollen nun dazu beitragen, den Nutzen der verschiedenen medikamentösen Therapien bei oralem Lichen ruber mucosae besser einschätzen zu können.



Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Wird Amiodaron zu häufig eingesetzt?

Amiodaron sollte nur zur Behandlung und Prävention bestimmter Tachyarrhythmien eingesetzt werden. Soweit das Ergebnis eines aktuellen klinischen Reviews, in dem die derzeitige Evidenzlage zum Nutzen von Amiodaron zusammengefasst wurde.



Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Wann welche antikonvulsive Therapie?

Im Zusammenhang mit neurochirurgischen Eingriffen treten immer wieder Fragen zur antikonvulsiven Pharmakotherapie auf, zum Beispiel nach der Notwendigkeit einer Anfallsprophylaxe bei Hirntumoren oder nach der Gestaltung der Antikonvulsiva-Therapie rund um einen epilepsiechirurgischen Eingriff. Verschiedene regelmäßig auftretende Situationen wurden bei einem Satellitensymposium der Firma UCB im Rahmen der 25. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin diskutiert.



Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Welche Arzneistoffe kommen in Frage?

Eine arterielle Hypertonie in der Schwangerschaft ist sowohl für die Mutter als auch für das Kind eine besondere Risikosituation, die mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht. Dabei müssen schwangerschaftsbedingte und schwangerschaftsunabhängige Hypertonieformen unterschieden werden. Für die medikamentöse Therapie kommen nur wenige Substanzen in Betracht, nämlich insbesondere Methyldopa und Metoprolol.



Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
GnRH-Analogon verbessert die Prognose

Das Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analogon Goserelin (Zoladex®) ist für prämenopausale Frauen mit Estrogenrezeptor-positivem Mammakarzinom sowohl in der adjuvanten als auch in der palliativen Situation eine lebensverlängernde Therapieoption. Auch für Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom konnte in Studien eine lebensverlängernde Wirkung dokumentiert werden, so das Fazit einer von der Firma AstraZeneca im Rahmen des 28. Deutschen Krebskongresses in Berlin im Februar 2008 veranstalteten Pressekonferenz.