Suche / Archiv


Erweiterte Suche

26. Jahrgang Heft 6 Juni 2008

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Peter Reichardt, Bad Saarow, und Annemarie Musch, Stuttgart
Therapie fortgeschrittener Weichteilsarkome im Erwachsenenalter
Trabectedin (Yondelis®, früher ET-743) wurde in Europa am 20. September 2007 zur Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem Weichteilsarkom zugelassen, die auf die Therapie mit Anthracyclinen und Ifosfamid nicht mehr ansprechen oder denen diese Behandlungsoptionen beispielsweise aufgrund von Unverträglichkeiten nicht angeboten werden können.
In Phase-II-Studien wurden mehr als 500 Patienten mit Trabectedin behandelt; der überwiegende Teil der Behandelten litt an Leiomyo- oder Liposarkomen. Bei etwa der Hälfte der Patienten wurde durch die Behandlung mit Trabectedin eine Kontrolle der Tumorerkrankung erreicht. Das mediane Gesamtüberleben betrug etwa 12 Monate.
Mit der Zulassung von Trabectedin kann Patienten mit fortgeschrittenen Weichteilsarkomen erstmals seit 30 Jahren eine neue wirksame Behandlungsoption angeboten werden. Die Verträglichkeit der Therapie ist insgesamt gut; bestimmte Ausgangskriterien für die Behandlung mit Trabectedin sollten aber unbedingt beachtet werden, um schweren Toxizitäten vorzubeugen.


Übersicht
Thomas Frieling, Krefeld
Funktionelle Verdauungsstörungen gehören zu den Erkrankungen, mit denen der Arzt in Klinik und Praxis am häufigsten konfrontiert wird. Unter funktionellen Darmerkrankungen verstehen wir Erkrankungen, für die sich mit den gängigen Routineverfahren keine ausreichenden strukturellen oder biochemischen Veränderungen finden lassen. Sie werden nach dem Rom-III-Konsens beim Erwachsenen in sechs voneinander abgrenzbare Syndrome untergliedert: funktionelle Ösophagusstörungen, funktionelle gastroduodenale Störungen (Non-ulcer-Dyspepsie, NUD), funktionelle Darmstörungen (funktionelle Verstopfung/Diarrhö, [irritables Darmsyndrom, IBS]), funktionelle abdominale Schmerzen, funktionelle Gallenblasen- und Sphinkter-Oddi-Störungen und funktionelle anorektale Störungen. Die Behandlung muss auch heute noch, nach Ausschluss organischer Ursachen, symptomenorientiert erfolgen und sollte zeitlich begrenzt durchgeführt werden. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass viele Symptome gemeinsam auftreten können (Schmerzen, „Discomfort“, Dyspepsie, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus, Obstipation, Stuhlentleerungsstörungen, Diarrhö), die häufig mit einer viszeralen Hypersensitivität assoziiert sind. Häufig ist eine kombinierte medikamentöse Therapie erforderlich, wobei Funktionsstörungen und Symptomatik nicht miteinander korrelieren müssen. Viele Medikamente sind für spezielle funktionelle Verdauungserkrankungen nicht zugelassen.


Pharmakovigilanz
Silke Reddersen, Patty Hirsch, Eric Stricker, Jörg Zieger und Marcus Rall, Tübingen


Fragen aus der Praxis
Gerd Luippold, Tübingen
Bei einer 63-jährigen Patientin wurde vor einem Jahr die Spätform eines Diabetes mellitus Typ I festgestellt. Der Diagnose waren Symptome wie Polyurie und Polydipsie sowie ein Gewichtsverlust von 6 kg vorausgegangen. Die Patientin wird mit biphasischem Insulinaspart (NovoMix®, morgens 18 Einheiten und abends 10 Einheiten) eingestellt. Unter der Therapie bemerkt die Patientin an beiden Oberschenkeln eine Abnahme von subkutanem Fettgewebe im Bereich der Insulin-Injektionsstellen.


Klinische Studie
Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
GP-IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten zu gefährlich

Eine große ramdomisierte, Plazebo-kontrollierte Studie zum Einsatz von Abciximab (ReoPro®) beim ischämischen Schlaganfall musste wegen erhöhter Blutungskomplikationen unter Verum vorzeitig abgebrochen werden.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Nutzen von Carvedilol noch offen

In einer randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie mit Kindern und Jugendlichen, die an Herzinsuffizienz litten, ergab sich kein eindeutig positiver Effekt des Betablockers Carvedilol auf die Symptome der Erkrankung. Möglicherweise haben aber die in dieser Altersgruppe vorherrschende starke Heterogenität bei der Ätiologie und Pathophysiologie der Herzinsuffizienz und bisher nicht berücksichtigte andere Störfaktoren die Ergebnisse beeinflusst. Deshalb sollten nun weitere Untersuchungen folgen.



Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Melphalan und Prednison plus Thalidomid als neues Standardregime

Bei älteren Patienten mit multiplem Myelom verbessert die zusätzliche Gabe von Thalidomid zum bisherigen Standardregime Melphalan plus Prednison deutlich das Gesamtüberleben. Die kombinierte Gabe Melphalan-Prednison-Thalidomid wird deshalb als neues Standardregime in der Erstlinien-Therapie von Patienten mit multiplem Myelom vorgeschlagen, die für eine Hochdosistherapie und Stammzelltransplantation nicht in Frage kommen.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Bevacizumab verlängert progressionsfreies Überleben

Bei Frauen mit metastasiertem Brustkrebs verlängert die zusätzliche Gabe von Bevacizumab zu Paclitaxel das progressionsfreie Überleben, nicht aber das Gesamtüberleben.



Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Diclofenac oder Manualtherapie nicht wirksamer als Standardtherapie

Die zusätzliche Gabe von Diclofenac oder Anwendung von Manualtherapie ist bei Patienten mit akuten Rückenschmerzen nicht besser wirksam als eine Standardtherapie mit viermal täglich 1 g Paracetamol. Das zeigte eine in Australien durchgeführte randomisierte Doppelblindstudie.



Dr. Barbara Bornkessel, Bremen
Überlebensvorteil durch zielgerichtete Therapien

Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) können heute in allen Therapielinien von zielgerichteten Therapien profitieren. Neben dem bereits seit 2005 zur Second-Line-Therapie zugelassenen oralen EGFR-Inhibitor Erlotinib (Tarceva®) steht für die First-Line-Therapie seit August 2007 der Angiogenese-Hemmer Bevacizumab (Avastin®) zur Verfügung. Ein Überblick über die aktuelle Datenlage und neue Entwicklungen wurde auf einem von der Firma Roche veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen des 28. Deutschen Krebskongresses in Berlin im Februar 2008 gegeben.



Dr. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Standardtherapie und neue Entwicklungen

Die Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen ist im Wesentlichen eine medikamentöse Behandlung. Für die Standardtherapie stehen heute eine Reihe von Substanzen zur Verfügung, die sowohl beim Morbus Crohn als auch bei der Colitis ulcerosa eingesetzt werden. Doch die Therapie dieser Erkrankungen sollte nicht nur schematisch durchgeführt, sondern individuell angepasst werden. Die Standardtherapie und neue Entwicklungen in der Therapie dieser Erkrankungen wurden im Rahmen der XII. Gastroenterologie-Seminarwoche Titisee im Februar 2008 vorgestellt.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Die Therapie ist komplexer geworden

Für die Therapie der chronischen Hepatitis-B-Virus(HBV)-Infektion stehen heute Interferon alfa, pegyliertes Interferon alfa, Nucleosid- und Nucleotidanaloga zur Verfügung. Bei der Indikationsstellung zu einer antiviralen Therapie und bei der Auswahl des Medikaments sind individuelle Kriterien zu berücksichtigen. Darüber hinaus müssen Vorteile und Kontraindikationen der einzelnen Substanzen in Betracht gezogen werden. Aktuelle Daten zur Therapie der chronischen HBV-Infektion wurden im Rahmen der XII. Gastroenterologie-Seminarwoche, Titisee, am 17. Februar 2008 präsentiert.