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26. Jahrgang Heft 7 Juli 2008

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Curt Diehm, Karlsbad-Langensteinbach, und Annemarie Musch, Stuttgart
Phosphodiesterase-Hemmer zur Behandlung der Claudicatio intermittens
Cilostazol (Pletal®) wurde im Dezember 2006 in Deutschland zur Therapie von Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit im Stadium II (= Claudicatio intermittens) zugelassen. Der Phosphodiesterase-3-Hemmer ist seit Januar 2007 in Deutschland verfügbar. In anderen Ländern wie England, Japan und den USA wird Cilostazol bereits seit mehreren Jahren in dieser Indikation eingesetzt.
In doppelblind, randomisiert und Plazebo-kontrolliert durchgeführten Studien wurde eine deutliche Verlängerung der maximalen und der schmerzfreien Gehstrecke durch die Therapie mit Cilostazol gezeigt. Dies war mit einer verbesserten Lebensqualität der Patienten verbunden. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen der Therapie waren Kopfschmerzen, Diarrhö und Stuhlveränderungen.


Übersicht
Matthias Kirrstetter, Axel Eickhoff und Jürgen F. Riemann, Ludwigshafen
Die Therapie der gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) wurde in den letzten Jahren durch Fortschritte im molekularen Krankheitsverständnis und den Einsatz von Tyrosinkinase-Inhibitoren revolutioniert.
Bei lokalisierter Erkrankung sollte die komplette chirurgische Resektion angestrebt werden. Sie bildet den einzigen kurativen Therapieansatz. Die Erstlinientherapie metastasierter oder inoperabler GIST erfolgt mit Imatinib (Glivec®). Bei Progress wird die Dosis von Imatinib erhöht oder eine Zweitlinientherapie mit Sunitinib (Sutent®) durchgeführt. Multimodale Therapiekonzepte umfassen die neoadjuvante und adjuvante Therapie sowie lokale Verfahren bei der metastasierten Erkrankung. Diese Ansätze sind jedoch größtenteils in ihrem Stellenwert noch nicht gesichert.


Wolfram Dempke, München
Neuer Ansatz mit dem dualen Tyrosinkinase-Inhibitor Brivanib
Die Prozesse der Neovaskularisierung, ausgehend von bestehenden Blutgefäßen (Angiogenese), spielen eine wichtige Rolle sowohl für das Tumorwachstum als auch für die Metastasierung bei zahlreichen Tumoren. Die Tumorangiogenese stellt heute ein attraktives Target für die zielgerichtete Tumortherapie dar, wobei das VEGF/VEGF-R-System (Vascular endothelial growth factor receptor) und das FGF/FGF-R-System (Fibroblast growth factor receptor) als Schlüsselfaktoren für die Neoangiogenese identifiziert werden konnten. Zwischenzeitlich sind eine Reihe von antiangiogenetisch wirksamen Substanzen entwickelt worden, von denen einige bereits routinemäßig in der onkologischen Therapie eingesetzt werden. Obwohl das FGF/FGF-R-System synergistisch mit VEGF-Komponenten wirken kann, stehen bislang nur sehr wenige spezifische Inhibitoren der FGF-Rezeptoren zur Verfügung. Brivanib (BMS-582664) ist ein neuer oral verfügbarer und selektiver Inhibitor der Rezeptor-Tyrosinkinasen VEGF-R2 und FGF-R2, die beide eine entscheidende Rolle in der Tumor-Neoangiogenese spielen. Brivanib befindet sich derzeit in Phase III der klinischen Entwicklung und hat bisher eine viel versprechende klinische Aktivität mit einem akzeptablen Nebenwirkungsprofil gezeigt. Vor dem Hintergrund, dass VEGF-R2 mit Kollagen IV koexprimiert wird und durch VEGF-R2-Antagonisten depletiert werden kann, scheint Kollagen IV ein geeigneter Biomarker (Surrogat-Endpunkt) für die antiangiogenetische Aktivität von Brivanib zu sein. Das Potenzial dieses Biomarkers für Brivanib wird in den laufenden Studien untersucht.


Evidenzbasierte Medizin
Antje Timmer, Freiburg, und Bernd Richter, Düsseldorf
Eine Einführung in Frage und Antwort: Teil 2 – Was macht eine gute Übersichtsarbeit aus?


Klinische Studie
Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Acetylsalicylsäure nicht wirksam

Die Gabe von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure kann die Progression einer Alzheimer-Demenz nicht aufhalten. Die Gabe von Acetylsalicylsäure führt zu vermehrten Blutungskomplikationen.



Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Pergolid und Herzklappenschädigungen

Eine Fall-Kontroll-Studie und eine größere Metaanalyse zeigen, dass es einen dosisabhängigen Zusammenhang zwischen der Behandlung mit dem Dopaminagonisten Pergolid und Herzklappenschäden bei Parkinson-Krankheit gibt.



Referiert & kommentiert
Dr. Tanja Saußele, Stuttgart
Reduktion der Entzündungsherde durch oralen Fumarsäureester BG-12

Fumarsäureester werden bereits seit fast 15 Jahren in der Therapie der Psoriasis eingesetzt. Nun wurde die Wirksamkeit des Fumarsäuredimethylesters BG-12 bei Patienten mit einem schubförmig remittierenden Verlauf der multiplen Sklerose in einer Phase-II-Studie gezeigt. In zwei Phase-III-Studien mit jeweils über 1 000 Patienten soll nun die Wirksamkeit, auch im Vergleich zu einer Standardtherapie mit Glatirameracetat, gezeigt werden. Die aktuelle Datenlage wurde auf einer von der Firma Biogen Idec veranstalteten Pressekonfernz in Frankfurt am 4. April 2008 präsentiert.



Dr. Monika Neubeck, Kaiserslautern
Erhöhtes Blutungsrisiko durch Idraparinux

Unter der Langzeitbehandlung mit Idraparinux traten bei Patienten mit Vorhofflimmern und erhöhtem Risiko für Schlaganfälle und systemische Embolien im Vergleich zur klassischen Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten signifikant häufiger Blutungen auf. Bei der Reduktion der Inzidenz von Schlaganfällen und systemischen Embolien zeigte sich Idraparinux gegenüber der Standardtherapie als nicht unterlegen.



Dr. Corinna Schraut, Berlin
Exon-Skipping: auf dem Weg zur personalisierten molekularen Medizin?

Der Einsatz von Antisense-Oligonucleotiden bei der Muskeldystrophie Typ Duchenne konnte in einer klinischen Prüfung bei Patienten mit spezieller Mutation die lokale Bildung des fehlenden Proteins Dystrophin wiederherstellen.



Dr. Monika Neubeck, Kaiserslautern
Schutz durch orale Kontrazeptiva – auch noch lange nach dem Absetzen

Orale Kontrazeptiva bewirken einen Schutz vor Ovarialkarzinomen. Dieser Effekt ist sogar mehr als dreißig Jahre nach Beendigung der Einnahme noch nachweisbar. Die Einnahmedauer korreliert hierbei direkt mit der Reduktion des Erkrankungsrisikos. Dies sind die Ergebnisse einer Analyse der Daten von 45 epidemiologischen Ovarialkarzinom-Studien.



Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Patientenkontrollierte Analgesie mit iontophoretisch appliziertem Fentanyl

Zur patientenkontrollierten postoperativen Analgesie steht seit Januar 2008 eine Applikationsform zur Verfügung, bei der Fentanyl iontophoretisch transdermal appliziert wird (Ionsys®). Im Vergleich mit einer Schmerzmittelpumpe hat diese Applikationsform – bei vergleichbarer analgetischer Wirkung – den Vorteil eines geringeren logistischen und personellen Aufwands, wie bei zwei Pressekonferenzen der Firma Janssen-Cilag GmbH ausgeführt wurde.



Reimund Freye, Baden-Baden
Erste Daten für nasal applizierbares Fentanyl

Als Bedarfsmedikation bei Durchbruchschmerzen wird ein schnell anflutendes Opioid mit kurzer Wirkungsdauer benötigt. Eine Option ist die transmukosale Gabe von Fentanyl. In Entwicklung ist außerdem ein nasale Applikationsform, die anscheinend weitere pharmakokinetische Vorteile hat. Aktuelle Daten hierzu wurden auf einem von der Firma Nycomed veranstalteten Symposium im Rahmen des Deutschen Schmerz- und Palliativtags in Frankfurt am 6. März 2008 präsentiert.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Irinotecan als Kombinationspartner

Bei Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom empfiehlt sich je nach Ausgangssituation und dem sich daraus ergebenden Therapieziel eine individualisierte Behandlung. In randomisierten Vergleichsstudien hat sich das Irinotecan-haltige FOLFIRI-Regime als wirksam und sicher erwiesen. Nach neueren Studien kann durch eine Kombination dieses Regimes mit monoklonalen Antikörpern oder einem weiteren Zytostatikum, nämlich Oxaliplatin, die Ansprechrate weiter verbessert werden, so das Fazit eines von der Firma Pfizer im Rahmen des 28. Deutschen Krebskongresses in Berlin im Februar 2008 veranstalteten Satellitensymposiums.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Orale Primärprophylaxe mit Dabigatran

Der orale direkte Thrombin-Inhibitor Dabigatran (Pradaxa®) wurde in Europa am 27. März 2008 zur Primärprävention venöser thromboembolischer Ereignisse bei Erwachsenen nach einer elektiven Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operation zugelassen. Aktuelle Daten wurden im Rahmen eines von Boehringer Ingelheim veranstalteten internationalen Journalistentreffens in Ingelheim am 5. März 2008 präsentiert.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Therapie der Problempatienten

Die Standardtherapie für Patienten mit einer chronischen Hepatitis C ist heute die Kombination von pegyliertem Interferon alfa plus Ribavirin. Doch ein Teil der Patienten spricht auf diese Therapie nicht an. Darüber hinaus kann nach Therapieende ein Rückfall auftreten oder nach primärem Ansprechen auf die Therapie kommt es im weiteren Verlauf zu einem Wiederanstieg der Hepatitis-C-Virus(HCV)-RNS im Serum. Solche Problempatienten erfordern neue Therapiestrategien. Aktuelle Daten zur Therapie von Problempatienten wurden im Rahmen der XII. Gastroenterologie-Seminarwoche, Titisee, am 17. Februar 2008 präsentiert.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Das Problem der zunehmenden Resistenz

Auch wenn die Tuberkulose in Deutschland rückläufig ist, so ist sie jedoch keinesfalls ausgerottet. Probleme sind die fehlende klinische Erfahrung mit Tuberkulose bei der Ärzteschaft und die zunehmende Ausbreitung resistenter Tuberkulosestämme. Aktuelle Daten wurden im Rahmen eines Vortrags beim 49. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. in Lübeck am 11. April 2008 zusammengefasst.