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26. Jahrgang Heft 8 August 2008

Editorial
Prof. Dr. med. Kurt Kochsiek, Würzburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Thomas Otto, Holger Gerullis, Christoph Eimer, Neuss, und Annemarie Musch, Stuttgart
mTOR als neue Zielstruktur in der Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms
Mit dem mTOR-Inhibitor Temsirolimus (Torisel®) ist in Deutschland seit Ende 2007 eine neue Behandlungsoption für Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom im Handel. Temsirolimus kann nach der Zulassung durch die EMEA bei Patienten mit hohem Risiko (≥ 3 von 6 Risikofaktoren) eingesetzt werden. In einer randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie wurde gezeigt, dass das Gesamtüberleben dieser Patienten durch die Therapie mit Temsirolimus gegenüber der Standardtherapie mit Interferon alfa signifikant verlängert werden kann: Das durchschnittliche Überleben lag in der Temsirolimus-Gruppe bei 10,9 Monaten, in der Interferon-Gruppe bei 7,3 Monaten (p = 0,0069). Dies bedeutet, dass durch Temsirolimus das Überleben um relativ 49 % verlängert wurde – bei um relativ 39 % verbesserter Lebensqualität. Zudem war die Rate schwerwiegender Nebenwirkungen (Grad 3/4) unter Temsirolimus um relativ 14 % geringer.
Die Therapie mit Temsirolimus wird in der Leitlinie der European Association of Urology (EAU) für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung und hohem Risiko empfohlen.


Johanna Sasse, Maximilian Pilhatsch, Beate Weikert und Michael Bauer, Dresden*
Wirkungsmechanismus und klinisches Profil
Trotz steigender Anzahl verfügbarer Antidepressiva auf dem deutschen Markt ist die effektive Behandlung depressiver Erkrankungen häufig unzureichend und bedarf komplexer Behandlungsregime. Bupropion ist eine selektiv dopaminerg-noradrenerge Substanz, die seit 1989 auf dem amerikanischen Markt zur antidepressiven Behandlung zugelassen ist und weit verbreitet zum Einsatz kommt. Eine Vielzahl Plazebo-kontrollierter Studien belegt die antidepressive Wirksamkeit der Substanz. Bupropion (Elontril®) besitzt wegen seiner guten Verträglichkeit ein besonderes klinisches Profil. So liegt die Häufigkeit von sexuellen Funktionsstörungen und Gewichtszunahme unter der antidepressiven Behandlung mit Bupropion auf Plazebo-Niveau. Seit 2007 ist die Substanz nun auch von der europäischen Zulassungsbehörde EMEA als Antidepressivum zugelassen und auf dem deutschen Markt seit April 2007 verfügbar.


Übersicht
Tommaso Gori, Siena, Toronto, Thomas Münzel und Andreas Daiber, Mainz
Organische Nitrate gehören zu den ältesten und immer noch meist eingesetzten Arzneimitteln für die Langzeittherapie von Erkrankungen der Koronararterien und der chronischen Herzinsuffizienz. Trotz der langjährigen Erfahrung mit diesen Arzneimitteln in der klinischen Praxis, bleibt unser Verständnis für ihre Wirkungsweise und Nebeneffekte unvollständig. So zeigen aktuelle Befunde, dass bisher nicht berücksichtigte, nicht-hämodynamische Eigenschaften der Nitrate sowohl nützliche als auch toxische Wirkungen hervorrufen können (z. B. ein Phänomen, das an die hochgradig protektive ischämische Präkonditionierung erinnert, aber auch die schädliche endotheliale und autonome Dysfunktion, „Rebound Angina” und Toleranz). Die heutzutage klinisch breit eingesetzten Nitrate sind Isosorbiddinitrat und -mononitrat sowie Glyceroltrinitrat (Nitroglycerin). Ein weiteres Nitrat, Pentaerithrityltetranitrat (PETN), wurde in Amerika entwickelt, dann lange Zeit in osteuropäischen Ländern eingesetzt und wird zurzeit auch in westlichen Ländern wieder eingeführt. Im Hinblick auf die weite Verbreitung der Nitrate und die Wiedereinführung von PETN in westlichen Märkten konzentriert sich die aktuelle Übersichtsarbeit auf neue Nebeneffekte der organischen Nitrate, beschreibt ihre mögliche klinische Anwendung und diskutiert Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen.


Evidenzbasierte Medizin
Antje Timmer und Gerta Rücker, Freiburg
Eine Einführung in Frage und Antwort: Teil 3 – Wie werden die Ergebnisse zusammengefasst und dargestellt?


Klinische Studie
Bettina Martini, Legau
Stent, beschichteter Stent oder Bypass?

Bei einem Vergleich der Behandlungsergebnisse 1,5 Jahre nach einer Bypass-Operation oder nach Implantation eines beschichteten Stents schnitt die Bypass-Operation besser ab. So das Ergebnis einer Analyse der Daten von 50 000 Patienten aus New Yorker Registern.
Im Vergleich zu unbeschichteten Stents waren die beschichteten Stents in der Vergangenheit als möglicherweise risikobehafteter in die Diskussion geraten. Auch dazu liegt eine neue Analyse vor, die wiederum Vorteile für die beschichteten Stents aufzeigt.



Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
Cetuximab plus Platin-basierte Chemotherapie verbessert Überleben

Der EGFR-Antikörper Cetuximab (Erbitux®) verbesserte zusätzlich zur Standardtherapie gegeben das Überleben von Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC), wie die Ergebnisse der FLEX-Studie (First-line in lung cancer with erbitux) belegen. Die Ergebnisse der FLEX-Studie wurden im Rahmen der 44. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago im Juni 2008 vorgestellt.



Referiert & kommentiert
Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
Everolimus verlängert progressionsfreies Überleben

Der mTor-Hemmer Everolimus (RAD001) verlängerte im Vergleich zu optimaler supportiver Therapie (BSC) das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom, die auf eine Therapie mit Tyrosinkinase-Hemmern nicht mehr ansprachen. Dies ergab die RECORD-1-Studie (Renal cell cancer treatment with oral RAD001 given daily), deren Ergebnisse bei der 44. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago am 31. Mai 2008 vorgestellt wurden.



Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Essen
Intravenöse Immunglobuline sind wirksam

Eine große Plazebo-kontrollierte Studie mit 117 Patienten mit einer chronischen inflammatorischen Erkrankung peripherer Nerven zeigt, dass intravenöse hoch dosierte Immunglobuline bei dieser Krankheit wirksam sind.



Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
Caspofungin bei Kindern

Das Antimykotikum Caspofungin (Cancidas®) zeigte in verschiedenen Untersuchungen bei invasiven Pilzinfektionen bei Kindern ohne und mit Neutropenie eine gute Wirkung und Verträglichkeit. Neue Daten wurden bei einem von MSD SHARP & DOHME veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen des 18th European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID) vom 19. bis 22. April in Barcelona vorgestellt und diskutiert.



Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
Patienten mit K-ras-Wildtyp profitieren von Cetuximab

Patienten, deren metastasiertes Kolorektalkarzinom das Wildtyp-K-ras-Gen exprimiert, sprechen auf eine Therapie mit EGFR-Hemmern wie Cetuximab (Erbitux®) signifikant besser an als Patienten, bei denen dieses Gen mutiert ist. Neue Daten wurden bei der 44. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago im Juni 2008 vorgestellt.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Anastrozol: Carry-over-Effekt auch noch nach fünf Jahren

Frauen mit hormonsensiblem Brustkrebs in frühen Stadien profitieren von einer adjuvanten „Upfront-Therapie“ mit dem Aromatasehemmer Anastrozol im Vergleich zu einer adjuvanten Therapie mit Tamoxifen – selbst fünf Jahre nach Absetzen der aktiven Behandlung. Die erhöhten Frakturraten während der Anastrozol-Behandlung gehen nach Ende der aktiven Therapie zurück. Aktuelle Daten der ATAC-Studie wurden auf einer von der Firma AstraZeneca veranstalteten Pressekonferenz in Hamburg im Januar 2008 vorgestellt.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Frequenzsenkung als antianginöses Therapieprinzip

Bei Patienten mit symptomatischer koronarer Herzkrankheit (KHK) wird in den entsprechenden Leitlinien eine Einstellung der Herzfrequenz auf 55 bis 60 Schläge/Minute empfohlen. Dadurch wird der Sauerstoffverbrauch reduziert, die myokardiale Sauerstoffversorgung des Herzens verbessert und somit die Belastbarkeit erhöht. Mit dem If-Kanal-Hemmer Ivabradin (Procoralan®) steht eine Substanz zur Verfügung, die eine effektive und gut verträgliche Senkung der Herzfrequenz garantiert, so das Fazit eines von der Firma Servier im Rahmen der 74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung e.V. veranstalteten Satellitensymposiums.