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26. Jahrgang Heft 9 September 2008

Editorial
Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl, Leipzig


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Grzegorz Kofla und Markus Ruhnke, Berlin
Neues Echinocandin zur Behandlung von invasiven Candida-Infektionen
Mit der Zulassung von Anidulafungin (Ecalta®) am 20. September 2007 steht ein weiteres Antimykotikum aus der Substanzgruppe der Echinocandine zur Verfügung. Aufgrund des Wirkungsmechanismus mit Angriff an der Zellwand durch Hemmung der 1,3-b-d-Glucansynthase besteht keine Kreuzresistenz gegen Antimykotika vom Typ der Azole und Polyene. In vitro wirkt Anidulafungin sehr gut gegen alle Aspergillus- und Candida-Spezies. Ein wichtiger Unterschied zu den Azol-Antimykotika ist das geringe Potenzial von Arzneimittelwechselwirkungen. Eine Dosisanpassung ist bei Nieren- und/oder Leberinsuffizienz nicht erforderlich. Die Zulassung wurde für die Behandlung invasiver Candida-Infektionen und Candidämien bei nicht-granulozytopenischen Patienten erteilt.


Übersicht
Antje Steveling, Sabine Schipf, Markus M. Lerch, Tobias Lohmann, Henry Völzke undHenri Wallaschofski, Greifswald
Nach zuverlässigen Schätzungen wird der Diabetes mellitus Typ 2 im Jahr 2025 die häufigste chronische Krankheit darstellen, die weltweit voraussichtlich etwa 300 Mio. Menschen betreffen wird. Diese Situation stellt ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar und wird in Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf unser Gesundheitssystem haben. Der Einfluss des Lebensstils auf die Entwicklung der Erkrankung konnte wiederholt belegt werden. Kürzlich wurde der Zusammenhang zwischen einer Änderung des Lebensstils und der Entwicklung einer gestörten Glucosetoleranz beim Diabetes mellitus Typ 2 in drei großen randomisierten kontrollierten Langzeitstudien untersucht. Übereinstimmend konnte gezeigt werden, dass die Entwicklung einer gestörten Glucosetoleranz zum Diabetes mellitus Typ 2 um 50 bis 60 % allein durch Steigerung der körperlichen Aktivität und Reduktion der zugeführten Kalorienmenge reduziert werden kann. Die überzeugenden Effekte einer Änderung des Lebensstils wurden in diesen Studien ausschließlich bei Hochrisikopatienten nachgewiesen, so dass die Ergebnisse nur einen geringen Prozentsatz der Bevölkerung mit dem Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 repräsentieren. Dennoch müssen wir uns fragen, wie praktikabel dieser Ansatz sowohl für Einzelpersonen als auch für die Gesellschaft sein kann. Um einen umfassenden Erfolg zur Verhinderung der rasch fortschreitenden Ausbreitung des Diabetes mellitus und dessen Folgeerkrankungen zu erreichen, bedarf es sowohl individueller als auch allgemeingültiger Verhaltensänderungen, die sich auf den Lebenswandel und medikamentöse Behandlungsformen beziehen.


Peter Härle und Martin Fleck, Regensburg
Die Frage nach einer perioperativen Beendigung, Fortführung oder Modifikation einer immunsuppressiven Therapie bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen stellt den klinisch tätigen Arzt häufig vor ein Dilemma. Bei fortgesetzter Therapie wird eine erhöhte Infektionsrate mit gesteigerter Morbidität und Sterblichkeit sowie bei Reduktion der Immunsuppression die Möglichkeit einer Krankheitsexazerbation gefürchtet. Die aktuelle Datenlage lässt für die eingesetzten Präparate keine Evidenz-basierten Empfehlungen zu, sodass gegenwärtig eine individuelle Entscheidung im interdisziplinären Diskurs getroffen werden muss. Aufgrund dieser geringen Evidenzlage haben wir wichtige Aspekte für den Umgang mit den beschriebenen Medikamenten im perioperativen Management dargelegt.


Fragen aus der Praxis
Gerd Luippold und Klaus Mörike, Tübingen
Vor 20 Jahren wurde bei einer jetzt 58-jährigen Patientin eine rheumatoide Arthritis mit positivem Rheumafaktor diagnostiziert. Das Serumcreatinin lag bei 0,6 mg/dl, die Urinanalyse war negativ. Die Patientin erhielt zur akuten Schmerzlinderung peripher wirkende Analgetika und wurde mit Methotrexat (7,5 mg/Woche) auf eine orale Langzeittherapie eingestellt. Das Serumcreatinin stieg bei guter Krankheitskontrolle durch Methotrexat über die Jahre bis auf 2,0 mg/dl. Eine Nierenbiopsie zeigte eine fortgeschrittene interstitielle Fibrose und Sklerosierung der Glomeruli.


Klinische Studie
Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Ermittlung des Plazebo-Effekts

Die Plazebo-Rate in randomisierten Studien zur Migräneprophylaxe liegt für Responder – das sind Patienten, die eine Reduktion der Migränefrequenz von mehr als 50 % aufweisen – bei 21 %. Die Plazebo-Rate ist in Studien, die in Europa durchgeführt werden, größer als in Studien in den USA.



Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Oxcarbazepin nicht wirksam

In einer randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie war Oxcarbazepin in der Prophylaxe der Migräne nicht besser wirksam als Plazebo.



Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Botulinumtoxin nicht wirksam

In einer randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie mit 118 Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen waren lokale Injektionen von Botulinumtoxin in perikranielle und Halsmuskeln nicht wirksam.



Referiert & kommentiert
Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Rituximab zur Behandlung der schubförmigen multiplen Sklerose

Rituximab, ein monoklonaler Antikörper, der CD20-positive B-Zellen hemmt, war in einer Phase-II-Studie bei Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose in der Lage, neu auftretende Entmarkungsherde in der Kernspintomographie signifikant zu reduzieren.



Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Vergleich von Azathioprin und Interferon

In einer randomisierten Studie mit 94 zuvor unbehandelten Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose wurden die Interferone Betaferon®, Avonex® und Rebif® mit Azathioprin (z. B. Imurek®) über einen Zeitraum von 12 Monaten verglichen. Beide Therapien waren wirksam, wobei die Behandlung mit Azathioprin wirksamer war.



Priv.-Doz. Dr. med. Christian Weimar, Essen
Acetylsalicylsäure plus Dipyridamol vergleichbar mit Clopidogrel

Das Risiko für einen erneuten Schlaganfall ist bei Patienten, die nach kurz zuückliegendem ischämischem Schlaganfall entweder Acetylsalicylsäure plus Dipyridamol oder Clopidogrel zur Sekundärprophylaxe erhielten, vergleichbar.Die Ergebnisse der PRoFESS-Studie wurden bei der XVII. European Stroke Conference in Nizza vom 13. bis 16. Mai 2008 vorgestellt.



Priv.-Doz. Dr. med. Christian Weimar, Essen
Neue Studienergebnisse zur interventionellen Therapie

Bisher existieren keine Studien zum Langzeitnutzen einer Carotis-Stent-Behandlung von symptomatischen Stenosen im Vergleich zur Carotis-Thrombendarteriektomie. Auch zur interventionellen Behandlung von intrazerebralen Blutungen mit Ventrikeleinbruch existieren bisher nur kleinere monozentrische Untersuchungen. Die Ergebnisse der Studien EVA-3S, SPACE und CLEAR-IVH wurden bei der XVII. European Stroke Conference in Nizza vom 13. bis 16. Mai 2008 vorgestellt.



Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Oraler Faktor-Xa-Hemmer Rivaroxaban

Mit Rivaroxaban steht der erste orale Faktor-Xa-Inhibitor kurz vor der Marktreife. In Phase-III-Studien verhinderte Rivaroxaban venöse Thromboembolien (VTE) nach orthopädischen Eingriffen erfolgreicher als Enoxaparin, bei gleichem Blutungsrisiko. Sein Einsatz in der Therapie von Venenthrombosen sowie zur VTE-Prävention bei internistischen/kardiologischen Erkrankungen wird in laufenden Phase-II- und -III-Studien untersucht. Das umfangreiche Entwicklungsprogramm wurde bei einem Symposium und einer Pressekonferenz der Firma Bayer Vital in Wiesbaden am 21. Februar 2008 vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
Caspofungin bei Aspergillose

Das Echinocandin Caspofungin (Cancidas®) zeigte in verschiedenen Untersuchungen bei Patienten mit Aspergillus-Infektionen auch in der First-Line-Therapie eine gute Wirkung und Verträglichkeit. Für diese Indikation ist das Antimykotikum bislang aber noch nicht zugelassen. Neue Daten hierzu wurden von der Firma MSD SHARP & DOHME beim 18th European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID) vom 19. bis 22. April 2008 in Barcelona vorgestellt und diskutiert.



Dr. Tanja Liebing, Stuttgart
Neues Netzwerk für Berlin/Brandenburg

Eine verbesserte Versorgung von Patienten mit schwerem allergischem Asthma bronchiale ist das Ziel der Kooperation von Ärzten des Allergie-Centrum-Charité und niedergelassenen Ärzten. Das Netzwerk Schweres Allergisches Asthma (SAA) Berlin/Brandenburg wurde im Rahmen einer von der Firma Novartis veranstalteten Pressekonferenz in Berlin am 14. April 2008 vorgestellt.



Dr. Tanja Liebing, Stuttgart
Langzeittherapie und Nachsorge

Die Erarbeitung optimaler Konzepte in der Langzeittherapie von benignen und malignen Schilddrüsenerkrankungen war das zentrale Thema des von der Merck Pharma GmbH veranstalteten Wiesbadener Schilddrüsensymposiums am 8. März 2008. Als Ziele der Nachsorge einer Schilddrüsenoperation und Radioiodtherapie nannten die Referenten eine euthyreote Stoffwechsellage und die Vermeidung einer Hypothyreose. Kontrovers ist die Datenlage zur Vorgehensweise bei der Struma nodosa.



Dr. Tanja Liebing, Stuttgart
Zulassungserweiterung für Bosentan

Bosentan (Tracleer®), ein oraler Endothelin-Rezeptorantagonist, erhielt Mitte 2007 von der europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) auf Basis der RAPIDS- 1- und -2-Studien die Zulassungserweiterung zur Reduktion der Anzahl neuer digitaler Ulzerationen bei Sklerodermie-Patienten. Damit steht insbesondere für schwer betroffene Patienten ein viel versprechender Therapieansatz zur Verfügung. Dies war Thema eines von der Firma Actelion Pharmaceuticals veranstalteten Fachpressegesprächs „Zulassungserweiterung für Bosentan – neue Therapieoption für Sklerodermiepatienten mit digitalen Ulzerationen“, am 12. April 2008 in Köln.



Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
Letrozol verhindert Fernmetastasen besser als Anastrozol