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26. Jahrgang Heft 10 Oktober 2008

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Martin Kropff, Münster, Wolfgang Knauf, Frankfurt, Martin Kornacker, Neuss, und Hartmut Goldschmidt, Heidelberg
In der APEX-Studie (Assessment of proteasome-inhibition for extending remissions), die zur Zulassung von Bortezomib für die Behandlung von Patienten mit rezidiviertem multiplem Myelom geführt hat, wurde während der Monotherapie mit dem Proteasom-Inhibitor eine Herpes-zoster-Inzidenz von 13 % beobachtet. Die Kombination von Bortezomib mit Dexamethason oder mit Zytostatika scheint die Häufigkeit der Varicella-Zoster-Virus-Reaktivierung noch zu erhöhen. Durch eine Prophylaxe mit Aciclovir oder Valaciclovir kann der Varicella-Zoster-Virus-Reaktivierung vorgebeugt werden. Die Evidenz für diesen Off-Label-Einsatz der oralen antiviralen Medikamente wird diskutiert.


Consensus
Michael Geißler, Esslingen
S3-Leitlinie 2007
Die aktuelle S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des exokrinen Pankreaskarzinoms wurde 2007 im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) erstellt. Koordination und Leitung lagen bei Guido Adler, Thomas Seufferlein und Ina Kopp, Universitätsklinikum Ulm.
Die S3-Leitlinie bezieht sich auf Tumoren des exokrinen Pankreas, die über 90 % der Pankreaskarzinome ausmachen. Es handelt sich hier histologisch um die am häufigsten vorkommenden duktalen Adenokarzinome, weiterhin Zystadenokarzinome, Azinuszellkarzinome, adenosquamöse Karzinome, muzinöse Karzinome und Karzinome vom Riesenzelltyp. Daten, die in die Empfehlungen der aktuellen S3-Leitlinie eingeflossen sind, liegen, zumindest aus größeren Studien, aber nur für duktale Adenokarzinome vor.
Bezüglich der methodischen Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zur Erarbeitung von Leitlinien und zum organisatorischen Ablauf bzw. der Teilnehmer der S3-Leitlinie wird auf die Originalpublikation verwiesen [1].


Peter Wutzler, Jena, Ralf Baron, Kiel, Roland Hardt, Mainz, Sawko W. Wassilew, Krefeld, und Thomas Weinke, Potsdam
Fragen und Antworten
Herpes zoster (im Folgenden Zoster) ist eine Erkrankung, von der vorwiegend ältere Menschen betroffen sind [1–3]. Mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung gewinnen der Zoster und vor allem die postherpetische Neuralgie (PHN) als schwerwiegendste Zoster-Komplikation auch unter gesundheitsökonomischem Aspekt an Bedeutung [4–6]. In Deutschland wird die Zahl der jährlichen Zoster-Erkrankungen auf etwa 350 000 geschätzt, wobei mit einer weiteren Zunahme zu rechnen ist. Trotz adäquater Behandlung, die neben Virustatika auch immer eine konsequente Schmerztherapie mit einschließt, leiden etwa 20 % der Zoster-Patienten sechs Monate nach Krankheitsbeginn noch unter chronischen Schmerzen [7]. Es ist daher sinnvoll, vor allem Prävention zu betreiben, die jetzt mit einem speziellen Zoster-Lebendimpfstoff möglich geworden ist [8]. Um bei älteren Menschen eine effektive Immunantwort auszulösen und dabei auch die zellvermittelte Immunität zu boostern, müssen große Mengen replikationsfähiger, attenuierter Viren verabreicht werden [9]. Ein solcher Impfstoff, der von der Firma Merck Sharp & Dohme in den USA entwickelt wurde, erhielt im Sommer 2006 die europäische Zulassung und wird wahrscheinlich 2009 in Deutschland unter dem Handelsnamen Zostavax® eingeführt werden [10]. Die Zoster-Vakzine, die als Einmalgabe verabreicht wird, unterscheidet sich von den zur Windpockenprophylaxe zugelassenen Varizellen-Impfstoffen durch eine mindestens 14fach höhere Konzentration des Impfvirus. Durch die Impfung lassen sich Häufigkeit und Schwere des Zoster sowie das Risiko einer PHN mehr als halbieren. Die Zoster-Impfung sollte daher wie die Influenza- und Pneumokokken-Impfung älteren Menschen dringend empfohlen werden. Da die Zoster-Inzidenz nach dem 50. Lebensjahr steil steigt, gehört dieser Personenkreis zu der Risikogruppe, die von der Impfung profitieren kann.


Evidenzbasierte Medizin
Antje Timmer, Freiburg, und Bernd Richter, Düsseldorf
Eine Einführung in Frage und Antwort: Teil 4 – Cochrane und die Cochrane Collaboration


Klinische Studien
Dr. Susanne Heinzl
Zoledronsäure senkt Rezidivrate bei prämenopausalen Frauen
Das Bisphosphonat Zoledronsäure (Zometa®) verringerte bei prämenopausalen Frauen mit Hormonrezeptor-positivem frühem Mammakarzinom bei zusätzlicher Gabe zur postoperativen Hormontherapie das relative Risiko von Rezidiven und Todesfällen um 36 %. Dies ergab die Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group Trial 12 (ABCSG-12), deren Ergebnisse von Prof. Dr. Michael Gnant, Wien, bei der 44. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago am 1. Juni 2008 vorgestellt wurden.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Pregabalin wirksam in der Behandlung neuropathischer Schmerzen
In eine randomisierte, doppelblinde, Plazebo-kontrollierte Studie wurden 395 erwachsene Patienten mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie, die länger als ein Jahr anhielt, aufgenommen. Die Behandlung erfolgte mit Plazebo und 150, 300 oder 600 mg Pregabalin über einen Zeitraum von 12 Wochen. In einer Dosis von 600 mg war Pregabalin signifikant wirksamer als Plazebo, während die niedrigeren Dosen unwirksam waren.


Referiert & kommentiert
Bettina Martini, Legau
Antithrombin III nicht wirksam

Der Einsatz von Antithrombin III senkt weder die Sterblichkeit noch andere Risikofaktoren bei kritisch Kranken. Stattdessen erhöht sich das Blutungsrisiko durch die Antithrombin-III-Gabe. So das Ergebnis einer Metaanalyse.



Dr. Annette Schlegel, Versmold
Rezidivprophylaxe mit Omega-3-Fettsäuren wirkungslos

Omega-3-Fettsäuren werden bei verschiedenen entzündlichen Erkrankungen zur Rezidivprophylaxe eingesetzt. In zwei randomisierten Doppelblindstudien zur Prophylaxe eines Morbus Crohn war über einen Studienzeitraum von einem Jahr jedoch kein Therapienutzen feststellbar.



Dr. Corinna Schraut, Berlin
Indikationserweiterung für Teriparatid

Internationale Leitlinien empfehlen zur Therapie der Glucocorticoid-induzierten Osteoporose derzeit Bisphosphonate. In einer 36-monatigen Studie wird geprüft, ob Teriparatid dem Bisphosphonat Alendronsäure in dieser Indikation ebenbürtig ist.



Dr. Annette Schlegel, Versmold
Risiko für venöse Thrombosen und Tod durch Erythropoese-stimulierende Faktoren

Die Erythropoese-stimulierenden Faktoren Epoetin alfa und beta sowie Darbepoetin werden in der Onkologie zur Behandlung tumorassoziierter Anämien eingesetzt. Eine Metaanalyse belegt allerdings ein erhöhtes Risiko für venöse Thrombosen und ein mäßig, aber signifikant erhöhtes Mortalitätsrisiko bei den so behandelten Patienten.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Anthracyclin-freie Regime mit Docetaxel sind effektiver

Bisher gelten Anthracycline als Therapie der Wahl für die adjuvante Behandlung von Patientinnen mit HER-2-positivem Mammakarzinom. Doch der Einsatz dieser Substanzen wird limitiert durch das kardiale Risiko, das heißt die Manifestation einer Herzinsuffizienz. In einer neueren Studie konnte gezeigt werden, dass ein Anthracyclin-freies Regime, die 2er-Kombination Docetaxel/Cyclophosphamid, einen signifikanten Überlebensvorteil bietet im Vergleich zum Anthracyclin-haltigen Schema Doxorubicin/Cyclophosphamid. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Rahmen einer von der Firma Sanofi-Aventis veranstalteten Pressekonferenz in Bühl im Juni 2008 diskutiert.



Dr. Susanne Heinzl, Stuttgart
Nilotinib wirkt bei Imatinib-resistenten oder -intoleranten Patienten

Nilotinib (Tasigna®) bewirkte bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) in der chronischen Phase, die resistent oder intolerant auf Imatinib (Glivec®) waren, ein signifikantes und anhaltendes Ansprechen. Aktuelle Daten wurden im Rahmen der der 44. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago Ende Mai 2008 vorgestellt.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
„Proof of principle“ für mTOR-Inhibition im fortgeschrittenen Stadium

Mit dem mTOR-Inhibitor Temsirolimus (Torisel®) konnte das progressionsfreie Überleben intensiv vorbehandelter Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom im Vergleich zur Kontrolle signifikant um median rund 4 Monate verlängert werden. Die Patienten der Kontrollgruppe erhielten jeweils individuell festgelegt die beste Therapie in diesem Stadium der Erkrankung. Diese Ergebnisse einer Phase-III-Studie wurden erstmals bei der 44. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago im Mai/Juni 2008 präsentiert und im Juni 2008 auf einer von Wyeth Pharma veranstalteten Pressekonferenz referiert.



Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Aktualisierte Therapieempfehlungen der ESMO

Die Mutationsanalyse wurde als wichtiges Entscheidungskriterium für die medikamentöse Therapie von Patienten mit gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) neu in die Empfehlungen der European Society of Medical Oncology (ESMO) zur Diagnose, Behandlung und Nachsorge von GIST aufgenommen. Bei lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung wird Imatinib als Standardtherapie empfohlen. Je nach Ergebnis der Mutationsanalyse sollte Imatinib jedoch in unterschiedlicher Dosis eingesetzt werden: Bei Exon-11-Mutation im c-KIT-Gen beträgt die empfohlene Dosierung 400 mg, bei Exon-9-Mutation 800 mg pro Tag. Die aktualisierten Empfehlungen der ESMO mit Schwerpunkt auf der medikamentösen Therapie waren das Thema eines von der Firma Novartis veranstalteten Pressegesprächs in Nürnberg im Juli 2008.



Dr. Corinna Schraut,Berlin
Neue Ansätze in der Neuroonkologie

Temozolomid ist derzeit zugelassen zur Therapie des malignen Glioms. Mit veränderten Dosierungsschemata soll eine verbesserte oder erweiterte Therapie bei älteren Patienten, Resistenzen und dem niedriggradigen Gliom erzielt werden. Aktuelle Studien dazu wurden bei einer Fachpressekonferenz im Rahmen des von der Firma Essex veranstalteten Neuroonkologie-Kongresses in Potsdam am 14. März 2008 vorgestellt.