Suche / Archiv


Erweiterte Suche

26. Jahrgang Heft 12 Dezember 2008

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Annemarie Musch, Stuttgart
Telbivudin und Tenofovir in der Therapie der chronischen Hepatitis-B-Virus-Infektion
Für die Therapie chronischer Hepatitis-B-Virus(HBV)-Infektionen sind in Deutschland seit Mitte 2008 die Nucleosidanaloga Lamivudin, Entecavir und Telbivudin sowie die Nucleotidanaloga Adevofir und Tenofovir zugelassen. Unter Berücksichtigung der antiviralen Potenz und der „genetischen Barriere“ der Wirkstoffe wurde in nationalen Behandlungsempfehlungen herausgearbeitet, mit welchen Wirkstoffen unter bestimmten Voraussetzungen das Therapieziel, die maximale und anhaltende Unterdrückung der Virusvermehrung, erreicht werden kann. Telbivudin und Tenofovir zeichnen sich nach bislang vorliegenden Daten durch hohe antivirale Potenz aus, Tenofovir weist zudem eine hohe genetische Barriere auf.


Übersicht
Andreas Rembert Koczulla, Robert Bals und Claus Vogelmeier, Marburg
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist durch eine Atemwegsobstruktion charakterisiert, die nicht vollständig reversibel und typischerweise progredient ist. Morphologisch kennzeichnend ist eine Entzündungsreaktion im Bereich der kleinen Atemwege, die durch inhalierte Partikel oder Gase mit dem Hauptverursacher Zigarettenrauch ausgelöst wird. Die Entzündungsantwort wird durch angeborene Immunmechanismen und adaptive Immunreaktionen vermittelt. Neben der lokalen Entzündung kommt es im Rahmen der COPD auch zu einer systemischen Inflammation, die im ursächlichen Zusammenhang mit den vielfältigen Komorbiditäten gesehen wird, die bei COPD-Patienten beobachtet werden. Der Verlauf der COPD ist mit den aktuell verfügbaren Medikamenten nach gegenwärtigem Kenntnisstand nur partiell zu beeinflussen. Die medikamentöse Therapie basiert auf einem Stufenkonzept, das sich vor allem am Ausmaß der Lungenfunktionseinschränkung orientiert. Auf pathophysiologischen Erkenntnissen aufbauende innovative Therapiekonzepte sind dringend notwendig, um die Prognose der Patienten zu verbessern.


Pharmakovigilanz
Jörg Zieger, Nicole Siegert, Silke Reddersen, Patty Hirsch, Eric Stricker, Bertram Schädle und Marcus Rall, Tübingen


Fragen aus der Praxis
Gerta Rücker, Freiburg


Klinische Studie
Bettina Martini, Legau
Everolimus- versus Paclitaxel-freisetzender Stent
Im direkten Vergleich war der Everolimus-freisetzende Stent dem Paclitaxel-freisetzenden Stent beim primären Studienendpunkt „late loss“ überlegen. Schwerwiegende kardiale Ereignisse waren im ersten Jahr nach der Intervention in der Everolimus-Gruppe ebenfalls signifikant seltener. So die Ergebnisse der Studie SPIRIT III.


Referiert & kommentiert
Dr. Corinna Schraut, Ulm
Bessere Verträglichkeit durch Dosisreduktion von Immuntherapeutika?
Eine immunsuppressive Therapie soll sowohl wirksam als auch langfristig verträglich sein. Um die Nebenwirkungen bei der Immuntherapie mit Calcineurin-Inhibitoren und Sirolimus zu verringern, wurden die Auswirkungen einer Dosisreduktion dieser Therapeutika zugunsten eines besseren Verhältnisses von Wirksamkeit und Verträglichkeit untersucht. Eine Therapiekombination aus niedrig dosiertem Tacrolimus, Mycophenolatmofetil und Daclizumab erzielte dabei das beste Ergebnis.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Donepezil nicht wirksam
Die zerebrale autosomale dominante Arteriopathie mit subkortikalen Infarkten und Leukenzephalopathie (CADASIL) ist eine Modellkrankheit für die vaskuläre Mikroangiopathie. Leitsymptom ist die vaskuläre Demenz. In einer großen, randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie waren 10 mg Donepezil nicht besser wirksam als Plazebo.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Bessere Prognose durch aggressive Blutdrucksenkung?
Eine aggressive initiale Blutdrucksenkung bei Patienten mit intrazerebralen Blutungen ist möglich, durchführbar und offenbar ohne wesentliche Nebenwirkungen. Diese Behandlung reduziert die Größenzunahme von intrakraniellen Blutungen. Um zu zeigen, dass dieser Ansatz zu verbesserten Therapieergebnissen führt, müssen große randomisierte Studien durchgeführt werden.


Dr. Monika Neubeck, Kaiserslautern
Behandlungserfolg mit Glucocorticoiden bei ARDS nicht überzeugend
Die präventive Anwendung von Glucocorticoiden führte bei stark ARDS-gefährdeten Patienten zu einem schlechteren Krankheitsverlauf mit häufigerer ARDS-Inzidenz und Mortalität, so die Erkenntnisse einer Metaanalyse. Bei therapeutischer Behandlung des bereits manifestierten Krankheitsbilds waren Mortalität und die Notwendigkeit zur künstlichen Beatmung im Vergleich zu Plazebo geringfügig reduziert. Der Stellenwert einer Glucocorticoid-Therapie bei ARDS konnte jedoch nicht festgelegt werden.


Redaktion AMT
Zu dem Kurzbericht „Gewichtsreduktion: Langzeitwirkungen von Rimonabant, Orlistat und Sibutramin“ [Arzneimitteltherapie 2008;26:428–9]


Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Galantamin bei schwerer Alzheimer-Demenz
Bei Patienten mit schwerer Alzheimer-Demenz verhinderte die sechsmonatige Behandlung mit Galantamin den kognitiven Abbau. Der Funktionsverlust in Bezug auf Alltagsaktivitäten wurde nicht beeinflusst. Diese Ergebnisse einer randomisierten Doppelblindstudie wurden von der Firma Janssen-Cilag im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Hamburg im September 2008 vorgestellt.


Dr. Susanne Heinzl
Verbesserung der Schlafqualität bei älteren Menschen
Mit retardiertem Melatonin (Circadin®) kann die Schlafqualität und die Funktionalität am nächsten Tag bei Menschen über 55 Jahre mit primären Schlafstörungen verbessert werden. Melatonin ist kein Schlafmittel im klassischen Sinne, deshalb wurden auch keine Absetzsymptome, Rebound-Effekte oder Beeinträchtigungen der Vigilanz gesehen. Physiologische und pharmakologische Wirkungen von Melatonin wurden bei einem von Lundbeck veranstalteten Satellitensymposium während des 21. ECNP-Kongresses in Barcelona im August 2008 diskutiert.