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27. Jahrgang Heft 3 März 2009

Neue Arzneimittel in der Diskussion
Markus Quante, Neustadt in Holstein, Markus D. Schofer, Marburg, und Annemarie Musch, Stuttgart
Orale Antikoagulation mit direktem Thrombin-Inhibitor
Der orale direkte Thrombin-Inhibitor Dabigatranetexilat (Pradaxa®) wurde in Europa am 27. März 2008 zur Prävention venöser thromboembolischer Ereignisse bei Erwachsenen nach einer elektiven Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operation zugelassen. Das neue Antikoagulans ist in Deutschland seit Mitte April 2008 im Handel verfügbar. In zwei Phase-III-Studien konnte die Nichtunterlegenheit von Dabigatranetexilat gegenüber der Standardtherapie mit dem niedermolekularen Heparin Enoxaparin in der Primärprävention venöser Thromboembolien bei Patienten nach elektiver Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operation gezeigt werden. Hinsichtlich der Arzneimittelsicherheit und der Nebenwirkungsraten zeigen sich zwischen Dabigatranetexilat und Enoxaparin keine Unterschiede. Merkmale der neuen Substanz, die eine Abgrenzung zu bisherigen Standards ermöglichen, sind insbesondere die orale Gabe, die fehlende Notwendigkeit eines Monitorings sowie die sichere Vermeidung einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT) Typ II. Inwieweit diese Abgrenzungsmerkmale Grund für den Einsatz der neuen Substanz sind, soll in diesem Artikel diskutiert werden.


Übersicht
Andreas Schuchert, Neumünster
Bei Patienten mit arterieller Hypertonie ist die langfristige Reduktion des kardiovaskulären Risikos das relevante Behandlungsziel. Für die medikamentöse Therapie der arteriellen Hypertonie stehen in erster Linie ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptorantagonisten, Betablocker, Calciumantagonisten und Diuretika zur Verfügung. Alle Substanzen der ersten Wahl sind geeignet, wenn sich mit ihnen ein Zielblutdruck von 140/90 mm Hg oder niedriger erreichen lässt. Die Differenzialtherapie erfolgt unter Beachtung der individuellen Begleiterkrankungen. Eine derzeit favorisierte Strategie ist, dem Patienten initial eine niedrig dosierte Kombination zu verordnen, damit mehr Hypertoniker durch die additiven und synergistischen Wirkungen ihren Zielblutdruck erreichen. Die meisten festen Kombinationspräparate enthalten als Kombinationspartner ein Thiaziddiuretikum. Eine mögliche sinnvolle Kombinationsbehandlung bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit und Herzinsuffizienz ist, einen RAAS-Hemmer (ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptorantagonist) um einen Betablocker zu ergänzen. Bei Patienten mit Diabetes mellitus oder/und Adipositas ist hingegen ein Calciumantagonist ein guter Kombinationspartner. Relativ neu in den Markt gekommen ist der direkte Renin-Inhibitor Aliskiren.


Evidenzbasierte Medizin
Antje Timmer, Freiburg, und Bernd Richter, Düsseldorf
Eine Einführung in Frage und Antwort: Teil 5 – Cochrane-Autor werden!


Klinische Studie
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Reduktion ischämischer Ereignisse mit Prasugrel

Bei Patienten mit Koronarstent, die ein mittleres bis hohes Risiko für das Auftreten akuter Koronarsyndrome aufweisen, traten unter einer Behandlung mit Prasugrel weniger ischämische Ereignisse einschließlich Stent-Thrombosen auf als unter Clopidogrel. Diese Ergebnisse waren unabhängig von der Art des verwendeten Stent statistisch signifikant.



Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Wie wirksam und sicher ist der Calcineurin-Inhibitor Voclosporin?
Der Calcineurin-Inhibitor Voclosporin (ISA247) erwies sich bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vulgaris in einer Phase-III-Studie über einen Zeitraum von 24 Wochen als sicher und wirksam. Die Wirksamkeit war dosisabhängig.


Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Bivalirudin und Heparin zeigen gleichwertigen Schutz vor Komplikationen
Bei Patienten, die sich einer elektiven perkutanen Koronarintervention mit Stentimplantation unterziehen, ergibt sich nach Prämedikation mit 600 mg Clopidogrel bei zusätzlicher Gabe von Bivalirudin oder Heparin kein Unterschied in den Inzidenzen kardiovaskulärer Komplikationen. Die Häufigkeit von klinisch bedrohlichen Blutungen ist unter dem direkten Thrombinhemmer in der vorliegenden klinischen Studie signifikant reduziert.


Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Optimierte Wirkung von Darbepoetin alfa durch intravenöse Eisengabe
Eine Chemotherapie-induzierte Anämie kann mit Erythropoese-stimulierenden Substanzen therapiert werden. Auch wenn die Patienten bei Behandlungsbeginn kein funktionelles Eisendefizit aufweisen, kann dabei der Anteil der Patienten, welche die Hämoglobinzielwerte erreichen, durch die Verabreichung von Darbepoetin alfa in Kombination mit intravenösem Eisen erhöht werden.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Zoledronsäure hat Antitumorwirkung
Neue, beim 31. San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) präsentierte Studiendaten zeigen eine direkte Wirkung von Zoledronsäure (Zometa®) auf Tumoren. Die Antitumor-Wirkung des Bisphosphonats ist nicht nur auf Knochengewebe beschränkt. Die aktuellen Ergebnisse zu Zoledronsäure wurden bei einer Pressekonferenz von Novartis Oncology am 18. Dezember 2008 in Nürnberg vorgestellt.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Adjuvante Therapie mit Letrozol beginnen
Neue Langzeitdaten der BIG-1-98-Studie, die im Dezember 2008 beim 31. San Antonio Breast Cancer Symposium präsentiert wurden, belegen, dass eine adjuvante Therapie mit dem Aromatasehemmer Letrozol (Femara®) bei postmenopausalen Frauen mit endokrin ansprechbarem Brustkrebs das krankheitsfreie Überleben und die Zeit bis zur Fernmetastasierung im Vergleich zur Behandlung mit Tamoxifen signifikant verbessert. Die Ergebnisse wurden bei einer von Novartis Oncology veranstalteten Pressekonferenz am 18. Dezember 2008 in Nürnberg vorgestellt.


Dr. Tanja Saußele, Stuttgart
Zulassungserweiterung für Bortezomib in Kombination mit Melphalan und Prednison
Der Proteasominhibitor Bortezomib ist nun auch für die Primärtherapie des multiplen Myeloms in Kombination mit Melphalan und Prednison bei ältereren Patienten zugelassen, für die eine autologe Stammzelltransplantation nicht in Frage kommt. Die signifikante Überlegenheit dieser Therapie gegenüber einer Therapie aus Melphalan und Prednison konnte in der VISTA-Studie demonstriert werden, deren Ergebnisse auf einer Pressekonferenz der Firma Ortho Biotech am 17. September in Frankfurt am Main vorgestellt wurden.


Dr. Tanja Liebing, Stuttgart
Eradikationsstrategien in Deutschland
Die in den europäischen Maastricht-Leitlinien empfohlenen Vorgehensweisen zur Eradikation von Helicobacter pylori sind in Deutschland nicht uneingeschränkt anwendbar. Eine bessere Umsetzung der Eradikationsstrategien in den Alltag deutscher Arztpraxen erhofft man sich jedoch durch die aktualisierte S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS). Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Leitlinien wurden für Eradikationsstrategien bei unterschiedlichen Indikationen bei einem von den Firmen Abbott und Nycomed veranstalteten Satellitensymposium im Rahmen des 114. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) am 30. März 2008 in Wiesbaden von Experten diskutiert. Die damals noch in Konsentierung befindliche S3-Leitlinie wurde unlängst veröffentlicht.