Suche / Archiv


Erweiterte Suche

27. Jahrgang Heft 4 April 2009

Editorial
Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Kurt Kochsiek, Würzburg


Die Redaktion der „Arzneimitteltherapie“


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Markus Magerl, Birgit Keßler, Marcus Maurer, Berlin, und Annemarie Musch, Stuttgart
Behandlung akuter Schwellungsanfälle des hereditären Angioödems (HAE)
Icatibant ist ein selektiver kompetitiver Bradykinin-B2-Rezeptorantagonist. Der Arzneistoff ist seit dem 11. Juli 2008 zugelassen für die symptomatische Behandlung akuter Attacken eines hereditären Angioödems (HAE) bei Erwachsenen mit C1-Esterase-Inhibitor-Mangel. In zwei Phase-III-Studien wurde die Wirksamkeit von Icatibant in der Therapie mäßig schwerer bis schwerer kutaner abdominaler Attacken bei Patienten mit HAE untersucht, und zwar im Vergleich zu Tranexamsäure bzw. Plazebo. Die Zeit bis zur Symptombesserung, primärer Studienendpunkt, war für Icatibant im Vergleich zu Tranexamsäure signifikant verkürzt. Die Substanz besitzt ein günstiges Sicherheitsprofil. Die Applikation erfolgt subkutan.


Übersicht
Henryk Dancygier, Offenbach
Das Spektrum der nichtalkoholischen Fettlebererkrankungen (NAFLD) umfasst die Steatose, die Steatohepatitis (NASH), die Steatofibrose und die Zirrhose sowie in manchen Fällen das hepatozelluläre Karzinom. NAFLD sind als hepatische Komponente des metabolischen Syndroms die häufigsten Lebererkrankungen in westlichen Ländern und die häufigste Ursache für Aminotransferasenerhöhungen unklarer Genese. Von zentraler pathogenetischer Bedeutung sind das viszero-abdominale Fettgewebe und die Insulinresistenz. Die Behandlung entspricht in den meisten Fällen der Behandlung des metabolischen Syndroms und beinhaltet eine Gewichtsreduktion sowie eine optimale Blutzuckereinstellung. Die Verbesserung der Insulinsensitivität durch Thiazolidindione – auch bei Nichtdiabetikern – ist ein vielversprechender, pathogenetisch begründeter Therapieansatz. Die derzeitige Datenlage rechtfertigt allerdings noch nicht den Einsatz von Glitazonen bei NAFLD außerhalb von Studien. Die Adipositaschirurgie bleibt Patienten mit einer Adipositas permagna vorbehalten. Sie führt nicht nur zur Gewichtsabnahme, sondern beeinflusst auch pathophysiologisch bedeutsame metabolische Veränderungen, die zu NAFLD führen.


Consensus
Konsensusbericht*, im Auftrag des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie herausgegeben von Pierre Federspil, Homburg
1999 wurden die folgenden Leitlinien durch eine Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie mit Vertretern von zehn weiteren Gesellschaften erarbeitet und durch ein Delphi-Verfahren ergänzt. 2002 und 2008 erfolgten Aktualisierungen durch die Mitglieder der Konsensuskonferenz, des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft HNO-Infektiologie der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie und des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Die Leitlinien betreffen die Antibiotikatherapie der bakteriellen Infektionen an Hals, Nase und Ohren unter Berücksichtigung des zu erwartenden Erregerspektrums, der mikrobiologischen und klinischen Wirksamkeit und der Wirtschaftlichkeit. Nach Hinweisen auf grundsätzliche Prinzipien werden die verschiedenen Infektionen mit den verursachenden Erregern und den zur Therapie in Frage kommenden Antibiotika in tabellarischer Form dargestellt (Tab. 1–3). Dabei wird zwischen dem Antibiotikum oder den Antibiotika erster Wahl und den Alternativen unterschieden. In Tabelle 4 sind die Dosierungen der oralen und parenteralen Antibiotika bei Erwachsenen und Kindern angegeben. Im Anhang werden die verschiedenen Antibiotikagruppen hinsichtlich ihres antibakteriellen Spektrums und ihrer Pharmakokinetik charakterisiert, insbesondere werden die Unterschiede zwischen den älteren und neueren Vertretern einer Gruppe aufgezeigt.


Fragen aus der Praxis
Ein Patient bekam eine Atemdepression aufgrund einer zu hohen Dosis an Opioiden. Er klagte trotz Gabe von Bedarfsmedikation Oxycodon weiter über Schmerzen und erhielt weitere Gaben.


Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Silberbeschichteter Endotrachealtubus beugt beatmungsassoziierten Pneumonien vor
Bei beatmungspflichtigen Patienten kann der Einsatz von silberbeschichteten Endotrachealtuben die Inzidenz von beatmungsassoziierten Pneumonien signifikant reduzieren. Der Zeitpunkt bis zum Auftreten einer beatmungsassoziierten Pneumonie ist im Vergleich zu nicht beschichteten Tuben signifikant verlängert.


Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Kein Vorteil durch episodische Behandlung mit Amiodaron
In einer niederländischen Studie konnte die Hypothese einer potenziellen Überlegenheit einer episodischen gegenüber einer kontinuierlichen Behandlung mit Amiodaron bei Vorhofflimmern nicht bewiesen werden. Die Rate unerwünschter Ereignisse (einschließlich Wiederauftreten von Vorhofflimmern) konnte dadurch insgesamt nicht reduziert werden.


Dr. Monika Neubeck, Kaiserslautern
Insulinglargin und Insulinlispro vergleichbar wirksam bei Umstellung auf Insulintherapie
Die Senkung der HbA1c-Konzentration bei fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes ist bei Behandlung mit dem lang wirksamen Insulinglargin (Lantus®) und dem kurz wirsamen Insulinlispro (Humalog®) vergleichbar. Bei der Therapie mit Insulinglargin wurden ein niedrigeres Hypoglykämie-Risiko, eine geringere Gewichtszunahme und eine bessere Therapiezufriedenheit bei den Patienten festgestellt, so die Ergebnisse einer klinischen Studie.


Bettina Christine Martini, Legau
Antipsychotika der ersten und zweiten Generation im Vergleich
In einer großen Metaanalyse wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Antipsychotika der ersten und zweiten Generation verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass die allgemeine Aussage, Substanzen der zweiten Generation würden die Negativsymptomatik besser beeinflussen und weniger extrapyramidal-motorische Störungen verursachen, so nicht haltbar ist. Vielmehr ist eine differenzierte Betrachtung jeder einzelnen Substanz angezeigt.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Kombinationstherapie besser als Monotherapie?
In der Akuttherapie der Migräne ist die Kombination aus Rizatriptan und Paracetamol nicht wirksamer als eine Monotherapie mit Rizatriptan, so das Ergebnis einer doppelblinden, randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie.


Dr. Annemarie Musch, Stuttgart
Supportivtherapie mit Filgrastim-Biosimilar
Nach der Einführung von Epoetin-Biosimilars im Jahr 2007 wurde mit Ratiograstim® das erste Filgrastim-Biosimilar für die Supportivtherapie von Patienten mit Tumorerkrankungen zur Verfügung gestellt. Der rekombinante humane Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktor (G-CSF) ist zugelassen zur Behandlung bestimmter Formen der Neutropenie und zur Mobilisierung peripherer Blutstammzellen. Die von der europäischen Arzneimittelagentur in der Guideline on Similar Biological Medicinal Products geforderte vergleichbare Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit des Biosimilars gegenüber dem Referenzprodukt wurde nachgewiesen. Eine Zusammenfassung wichtiger Studienergebnisse präsentierte die Firma ratiopharm direct bei der Einführungspressekonferenz in Frankfurt im Oktober 2008.


Dr. med. Kirsten Westphal, München
Zwölf Monate Clopidogrel als Rezidivprophylaxe
Wer einen Herzinfarkt überlebt hat, ist noch lange nicht auf der sicheren Seite. Dies gilt insbesondere für Patienten nach Nicht-ST-Hebungsinfarkt. Für einen wirksamen Rezidivschutz wird in den Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) eine konsequente plättchenhemmende Therapie mit Clopidogrel über zwölf Monate empfohlen. Über ein optimales Akutmanagement des akuten Koronarsyndroms diskutierten Experten auf einem von Bristol-Myers Squibb veranstalteten Symposium im Rahmen der 32. Herbsttagung und 19. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) im Oktober 2008 in Hamburg.