Suche / Archiv


Erweiterte Suche

27. Jahrgang Heft 10 Oktober 2009

Neue Arzneimittel in der Diskussion
Andrea Rubbert-Roth, Köln, und Susanne Heinzl, Reutlingen
Interleukin-6 als neues Target
Mit dem Interleukin-6-Rezeptorantagonist Tocilizumab (RoACTEMRA®) steht seit Anfang 2009 ein neues Therapieprinzip für die Behandlung von Patienten mit rheumatoider Arthritis zur Verfügung. Ähnlich wie Tumornekrosefaktor(TNF)-alpha-Hemmer greift Tocilizumab in grundlegende Vorgänge bei den entzündlichen Reaktionen der Erkrankung ein. In einem groß angelegten Studienprogramm aus fünf Phase-III-Studien konnte eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit gezeigt werden, die nach bislang vorliegenden Daten über bis zu 2,5 Jahre anhält.


Übersichten
Stefan Knop, Würzburg
Überlegungen zum differenzierten Einsatz des FLC-Tests
Mit dem FLC-Test können die freien, also nicht an Schwerketten gebundenen, Kappa- und Lambda-Immunglobulin-Leichtketten (free light chains, FLC) im Serum quantitativ bestimmt werden. Die potenziellen Einsatzmöglichkeiten dieses Tests bei Patienten mit monoklonalen Plasmazellproliferationen (Plasmazelldyskrasien) umfassen unter anderem die Erstdiagnose, die Einschätzung der Prognose, die Rezidiverkennung und die Verlaufskontrolle bei unterschiedlichen Myelomtypen. Der diagnostische Nutzen und der differenzierte Einsatz der FLC-Bestimmung werden nachfolgend im Spiegel veröffentlichter Empfehlungen und Leitlinien diskutiert.


Hans-Peter Lipp, Tübingen
Neue Studiendaten und aktueller Stand der Diskussionen
Palonosetron (Aloxi®) weist unter den verfügbaren 5-HT3-Antagonisten nicht nur die höchste Rezeptorbindungsaffinität, sondern auch die längste Eliminationshalbwertszeit auf. Direkte Vergleichsstudien bescheinigen dem Antiemetikum eine überlegene Wirksamkeit bei Chemotherapie(CTX)-induzierter Nausea und Emesis (CINV). Beeindruckend ist in diesem Zusammenhang seine nachhaltige Wirkung in der verzögerten Phase. Die mögliche Kombinierbarkeit mit verschiedenen Wirkstoffen wie Dexamethason, den Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten oder Olanzapin eröffnet eine wichtige Option für die klinische Praxis zur weiteren Optimierung der supportiven Therapie.


Pharmakovigilanz
Pamela Kantelhardt, Kassel, Ulrike Georgi, Chemnitz und Christian Heyde, Neuruppin
Viele Arzneimitteltherapien bergen ein Risiko in sich, das erst durch besondere Umstände im Rahmen der gesamten Behandlung des Patienten auftritt. In der vorliegenden Arbeit wollen wir Beispiele dieser Arzneimitteltherapien und hiermit in Zusammenhang stehende Risiken beschreiben. Dies dient der Sensibilisierung gegenüber Therapierisiken und in der Folge auch der Erhöhung der Therapiesicherheit.


Referiert & kommentiert
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Neues Target für die Krebstherapie
PARP-Hemmer sind neue Substanzen zur Behandlung von Krebserkrankungen. Sie hemmen ein Enzym, das für die Reparatur von DNS-Schäden zuständig ist. Bei der 45. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Orlando wurden klinische Ergebnisse von zwei PARP-Hemmern bei Frauen mit Mammakarzinom vorgestellt, die vielversprechend waren.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Vandetanib: Vorteile in Kombination mit Docetaxel bei Patienten mit NSCLC
Mit Vandetanib befindet sich ein weiterer Tyrosinkinasehemmer in klinischer Prüfung. Bei der 45. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Orlando wurden Ergebnisse dreier Phase-III-Studien bei Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) mit der neuen Substanz vorgestellt.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Primärprophylaxe invasiver Pilzinfektionen bei hämatologischen Krebserkrankungen
Invasive Pilzinfektionen sind bei immunkompromittierten Patienten eine große diagnostische und prognostische Herausforderung. Die Wirksamkeit einer antimykotischen Prophylaxe konnte bislang für bestimmte Hochrisikogruppen, wenn auch noch nicht für alle Patienten belegt werden. Die Ergebnisse fanden Eingang in die aktuellen Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Infektionen in der Hämatologie und Onkologie (AGIHO) zur Primärprophylaxe invasiver Pilzinfektionen bei hämatoonkologischen Patienten.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Kein Erfolg mit intravenösen Immunglobulinen
Bei vier Patienten mit Narkolepsie war eine Behandlung mit hochdosierten intravenösen Immunglobulinen nicht dauerhaft wirksam.


Dr. med. Mirjam Tessmer,
Versorgungsqualität in Deutschland und neue Daten zur Chemotherapie des platinsensiblen Rezidivs (ASCO 2009)
Der Anteil der leitliniengerecht behandelten Patientinnen mit Ovarialkarzinom hat in den letzten Jahren insgesamt zugenommen, es sind aber noch weitere Verbesserungen erforderlich. Beispielsweise erhalten zu wenige Patientinnen mit einem Rezidiv eine Chemotherapie nach dem geltenden Standard. Mit der Kombination aus Carboplatin und pegyliertem liposomalem Doxorubicin (PLD, CAELYX®) gibt es für das platinsensible Rezidiv neben Carboplatin plus Paclitaxel bzw. Gemcitabin nun eine weitere Therapieoption. In der CALYPSO-Studie konnte für diese Kombination eine dem bisherigen Standard mindestens gleichwertige Effektivität bei insgesamt weniger toxizitätsbedingten Therapieabbrüchen und geringerem Alopezie- und Neuropathierisiko gezeigt werden. Diese Daten wurden im Juni 2009 in München im Rahmen einer Pressekonferenz der Kommission Ovar der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. und eines Post-ASCO-Pressegesprächs, veranstaltet von der Firma Essex Pharma, vorgestellt.


Dr. Petra Jungmayr,
Aktueller Stand nach St. Gallen 2009
Alle zwei Jahre findet in St. Gallen (Schweiz) eine internationale Konferenz zur Therapie des frühen Mammakarzinoms statt, deren Ergebnisse in einem Konsensuspapier zusammengefasst werden. In den aktuellen Empfehlungen zeichnet sich ein Trend zur individuellen Therapieentscheidung ab, da die Tumorbiologie und verschiedene prädiktive Parameter zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die aktuellen Konsensusempfehlungen wurden im März 2009 auf einer von der Firma Sanofi-Aventis veranstaltenen Fach-Pressekonferenz in Berlin vorgestellt und inzwischen auch in Annals of Oncology publiziert.


Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Sunitinib in der Zweitlinientherapie
Die medikamentöse Therapie gastrointestinaler Stromatumoren (GIST) sollte sich nach dem Mutationsstatus bestimmter Tumorgene richten. Bei einer bestimmten Rezeptormutation kann ein Wechsel von Imatinib (Glivec®) auf Sunitinib (Sutent®) das Gesamtüberleben deutlich verbessern, so dass in den aktuellen Empfehlungen der European Society of Medical Oncology die Second-Line-Therapie mit Sunitinib befürwortet wird. Diese Empfehlungen wurden beim World Congress on Gastrointestinal Cancer (WCGIC) am 25. Juni 2009 in Barcelona sowie im Rahmen eines Pressegesprächs der Firma Pfizer am 26. Juni 2009 in Barcelona vorgestellt.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Neue Therapieoption mit GnRH-Rezeptor-Blockade
Seit Juni 2009 steht mit dem Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Antagonisten Degarelix (Firmagon®) eine neue Therapieoption für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem hormonabhängigem Prostatakarzinom zur Verfügung: Der weltweit bisher einzige zugelassene GnRH-Antagonist supprimiert den Testosteron-Plasmapiegel schnell und langanhaltend, ohne dass es wie bei den GnRH-Agonisten zu einem initialen Testosteron-Schub kommt. Degarelix wird einmal im Monat subkutan injiziert; 240 mg als Initialdosis und jeweils 80 mg als Erhaltungsdosis. Diese aktuellen Daten wurden auf einer Pressekonferenz der Firma Ferring am 14. Mai 2009 in Hamburg vorgestellt.


Stefan Oetzel, Tübingen
Benefit durch Docetaxel-haltige Regime
In der palliativen Krebstherapie gewinnt die Verbesserung der Lebensqualität zunehmend an Bedeutung und wird damit bei der Beurteilung des Behandlungserfolgs immer wichtiger. Patienten, die unter einem fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom oder Magenkarzinom leiden, profitieren hier von einer Chemotherapie mit einem Docetaxel-haltigen Regime. Dies zeigen die Ergebnisse klinischer Studien, die auf einer Pressekonferenz der Firma Sanofi-Aventis am 5. Februar in Berlin vorgestellt wurden.