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27. Jahrgang Heft 12 Dezember 2009

Übersichten
Tanja Tecic, Arndt Büssing, Astrid Althaus und Edmund A. M. Neugebauer, Witten/Herdecke
Die Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (LQ) hat sich als ein Teil des „Patient Reported Outcome“ (PRO) innerhalb der klinischen Forschung durchgesetzt. Neben arztbasierten sogenannten objektiven Parametern (z. B. Mortalität, Morbidität, Ergebnisse von Funktionstests) wird dabei ausdrücklich das subjektive Befinden des Patienten als zusätzliches Kriterium für einen Therapieerfolg, für gesundheitsökonomische Evaluationen oder für die Zulassung von Arzneimitteln berücksichtigt. Gesundheitsbezogene Lebensqualität wird als multidimensionales Konstrukt, bestehend aus mindestens der physischen, psychischen und sozialen Dimension, konzeptualisiert. Schwierigkeiten werden in einer scharfen Abgrenzung zu verwandten Konstrukten wie der Lebenszufriedenheit gesehen. Bestehende Verfahren zur Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität werden in nutzentheoretische und psychometrische Verfahren unterteilt. Die in der klinischen Forschung verbreiteten psychometrischen Fragebögen werden nach Profil- und Indexinstrumenten unterschieden. Die Wahl eines Messinstruments orientiert sich vornehmlich an der jeweiligen Forschungsfrage; daneben sind die psychometrischen Testgütekriterien von Bedeutung für die Auswahl des Fragebogeninstruments. Allen Messungen gemeinsam ist per Definition die subjektive Beurteilung des Gesundheitszustands durch den Patienten selbst. Hierbei können im Verlauf einer Erkrankung Anpassungsprozesse und Veränderungen interner Bewertungsmaßstäbe auftreten, die eine individuelle Neukonzeption von Gesundheit und Krankheit bewirken. Der dynamische Charakter des Konstrukts Lebensqualität ist methodisch zu berücksichtigen.


Christine B. Schneider und Heinz Reichmann, Dresden
Etwa 40 % aller Patienten mit Morbus Parkinson leiden an Depressionen, die jedoch zu selten erkannt und behandelt werden. Depressive Störungen führen zu einer Verschlechterung der Beweglichkeit und einer Einschränkung der Lebensqualität von Parkinson-Patienten. Zur Therapie der Parkinson-assoziierten Depression liegen nur wenige doppelblinde, Plazebo-kontrollierte Studien vor, so dass im Augenblick keine evidenzbasierten Therapieempfehlungen möglich sind. Für die moderneren selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) konnte im Vergleich zu den älteren trizyklischen Antidepressiva keine bessere Wirksamkeit nachgewiesen werden. Trotzdem werden sie aufgrund ihres günstigen Nebenwirkungsprofils häufig verordnet.


Johann D. Ringe, Leverkusen
Der primäre Hyperparathyreoidismus (pHPT) wird heute meist bei der Abklärung des Zufallsbefunds einer Hyperkalzämie beim Laborscreening als klinisch noch asymptomatischer pHPT diagnostiziert. Eine Behandlung ist jedoch in der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle indiziert, da mittel- bis langfristig Komplikationen drohen. Die klassische Therapie besteht in der operativen Entfernung eines zugrunde liegenden Nebenschilddrüsen-Adenoms. Die spezifisch am Calcium-Sensing-Rezeptor der Nebenschilddrüse angreifenden Calcimimetika und speziell das im Juni 2008 zur medikamentösen Therapie des pHPT zugelassene Cinacalcet erlauben jedoch eine neue, gezielte, konservative, nichtchirurgische Behandlung dieser nicht seltenen Endokrinopathie. Damit stellt sich die Frage nach Entscheidungskriterien für die medikamentöse oder chirurgische Behandlung. Bei symptomatischem pHPT mit renalen, ossären oder eventuell auch kardiologisch-neurologischen Symptomen ist nach initialer Senkung der Serumcalciumkonzentration die chirurgische Entfernung des Adenoms oder der Hyperplasie weiterhin die Therapie der Wahl. Eindeutig keine Indikation für die operative Therapie ist nach aktuellen Leitlinien der asymptomatische pHPT mit Calciumwerten im Serum < 11,6 mg/dl (2,90 mmol/l). Weitere Indikationen für die neue medikamentöse Behandlung sind erfolglose Voroperation, Rezidiv oder Kontraindikationen für eine Operation (Alter, Komorbidität, Operationsrisiko, Voroperation an Nebenschilddrüsen oder Schilddrüse, frühere Strahlentherapie im Halsbereich). In Anbetracht der heute überwiegend frühen Diagnosestellung noch leichter Fälle liegt der Anteil der pHPT-Patienten mit Indikationen zur medikamentöse Therapie nach eigener Einschätzung bei 30 bis 50 %.


Consensus
Empfehlungen der europäischen Hypertoniegesellschaft
Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter einem Bluthochdruck – häufig infolge von Bewegungsmangel und Adipositas. Unbehandelt geht die juvenile Hypertonie zumeist in eine Erwachsenenhypertonie über. Daher sind die von der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie (European Society of Hypertension, ESH) entwickelten Leitlinien zum Bluthochdruck bei Kindern und Adoleszenten von hoher Bedeutung.


Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Ecker-Schlipf
Rekombinanter Wachstumsfaktor vermindert Narbenbildung
Avotermin, der rekombinante humane Wachstumsfaktor TGF-β3, hat das Potenzial, nach Hautverletzungen die Regeneration gesunder Haut zu fördern und die Narbenbildung zu verringern.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Vorinostat, Ridaforolimus und MK-0646
In der onkologischen Pipeline von MSD Sharp & Dohme befinden sich unter anderem der HDAC-Hemmer Vorinostat, der mTOR-Hemmer Ridaforolimus und der IGF-1R(Insulin-like Growth Factor-1 Receptor)-Inhibitor MK-0646.


Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Acetylsalicylsäure zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse bei pAVK
Acetylsalicylsäure ist bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) zur Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse nur begrenzt wirksam.


Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer,
Arzneimittelinteraktionen aktuell
An dieser Stelle informieren wir Sie kurz über aktuelle Veröffentlichungen zu therapierelevanten Arzneimittelwechselwirkungen


Andrea Warpakowski,
Integrase-Hemmer Raltegravir für verschiedene Patientengruppen
Der Integrase-Hemmer Raltegravir ist in Kombination mit weiteren antiretroviralen Medikamenten bereits seit 2007 zur Behandlung von vorbehandelten HIV-Patienten zugelassen, wenn trotz antiviraler Therapie HI-Viren nachgewiesen werden können. Die Zulassung für die First-Line-Therapie erfolgte im September 2009. Die Studiendaten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Raltegravir in der Second- und First-Line-Therapie wurden im Rahmen des 1. Deutsch-Österreichisch-Schweizerischen AIDS-Kongresses (SÖDAK) im Juni 2009 bei einem von der Firma MSD veranstalteten Satellitensymposium in St. Gallen/Schweiz vorgestellt.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Dronedaron senkt Hospitalisierungsrate und kardiovaskuläre Mortalität
Patienten mit Vorhofflimmern, bei denen die Wiederherstellung und Stabilisierung des Sinusrhythmus gelingt, profitieren von der Rhythmuskorrektur sowohl im Hinblick auf die Prognose als auch auf die Lebensqualität. Der Einsatz der bisher verfügbaren Antiarrhythmika ist jedoch mit einer Reihe von Problemen assoziiert. In der ATHENA-Studie zeigte der neue Mehrkanalblocker Dronedaron als erstes Antiarrhythmikum, dass er die Rate an Krankenhausaufenthalten aufgrund von kardiovaskulären Ereignissen und die kardiovaskuläre Mortalität senken kann. Die Studiendaten wurden im Juni 2009 in Berlin auf einem von der Firma Sanofi-Aventis veranstalteten Symposium im Rahmen des Kongresses der European Heart Rhythm Association (EUROPACE 2009) vorgestellt.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Erstlinientherapie von rezidivierten/metastasierten Kopf-Hals-Tumoren
Die zusätzliche Gabe von Cetuximab (Erbitux®) zur platinbasierten Chemotherapie steigert das Überleben von Patienten mit rezidivierten oder metastasierten Kopf-Hals-Tumoren signifikant um beinahe drei Monate und führt zu einer annähernden Verdopplung der Ansprechrate. Aufgrund dieser Ergebnisse wird die Cetuximab-Chemotherapie-Kombination zur Erstlinienbehandlung bei diesem Tumor in den aktuellen Leitlinien der ESMO mit Grad A1 empfohlen, wie auf einem Satellitensymposium der Firma Merck Pharma, Darmstadt, während der DGHO-Tagung im Oktober 2009 in Mannheim berichtet wurde.


Dr. Susanne Heinzl,
Erlotinib als Erhaltungstherapie bei Patienten mit NSCLC
Der Tyrosinkinasehemmer Erlotinib (Tarceva®) verlängerte als Erhaltungstherapie nach einer Chemotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) das progressionsfreie Überleben. Dies ergab die randomisierte SATURN-Studie, deren Daten bei der 45. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Orlando und bei der 13th World Conference on Lung Cancer in San Francisco vorgestellt wurden.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Pemetrexed verlängert Gesamtüberleben
Erstmals konnte in einer randomisierten, doppelblind durchgeführten und Plazebo-kontrollierten Studie ein signifikanter Überlebensvorteil für eine Erhaltungstherapie mit einem Chemotherapeutikum, nämlich Pemetrexed (Alimta®), bei Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) gezeigt werden. Dies zeigten die Endergebnisse einer Phase-III-Studie, die bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) Ende Mai 2009 in Orlando (Florida/USA) vorgestellt wurden.