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28. Jahrgang Heft 1 Januar 2010

Editorial
Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen


Übersichten
Marcel Kaiser, Frankfurt a. M.
Konsequenzen aus den Konsensuskonferenzen von ADA und EASD
Bereits 6 % der Weltbevölkerung sind an Typ-2-Diabetes erkrankt, die Inzidenz steigt jährlich. Da anhaltend pathologisch erhöhte Blutzuckerspiegel die Mortalität durch makro- und mikroangiopathische Folgeerkrankungen deutlich erhöhen, ist eine effektive Behandlung der Hyperglykämie Hauptziel aller Diabetes-Therapien. Aber auch der Vermeidung unerwünschter Nebenwirkungen wie schwerer Hypoglykämien und ausgeprägter Gewichtszunahme kommt eine essenzielle Bedeutung zu. Dabei handelt es sich jedoch um therapielimitierende Bedingungen, die unter einer Therapie mit den meisten verfügbaren Antidiabetika auftreten. Außerdem sind die meisten Antidiabetika nicht in der Lage, die beiden dem Typ-2-Diabetes zugrunde liegenden Defekte, die fortschreitende Betazell-Dysfunktion und die Insulinresistenz, aufzuhalten. Zurzeit richtet sich die Aufmerksamkeit vieler Therapeuten und Patienten deshalb auf die Inkretin-basierten Therapien, vor allem die GLP-1-Agonisten. Aus dieser Substanzklasse sind Exenatid und seit Juni 2009 Liraglutid zugelassen, das im umfangreichen LEAD-Studienprogramm untersucht wurde. Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die GLP-1-Agonisten und eine Abschätzung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses, basierend auf der vorhandenen Datenlage und unter Berücksichtigung der neuen Empfehlungen der American Diabetes Association (ADA) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD).


Astrid Breitschaft und Ralf Stahlmann, Berlin
Am 24. Dezember 2008 wurde von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA Vasovist® (Gadofosveset-Trinatrium) als erstes Kontrastmittel für die Magnetresonanzangiographie (MRA), eine minimal invasive Untersuchungsmethode der Blutgefäße, zugelassen. Gadofosveset-Trinatrium ist ein Gadolinium-haltiges Kontrastmittel, das in der EU schon seit Oktober 2005 für diese Indikation auf dem Markt ist. Seit drei Jahren wird die Verwendung Gadolinium-haltiger Kontrastmittel mit einer schwerwiegenden unerwünschten Arzneimittelwirkung in Zusammenhang gebracht. Diese seltene Erkrankung tritt ausschließlich bei stark eingeschränkter Nierenfunktion (GFR < 30 ml/min/1,73 m²) auf, was sich in der Bezeichnung nephrogene systemische Fibrose widerspiegelt. Im Folgenden soll die Erkrankung, deren genaue Pathogenese noch nicht bekannt ist, in einer Übersicht dargestellt werden.


Consensus
Zusammenfassung der neuen DGHO-Leitlinie
Die Arbeitsgemeinschaft Infektionen in der Hämatologie und Onkologie (AGIHO), eine Fachgruppe der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), hat eine neue Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Lungeninfiltraten bei febrilen neutropenischen Patienten erstellt. Die Leitlinie wurde im September 2009 im European Journal of Cancer publiziert und wird im vorliegenden Beitrag zusammengefasst.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Ticagrelor wirksamer als Clopidogrel
Der neue Thrombozytenfunktionshemmer Ticagrelor konnte Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom mit oder ohne ST-Strecken-Hebung über einen Zeitraum von 12 Monaten besser vor thrombotischen Ereignissen – vaskulärer Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall – schützen als das derzeitige Standardpräparat Clopidogrel. Dieser Vorteil ging nicht mit einem erhöhten Risiko für schwere Blutungen einher. Das ergab die randomisierte, doppelblinde PLATO-Studie (Study of platelet inhibition and patient outcomes).


Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Neuer Faktor-Xa-Inhibitor mit gutem Nutzen-Risiko-Profil?
Wirksamkeit und Sicherheit des oral applizierbaren spezifischen Faktor-Xa-Inhibitors Apixaban wurden in einer Phase-III-Studie mit Enoxaparin verglichen. Bei einer insgesamt deutlich niedrigeren Inzidenz thromboembolischer Ereignisse als erwartet, hat Apixaban die Kriterien für Nichtunterlegenheit in der Wirksamkeit knapp verfehlt, sein Einsatz ging jedoch mit einer geringeren Zahl an Major- und klinisch relevanten Nonmajor-Blutungen einher. Für eine abschließende Beurteilung der klinischen Wirksamkeit von Apixaban müssen die Ergebnisse weiterer Studien abgewartet werden.


Dr. Mirjam Tessmer, Stuttgart
Neue Einteilung der parenteralen Cephalosporine


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Famotidin verhindert Magen- und Duodenalulzera unter Acetylsalicylsäure
Bei Patienten, die zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse Acetylsalicylsäure einnehmen müssen, reduziert die regelmäßige Einnahme von Famotidin (z. B. Pepdul®) gastrointestinale Komplikationen.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Aggressive Senkung erhöhter Blutglucosewerte – eine Metaanalyse randomisierter Studien
Eine aggressive Senkung erhöhter Blutzuckerwerte bei Diabetes mellitus Typ 2 reduziert im Vergleich zur Standardtherapie die Inzidenz kardialer Ereignisse, nicht aber die Schlaganfallrate und die Gesamtmortalität.


Abdol A. Ameri, Weidenstetten
Einfach, schonend und praktikabel
Durch die Anwendung moderner und schonender Verfahren kann die peri- und postoperative Schmerztherapie im Kindesalter noch deutlich verbessert werden. So lassen sich heute Injektionsschmerzen bei der Narkoseeinleitung mit Propofol weitgehend verhindern. Aufgrund ihrer guten postoperativen analgetischen Wirksamkeit und guten Verträglichkeit kommen regionalanästhetische Techniken in der Kinderanästhesie immer häufiger zum Einsatz, so Experten auf einem Symposium der Firma B. Braun Melsungen im Rahmen des 56. Deutschen Anästhesiekongresses am 11. Mai 2009 in Leipzig.


Dr. Tanja Saußele, Stuttgart
Intrathekale Baclofen-Therapie bei Kindern
Für Kinder mit einer schweren Spastik oder einer sekundären generalisierten Dystonie, bei denen eine physiotherapeutische oder orale medikamentöse Therapie nicht ausreicht, ist die intrathekale Baclofen-Therapie eine wirksame Behandlungsoption. Die subfasziale Implantation stellt dabei besonders für jüngere Kinder mit einem niedrigen Body-Mass-Index einen Vorteil dar. Die Wirksamkeit einer solchen Therapie bei Kindern mit einer nichtfokalen Spastik oder generalisierten Dystonie sowie die Vorteile einer subfaszialen Implantation wurden auf einem Pressegespräch der Firma Medtronic GmbH im Rahmen der 105. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin am 4. September 2009 in Mannheim vorgestellt.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Blutdrucksenkung mit Dreierkombination
Ein Drittel aller Hypertonie-Patienten benötigt für eine optimale Blutdruckeinstellung eine Dreierkombination. Die Einführung von Amlodipin/Valsartan/Hydrochlorothiazid als erste Dreierkombinationstablette (ExforgeHCT®) ist ein wesentlicher Fortschritt, da sie die Behandlung für Ärzte und Patienten vereinfacht und die Blutdrucknormalisierungsrate erhöht, so das Fazit der von der Firma Novartis im Rahmen des Europäischen Kardiologenkongresses im August 2009 in Barcelona veranstalteten Launch-Pressekonferenz.


Dr. med. Elisabeth Bumes, Regensburg
Halten Immuntherapien maligne Gliome in Schach?
In den letzten Jahren wurde zunehmend erkannt, welch wichtige Rolle das Immunsystem bei der Genese maligner Gliome spielt. Von vielen Seiten wird daher Hoffnung in verschiedene Immuntherapien – allein oder in Kombination mit klassischen Chemotherapeutika – gesetzt. Auf dem internationalen Herbstsymposium Neuroonkologie im Oktober 2009 am Universitätsklinikum Regensburg diskutierten Experten aus aller Welt die neuen Ansätze und Erkenntnisse aus laufenden Forschungsarbeiten. Eingeladen hatte das neu gegründete Zentrum für Hirntumoren.


Dr. med. Elisabeth Bumes, Regensburg
Aktuelle Studien zu malignen Hirntumoren
Bei der Diagnostik und Behandlung maligner Gliome wurde in den vergangenen Jahren viel erreicht. Dennoch führt die Gesamtheit aller Therapien zu keiner andauernden Heilung, da maligne Gliome über verschiedene Wege gegenüber der Behandlung resistent werden. Im Oktober 2009 wurde auf dem internationalen Herbstsymposium Neuroonkologie des Zentrums für Hirntumoren am Universitätsklinikum Regensburg die aktuelle Studienlage zu malignen Gliomen und primären ZNS-Lymphomen vorgestellt.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Überlebensvorteil bei HER2-positivem Magenkarzinom
Bei Behandlung mit dem HER2-Antikörper Trastuzumab (Herceptin®) überlebten Patienten mit HER2-positivem fortgeschrittenem und inoperablem Magenkarzinom im Mittel gut zwei Monate länger als Patienten, die nicht mit Trastuzumab behandelt wurden. Dies ergab die internationale Phase-III-Studie ToGA, deren Ergebnisse bei der 45. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Orlando vorgestellt wurden.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Neuer GnRH-Agonist als 12-Monats-Implantat
Seit dem 2. Juli 2009 steht mit dem GnRH(Gonadotropin-Releasinghormon)-Agonisten Histrelin in Hydrogel-Implantatform eine neue Therapieoption zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen und des metastasierten Prostatakarzinoms zur Verfügung. Das Implantat enthält 50 mg Histrelin und gibt den Wirkstoff kontinuierlich ohne Schwankungen über 12 Monate frei. Die Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit wurden bei einer von Orion Pharma veranstalteten Pressekonferenz im Juli 2009 in Hamburg vorgestellt.