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28. Jahrgang Heft 3 März 2010

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Übersichten
Jörn P. Sieb, Stralsund
In Deutschland leidet etwa 1 % der Bevölkerung an einem therapiebedürftigen Restless-Legs-Syndrom (RLS). Inzwischen sind neben Levodopa/Benserazid drei Ergolin-Dopaminagonisten für die Therapie des RLS zugelassen. Hauptproblem der dopaminergen Therapie ist das Auftreten einer Augmentation, das heißt einer anhaltenden Verschlechterung der Symptomatik unter der Therapie, wobei eine Erhöhung der Dosierung zu einer Intensivierung der Symptomatik führt (paradoxe Therapieantwort). Immerhin bei 60 % der mit Levodopa behandelten Patienten soll es innerhalb von sechs Monaten zu einer Augmentation kommen. Bei einer Therapie mit Dopaminagonisten wird eine Augmentation seltener beobachtet. Dopaminagonisten werden beim RLS in einer deutlich geringeren Dosierung eingesetzt als in der Behandlung der Parkinson-Krankheit. Trotzdem sind auch in diesem Dosisbereich erhebliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen möglich, beispielsweise Impulskontrollstörungen. Bei einem erheblichen Teil der RLS-Patienten besteht die Notwendigkeit zu einer nichtdopaminergen Therapie, wobei insbesondere Opioide eingesetzt werden.


Norbert Gattermann, Düsseldorf
Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind von einer pluripotenten hämatopoetischen Stammzelle ausgehende klonale Knochenmarkserkrankungen. Bislang gibt es keine Medikamente, die eine Heilung myelodysplastischer Syndrome ermöglichen – dies vermag nur die allogene Transplantation hämatopoetischer Stammzellen, wofür die meisten Patienten mit MDS jedoch nicht infrage kommen. In der Vergangenheit beschränkte sich die Behandlung daher hauptsächlich auf supportive Maßnahmen, das heißt Transfusion von Erythrozyten- und/oder Thrombozytenkonzentraten sowie Einsatz von Antibiotika bei Infektionen. Inzwischen gibt es jedoch mehrere Substanzen, die sich bei MDS günstig auf die Produktion reifer Blutzellen auswirken: hämatopoetische Wachstumsfaktoren, Immunsuppressiva und -modulatoren, Chemotherapeutika und epigenetisch wirksame Therapeutika.


Andreas Plettenberg, Leonie Meemken, Irene Walther, Hamburg, Norbert Brockmeyer, Bochum, und Albrecht Stoehr, Hamburg
Die immensen Fortschritte in der HIV-Therapie seit Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) im Jahr 1996 haben dazu geführt, dass sich die Prognose der antiretroviral behandelten Patienten deutlich verbessert hat. Dies hat zur Folge, dass das mittlere Alter aller Menschen, die mit einer HIV-Infektion leben, kontinuierlich steigt. In den USA werden im Jahr 2015 mehr als die Hälfte aller HIV-Infizierten älter als 50 Jahre sein. Da das Alter die Immunfunktionen beeinflusst und mit zunehmendem Alter vermehrt Komorbiditäten auftreten, müssen die antiretrovirale Therapie und das ärztliche Begleitmanagement bei älteren Patienten entsprechend angepasst werden – beispielsweise müssen mögliche Interaktionen zwischen den verschiedenen Arzneimitteln beachtet werden.


Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Thromboseprävention ohne erhöhtes Blutungsrisiko
SCH 530348, ein oral applizierbarer kompetitiver Antagonist des auf den Thrombozyten lokalisierten Proteinase-aktivierten Rezeptors 1 (PAR-1), hemmt die Thrombin-vermittelte Plättchenaktivierung und erwies sich in einer Phase-II-Studie als sicher: Bei Patienten, bei denen eine elektive perkutane Koronarintervention durchgeführt wurde, war die Rate klinisch relevanter Blutungen nicht höher als unter Plazebo.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Neue Behandlungsmöglichkeit zur Prävention von Knochenabbau
In zwei multizentrischen, doppelblinden, randomisierten Studien – bei Männern mit Prostatakarzinom unter Antiandrogen-Therapie sowie bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose – konnte der humane monoklonale Antikörper Denosumab die Knochendichte deutlich erhöhen und damit das Frakturrisiko signifikant senken. Hinweise auf gravierende Nebenwirkungen der Substanz liegen bislang nicht vor.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Oraler JAK-Hemmer bei Myelofibrose hilfreich?
Der oral applizierbare JAK-1/2-Hemmer INCB018424 eignet sich nach bisher vorliegenden Ergebnissen aus Phase-I/II-Studien zur Therapie von Patienten mit Myelofibrose.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Methotrexat bei CIDP nicht wirksam
Bei chronischer inflammatorischer demyelinisierender Polyradikuloneuropathie (CIDP) war eine Langzeitbehandlung mit oralem Methotrexat in einer randomisierten Plazebo-kontrollierten Studie mit 60 Patienten nicht wirksamer als Plazebo.


Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Vergleichbares krankheitsfreies Überleben unter Letrozol-Tamoxifen-Sequenztherapien und Letrozol-Monotherapie
In einer neuen Analyse der BIG-1-98-Studie zur adjuvanten Hormontherapie bei postmenopausalem Mammakarzinom ergaben sich keine signifikanten Unterschiede im krankheitsfreien Überleben unter einer Letrozol-Tamoxifen- bzw. Tamoxifen-Letrozol-Squenztherapie im Vergleich zu einer Letrozol-Monotherapie. Ein weiteres Daten-Update für die beiden Monotherapie-Arme mit Letrozol oder Tamoxifen zeigte keine signifikanten Unterschiede beim Gesamtüberleben.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Langzeitdaten belegen Überlebensvorteil bei Switch von Tamoxifen auf Exemestan
Eine aktuelle Auswertung der Intergroup Exemestan Study (IES) 031 nach einer medianen Beobachtungszeit von fast acht Jahren belegt erneut den signifikanten Vorteil der Umstellung auf den Aromatasehemmer Exemestan nach zwei- bis dreijähriger Einnahme von Tamoxifen: Im Vergleich zur kontinuierlichen Therapie mit Tamoxifen verlängerte der Switch auf Exemestan signifikant das krankheitsfreie sowie das Gesamtüberleben. Die Daten wurden auf einer von Pfizer Pharma im Rahmen des ECCO/ESMO veranstalteten Pressekonferenz im September 2009 in Berlin vorgestellt.