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28. Jahrgang Heft 4 April 2010

Editorial
Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich, Regensburg


Neue Arzneimittel in der Diskussion
Peter Gross, Dresden, und Susanne Heinzl, Reutlingen
Tolvaptan als erster Vertreter eines neuen Therapieprinzips
Eine der häufigsten Serumelektrolytstörungen ist die Hyponatriämie (Serumnatriumkonzen- tration < 136 mmol/l), die oft als Folge des Syndroms der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) auftritt. Sie verursacht primär zerebrale Symptome wie Konzentrationsstörungen, Apathie, Lethargie, Desorientiertheit, Erbrechen, Schwindel und Übelkeit. Für die Behandlung der eu- und hypervolämischen Hyponatriäme befindet sich eine neue Substanzklasse in klinischer Entwicklung, die Vasopressin-Rezeptorantagonisten oder „Vaptane“. Mit Tolvaptan (Samsca®, Otsuka) ist seit September 2009 der erste Vertreter aus dieser Gruppe im Handel verfügbar.


Übersichten
Jürgen Barth und Mathias J. Rummel, Gießen
Alkylanzien sind vielfach die Basis einer antitumoralen Chemotherapie. Innerhalb der Substanzklasse der Stickstoff-Lost-Abkömmlinge nimmt Bendamustin eine besondere Stellung hinsichtlich Toxizität, Verträglichkeit und klinischer Wirksamkeit ein. Bendamustin wird in Deutschland mit langjähriger Erfahrung eingesetzt. Haupteinsatzgebiet sind hämatologische Krebserkrankungen (v. a. Non-Hodgkin-Lymphome), es wird aber auch – meist im Rahmen von Salvage-Therapien, nach Versagen der Standards – bei soliden Tumoren angewendet (Mamma- und kleinzelliges Bronchialkarzinom). Der Einsatz von Bendamustin in der Mono- und Kombinationstherapie von Lymphomen ist Gegenstand mehrerer aktueller Studien. Beispielsweise hat es sich in einer prospektiven randomisierten Phase-III-Studie der Studiengruppe indolente Lymphome (StiL) in Kombination mit Rituximab in der Primärtherapie von Patienten mit niedrigmalignen und Mantelzell-Lymphomen gegenüber der Standardtherapie CHOP/Rituximab als mindestens gleichwertig erwiesen.


Cordula Lebert, Günther Scherbel und Rainer Höhl, Nürnberg
Kommentierte Zusammenfassung
Im Jahr 2000 hat die IDSA (Infectious Diseases Society of America) erstmalig Leitlinien zur Behandlung von Candida-Infektionen herausgegeben, die 2004 überarbeitet wurden. Die Einführung neuer antimykotischer Substanzen wie Anidulafungin und Micafungin, erweiterte Indikationsbereiche und die Ergebnisse neuer Studien erforderten nun eine weitere Aktualisierung [24]. Ziel dieser Arbeit ist eine Zusammenfassung der Empfehlungen unter dem Aspekt der Zulassungssituation und Epidemiologie in Deutschland und der Behandlungsmöglichkeiten für pädiatrische Patienten.


Klinische Studien
Birgit Hecht, Stuttgart
Orale Therapie mit Fingolimod
Der Sphingosin-Rezeptor-Modulator Fingolimod verhindert das Austreten von Lymphozyten aus den Lymphknoten. In zwei großen Phase-III-Studien wurden seine Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Patienten mit multipler Sklerose untersucht. In der Wirkung war Fingolimod Plazebo und Interferon beta-1a überlegen: es reduzierte nicht nur die Schubrate und die Zahl der Herde im Magnetresonanztomogramm, im Vergleich zu Plazebo konnte auch ein geringeres Fortschreiten der Behinderung nachgewiesen werden. Als Nebenwirkungen traten unter anderem Infektionen sowie Bradykardie, Makulaödem und ein Anstieg der Leberwerte auf.


Birgit Hecht, Stuttgart
Orale Therapie mit Cladribin
In der kürzlich veröffentlichten CLARITY-Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit des oralen Purin-Antimetaboliten Cladribin bei Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose untersucht. Cladribin war Plazebo in der Reduktion der Schubrate und der entzündlichen Läsionen in der Magnetresonanztomographie überlegen. Die aufgetretenen Nebenwirkungen waren moderat; wie es der Wirkungsmechanismus erwarten lässt, traten Lymphozytopenien und Infektionen auf.


Referiert & kommentiert
Dr. Birgit Schindler, Freiburg
Sturzrisiko unter häufig eingesetzten Arzneistoffklassen
Für die Einnahme von Sedativa, Antidepressiva, Neuroleptika und Benzodiazepinen wurde in einer Metaanalyse bei über 60 Jahre alten Menschen ein signifikanter Zusammenhang zwischen Stürzen und der Einnahme gefunden. Das höchste Sturzrisiko hatten dabei die Patienten, die Antidepressiva einnahmen. Für fünf weitere analysierte Medikamentenklassen gab es entweder keinen signifikanten Zusammenhang (Narkotika, Betablocker) oder die Ergebnisse waren nicht einheitlich, so dass allenfalls von einem minimal erhöhten Sturzrisiko ausgegangen werden kann (Antihypertensiva, Diuretika, nichtsteroidale Antirheumatika).


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Clopidogrel plus ASS versus ASS-Monotherapie
Bei Patienten mit Vorhofflimmern, die für eine orale Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten nicht infrage kommen, ist die Kombination von Clopidogrel plus Acetylsalicylsäure (ASS) in der Prophylaxe vaskulärer Ereignisse wirksamer als eine ASS-Monotherapie. Der besseren Wirksamkeit steht aber ein signifikant erhöhtes Risiko schwerwiegender Blutungskomplikationen gegenüber.


Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer,
Arzneimittelinteraktionen aktuell
An dieser Stelle informieren wir Sie kurz über aktuelle Veröffentlichungen zu therapierelevanten Arzneimittelwechselwirkungen.


Dr. Susanne Heinzl,
Gezielte Therapie für das metastasierte Magenkarzinom
Die Europäische Kommission hat Trastuzumab (Herceptin®) für die Erstlinienbehandlung des metastasierten HER2-positiven Magenkarzinoms und des Adenokarzinoms des gastroösophagealen Übergangs (GEJ) zugelassen. Die Zulassung erfolgte auf der Grundlage der Ergebnisse der internationalen ToGA-Studie (Trastuzumab for HER2-positive metastatic gastric cancer), die auf einer Pressekonferenz der Roche Pharma AG am 17. Februar 2010 in Frankfurt/Main vorgestellt wurden.


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
In Kombination mit Oxaliplatin ist Capecitabin Fluorouracil/Folinsäure überlegen
Die Kombination von Oxaliplatin mit Fluorouracil/Folinsäure ist der alleinigen intravenösen Gabe von Fluorouracil/Folinsäure beim Kolonkarzinom Stadium III signifikant überlegen. Im Rahmen der XELOXA-Studie konnte gezeigt werden, dass auch das oral einzunehmende Fluoropyrimidin Capecitabin in Kombination mit Oxaliplatin im Vergleich zur intravenösen Gabe von Fluorouracil/Folinsäure das krankheitsfreie Überleben signifikant verbessert. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Rahmen eines von der Roche Pharma AG anlässlich der 64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten im Oktober 2009 in Hamburg veranstalteten Pressegesprächs vorgestellt und diskutiert.


Dr. Susanne Heinzl,
Nilotinib in der Erstlinientherapie besser wirksam als Imatinib
Nilotinib (Tasigna®) ist signifikant wirksamer als Imatinib (Glivec®) bei der Behandlung von erwachsenen Patienten mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie (Ph+-CML) in der chronischen Phase. Dies ergab die randomisierte Phase-III-Studie ENESTnd (Evaluating nilotinib efficacy and safety in clinical trials of newly diagnosed Ph+ CML patients), die von Prof. Dr. Giuseppe Saglio, Turin (Italien), im Dezember als Late-Breaking Abstract beim ASH-Kongress 2009 in New Orleans (USA) vorgestellt wurde.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Moderne Therapie verlängert Überleben
Durch neue Erkenntnisse zum Pathomechanismus und durch die Entwicklung neuer Arzneimittel wie Tyrosinkinase- und mTOR-Hemmer hat sich die Prognose von Patienten mit Nierenzellkarzinom dramatisch verbessert. Entsprechende Studien- und Registerdaten wurden bei einer Pressekonferenz von Pfizer Oncology beim 29. Deutschen Krebskongress vorgestellt.