Suche / Archiv


Erweiterte Suche

28. Jahrgang Heft 5 Mai 2010

Editorial
Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich, Regensburg
Warum das Gesundheitssystem nicht zur Ruhe kommt


Übersichten
Jörn P. Sieb, Stralsund
Überblick über die immunsuppressiven Therapiemöglichkeiten unter besonderer Berücksichtigung von Mycophenolatmofetil
Die derzeit zur Therapie der Myasthenia gravis eingesetzten Immunsuppressiva haben teilweise erhebliche Nebenwirkungen und sind somit bei einem Teil der Patienten nicht hinreichend verträglich beziehungsweise ausreichend wirksam. Folglich besteht in der Myasthenie-Therapie Bedarf für ein sicheres und gleichzeitig gut wirksames Immunsuppressivum. Das relativ gut verträgliche Mycophenolatmofetil (MMF) wird daher in dieser Indikation inzwischen zunehmend als „Ausweich-immunsuppressivum“ eingesetzt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die immunsuppressiven Therapiemöglichkeiten bei Myasthenia gravis. Der Schwerpunkt liegt auf den derzeit verfügbaren Daten zum Einsatz von Mycophenolatmofetil. Fallberichte, retrospektive Serien und Pilotstudien ergaben einen günstigen Effekt bei der Mehrzahl der damit therapierten Myasthenie-Patienten. In zwei randomisiert und Plazebo-kontrolliert durchgeführten Studien blieb jedoch ein Glucocorticoid-einsparender Effekt aus und Mycophenolatmofetil war Prednison in der Initialtherapie nicht überlegen. Der Aussagewert dieser Untersuchungen wird aber unter anderem durch deren kurze Untersuchungsdauer eingeschränkt. Die Übersicht über die publizierten Daten unterstützt die klinische Beobachtung einer Glucocorticoid-einsparenden Wirkung von Mycophenolatmofetil, die jedoch erst im zweiten oder dritten Therapiejahr signifikant wird.


Consensus
Zusammenfassung der S3-Leitlinie/Nationalen VersorgungsLeitlinie „Unipolare Depression“*
Depressive Störungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen in der ambulanten und stationären Versorgung. Das Wissen um die Behandlungsmöglichkeiten depressiver Erkrankungen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. In einer S3-Leitlinie, die gleichzeitig als nationale Versorgungsleitlinie erarbeitet wurde, werden Diagnostik und Therapieverfahren dargestellt und bewertet. Im Folgenden werden vor allem die Empfehlungen zur medikamentösen Therapie zusammengefasst.


Ulrich Hegerl, Leipzig
Kommentar
Die im November 2009 publizierte S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ ist das Ergebnis eines über mehrere Jahre gehenden Konsensusverfahrens, in das viel Engagement, Fleiß und Expertenwissen geflossen ist. Entstanden ist eine wichtige und zentrale Orientierungshilfe bei der Betreuung depressiv Erkrankter in Deutschland. Die hier formulierten Empfehlungen basieren überwiegend auf empirisch belegten Evidenzen. Wie auch in anderen Bereichen der Medizin bleibt dennoch viel Spielraum für subjektiv gefärbte Gewichtungen, so dass, trotz des durchgehenden Bemühens um Objektivität, Faktoren wie Berufsinteressen oder Zusammensetzung der am Konsensusprozess Beteiligten dennoch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.


Fragen aus der Praxis
Gesine Picksak, Christoph Höner zu Siederdissen und Dirk O. Stichtenoth, Hannover
Ein Orthopäde wendet sich mit folgender Fragestellung an das Arzneimittel-Therapie-Informations-System (ATIS, siehe Kasten):


Klinische Studie
Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Ferri-Carboxymaltose bessert subjektive Symptome deutlich
Bei Patienten mit einer stabilen Herzinsuffizienz der NYHA-Klassen II und III und Eisenmangel verbessert sich durch die i. v. Gabe von Ferri-Carboxymaltose die subjektive klinische Symptomatik, die Einstufung in die funktionellen NYHA-Klassen und die Lebensqualität. Diese Ergebnisse wurden unabhängig davon erzielt, ob die Patienten eine Anämie hatten. Das ergab die randomisierte, doppelblinde FAIR-HF-Studie.


Referiert & kommentiert
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Am Gefäß angreifende Therapieansätze
Als einziger Angiogenesehemmer ist derzeit Bevacizumab für die Therapie von Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) zugelassen. Mit den Vascular disrupting Agents (VDA) befindet sich eine neue Substanzgruppe in der Entwicklung, die bereits bestehende Gefäße zerstört.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Orientierung am Procalcitonin-Spiegel verringert den Antibiotikaeinsatz
Mit Therapieempfehlungen, die sich am Procalcitonin-Spiegel orientierten, konnte bei nichtchirurgischen Intensivpatienten mit vermuteten bakteriellen Infektionen der Einsatz von Antibiotika vermindert werden. Im Vergleich zur Standardtherapie wurden keine Nachteile beobachtet, insbesondere keine erhöhte Sterblichkeit.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Überleben als Funktion von HbA1c
Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 scheint eine ambitionierte Blutzuckersenkung auf einen HbA1c-Wert von unter 6,5 % ebenso wie ein hoher HbA1c-Wert die Gesamtsterblichkeit und die Häufigkeit von kardiovaskulären Ereignissen zu erhöhen. Sollten sich diese Ergebnisse erhärten, müssten die Leitlinien zur Diabetesbehandlung überarbeitet und ein minimaler HbA1c-Wert definiert werden.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Auch ältere Patienten profitieren von modernen Therapieverfahren
Ältere Patienten, vor allem wenn sie in guter körperlicher Verfassung sind, haben von einer umfassenden Krebsbehandlung einen vergleichbaren Nutzen wie jüngere Patienten. Das biologische und nicht das kalendarische Alter ist für Therapieentscheidungen bestimmend, wie am Beispiel von Daten zum Kolonkarzinom und Lungenkrebs bei einem Satellitensymposium von Roche Pharma AG beim diesjährigen Krebskongress in Berlin gezeigt wurde.


Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Aprepitant verstärkt die prophylaktische Wirkung von Ondansetron/Dexamethason
Bei einer moderat emetogenen Chemotherapie kann eine Dreierkombination aus Aprepitant, Ondansetron und Dexamethason unabhängig von der Tumorentität einen signifikant besseren Schutz vor Übelkeit und Erbrechen bieten als die Ondansetron/Dexamethason-Zweierkombination. Dieses Ergebnis einer randomisierten Doppelblindstudie, die bei der Jahrestagung 2009 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt worden war, wurde im Rahmen der Jahrestagung der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) bei einem Symposium der Firma MSD diskutiert.


Reimund Freye,
Re-implantierte Knorpelzellen differenzieren sich im Knie weiter
Zur Behandlung fokaler Knorpelschäden im Kniegelenk wurde mit ChondroCelect® das erste Zelltherapieprodukt von der Europäischen Kommission zugelassen. Das Verfahren eignet sich vor allem für Patienten mit einem akuten Knorpelschaden, der noch nicht arthrotisch degeneriert ist. Auf einer Presseveranstaltung der Firma TiGenix im Rahmen des Orthopädiekongresses 2009 wurden die zulassungsrelevanten Studienergebnisse im Vergleich mit der Mikrofrakturierung vorgestellt.