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28. Jahrgang Heft 6 Juni 2010

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg


Übersichten
Erhard Hiller, München
Bei der Immunthrombozytopenie (ITP) liegt definitionsgemäß eine isolierte Thrombozytopenie vor. Neben einem durch Autoantikörper gegen Epitope der Glykoproteinrezeptoren Ib und IIb/IIIa auf der Plättchenoberfläche bedingten vermehrten Thrombozytenabbau spielen bei der Pathogenese der Erkrankung auch ein relativer Thrombopoetinmangel und eine insuffiziente Thrombozytopoese eine Rolle. Zur Pharmakotherapie werden Glucocorticoide, Immunglobuline und Immunsuppressiva eingesetzt. Bei chronischer, therapierefraktärer Immunthrombozytopenie kann durch Splenektomie eine Besserung erzielt werden. Eine noch relativ neue Therapieoption bieten die Thrombopoetin-Rezeptoragonisten Romiplostim und Eltrombopag, die seit Februar 2009 bzw. März 2010 zur Behandlung erwachsener splenektomierter Patienten mit chronischer Immunthrombozytopenie, die gegenüber anderen Therapien refraktär sind, beziehungsweise als Zweitlinientherapie bei Kontraindikationen gegen eine Splenektomie zugelassen sind. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die pharmakologischen Eigenschaften der beiden Substanzen und die derzeit vorliegenden Daten zu Wirksamkeit und unerwünschten Arzneimittelwirkungen sowie wichtige Informationen zur Anwendung.


Karin M. Potthoff, Heidelberg, Jessica C. Hassel, Mannheim, Andreas Wollenberg, München, und Ralf-Dieter Hofheinz, Mannheim
Hautreaktionen stellen die häufigste Nebenwirkung von EGFR(epidermal growth factor receptor)-Inhibitor-Therapien dar. Es handelt sich um einen Wirkstoffklassen-Effekt, da die Nebenwirkungen ausschließlich nach therapeutischer Blockade des HER1-/ErbB1-Rezeptors auftreten. Eine erfolgreiche Behandlung und Prophylaxe der EGFR-Inhibitor-induzierten Hautreaktionen ist möglich. Allerdings existieren bisher keine evidenzbasierten Leitlinien für das Management der Hautreaktionen. Die aktuellen Therapieempfehlungen basieren auf Expertenmeinungen und klinischer Erfahrung, nicht auf kontrollierten, randomisierten klinischen Prüfungen. Eine prophylaktische medikamentöse Hautbehandlung erscheint nach ersten Daten der STEPP-Studie vielversprechend; die Rolle der prophylaktischen Behandlung wird jedoch weiter untersucht und stellt noch keine allgemeingültige Empfehlung dar. Für die Praxis ist zu folgern, dass eine frühzeitige Intervention bei Anti-EGFR-induzierten Hautreaktionen unbedingt indiziert ist. Es sollte in jedem Fall eine Prävention in Form einer Basispflege und eines konsequenten Sonnenschutzes durchgeführt werden. Die weitere symptomatische Therapie sollte phasen- und schweregradspezifisch erfolgen. Nach Beendigung der Anti-EGFR-Therapie bilden sich die kutanen Nebenwirkungen in der Regel vollständig zurück. Das kompetente Management kutaner Nebenwirkungen von EGFR-Inhibitoren ist für Onkologen und Dermatologen gleichermaßen wichtig. Durch adäquate Therapiestrategien und Pflegeempfehlungen, die vom Patienten selbst umgesetzt werden können, lassen sich kutane Nebenwirkungen und die damit verbundene psychosoziale Belastung deutlich mindern. Zur optimalen Behandlung der Anti-EGFR-induzierten Hautreaktionen ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Onkologen und Dermatologen unbedingt erwünscht.


Franz-Josef Schmitz, Minden
Ertapenem, eine geeignete Therapieoption
Die Zahl der Enterobacteriaceae, die Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen (ESBL) bilden können und dadurch gegenüber vielen Standardantibiotika resistent geworden sind, nimmt auch in Deutschland kontinuierlich zu. Da eine inadäquate empirische Initialtherapie von ESBL-Infektionen eine signifikant höhere infektionsbedingte Letalität zur Folge haben kann, ist neben krankenhaushygienischen Maßnahmen eine wirksame empirische First-Line-Therapie, die ESBL-bildende Erreger erfasst, bei Patienten mit Risikofaktoren von besonderer Bedeutung. Hierdurch kann auch eine weitere Ausbreitung und Übertragung auf andere Patienten verhindert werden. Bei Infektionen durch ESBL-produzierende E.coli oder Klebsiella spp. führte die Behandlung mit Carbapenemen zu sehr guten Ergebnissen hinsichtlich Überlebensrate und bakterieller Eradikation. Ertapenem ist als eine wichtige Therapieoption für die empirische Initialtherapie zu bewerten. Während die Zahl ESBL-bildender Erreger und die damit einhergehende Resistenz gegenüber vielen Antibiotikaklassen zunimmt, erweist sich Ertapenem im Verlauf der Jahre aufgrund seiner hohen In-vitro-Wirksamkeit, die auch klinisch bestätigt wurde, als eine konstant gute und verlässliche Therapieoption.


Referiert & kommentiert
Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Signaltransduktionshemmung – was gibt es Neues?
Die Zukunft der Behandlung des Lungenkarzinoms gehört – zumindest zum Teil – neuen zielgerichteten Therapien, die auf unterschiedliche Weise auf die verschiedensten Signaltransduktionswege einwirken. Neue Targets sind beispielsweise IGFR und c-Met.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Dronedaron verhindert Schlaganfälle bei Patienten mit Vorhofflimmern
Eine Post-hoc-Analyse der ATHENA-Studie ergab, dass eine Behandlung mit dem Antiarrhythmikum Dronedaron (Multaq®) in der Lage ist, bei Patienten mit Vorhofflimmern oder -flattern ischämische Insulte zu verhindern.


Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Abacavir-Lamivudin vs. Tenofovir-Emtricitabin
Bei HIV-Patienten mit initialen HIV-1-RNS-Werten von 100 000 Kopien/ml oder mehr versagte eine Therapie mit Abacavir-Lamivudin signifikant schneller als die Behandlung mit Tenofovir-Emtricitabin und führte rascher zu Nebenwirkungen. Dieses Ergebnis einer Zwischenauswertung der randomisierten Äquivalenzstudie A5202 war Anlass, die Studie für Patienten mit hohen Ausgangs-HIV-RNS-Werten vorzeitig zu entblinden.


Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden
Arzneimittelinteraktionen aktuell
An dieser Stelle informieren wir Sie kurz über aktuelle Veröffentlichungen zu therapierelevanten Arzneimittelwechselwirkungen


Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Aztreonam als neues inhalierbares Antibiotikum
Bei Patienten mit Mukoviszidose besteht die Notwendigkeit für neue antibiotische Therapiestrategien gegen Pseudomonas aeruginosa. Mit dem inhalierbaren Aztreonam steht jetzt ein Antibiotikum zur Verfügung, welches im Rahmen klinischer Studien die Zeit bis zu einer erneut notwendigen antibiotischen Therapie verlängerte und respiratorische Symptome linderte. Auch die Pseudomonas-aeruginosa-Keimdichte im Sputum wurde reduziert. Die Studiendaten wurden auf einer Pressekonferenz der Firma Gilead Sciences im Rahmen des 51. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. am 18. März in Hannover vorgestellt.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Neue Langzeitdaten zu Raltegravir
Der Integrasehemmer Raltegravir (Isentress®) ist seit Dezember 2007 in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung erwachsener vorbehandelter HIV-Patienten und seit September 2009 auch zur Behandlung therapienaiver HIV-Patienten zugelassen. Bei einem Satellitensymposium der Firma MSD Sharp & Dohme im Rahmen der Münchner AIDS-Tage im März 2010 wurden für Raltegravir-haltige Therapieregime Langzeitdaten für einen Einnahmezeitraum von über drei Jahren vorgestellt, nach denen die Therapie langfristig die Viruslast senkt und gut verträglich ist.