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28. Jahrgang Heft 7/8 Juli/August 2010

Editorial
Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich, Regensburg


Übersichten
Nadia Harbeck, Sabine Latta, Marwa Salem und Susanne Frisse, Köln
Standards und Optionen 2010
Die Behandlung des frühen Mammakarzinoms basiert unter kurativer Zielsetzung auf einem multimodalen Konzept. Ein Bestandteil der Behandlung ist die adjuvante Chemotherapie. Welches Regime bei welcher Patientin infrage kommt, ob Anthracyclin-haltig oder -frei, ob dosisdichte oder dosisintensivierte Therapie, hängt unter anderem vom Alter, dem Menopausenstatus sowie dem Hormonrezeptor- und Nodalstatus ab. Auch eine zielgerichtete Therapie kommt bei der Behandlung des frühen Mammakarzinoms zum Einsatz, beispielsweise bei HER2-positiven Tumoren. In diesem Artikel werden Entscheidungsfaktoren, die bei der Indikationsstellung für eine adjuvante Chemotherapie zu berücksichtigen sind, verschiedene Chemotherapieregime sowie häufige Nebenwirkungen und deren Behandlung dargestellt.


Pramod M. Shah, Frankfurt am Main
Die infektiöse Endokarditis (IE) geht, obwohl eine antibiotische Therapie möglich ist, weiterhin mit hoher Morbidität und Letalität einher. Nach einer Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Leitender Kardiologischer Krankenhausärzte e. V. beträgt die Letalitätsrate bis zu 18 % und die Latenzzeit bis zur Diagnosestellung 29 ± 35 Tage. Die Inzidenz der IE wird mit 3–10 Episoden/100 000 Personen/Jahr geschätzt. Rheumatische Klappenerkrankungen, die früher einen häufigen Risikofaktor darstellten, werden heute in Deutschland kaum noch beobachtet. Als Risikofaktoren sind eher degenerative Klappenerkrankungen und intrakardiale Implantate vorhanden. Bei community-acquired IE der Nativklappe sind Streptokokken (47 %) weiterhin die häufigsten Erreger, gefolgt von Staphylokokken (26 %). Bei nosokomialen Nativklappen-Endokarditiden und Klappenprothesen-Endokarditiden überwiegen Staphylokokken (58 % bzw. 40 %). Durch S. aureus bedingte Endokarditiden verlaufen akuter, haben eine signifikant kürzere Latenzzeit bis zur Diagnosestellung als durch andere Erreger verursachte Endokarditiden (p < 0,001) und gehen mit einer signifikant höheren Letalität einher (S. aureus 22,4 % vs. Non-aureus 14,6 %; p < 0,001). Bei länger andauerndem Fieber unklarer Genese oder Rezidiv nach Beendigung einer ungezielten antibiotischen Therapie muss eine Endokarditis in die differenzialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden, vor allem wenn ein Herzgeräusch vorhanden ist.


Fragen aus der Praxis
Die Zahl übergewichtiger Menschen in Deutschland ist im Laufe der letzten Jahre gestiegen. Mittlerweile sind etwa 70 % der erwachsenen Männer und 50 % der erwachsenen Frauen übergewichtig oder adipös [8]. Bei der Anwendung von Arzneimitteln bei übergewichtigen Patienten kann je nach Eigenschaften des Arzneistoffs eine Dosisanpassung erforderlich sein. Dosierungen von Arzneimitteln werden beispielsweise auf das ideale Körpergewicht (ideal body weight; IBW) oder das Gesamtkörpergewicht (total body weight; TBW) bezogen. Bei übergewichtigen Patienten stellt sich die Frage, welches Gewicht als Grundlage für die Dosierung herangezogen werden soll. Eine routinemäßig applizierte Dosierung statt einer gewichtsadaptierten Dosierung kann zu subtherapeutischen Konzentrationen und einem potenziell schlechteren klinischen Ergebnis führen. Dagegen können bei einer Dosierung nach dem Gesamtkörpergewicht eine Überdosierung und eine Zunahme beziehungsweise Verstärkung von Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden.


Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Hemmung der mykobakteriellen ATP-Synthase als neue Therapieoption
Über eine Hemmung der mykobakteriellen ATP-Synthase bietet das Diarylchinolin TMC207 einen neuen Mechanismus zur Behandlung der Tuberkulose. Zwischenergebnisse einer laufenden Phase-II-Studie belegen vielversprechende Ergebnisse bei mehrfachresistenter Tuberkulose.


Bettina Christine Martini, Legau
Duale antithrombotische Therapie für ein Jahr
Die optimale Dauer einer dualen antithrombotischen Therapie nach Implantation eines Wirkstoff-freisetzenden Stents ist bisher nicht bekannt. Eine aktuelle Studie zeigt keinen Nutzen für eine Therapie über mehr als ein Jahr. Dieses Ergebnis sollte aber noch in größeren Studien bestätigt werden.


Bettina Christine Martini,
Everolimus-Stent besser als Paclitaxel-Stent?
Bei 1 800 nicht gesondert ausgewählten Patienten wurde in einem Zentrum randomisiert verglichen, ob Everolimus- oder Paclitaxel-freisetzende Stents mit Blick auf Wirksamkeit und Sicherheit nach einem Jahr bessere Ergebnisse liefern. Bei dem in der COMPARE-Studie definierten kombinierten primären Endpunkt waren Everolimus-freisetzende Stents überlegen.


Dr. Barbara Kreutzkamp,
Rifaximin beugt hepatischer Enzephalopathie vor
Das kaum resorbierbare Antibiotikum Rifaximin kann bei Patienten mit chronischer Lebererkrankung das erneute Auftreten einer hepatischen Enzephalopathie im Vergleich zu Plazebo deutlich vermindern. Die präventiven Effekte gehen über die einer Lactulose-Monotherapie hinaus, wie eine randomisierte, Plazebo-kontrollierte Doppelblindstudie zeigte.


Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Epoetin beim akuten ischämischen Insult ohne neuroprotektive Wirkung
In einer Plazebo-kontrollierten, randomisierten multizentrischen Studie war Epoetin (EPO) bei der Behandlung des akuten ischämischen Insults nicht wirksam. In der Untergruppe der Patienten, die lysiert wurden, zeigte sich eine erhöhte Mortalität. In der Gruppe ohne Thrombolyse zeigte sich ein Trend zugunsten von Epoetin.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Kombination Fibrat plus Statin ohne Vorteil für die Prävention vaskulärer Ereignisse
Die Kombination von Fenofibrat und Simvastatin ist gegenüber einer Simvastatin-Monotherapie nicht in der Lage, die Häufigkeit schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zu verringern. Das ergab der Lipid-Arm der ACCORD-Studie.


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen
Aggressive Blutdrucksenkung erniedrigt das Risiko für Schlaganfall, aber nicht für andere kardiovaskuläre Ereignisse
Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und hohem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse ist eine Blutdrucksenkung auf systolisch 120 mm Hg für die Verhinderung des vaskulären Tods und kardiovaskulärer Ereignisse nicht wirksamer als eine Blutdrucksenkung auf 140 mm Hg. Allerdings führte die aggressivere Blutdrucksenkung in der ACCORD-Studie zu einer Reduktion der Schlaganfallrate.


Petra Eiden, Berlin
„Nachtcorticoid“ bessert Krankheitsverlauf
Prednison MR (Lodotra®) wurde im Frühjahr 2009 in Deutschland für die Behandlung der mäßigen bis schweren rheumatoiden Arthritis, insbesondere bei Morgensteifigkeit, eingeführt. Inzwischen liegen die Ergebnisse einer zweiten großen Studie vor, in der das Glucocorticoid erstmals mit Plazebo verglichen wurde. Die Daten, die bei einem Pressegespräch der Firma Merck Serono vorgestellt wurden, bestätigen eine schnelle und signifikante Verbesserung des Krankheitsverlaufs.


Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Tapentadol: neue Substanz mit dualem Wirkprinzip
Bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen besteht nach Aussage vieler Experten weiterhin Optimierungsbedarf. Eine Neuentwicklung ist Tapentadol, ein zentral wirksames Analgetikum, das einen Agonismus am My-Opioid-Rezeptor mit einer Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung vereinigt. Der Wirkstoff wurde bei einem Symposium der Firma Grünenthal im Rahmen des Schmerzkongresses 2009 in Berlin vorgestellt.


Reimund Freye, Baden-Baden
Viel erreicht – aber noch mehr möglich
Die Erfolge der Lipidtherapie in Bezug auf eine Senkung kardiovaskulärer Risiken sind beträchtlich, aber durchaus noch zu steigern. Bei einem Symposium der Firma MSD Sharp & Dohme im Rahmen der 76. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim wurden aktuelle und mögliche zukünftige Strategien angesprochen.


Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
REASON sammelt Daten zu EGFR-Mutationen bei Kaukasiern
Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) mit positivem EGFR-Mutationsstatus profitieren von der Behandlung mit EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren wie Gefitinib. Um die Daten zur Prävalenz dieser Mutationen beim NSCLC sowie über die Zusammenhänge zwischen EGFR-Mutation und klinisch-pathologischen Eigenschaften der Patienten für kaukasische Patienten zu erhalten, wurde die REASON-Studie initiiert. Sie wurde im Dezember 2009 bei einem Pressegespräch der Firma AstraZeneca in Hamburg vorgestellt.


Andrea Warpakowski, Itzstedt
Erstes subkutan injizierbares Hepatitis-B-Immunglobulin
Seit Anfang 2010 können HBV-DNS-negative Patienten, deren Lebertransplantation wegen einer HBV-assoziierten Lebererkrankung seit mindestens sechs Monaten zurückliegt, die Erhaltungstherapie der Reinfektionsprophylaxe erstmals selbst zu Hause durchführen. Die Anwendung des subkutan injizierbaren Hepatitis-B-Immunglobulin Zutectra® wurde bei einem Symposium der Firma Biotest im Rahmen der Jahrestagung der European Association for the Study of the Liver (EASL) im April in Wien vorgestellt.