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28. Jahrgang Heft 9 September 2010

Editorial
Dr. med. Peter Stiefelhagen,


Übersichten
Winfried J. Randerath, Solingen
Das Asthma bronchiale stellt weiterhin eine sehr bedeutsame Erkrankung dar, da es für den Einzelnen eine wesentliche Einschränkung seiner Lebensqualität und ein Risiko für eine permanente Verminderung der Leistungsfähigkeit bedeuten kann. Die Erkrankung ist auch mit sozioökonomischen Auswirkungen für die Gesellschaft, wie Schul- und Arbeitsausfall und Kosten für medizinische Leistungen, verbunden. Dem Asthma liegt eine chronische Entzündung der Schleimhaut zugrunde, die sich klinisch mit einer Überempfindlichkeit gegenüber unspezifischen Reizen bemerkbar macht. In der Bronchialwand zeigen sich akut Ödembildung, Infiltration mit Entzündungszellen und Muskelspasmus. Langfristig kommt es zum strukturellen Umbau mit Hypertrophie von Drüsen und Muskelzellen, Verdickung der Basalmembran und chronischem Zellinfiltrat. Die Therapie des Asthma bronchiale ruht auf den beiden Säulen der Entzündungshemmung („Controller“) und Bronchospasmolyse („Reliever“). Zur antientzündlichen Basistherapie stehen inhalierbare Glucocorticoide und Cysteinyl-Leukotrien-1-(CysLT1-)Rezeptorantagonisten, zur symptomatischen Behandlung der Luftnotbeschwerden vor allem Beta2-Sympathomimetika zur Verfügung. Eine regelmäßige Behandlung mit Beta2-Sympathomimetika sollte ab dem Stadium III und immer zusammen mit inhalierbaren Glucocorticoiden erwogen werden. Neue medikamentöse Entwicklungen setzen gezielt an zentralen Mediatoren des Entzündungsgeschehens an. Zum klinischen Einsatz kommen dabei bisher der CysLT1-Rezeptorantagonist Montelukast und der IgE-Antikörper Omalizumab.


Gabriele Arendt und Thorsten Nolting, Düsseldorf
Zu Beginn der AIDS-Pandemie waren psychiatrische Störungen auf den schlechten physischen Zustand der Patienten, auf Virus-assoziierte Gehirnerkrankungen oder auf problematische Lebensumstände zurückzuführen. Nach Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) nahmen psychiatrische Störungen auf dem Boden eines schlechten Allgemeinzustands und die Inzidenz der HIV(human immunodeficiency virus)-assoziierten Demenz ab. Nach wie vor treten aber häufig affektive Störungen auf, was insbesondere aufgrund des negativen Einflusses auf die Therapieadhärenz von Bedeutung ist. Ebenfalls nicht selten bei HIV-Patienten sind Drogengebrauch und Persönlichkeitsstörungen. Unter den antiretroviralen Medikamenten provoziert vor allem Efavirenz psychiatrische Symptome (Verwirrtheitszustände, Albträume, Depressionen). Bedeutsam für Ärzte, die HIV-Patienten betreuen, sind Kenntnisse über Interaktionen zwischen in der Psychiatrie angewendeten Medikamenten und der HAART, die im schlimmsten Fall durch Induktion ihrer Abbausysteme unwirksam werden kann. Die Betreuung psychiatrisch kranker HIV-Patienten ist eine medizinische und menschliche Herausforderung.


Gabriele Lehmann und Gunter Wolf, Jena
Teriparatid (Forsteo®) ist ein den Knochenaufbau stimulierendes Peptidhormon. Die Behandlung mit Teriparatid führt zu einer Zunahme der Knochenmineraldichte und zu einer Steigerung des Knochenumbaus. In histomorphometrischen Studien konnten Effekte auf Knochenstruktur, -masse und -qualität nachgewiesen werden. Mit einer Dosierung von 20 µg – einmal täglich subkutan appliziert – konnte eine Senkung des Frakturrisikos bei Frauen mit postmenopausaler Osteoporose, bei Männern mit idiopathischer oder hypogonadaler Osteoporose und bei Patienten beiderlei Geschlechts mit Glucocorticoid-induzierter Osteoporose erzielt werden. Die Begrenzung der Therapiedauer und die hohen Therapiekosten limitieren den Einsatz von Teriparatid für Patienten mit einem sehr hohen Frakturrisiko und für Patienten, die andere Osteoporosetherapien nicht vertragen oder mit unzureichendem Ansprechen reagiert hatten.


Referiert & kommentiert
Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Fehler bei parenteraler Gabe von Arzneimitteln: Häufigkeit und Risikofaktoren
Auf Intensivstationen treten bei der parenteralen Applikation von Arzneimitteln relativ häufig Fehler auf, teilweise mit schwerwiegenden Konsequenzen. Da dies ein ernstzunehmendes Sicherheitsproblem ist, wurden in einer multinationalen Studie die Häufigkeit und Merkmale von Medikationsfehlern sowie Faktoren, die das Auftreten dieser Fehler begünstigen, näher untersucht. Eine zunehmende Komplexität der Pflege schwer kranker Patienten erhöht das Risiko für das Auftreten von Fehlern im Zusammenhang mit der parenteralen Applikation von Arzneimitteln. Maßnahmen wie die Einführung von Fehler-Berichtssystemen und routinemäßige Überprüfungen könnten dazu beitragen, das Risiko für das Auftreten solcher Vorkommnisse zu verringern.


Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer,
Arzneimittelinteraktionen aktuell
An dieser Stelle informieren wir Sie kurz über aktuelle Veröffentlichungen zu therapierelevanten Arzneimittelwechselwirkungen


Prof. Dr. Hans-Christoph Diener,
Besserung durch Riluzol?
In einer randomisierten doppelblinden Plazebo-kontrollierten Pilotstudie führte Riluzol zu einer Verlangsamung des Fortschreitens zerebellärer Funktionsstörungen im Vergleich zu Plazebo.


Dr. Susanne Heinzl,
Wie häufig bei Biologika-Therapie?
Das Risiko für eine progressive multifokale Leukenzephalopathie bei Therapie mit antirheumatischen Biologika ist zwar gering, dennoch kann diese Nebenwirkung nicht völlig ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse einer Datenbankanalyse wurden im Juni 2010 auf dem EULAR-Kongress in Rom präsentiert.


Dr. Susanne Heinzl,
Wirksamkeit von Tocilizumab unter Alltagsbedingungen bestätigt
Die beim EULAR-Kongress im Juni 2010 in Rom präsentierten endgültigen Daten der TAMARA-Studie belegen, dass mit dem Interleukin-6-Rezeptorantagonisten Tocilizumab (RoActemra®) bei Patienten mit rheumatoider Arthritis auch unter Alltagsbedingungen eine hohe Remissionsrate bei guter Verträglichkeit erreicht werden kann.


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Tocilizumab wirkt bei systemischer juveniler idiopathischer Arthritis
Der Interleukin-6-Rezeptorantagonist Tocilizumab (RoActemra®) zeigte bei Patienten mit systemischer juveniler idiopathischer Arthritis (sJIA) nach den beim EULAR 2010 in Rom vorgestellten Ergebnissen der TENDER-Studie eine vielversprechende Wirksamkeit.


Dr. Claudia Heß, Mainz
Gestagene können das Risiko für Thromboembolien beeinflussen
Es ist bekannt, dass kombinierte orale Kontrazeptiva das Risiko für Thromboembolien erhöhen. Auch wenn das absolute Risiko bei Einnahme moderner kombinierter oraler Kontrazeptiva gering ist, erscheinen – angesichts der großen Zahl der Anwenderinnen – selbst kleine Unterschiede klinisch relevant. Dass das Risiko durch die Dosis des Estrogens beeinflusst wird, ist seit Längerem bekannt. Gegenstand neuerer Untersuchungen ist der Einfluss der Art des Gestagens auf das Risiko. Bei einem Pressegespräch am Rande des Fortbildungskongresses der Frauenärztlichen Bundesakademie am 5. März 2010 in Düsseldorf, veranstaltet von Wyeth Pharma GmbH, wurden hierzu aktuelle Studienergebnisse vorgestellt. Demnach ist das Risiko thromboembolischer Ereignisse bei kombinierten oralen Kontrazeptiva mit Levonorgestrel geringer als bei Kombinationspräparaten mit einem der neueren Gestagene Desogestrel, Gestoden, Drospirenon und Cyproteronacetat.


Dr. Claudia Heß, Mainz
Neue Perspektive bei der Endometriosetherapie
Die Möglichkeiten zur Behandlung der chronischen Krankheit Endometriose sind beschränkt. Insbesondere die massiven Nebenwirkungen beeinträchtigen die Anwendungsdauer und -intensität der bisher zugelassenen Präparate. Für einen umfassenden Therapieerfolg ist aber eine langfristige Anwendung oft unumgänglich. Die therapeutischen Möglichkeiten werden durch Dienogest (Visanne®) erweitert, das seit Mai 2010 für die Behandlung der Endometriose verfügbar ist. Bei einer Pressekonferenz von Bayer Health Care am Rande des Fortbildungskongresses der Frauenärztlichen Bundesakademie im März 2010 in Düsseldorf wurden dazu erste Daten vorgestellt [1].


Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Nitrat bei Herzinsuffizienz und pulmonaler Hypertonie?
Bei Gabe von Pentaerithrityltetranitrat (PETN, Pentalong®) an Patienten mit Herzinsuffizienz und pulmonaler Hypertonie sinkt nach den Ergebnissen einer Pilotuntersuchung der linksventrikuläre Füllungsdruck deutlich. In der CAESAR-Studie (Clinical efficacy study of Pentalong for pulmonary hypertension in heart failure) soll nun geprüft werden, wie PETN bei solchen Patienten im Vergleich zu Plazebo wirkt.